Indizes

Warum dieser Konflikt anders ist Iran-Krieg erschüttert Aktienmärkte – diesmal kein Trump-Put?

Iran-Krieg erschüttert Aktienmärkte – diesmal kein Trump-Put?
Händler an der New Yorker Börse (NYSE). Foto: Bloomberg

Der Iran-Krieg, steigende Ölpreise und neue Inflationsrisiken sorgen für Unruhe an den Börsen. Viele Investoren haben lange darauf gesetzt, dass Donald Trump bei fallenden Märkten eingreifen würde. Doch Wall-Street-Strategen warnen nun davor, auf einen sogenannten „Trump Put“ zu vertrauen. Der Konflikt im Nahen Osten könnte sich als deutlich schwerer kontrollierbar erweisen als frühere politische Krisen – mit möglichen Folgen für Aktienmärkte, Zinsen und die US-Wirtschaft.

Trumps Einfluss auf die Aktienmärkte

Als die US-Aktienmärkte am Dienstag begannen, ihre zuvor starken Verluste teilweise wieder aufzuholen, wirkte es zunächst so, als würden Händler erneut darauf wetten, dass Präsident Donald Trump die Folgen einer von ihm ausgelösten Krise letztlich begrenzen kann.

Doch Strategen an der Wall Street warnen laut einem Bloomberg-Bericht davor, im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg auf einen sogenannten „Trump Put“ zu setzen – also auf die Annahme, dass der Präsident eingreifen wird, sobald die Aktienmärkte zu stark unter Druck geraten.

„Es erinnert an den klassischen Satz über Kriege: Wenn sie einmal begonnen haben, entwickeln sie eine eigene Dynamik“, sagte Bob Elliott, Chief Investment Officer der New Yorker Investmentfirma Unlimited. „Die Fähigkeit, auf Marktschmerzen zu reagieren oder sie zu beeinflussen, ist nicht unbedingt so einfach wie am Liberation Day im April, als Präsident Trump praktisch die vollständige Kontrolle über die politischen Entscheidungen hatte.“

Der gemeinsame Angriff der USA und Israels auf den Iran hat den Nahen Osten destabilisiert und könnte der US-Wirtschaft einen neuen Inflationsschock bescheren, da steigende Ölpreise drohen. Gleichzeitig ist völlig unklar, wann oder wie der Konflikt enden könnte. Das erhöht das Risiko eines langanhaltenden Krieges mit unvorhersehbaren Folgen – weit über den Einflussbereich des Weißen Hauses hinaus.

Warum dieser Konflikt anders ist

Damit unterscheidet sich der Iran-Krieg deutlich von früheren politischen Spannungen unter Trump – etwa seinem Handelskrieg, seinen Drohungen gegenüber Grönland oder seinen Angriffen auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed.

In all diesen Fällen gingen Investoren letztlich davon aus, dass Trump zurückrudern würde, sobald die Aktienmärkte zu stark einbrechen. Diese Erwartung wurde unter Händlern als „TACO-Trade“ bekannt – kurz für „Trump Always Chickens Out“. Die Strategie führte dazu, dass Anleger Kursrückgänge regelmäßig zum Einstieg nutzten und Aktien anschließend wieder anstiegen.

Diese Denkweise könnte auch die relativ moderate Reaktion der US-Aktienmärkte auf den aktuellen Konflikt erklären. Während internationale Märkte stärker unter Druck geraten sind, hielten sich die Verluste bei US-Aktien und Anleihen bislang vergleichsweise in Grenzen.

In den vergangenen zwei Tagen eröffneten die Aktienmärkte zwar deutlich schwächer, konnten die Verluste im Laufe des Handelstags jedoch wieder reduzieren. Am Dienstag schloss der S&P 500 schließlich mit einem Minus von 0,9 % – nachdem er zuvor zeitweise bis zu 2,5 % verloren hatte.

„Wie bei vielen früheren Abverkäufen sind nach dem ersten Rückgang Käufer an einer technischen Unterstützungszone eingestiegen, während FOMO-getriebene Händler die beginnende Erholung weiter nach oben getrieben haben“, erklärte Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers.

Iran-Krieg und Ölpreise belasten Aktienmärkte - Kein "Trump-Put"
S&P 500: Dip-Käufer greifen zu

Ölpreise als entscheidender Faktor

Trump erklärte am Dienstag, die USA würden Versicherungszusagen und militärische Begleitschutzmaßnahmen für Öltanker und andere Schiffe durch die Straße von Hormus bereitstellen. Ziel sei es, eine mögliche Energiekrise infolge des Konflikts zu verhindern.

Doch der starke Anstieg der Ölpreise könnte die Inflation in den USA weiter anheizen. Gleichzeitig wächst damit die Unsicherheit darüber, ob die Fed ihre Zinssenkungen wie geplant fortsetzen kann.

Bereits in den vergangenen Wochen standen die Aktienmärkte unter Druck – unter anderem wegen Sorgen über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Unternehmen, zunehmender Probleme in Teilen der Kreditmärkte sowie einer Abschwächung des Arbeitsmarktes.

Ross Mayfield, Investmentstratege bei Baird, warnt zudem davor, dass mögliche Schäden an der Öl-Infrastruktur im Nahen Osten die wirtschaftlichen Folgen des Krieges deutlich verlängern könnten – selbst dann, wenn der militärische Konflikt relativ schnell endet.

Die Trump-Regierung hat angedeutet, dass die Bombardierungen möglicherweise mehrere Wochen andauern könnten. Eine klare Strategie für ein Ende der Kampfhandlungen wurde bislang jedoch nicht präsentiert.

Wann die Märkte wirklich reagieren

Analysten zufolge ist die Marktreaktion bislang noch nicht stark genug, um in Washington ernsthafte Besorgnis auszulösen. Anders war dies im April, als ein breiter Absturz der Aktienmärkte Trump dazu zwang, seine geplanten Zölle vorübergehend auszusetzen.

Matt Gertken, geopolitischer Chefstratege bei BCA Research, sagt, dass erst die Gefahr einer „marktbedingten Rezession“ – oder ein Aktienrückgang von etwa 10 bis 15 Prozent – ausreichend Druck auf das Weiße Haus ausüben würde.

Auch Gina Martin Adams, Chefmarktstrategin bei HB Wealth Management, sieht eine ähnliche Schwelle: „Es müsste deutlich tiefer gehen, bevor es wirklich zu einem Problem für ihn wird. Deutlich tiefer.“

John Briggs, Leiter für US-Zinsmärkte bei Natixis, stimmt zu. Erst ein kräftiger Anstieg der Anleiherenditen, der sich negativ auf Kredit- und Aktienmärkte auswirkt, könnte Trump dazu bewegen, einen Ausweg aus dem Konflikt zu suchen.

Märkte bleiben vom Öl abhängig

Unabhängig davon, wie Trump reagiert, könnten die Aktienmärkte letztlich vor allem davon abhängen, wie stark der Krieg die Ölpreise beeinflusst.

Historisch gesehen sind Aktien während Konflikten im Nahen Osten häufig gestiegen – zumindest solange die Ölpreise nicht um mehr als 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten. Darauf verweist Mike Wilson, Chief Investment Officer und Chefstratege für US-Aktien bei Morgan Stanley.

Dennoch warnt Lori Calvasina von RBC Capital Markets davor, sich zu stark auf historische Muster zu verlassen. Zwar habe sich der Kauf von Aktien nach geopolitisch bedingten Kursrückgängen oft ausgezahlt, doch spiegelten solche Daten nicht immer das Risiko größerer Kriege wider.

„Diese Erfahrung – zusammen mit dem Jahr 2022, als Russland die Ukraine angriff und die USA einen starken Inflationsschub nach der Pandemie erlebten – zeigt, wie schwierig es ist, geopolitische Ereignisse isoliert zu betrachten, wenn es um den Aktienmarkt geht.“

Auch die Analysten von Goldman Sachs warnen deshalb davor, dass der S&P 500 zunächst eine „schmerzhafte“ Phase durchlaufen könnte, bevor die nächste Rally beginnt.

Ähnliche Risiken wie 2022

Keith Buchanan von Globalt Investments sieht Parallelen zum Russland-Ukraine-Krieg. Auch damals führten steigende Energiepreise zu höherer Inflation und trugen maßgeblich zum Börsenrückgang im Jahr 2022 bei, als die US-Notenbank die Zinsen aggressiv anhob.

Der Iran-Krieg könnte ähnliche wirtschaftliche Folgen haben – insbesondere wenn Energiepreise dauerhaft steigen. Zudem betont Buchanan, dass Trump den Verlauf dieses Konflikts nicht vollständig kontrollieren kann – was einen „Trump Put“ deutlich unwahrscheinlicher macht.

„Er hat nicht einfach einen Ausschalter“, sagte der Portfolio-Manager. „Es sind mehrere sehr mächtige Akteure beteiligt. Und dieser Konflikt ist deutlich komplexer und tiefgreifender als viele andere Situationen.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage