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Iran: Ist ein Krieg unausweichlich? Exklusivinterview

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Exklusivinterview- mit der deutsch-iranischen Handelskammer. Merkel und Co gießen Öl ins Feuer! Die Chance war da in dieser Woche bei der UN-Generalversammlung in New York, Wege zur Deeskalation zu finden. Doch stattdessen schwenkten Merkel, Macron und Johnson ein und gehen mit den USA auf einen Konfrontationskurs gegen den Iran. Damit goß man Öl ins Feuer! Der iranische Präsident Rohani wollte bei der UNO eine Initiative zur Deeskalation am Persischen Golf vorstellen. Von den Houthi-Rebellen kam, durch Druck von Rohani, vor Beginn der UN-Generalversammlung, ein Signal der Entspannung. Doch durch die drei europäischen Regierungschefs bekommen die Hardliner im Iran nun wieder Rückenwind, und eine Eskalation – die angeblich niemand haben will – steht kurz bevor!

US-Flugzeugträger Beispielfoto - gibt es Krieg mit dem Iran?
Beispielfoto der USS George H.W. Bush aus dem Jahr 2011. Foto: U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Nicholas Hall Public Domain

Interview über möglichen Krieg mit dem Iran

Hierzu befragten wir in einem Interview Herrn Michael Tockuss, den Vorstand der Deutsch-Iranischen Handelskammer e.V., aus Hamburg.

FMW: Herr Tockuss wie geht das iranische Volk momentan mit der Situation um, dass jederzeit ein Krieg gegen den Iran ausbrechen kann?

MT: Die normalen Bürger im Iran sind natürlich sehr besorgt angesichts der militärischen Drohungen, die aus den USA sehr regelmäßig kommen. Die Iraner erinnern sich durchaus noch an die Kriegssituation mit dem Irak und wissen was das praktisch für die Menschen bedeutet. Und deshalb haben die normalen Leute durchaus Angst davor, dass es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen kann.

FMW: Wie ist aktuell die humanitäre Situation im Iran?

MT: Die humanitäre Situation im Iran ist eindeutig so zu beschreiben, dass es im Augenblick schwer fällt notwendige humanitäre Güter zu importieren. Das gilt insbesondere für den Bereich von Medikamenten, aber auch teilweise für den Bereich von Lebensmitteln. Es ist nicht so, dass man jetzt im Lebensmittelbereich leere Regale findet. Nur die Preise steigen deutlich an, und das führt natürlich dazu, dass Dinge des alltäglichen Bedarfs für die Bevölkerung immer teurer werden. Im Bereich der medizinischen Produkte hat man eine zweigeteilte Situation. Es gibt eine pharmazeutische Industrie im Iran, die Basismedikamente herstellt, und auch zu sehr günstigen Preisen im Iran selbst verkauft. Wofür unsere Handelskammer immer wieder Anfragen bekommt, sind Importe aus dem Ausland nachgefragt. Uns erreichen auch durchaus Anfragen von einzelnen Kranken oder Ärzten aus dem Iran, die bestimmte Krebsmittel aus dem Ausland haben möchten, weil sie im Augenblick im iranischen Markt selbst nicht verfügbar sind.

FMW: Was bewirken die Sanktionen gegen den Iran ?

MT: Die stärksten Auswirkungen der amerikanischen Sanktionen gegen den Iran treffen im Augenblick den Öl- und Gassektor des Iran. Das bedeutet der Iran kann deutlich weniger Öl exportieren, wie zum Beispiel noch vor einem oder zwei Jahren. Das wirkt sich selbstverständlich auf die konkrete Liquidität des Landes aus, und die Möglichkeiten damit auch wieder zu importieren.

Auf der anderen Seite benötigt auch die iranische Industrie sehr viele Produkte aus dem Ausland um Fabriken und Produktionsanlagen am Laufen zu halten. Dort ergibt sich eine deutliche Verteuerung der Importe, einfach weil häufig ein Iran-Risiko von deutschen Exporteuren mit eingepreist wird, weil die Transportkosten ansteigen und auch die Kosten der Finanzabwicklung jeweils noch zugerechnet werden müssen. Von daher ist die ökonomische Entwicklung und der Austausch insbesondere mit Europa in den letzten sechs Monaten deutlich zurückgegangen und die Handelsstatistiken weisen aus, dass der Iran heute ungefähr die Hälfte von dem aus Europa importiert, was noch vor einem Jahr normal war.

FMW: Was passiert wenn die Sanktionen auch in Europa verschärft werden, oder durch die USA noch erhöht werden?

MT: Es steht zu befürchten, dass der Iran sich hier weiter asiatischen Lieferanten zuwendet. Wir sehen im Augenblick mit gewisser Sorge, dass der Iran seine Handelsströme verändert. Als erstes ist ja ganz klar China zu nennen. Das Land wird nach wie vor seinen Marktanteil im Iran ausbauen, aber auch andere asiatische Länder wie Malaysia, Indonesien, Thailand und mit gewissen Abstrichen Russland. Diese Marktanteile waren traditionell eigentlich eher von deutschen und europäischen Unternehmen besetzt.

FMW: Was passiert aus ihrer Sicht, wenn das Druckmittel „Sanktion“ gegen den Iran ausgeschöpft ist?

MT: Nun, eigentlich sehen wir im Augenblick schon eine Situation, wo es schon eine Menge Phantasie braucht sich vorzustellen womit die Sanktionen der Amerikaner gegen den Iran noch erhöht werden sollen. Wir haben bei den letzten Neuerungen der Sanktionen schon gesehen, dass da Einzelpersonen noch mal auf Sanktionslisten gesetzt worden sind, oder die iranische Zentralbank noch mal auf die Sanktionsliste gesetzt worden war, obwohl sie schon seit über einem Jahr auf den Listen stand. Im Augenblick fällt es ein bisschen schwer sich vorzustellen was die Amerikaner dann noch tun sollen, und es scheint ja auch in einzelnen Kreisen in den USA durchaus eine gewisse Frustration zu herrschen, weil man merkt, dass man auch mit diesen sehr umfassenden US-Sanktionen bisher die Grundposition der iranischen Politiker nicht verändern konnte.

FMW: Wie hoch schätzten Sie die aktuelle Kriegsgefahr ein?

MT: Nun, wir warnen natürlich auch vor der Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung, in die man mehr hinein rutscht, als dass es eine bewusste Entscheidung ist. Ich glaube nicht, dass die Trump-Administration oder auch die iranische Regierung irgendein Interesse an einem Krieg haben. Auf der anderen Seite haben wir amerikanische Truppen in der Region, wir haben amerikanische Schiffe in der Region, wir haben Drohnen der Amerikaner in der Region. Da kann es durch Missverständnisse oder durch mangelnde Kommunikation zu einer Situation kommen, wo plötzlich ein kriegerischer Konflikt entstehen könnte, den eigentlich beide Seiten
gar nicht haben wollen.

FMW: Die USA haben sofort nach dem Anschlag auf Saudi-Arabien den Iran beschuldigt, Urheber der Anschläge zu sein. Mittlerweile schließen sich auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich der Meinung der USA an. Wie sehen Sie das?

MT: Für uns war es sehr erstaunlich, dass keine 24 Stunden nach dem Anschlag der amerikanische Außenminister Pompeo sofort den Iran für die Anschläge verantwortlich gemacht hat. Was deutlich wurde war, dass Präsident Trump deutlich vorsichtiger formulierte und zunächst abwarten wollte,welche Ergebnisse die Saudis mit ihren eigenen Untersuchungen liefern.

Mittlerweile haben wir Untersuchungen der Vereinten Nationen, und ich denke es wäre sehr klug nun zunächst einmal abzuwarten was diese Untersuchung der Vereinten Nationen ergeben. Es ist für uns etwas unverständlich, dass die europäischen Staaten, unter anderen auch Deutschland, nun eine klare Verantwortlichkeit, so hat sich Außenminister Maas ausgedrückt, beim Iran sehen.

Was genau eine „klare Verantwortlichkeit“ bedeutet, das erschließt sich uns so im Augenblick noch nicht. Ist es eine konkrete Unterstützung, sind das Drohnen die irgendwann mal aus dem Iran kamen, sind es Nachbauten von iranischen Drohnen ? Also, es eröffnet eine Menge Interpretationsspielraum, und ich glaube so lange die sachlichen Ergebnisse der UN-Untersuchung nicht vorliegen, sollte man sich dort eher zurückhalten, weil man ansonsten natürlich wieder in eine Spirale von möglichen Reaktionen kommen wird, beziehungsweise die USA dadurch mit einer gewissen Berechtigung an die Europäer herantreten können und sagen – gut, wenn auch ihr die Iraner für verantwortlich haltet, was tut ihr denn nun? Für mich ist das ganze sachlich noch nicht aufgeklärt, und bevor es keine sachliche Aufklärung gibt, kann es auch keine harten Konsequenzen geben.

FMW: Der Iran gab in den Jahren 2014-2018 durchschnittlich 12,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Rüstungsgüter aus, und Saudi-Arabien im gleichen Zeitraum durchschnittlich pro Jahr 70,4 Milliarden US-Dollar. Im Juni diesen Jahres schoss der Iran eine hochtechnisierte US-Drohne am Golf ab. Wie erklären Sie sich, das Saudi-Arabien, was gegenüber dem Iran fast das sechsfache an Rüstung ausgibt, nicht den Drohnenangriff abwehren konnte?

MT: Inwieweit die saudische Luftabwehr in der Lage ist oder nicht in der Lage ist ein solchen Angriff auf die Öleinrichtungen von Aramco in Saudi-Arabien abzuwehren, kann ich nicht beurteilen. Ich habe im Augenblick noch keine verlässliche Information darüber ob es tatsächlich Drohnenangriffe waren, oder ob das Raketenangriffe waren. Man findet alles mögliche dazu, in jedem Fall wirkt es etwas merkwürdig, dass das ökonomische Herz Saudi-Arabiens, und darüber sprechen wir sicherlich wenn wir über die Öl-Anlagen im Osten Saudi-Arabien sprechen, so schlecht geschützt wurde, dass so ein Angriff erfolgreich sein kann. Aber wir halten uns immer an die Dinge, die tatsächlich klar und Fakt sind, und deshalb kann ich das im Augenblick noch nicht wirklich beurteilen.

FMW: Was muss passieren, dass sich die Situation zwischen den USA und dem Iran wieder entspannt und beide aufeinander zugehen?

Ich glaube der erste und wichtigste Punkt wäre, dass beide Seiten ihre Extrempositionen aufgeben, denn daran scheitern bisher auch die Gespräche. Die Iraner verlangen von den USA eine komplette Rücknahme der US-Sanktionen, bevor sie in direkte Gespräche mit den Amerikanern eintreten. Und auf der anderen Seite verlangt die Trump-Administration die Erfüllung eines Zehn Punkte-Programms von den Iranern, wo im Grunde alles verlangt wird zur Wiedereinhaltung des Atomprogramms der Iraner.

Mit diesen extremen Ausgangspositionen wird man sicherlich nicht mehr zusammen finden. Zudem ist es für den iranischen Präsidenten Ruhani nicht einfach sich in solche direkten Gespräche zu bewegen, weil es natürlich auch im Iran eine Menge Leute gibt die sagen, wir hatten doch ein Atomabkommen, wir haben uns auch an das Atomabkommen gehalten. Warum müssen wir jetzt neue Konzessionen machen um überhaupt wieder Verhandlungen zu führen? Diese Position hat eine gewisse Logik und die große Gefahr ist, dass sich im Iran die Kräfte durchsetzen, die das Atomabkommen zwischen der westlichen Welt und den USA als Beispiel dafür nehmen, dass es sowieso sinnlos ist mit den westlichen Staaten irgendwelche Deals, Agreements oder Vereinbarungen abzuschließen, weil im Zweifel sich die andere Seite nicht daran hält.

Was ich besonders ärgerlich finde ist aktuell unsere deutsche Position und auch die Aussagen von Herrn Maas. Die deutsche Regierung hat sich in den letzten Wochen und Monaten nun nicht gerade dadurch hervorgetan, dass sie irgendwelche konkreten Vorschläge gemacht hat, diesen Konflikt zu entschärfen.

Es wirkte verwunderlich wenn Herr Maas jetzt am Rande der UN-Generaldebatte den Iran auffordert sich ohne Vorbedingungen in einen Dialog mit den Amerikanern einzubringen. Denn schlussendlich waren es ja die Amerikaner, die sich aus dem Abkommen verabschiedet haben. Selbst aus Frankreich gibt es klare Vorschläge den Iran in der augenblicklichen Situation wirtschaftlich zu unterstützen, um auch dort wiederum ein politisches Klima zu schaffen, was die Möglichkeit zu direkten Verhandlungen wieder erhöht.

Frankreich brachte eine Kreditlinie über 14-15 Milliarden Euro für den Iran ins Gespräch um zunächst einmal den wirtschaftlichen Druck von den Iranern zu nehmen. Herr Maas hat sich da sehr zurückgehalten, und das entspricht eigentlich nicht der Tradition der deutschen Außenpolitik. Wir hatten zur Zeit von Kinkel, oder zur Zeit von Steinmeier immer wieder eine sehr aktive Position.

Im Augenblick sieht es für uns so aus, wie wenn sich das deutsche Außenministerium eher hinter den Europäern versteckt. Die entscheidenden Vorschläge kommen von anderen, und es sind doch recht allgemeine Äußerungen die wir im Augenblick aus Berlin zum Thema Iran bekommen.

2 Kommentare

2 Comments

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    Zimmermann

    27. September 2019 16:11 at 16:11

    Was die EU weltpolitisch auf die Bühne bringt, ist nur noch blamabel. Die EU funktioniert intern nicht und nach aussen hin auch nicht. Deshalb sieht die USA die EU auch nicht als gleichwertigen Partner und verachtet die EU. Die USA haben ja nicht mal eine Telefonnumer wo sie bei der EU anrufen können, wenn es grundsätzlich was abzuklären gibt.

  2. Avatar

    rote_pille

    28. September 2019 17:38 at 17:38

    Kreditlinien hier, Sanktionen da, das hört sich nicht nach einem Plan an.

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Die South China Morning Post pulverisiert Trumps 50 Milliarden Dollar Agrar-Import-Traum

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Donald Trump hatte es im Weißen Haus in Anwesenheit der chinesischen Offiziellen laut verkündet. China werde seine Importe von US-Agarprodukten drastisch ausweiten, auf 50 Milliarden Dollar. Ja, das hatte dem Kapitalmarkt signalisiert, dass doch noch alles gut wird im Handelskrieg. Aber Zweifel waren sofort aufgekommen, und sie blieben die letzten Wochen konstant vorhanden. Aktuell äußert sich die „South China Morning Post“ zu dem Thema mit einer bestechenden Analyse. Wer den Text liest, dem wird klar: China kann gar nicht 50 oder 60 Milliarden Dollar für US-Agarimporte ausgeben. Die einzige Möglichkeit wäre wohl, dass man eine rein politische Entscheidung trifft – dann allerdings müsste man wohl gigantische Berge an importierten US-Argarprodukten (vor allem Sojabohnen) in Lagerhallen immer weiter auf Vorrat stapeln.

Die afrikanische Schweinepest hat in China die Hälfte des Schweinebestands dahin gerafft. Und wer frisst das ganze Soja, dass die Chinesen angeblich den Amerikanern nun in Massen abkaufen sollen? Die Schweine! Bei nur noch 50% Schweinebestand soll es drastisch mehr Soja-Importe geben? Völlig unrealistisch. Die South China Morning Post benennt zum Beispiel, dass China im letzten Jahr insgesamt Agrarprodukte im Wert von 137 Milliarden Dollar importiert hat. Aber China habe noch nie ein größeres jährliches Volumen von mehr als 25,9 Milliarden aus den USA bezogen (das war der Spitzenwert im Jahr 2012). Also, China soll diesen Wert quasi verdoppeln? Und das bei völlig weggebrochener Schweinepopulation im Reich der Mitte? Völlig unrealistisch schient dieser Deal auch zu sein, zumal die Chinesen ihn nie offiziell bestätigt haben.

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Aktien

Tesla Fabrik in Deutschland? Mehr Schein als Sein!

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Tesla ist das Thema der Woche mit der Ankündigung von Elon Musk, dass man die erste Gigafactory in Europa nahe Berlin errichten will. Sissi Hajtmanek und Manuel Koch besprechen diese Nachricht im folgenden Video. Die beiden beleuchten das Thema kritisch, vor allem in Sachen möglicher EU-Subventionen. Lesen Sie bitte unseren Text unter dem Video weiter – wir äußern uns detailliert zu dem Thema!

Auch die hohen Kosten für die E-Autos von Tesla sind für den Massenmarkt ein Problem. Auf der Tesla-Aktie liegen hohe Short-Positionen. Es gibt also einiges zu beachten rund um die Aktie. Die Aktien von Tesla und Daimler werden im obigen Video übrigens auch mit aktuellen Handelsempfehlungen der Trading House Börsenakademie besprochen. Aber nun zu  unserer Analyse.

Tesla Motors ist sich stets der Aufmerksamkeit der Medien sicher. Ganz besonders gilt das in diesen Tagen. Mit der Ankündigung, eine Autofabrik am Stadtrand von Berlin bauen zu wollen, verblüffte Unternehmens-Chef Elon Musk am Dienstag praktisch alle. Zwar kündigte Musk in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an, eine Fabrik in Europa bauen zu wollen. Doch dass es bereits jetzt soweit ist und die Wahl ausgerechnet auf das Hochlohnland Deutschland fällt, war nicht erwartet worden.

Tesla hat kein Geld und nicht genügend Nachfrage nach den Autos

Denn Tesla mangelt es nicht nur an Kapital, sondern auch nach einer ausreichend großen Fahrzeugnachfrage, um in naher Zukunft gleich drei Fahrzeugfabriken unterhalten zu können. Es ist erst zwei Jahre her, dass Musk öffentlich verkündete, es solle keinerlei Zweifel, und er meine Null Zweifel, daran bestehen, dass er in seiner ersten Fabrik in Fremont bereits Ende 2018 10.000 Model 3 pro Woche fertigen werde. Nun, Ende 2018 waren es nicht einmal 5.000 pro Woche und auch heute liegt die Produktionsrate eher bei 7.000 als 10.000 pro Woche. Und obwohl er in Fremont seinem für vergangenes Jahr ausgegebenen Produktionsziel 30% hinterher hinkt, beträgt die Lieferzeit für ein neu bestelltes Auto in Europa nur wenige Wochen bis maximal drei Monate. Die Preise mussten seit vergangenem Jahr zudem drastisch gesenkt werden, um auch nur eine Nachfrage auf dem aktuellen Niveau zu generieren.

30% Planuntererfüllung in Fremont und gesenkte Preise zur Nachfragebelebung hielten Tesla jedoch nicht davon ab, in diesem Jahr den Bau einer Fabrik in China zu beginnen. Dort sollen bald 150.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Bis der Maschinenpark gekauft, aufgebaut und kalibriert wurde, sollen vorerst Fahrzeuge mit Bauteilen aus Fremont zusammengeschraubt werden.

Die Investitionen in die 1. Gigafactory wurden bei 20% des Endausbaus gestoppt

Auch in der sogenannten Gigafactory 1 in Nevada ist noch Platz für zusätzliche Produktionskapazitäten. Vollmundig angekündigt wurde die Fabrik vor mehr als fünf Jahren mit einer Produktionskapazität von 35 bis 50GWh Batteriezellen pro Jahr. Wenig später revidierte Tesla diese Zahl auf bis zu 150GWh nach oben. Stand jetzt werden jedoch nur 35GWh Zellen dort produziert, der Hallenbau wurde nach wenig mehr als 50% der ursprünglich angekündigten Größe vorerst eingestellt und der Partner Panasonic, der die Batteriezellen dort für Tesla fertigt, erteilte weiteren Investitionen eine Absage.

Ob sich Tesla überhaupt den Bau und Unterhalt so vieler Fabriken leisten kann, ist zweifelhaft. Laut Bilanz sitzt Tesla zwar auf mehr als 5 Milliarden US-Dollar Barreserven. Denen stehen aber nicht nur ein beständig wachsender Berg offener Rechnungen in Milliardenhöhe entgegen. Die auffällig niedrigen Zinseinnahmen pro Quartal deuten auch noch darauf hin, dass Tesla bei der Bilanz ordentlich Window dressing betreibt und der Cashbestand nur am letzten Tag des Quartals so hoch ist. Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Zinseinnahmen erscheint ein weniger als halb so hoher Cashbestand im Durchschnitt eines Quartals wahrscheinlicher. Übrigens: Auch als Tesla nach Aussage von Elon Musk wenige Wochen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt war, lag der Cashbestand laut Bilanz bei rund 3 Milliarden US-Dollar.

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Aktien

Vermögenspreise kennen nur eine Richtung – Haushalte ohne Immobilieneigentum gehen leer aus

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Es ist wie es ist. Die Verbraucherpreise wollen nicht auf die 2% steigen, wo die EZB sie gerne sehen möchte. 2,6 Billion Euros gedruckt, Zinsen abgeschafft, und trotzdem wollen die Preise einfach nicht steigen. Aber seit Jahren steigen dafür die Vermögenspreise! Die EZB hat mit ihren gigantischen Anleihekäufen Anleger aus dem Anleihemarkt vertrieben. Und vor allem die nicht mehr vorhandenen Zinsen zwingen Anleger regelrecht in Aktien zu investieren. Geld will Rendite, und so steigen seit Jahren nicht nur Aktien, sondern auch Immobilien und sonstige Sachwerte immer weiter an. Hier ist die Inflation mehr als deutlich zu finden, während sie bei den Alltagsausgaben für die Verbraucher an der Supermarktkasse nicht zu entdecken ist.

Vermögenspreise steigen weiter an

Das Flossbach von Storch Research Institute (FvS) hat heute früh seinen aktuellsten Vermögenspreisindex für das 3. Quartal 2019 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass zum Ende des dritten Quartals die Vermögenspreise privater deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um +2,9 % angestiegen sind. Unaufhörlich steigende Preise für Immobilien sind für die Entwicklung ursächlich, so FvS. Sowohl die Entwicklung der Vermögenspreise im Vermögensquerschnitt als auch im Altersquerschnitt zeigen, dass Haushalte, die über Immobilieneigentum verfügen, am stärksten von der Vermögenspreisinflation profitieren. Haushalte ohne Immobilieneigentum hätten hingegen das Nachsehen.

Die Inflation der Vermögenspreise liegt damit, so merkt FvS an, angefacht von dauerhaften Null- und Minuszinsen ­– beinahe doppelt so hoch wie die Verbraucherpreisinflation. Immobilien verteuern sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,8 Prozent. Auch zahlreiche andere Datenanbieter können den Anstieg der Immobilienpreise untermauern (siehe hier). Niedrige Zinsen machen diese Anlageklasse laut FvS attraktiv. Bemerkenswert war auch der Goldpreis, der sich in Euro gerechnet um ein Drittel stieg. Immobilien machen einen großen Anteil des Vermögens von Senioren aus. Die Vermögenswerte der Deutschen ab dem 75. Lebensjahr verteuerten sich im dritten Quartal durchschnittlich um 4,1 Prozent. Das ist so viel wie in keiner anderen Alterskohorte.

Vermögenspreise seit 2005
Entwicklung der Vermögenspreise seit 2005.

Immobilien Top bei Sachvermögen

Der folgende Chart zeigt in der schwarzen Linie die Entwicklung der Immobilienpreise seit dem Jahr 2005. FsV im Wortlaut zu Sachvermögen:

Die Entwicklung des Sachvermögens wird maßgeblich von der Entwicklung der Preise für Immobilien getragen. Diese haben sich mit +5,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut erheblich verteuert. Ursächlich hierfür ist weiterhin die Kombination aus historisch günstigen Finanzierungskonditionen und einem knappen Immobilienangebot. Der Preis für das Betriebsvermögen deutscher Haushalte ist um -10,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Der Preis für Betriebsvermögen wird durch den SDAX-Kursindex abgebildet, der die Veränderung des Börsenwerts von 70 gelisteten deutschen Mittelstandsunternehmen wiedergibt. Hierunter spielen klassische Industrieunternehmen und Automobilzulieferer eine wichtige Rolle, die sich zum Ende des dritten Quartals in einer Strukturkrise befinden. Der Preisverfall des Betriebsvermögens liegt schon zum vierten Mal in Folge unterhalb von ‑10 %. Langlebige Verbrauchsgüter stagnieren, da ihre Preissteigerung lediglich +0,5 % beträgt. Der Preis für Sammel- und Spekulationsgüter legte um +1,6 % zu. Insbesondere wird diese Entwicklung von steigenden Preisen für Kunstobjekte getragen.

Immobilienpreise steigen konstant weiter an

Gold treibt Finanzvermögen

Die Entwicklung der Finanzvermögen sah zuletzt nur gut aus, weil der Goldpreis im Jahresvergleich zulegen konnte. Die Preise für das Finanzvermögen deutscher Haushalte folgen laut FvS einem Aufwärtstrend. Innerhalb der Kategorie seien die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) mit +21,7 % am stärksten angestiegen. Verantwortlich hierfür sei der Goldpreis, der um +33,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen sei. Preise für Aktien lagen hingegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (+0,2 %).

Gold rettet Performance der Finanzvermögen innerhalb der Vermögenspreise

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