Der Iran-Krieg lähmt seit Monaten die wichtigste Energie-Schlagader der Welt. Doch die Hormus-Dauerblockade verteuert längst nicht nur Rohöl und Erdgas: Dünger, Metalle, Halbleiter, Kreuzfahrten, Flugreisen und Lebensmittel sind ebenfalls stark betroffen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob der Konflikt Inflation und Lieferketten trifft, sondern wie tief und wie lange seine wirtschaftlichen Folgen noch reichen werden – für die Weltwirtschaft, Europa und Deutschland.
Iran-Krieg: 24 Wochen Hormus-Dauerblockade
Mit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar 2026 begann die militärische Eskalation. Anfang März sperrte Teheran die Straße von Hormus weitgehend. Nach einem kurzen Waffenstillstand errichteten die USA am 13. April zusätzlich eine Blockade iranischer Häfen. Seitdem prägt eine Doppelblockade den Persischen Golf: Iran behindert den Transit, Washington Irans Ausfuhren. Ein Memorandum of Understanding (MOU) vom 17. Juni brachte nur eine kurze, ungleichmäßige Entspannung. Im Juli brach der Schiffsverkehr erneut ein.

Die ökonomische Größenordnung ist enorm: Durch Hormus liefen vor dem Krieg rund 21,6 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte täglich. Im zweiten Quartal waren es laut EIA nur noch 4,9 Millionen. Zugleich wurden mehr als zehn Milliarden Kubikfuß LNG pro Tag beziehungsweise etwa 20 Prozent des Welthandels mit Flüssigerdgasexporten beeinträchtigt. Rohöl der Sorte Brent kostet am 16. August 88,52 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Die IEA erwartet für 2026 einen Angebotsrückgang von 4,3 Millionen Barrel täglich und ein Defizit von 1,27 Millionen Barrel.
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Betroffen sind deshalb nicht nur Raffinerien, Chemie, Logistik und energieintensive Industrien. Aus dem Persichen Golf kommen auch große Mengen Harnstoff, Ammoniak, Schwefel, Methanol, Aluminium und Helium.
Das trifft Landwirtschaft und Lebensmittelpreise, Kupferverarbeitung, Kunststoffe, Pharma sowie Halbleiter- und Medizintechnik. Harnstoff verteuerte sich im April von etwa 400 auf in der Spitze kurzzeitig auf über 850 US-Dollar je Tonne.
Hinzu kommt: Airlines fliegen Umwege, Kreuzfahrten entfallen, Hotels verlieren Gäste. Der WTTC (World Travel & Tourism Council) bezifferte den anfänglichen Umsatzausfall des regionalen Tourismus auf mindestens 600 Millionen Dollar täglich. Der deutsche Reiseveranstalter TUI meldete inzwischen 60 Millionen Euro Belastungen. Die Weltbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 auf nur noch 2,5 Prozent und erwartet eine globale Inflation von 4,0 statt 3,3 Prozent im Vorjahr.
Damit wird aus einer Seeblockade ein weltweiter Angebots-, Kosten- und Kaufkraftschock mit stagflationärer Wirkung für Verbraucher, Unternehmen und Zentralbanken. Besonders hart trifft es energieabhängige Schwellenländer, deren Währungen, Handelsbilanzen und Staatshaushalte den importierten Preisschock zusätzlich verstärken.
Aktuelle Lage: Iran vs. USA
Am 16. August gibt es keine unbestrittene Kontrolle über die Straße von Hormus. Donald Trump behauptet, die USA hätten die Wasserstraße „vollständig“ unter Kontrolle. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärt, die Navy könne die Blockade iranischer Häfen durch rotierende Verbände unbegrenzt aufrechterhalten und gleichzeitig nichtiranische Schiffe schützen. Teheran widerspricht frontal: Basij-Chef Hossein Taeb und das gemeinsame Militärkommando erklären, ohne iranische Genehmigung könne kein Schiff passieren. Die Meerenge stehe vollständig unter Irans Kontrolle.
Die Verkehrsdaten stützen keine der Maximalpositionen. Am Donnerstag passierten neun Schiffe die Meerenge, nach fünf am Mittwoch und gegenüber durchschnittlich zwölf im bisherigen August. Am Freitag war zeitweise keine sichtbare Rohölladung unterwegs. Das liegt weit unter der Vorkriegsnormalität, beweist aber auch kleine Lücken in der Blockade.
Zugleich meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) binnen einer Woche drei Angriffe auf ADNOC-nahe Schiffe. Britische Seesicherheitsstellen registrierten weitere Geschosseinschläge; die jeweilige Urheberschaft ist nicht in jedem Fall unabhängig bestätigt.
Gemäß dem Iran würden ankommende und teilweise auslaufende Routen in iranische Hoheitsgewässer verlagert, amerikanische sowie israelische Schiffe und deren Verbündete vollständig vom Transit durch die Meerenge ausgeschlossen. Teheran könne so mehr Kontrolle über die Straße von Hormus ausüben. Zusätzlich verlangt der Iran die Aufhebung der US-Hafenblockade, Sanktionserleichterungen, freigegebene Vermögenswerte, Entschädigung und Sicherheitsgarantien. Washington fordert dagegen freie Schifffahrt ohne iranisches Vetorecht. Der Waffenstillstand vom Juni zerfiel innerhalb weniger Wochen. Seitdem beschuldigen beide Seiten einander des MOU-Vertragsbruchs.
Nüchtern betrachtet besitzt der Iran vor allem Angrieffs- und Sabotage-Macht: Minen, Drohnen, Küstenraketen und schnelle Boote machen kommerzielle Passagen äußerst riskant. Die USA verfügen über überlegene See- und Luftstreitkräfte, können jedoch nur einzelne Korridore eskortieren – und das auch nur unter höchster Gefahr. Versicherer, Reedereien und Besatzungen entscheiden letztlich über den Grad der Sicherheit und der Wirtschaftlichkeit. Faktisch teilen sich daher der Iran, die USA und eingeschränkt auch der Oman und private Risikoträger die Kontrolle der Meerenge.
Genau diese Fragmentierung der Kontrolle verhindert bis heute verlässliche Lieferketten, normale Versicherungs-Prämien und planbare Energieexporte für internationale Abnehmer. Militärische Präsenz ersetzt weder eine rechtliche Einigung noch kommerzielle Normalität, solange jede Durchfahrt für die globalen Marktteilnehmer zum unkalkulierbaren Einzelrisiko wird.
Das militärische Dilemma der USA
Amerikas Problem ist die Lücke zwischen militärischen Möglichkeiten und politisch tragfähigem Erfolg. Für eine dauerhaft freie Passage müssten Minen geräumt, iranische Küstenstellungen unterdrückt und Handelsschiffe kontinuierlich eskortiert werden. Jeder dieser Schritte erhöht jedoch das Risiko neuer Angriffe auf US-Schiffe, Golfstaaten und Energieanlagen und erhöht massiv die Kosten des Transits durch die Straße von Hormus.
Amerikanische und israelische Luftschläge können militärische Fähigkeiten des Iran teilweise zerstören. Aber weder die lange iranische Küste kontrollieren noch die unterirdischen Militäranlagen signifikant und dauerhaft ausschalten und somit auch kein Ende der Hormus-Dauerblockade erzwingen. Dafür wären Bodentruppen nötig – eine Option, vor der Verbündete warnen und die Trump-Administration bislang zurückschreckt.
Gleichzeitig werden materielle Grenzen sichtbar. Nach Bloomberg-Angaben wurden nahezu alle verfügbaren ATACMS- und PrSM-Langstreckenraketen sowie knapp die Hälfte des Tomahawk-Bestands der US-Streitkräfte verbraucht. Das Pentagon bestreitet eine akute Einsatzlücke und beschleunigt die Produktion.
Der Flugzeugträgerverband um die USS Abraham Lincoln ist seit mehr als 260 Tagen im Dauereinsatz, davon über 200 Tage ohne Hafenaufenthalt. Die USS George Washington soll sie nun ablösen. Solche Rotationen machen eine US-Blockade technisch verlängerbar, binden aber Flugzeugträger, Begleitschiffe und Abfangraketen, die im Indopazifik oder für andere Krisen fehlen (China-Taiwan-Konflikt).
Parallel entstehen neue Sicherheitsachsen: Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan schlossen im August ein gemeinsames Verteidigungsabkommen. Oman, Katar und Pakistan vermitteln, während Golfstaaten zugleich China um Einfluss auf Teheran bitten. Der Iran hat damit keine stabile Vorherrschaft gewonnen, aber die regionale Agenda verschoben: Sicherheit, Transitregeln und Sanktionen werden nicht mehr ohne Teheran verhandelt.
Innenpolitisch tickt für Trump die Uhr. Benzin ist in den USA rund 29 Prozent teurer als vor einem Jahr. Der US-Dieselpreis, wichtig für viele Industriezweige (v. a. Logistik und Transport) hat sich seit Kriegsbeginn sogar um 43 Prozent verteuert (Preis Pro US-Gallone = 3,8 Liter):
Im November finden in den USA Zwischenwahlen (Mid-Terms) statt. Eine Bodenoffensive wäre daher politisch besonders riskant: Im März unterstützten laut Bloomberg nur sieben Prozent einen großen Bodenkrieg. Trumps Ankündigung, Hormus könne bald amerikanisches Territorium werden, ist daher eher Drohkulisse als Strategie.
Die Meerenge liegt in iranischen und omanischen Hoheitsgewässern. Internationales Seerecht garantiert den Transit, überträgt aber keine Souveränität. Eine einseitige US-Annexion oder Zwangsgebühr wäre rechtlich kaum haltbar und militärisch nur durch dauerhafte Besatzung durchsetzbar. Also genau jene Eskalation, die Washington vermeiden will, zumal Trump damit neue Gegenallianzen und eine weitere internationale Isolation riskiert.
Fazit & Ausblick
Eine schnelle Normalisierung scheitert nicht an einem einzigen Hindernis, sondern an einem Paket ungelöster Konflikte: Krieg, Sanktionen, Entschädigung, Hafenblockade, Transitregeln, Minenräumung und Sicherheitsgarantien.
Selbst ein neuer Waffenstillstand würde weder beschädigte Energie-Infrastruktur in den Goldstaaten reparieren noch Versicherer und Reedereien zur Rückkehr bewegen.
Zumal der Iran kürzlich eine Hormus-Dauerblockade bis 2029 in Aussicht stellte.
Damit bleiben bis auf Weiteres Rohöl- und Gaspreise volatil. Dünger, Schwefel, Aluminium, Helium und einige Lebensmittel drohen knapp zu werden und die internationale Versorgungskrise, vor allem in Schwellenländer zu verschärfen.
Energieimportierende Volkswirtschaften, wie zum Beispiel Deutschland, das nach wie vor stark von LNG-Flüssiggas-Importen abhängig ist, tragen die größten ökonomischen Lasten. Wobei der wirtschaftliche Schmerz mit jedem weiteren Monat der Blockade zunimmt.
Die Rohölreserven befinden sich bereits auf kritischen Niveaus und könnten ebenfalls eine Versorgungskrise auslösen – mit entsprechenden Preisimplikationen. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet bis Jahresultimo mit Preisen von ca. 120 US-Dollar pro Barrel der Sorte WTI-Rohöl.
Notenbanken erhalten weniger Spielraum für Zinssenkungen. Erst ein belastbares US-iranisches Abkommen, akzeptierte Regeln mit Oman sowie praktisch nachgewiesene Sicherheit könnten die Blockade wirtschaftlich beenden. Nichts davon ist aktuell absehbar.
Der Zustand vor dem 28. Februar 2026 war nicht nur militärische Ruhe, sondern freier, versicherbarer und planbarer Schiffsverkehr. Seine Wiederherstellung ist aktuell schwer vorstellbar – und eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus vorerst unwahrscheinlich.
Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Werden die Risiken für die deutsche Wirtschaft aktuell ausreichend adressiert und Maßnahmen zur Vermeidung möglicher Versorgungsengpässe ausreichend ergriffen?
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Mich wundert es, wie kritiklos alles hingenommen wird. Natürlich ist es klar, das Europa im Moment noch in großen Teilen von Amerika abhängig ist, aber dennoch habe ich außer von Spanien keine nenneswerten Einwände oder daraus resultierende Aktionen mitbekommen.
Nun, mittlerweile möchte ich der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition zumindest keine generelle Untätigkeit in Sachen Naher und Mittlerer Osten mehr vorwerfen, nachdem die Bundesregierung mittlerweile einen CO2-Preisdeckel, gültig ab dem Jahr 2027 beschlossen hat, und der Bundesminister des Auswärtigen Dr. Johann David Wadephul jüngst zumindest mit Außenminister Seyed Abbas Araghchi telefonierte. Tatsache ist aber auch, daß die Bundesregierung mittlerweile mit diesen HTS-Islamisten in Damaskus ein Luftverkehrsabkommen vereinbarte, welches wieder Direktflüge zwischen Deutschland und Syrien ermöglicht, die Lufthansa hingegen weiterhin darauf warten muß, Teheran wieder anfliegen zu können. Der Naher und Mittlerer Osten-Experte und Buchautor Dr. Michael Lüders stellt aktuell zu recht fest, daß man die Islamische Republik Iran nicht einfach nur als Schurkenstaat ansehen sollte. Auch wenn Deutschland keinen einzigen Tropfen iranisches Öl bezieht, so wirkt sich doch der Ölpreis auf Logistik und Verbraucher aus. Und da die Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs kompetent in Sachen Beurteilung der Ölindustrie sind, sind deren Prognose im obigen Bericht, daß in naher Zukunft ein Ölpreis in Höhe von ca. US-Dollar 120 nicht ausgeschlossen werden kann, durchaus sehr realistisch. Die Bundesregierung sollte versuchen, daran mitzuwirken, daß es zwischen Iran und Oman in Sachen Souveränität der Küstenstaaten der Straße von Hormus zu einem Durchbruch kommt.
Der größte Gläubiger der USA ist immer noch die eigene Notenbank..die FED… die jetzt schon wieder für über 40 Milliarden US Dollar… monatlich …neue US- Staatsanleihen erwirbt und somit Trumps Irankrieg unterstützt…ganz einfach ! ! !
Das QE 5 wurde im Dezember 25 aufgelegt…zum selben Zeitpunkt wurde der Irankrieg beschlossen…es gibt keine Zufälle…
Die FED finanziert mit ihrem siebten QE indirekt Trumps Irankrieg…ganz einfach..
Die Europäer und Asiaten werden versuchen einen Modus Vivendi zu finden. Für uns und fast alle anderen, ist es besser das Öl, und alles andere, fließt und kostet vielleicht 10% mehr als vor dem 28. Februar. Darauf wird die Wirtschaft eine Antwort finden. Solche Fragen werden auf diplomatischen Wegen hinter verschlossenen Türen und per Tweets geklärt.
Andere Länder haben da eine andere Agenda.
Das ist doch schön, dann kann der Ölpreis ja einfach noch weiter fallen. Weil es ja so viel Öl auf dem Weltmarkt gibt…Es ist aktuell besser, wenn man sich komplett von sämtlichen Märkten fern hält und sich nicht damit beschäftigt. Sonst dreht man bei diesem Wahnsinn einfach nur durch.
Was noch niemand auf dem Zeiger hat, wenn’s den Golfstaaten wirtschaftlich viel schlechter geht in Folge des Krieges und sie ihre grossen Anteile von US- Anleihen und Aktien verkaufen ( wollen, weil müssen) dann ist das der Todesstoss für die US- und Weltaktienmärkte. Der SCHWARZE SCHWAN, der eigentlich gar nicht schwarz wäre, könnte gut aus dieser Richtung kommen.Die Amis als Pseudobeschützer der Golfstaaten könnten dann neben der Japan- Hilfe auch noch die Golfstaaten retten, sie müssten dann einfach aus dem manipulierten billigen Papier- Erdöl echtes Erdöl hervorzaubern.