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Es ist klar, wer hier unter Zeitdruck steht Iran-Krieg: „They want the deal so badly“

Die erstaunliche Selbsttäuschung

Iran-Krieg They want the deal so badly
Foto: AlikaObraz - Freepik.com

Dass der Iran um ein Abkommen bettelt, wird von Herrn Trump in Dauerschleife auf seiner Plattform „Truth“ Social propagiert – die Wahrheit ist hier nicht zufällig in Anführungszeichen gesetzt. Gemeint ist das iranische Regime, dass nach wochenlangen schweren Luftschlägen einer Waffenruhe von zwei Wochen zugestimmt hat nachdem ihr 10-Punkte-Forderungskatalog als Verhandlungsgrundlage für erste Gespräche in Islamabad von den USA akzeptiert wurden.

Iran-Krieg: „They want the deal so badly“

Insbesondere die amerikanische Seite versucht, die westliche Hoheit über die mediale Berichterstattung als verhandlungstaktisches Instrument einzusetzen, um eine Dominanzrolle in der aktuellen Situation zu suggerieren. Aber hält das der objektiven Lage im Konflikt und der damit verbundenen Verhandlungssituation tatsächlich Stand? Die relativ einfache Antwort lautet schlicht: nein.

Wie sieht die Realität aus – zumindest bei objektiver Faktenbetrachtung?

Wenn man also faktenbasiert den aktuellen Stand der Dinge beleuchtet stellt es sich wie folgt dar. Die als – zumindest in der Wahrnehmung des amerikanischen Präsidenten – in wenigen Tagen zum Zusammenbruch des iranischen Staates führende massive militärische Intervention, mit dem vorrangigen Ziel das Regime durch Enthauptungsschläge so zu schwächen, dass unkontrolliertes Chaos auch zum Zusammenbruch der militärischen Gegenwehr führt, ist wahrnehmbar gescheitert. Die Geschichte einschlägiger kurzfristigen Sonderoperationen aus falschen Grundannahmen wiederholt sich hier in frappanter Art und Weise.

Das iranische Regime mag zweifellos geschwächt und vermutlich auch beeindruckt sein, aber es hat ihren strategisch – auch vorab medial immer wieder ins Spiel gebrachten – vorbereiteten Trumpf eingesetzt und dessen Wirksamkeit in der Praxis testen können. Die Abklemmung eines der wichtigsten Versorgungsadern der nach wie vor auf Öl- und dessen Derivate basierenden Weltwirtschaft – der Straße von Hormus. Allein schon die simple Drohung – unterstützt durch vereinzelte Attacken auf Schiffe – haben eines der wichtigsten Elemente von weltweiten Lieferketten gecancelt.

Die Folgen dieser Tatsache in der wirtschaftlichen Realität wird sich über die nächsten Wochen und Monate in Versorgungsengpässen und damit inflationären Effekten die Angebotsverengung niederschlagen und auch durch Zerstörungen in der Region kein schnell vorübergehendes Phänomen bleiben. Der Schaden ist also bereits nachhaltig angerichtet, selbst wenn morgen die Blockade enden würde. Die Wiederherstellung der Versorgungskapazitäten aus der Region ist zwar von außen nicht genau quantifizierbar, aber signifikant und nachhaltig über zumindest Monate beschädigt.

Die erstaunliche Kapazität der Selbsttäuschung

Die Chance, dass selbst das geschieht, ist allerdings gleich Null – obwohl die Märkte dieses Szenario weiterhin spielen: All Time Highs z.b. im S&P 500 dienen als Evidenz. Corporate America mit ihrem CEO Donald Trump scheint eine eigene Realität erzeugen zu wollen, die neben den – ob der systemisch dramatisch schlechteren Alternativen – mitspielenden institutionellen Anlegern auch die Buy the Dip konditionierten Kleinanleger ein willkommenes Narrativ für die vermeintliche Beendigung der zuletzt entstandenen Panikstimmung liefert. Die einen „glauben“ aus systemisch nachvollziehbaren Gründen, die anderen, um aus ihrem „Fear-Index-Maximum“ Erlösung zu finden. Und schon haben wir einen Bull-Run der jeglicher Vernunft widerspricht und wie zuletzt traditionell mit FOMO garniert ist.

Der Iran scheint das 1×1 der Verhandlungsführung zu beherrschen

Zumal noch nicht einmal feststeht, ob oder wann eine nächste Verhandlungsrunde tatsächlich stattfindet. Der Iran macht aus verhandlungstaktischer Sicht derzeit alles richtig. Er bestimmt, ob eine Verhandlungsrunde zustande kommt und vor allem wann. Mit jedem Tag, an den Verhandlungen nicht stattfinden und auch keine Militärschläge erfolgen stärkt deren Position. Der Sinn ist es die Gegenseite möglichst „am langen Arm verhungern“ zu lassen, bis die (wirtschaftliche) Lage so angespannt ist, dass substanzielle Zugeständnisse durch das Mullah-Regime erzielbar werden. Aus diesem Grund ist auch zu erwarten, dass sie sich Gesprächen nicht verschließen, aber ihr Zustandekommen solange wie möglich in einer „Limbo-Situation“ halten und zudem nur absolute Minimalkompromisse und Trippelschritte zulassen.

Das angebliche Zugeständnis die Urananreicherung für fünf Jahre zu pausieren ist ein für Verhandlungsprofis unschwer erkennbares Manöver, dass den Iran verhandlungstechnisch nichts „kostet“. Der Wiederaufbau der dafür notwendigen Infrastruktur für die Anreicherung wird vermutlich ebenso solange dauern. Somit ist klar, dass man hier eigentlich keine ernsthafte Bewegung in der Atomfrage zeigen will. Man ist sich auch auf iranischer Seite bewusst, dass man auf der medialen Ebene nichts gewinnen kann und ist äußerst sparsam in konkreten Äußerungen.

Klar scheint allerdings, dass sich neben der Atomfrage insbesondere zwei Knackpunkte herauskristallisieren, die auf dem Verhandlungsweg kaum lösbar erscheinen – schon gar nicht in einem börsenfreundlichen Wochenendtermin, auch wenn das Trump den Märkten verkaufen möchte. Das ist natürlich das für beide Seiten zentrale Thema der Straße von Hormus und auch die der Reparationszahlungen für Kriegsschäden bzw. damit verbunden die Freigabe von eingefrorenen Vermögen und die Beendigung von Sanktionen.

Spiel auf Zeit: Hormus als zentrales Kriegs-Asset immer wertvoller – und für Märkte gefährlicher

Der Iran wird also weiterhin versuchen, den Ochsen am Nasenring durch die Manege zu manövrieren, damit den wirtschaftlichen Druck durch die Blockade weiter zu steigern und dabei so wenig wie möglich militärische Schläge zu kassieren. Ob diese ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht nur mehr aus der Luft kommen können, um dieses Patt aufzulösen, scheint auch eine klare Eskalationsrichtung zu sein.

Zumindest scheinen beide Seiten den Waffenstillstand zu nutzen, um sich für den nächsten Schlagabtausch bestmöglich aufzustellen. Die USA verlegen weitere Truppenkapazitäten und der Iran wird die Möglichkeiten besonders in der Kontrolle der Straße von Hormus festigen. Die Frage ist nur wieviel Zeit ins Land gegangen sein, bis der Gong zur nächsten militärischen Runde eingeläutet wird, und in wie weit sich dadurch die Verhandlungsmacht für den Iran weiter verbessert hat. Zudem scheint es immer mehr Unstimmigkeiten mit Israel und den anderen Golf-Staaten durch die unabgestimmten TACO-Ansagen zu geben. Da wird schon mal ohne Gespräche mit irgendjemandem Relevanten außerhalb des eigenen Jasager-Beraterkreises (inklusive vermutlich dem Plunge-Protection-Team) Waffenruhen ausgerufen, mit dem alleinigen Ziel, die Märkte weiterhin mit einseitigen Narrativen einzulullen.

Noch sind insbesondere die Aktienmärkte in der durch den Konflikt noch relativ unberührten Q1 Berichtsaison und ihrer Selbsttäuschung des baldigen Kriegsendes gerne gefangen. Es wird allerdings der Zeitpunkt kommen, an dem auch sie zur Kenntnis nehmen müssen, dass das bisher einseitig funktionierende TACO in diesem Konflikt seine Grenzen und die mittelfristigen weltwirtschaftlichen Auswirkungen ganz andere Dimensionen hat.



Oliver Stalzer
Über den RedakteurOliver Stalzer
Der Wirtschaftskolumnist Oliver Stalzer publiziert Wirtschaftspolitische und Finanzmarkt-Analysen
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2 Kommentare

  1. Das Ziel muss sein, daß die Islamische Republik Iran wieder Öl verkaufen darf. Am besten mittels einer Renaissance des JCPOA-Abkommens 2015.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Faktisch weiß der Iran nicht was er will…will er kämpfen oder sich demütigen lassen…der Außenminister hat sich für letzteres entschieden…wenn es die Revolution- Garden anders sehen… müssen sie ihn absetzen…und vor Gericht stellen…

    Es gibt kein Dazwischen….lassen die sich demütigen… dürfte das Ende des Regimes eingeleitet sein…in dieser hierarchischen Welt zählen nur Cojones …und sonst nichts…

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