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Iran-Krieg treibt Container-Frachtraten weltweit nach oben

Der Iran-Krieg treibt nicht nur die Treibstoffpreise. Reedereien reagieren mit neuen Zuschlägen, die Container-Frachtraten steigen deutlich.

Hamburger Hafen
Hamburger Hafen. Foto: Claudio Kummerfeld

Der Krieg mit Iran treibt die Kosten für Schiffstreibstoff nach oben. Reedereien reagieren mit neuen Zuschlägen, die Frachtraten auf den großen Container-Routen steigen deutlich. Der Krieg mit dem Iran treibt die Frachtraten auf den großen Fernrouten nach oben, während die Kosten für Containertransporte im innerasiatischen Markt leicht nachgeben.

Container-Frachtraten auf Fernrouten ziehen kräftig an

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Drewry World Container Index (WCI). Innerhalb einer Woche stieg der Index um acht Prozent auf 2.123 US-Dollar pro 40-Fuß-Container. Der stärkste Preissprung erfolgt auf den Verbindungen zwischen Asien und Europa, die davor leicht gefallen waren. Die Rate von Shanghai nach Rotterdam erhöhte sich um neunzehn Prozent auf 2.443 US-Dollar, während auch die Strecke nach Genua ebenfalls zweistellige Zuwächse verzeichnet.

Container-Frachtraten steigen an

Der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) kletterte mit rund fünfzehn Prozent auf 1.710 Punkte noch deutlicher. Hier waren aber die Preisaufschläge in die Golf-Region und nach Südamerika maßgeblich, während die Routen nach Nordamerika nur leicht stiegen, während sich die Verkehre nach Europa vergünstigten.

Der wichtigste unmittelbare Preistreiber liegt im Krieg mit dem Iran. Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat die Energiepreise deutlich steigen lassen, wodurch sich auch die Kosten für Schiffstreibstoff erhöhen. Gerade auf den langen Verbindungen zwischen Asien, Europa und Nordamerika schlägt dieser Effekt direkt auf die Frachtraten durch, da der Treibstoff einen erheblichen Anteil an den operativen Kosten der Reedereien ausmacht.

Gleichzeitig reagieren die großen Linien mit neuen Zuschlägen und Preiserhöhungen, die bereits für Ende März angekündigt sind.

Diese Kostenimpulse treffen auf einen Markt, der sich gerade erst vom saisonalen Tief nach dem chinesischen Neujahr erholt. Mit dem Wiederanlaufen der Produktion steigt auch das Exportvolumen aus China, wodurch die Nachfrage nach Transportkapazität auf den großen Fernrouten wieder anzieht.

Lange Afrika-Route stabilisiert Containerpreise

Parallel dazu verändert der Konflikt im Nahen Osten die Erwartungshaltung der Branche hinsichtlich der wichtigsten Handelsroute zwischen Asien und Europa. Noch zu Beginn des Jahres ging ein Teil der Reedereien davon aus, dass sich der Verkehr durch den Suez-Canal im Laufe des Jahres schrittweise normalisieren würde. Diese Perspektive verliert durch die Eskalation im Nahen Osten jedoch deutlich an Glaubwürdigkeit. Mehrere große Linien haben ihre Planungen für eine Rückkehr auf die Route bereits wieder ausgesetzt.

Gerade dieser Punkt besitzt für die mittelfristige Entwicklung der Frachtraten erhebliche Bedeutung. In den vergangenen Jahren haben die Reedereien zahlreiche neue Containerschiffe in Dienst gestellt und damit die globale Transportkapazität deutlich ausgeweitet. Dieser Ausbau hat bereits Überkapazitäten geschaffen. Gleichzeitig ist das Ende dieser Entwicklung noch nicht erreicht, da die Auftragsbücher der Werften weiterhin gut gefüllt sind und in den kommenden beiden Jahren zusätzliche Kapazitäten auf den Markt gelangen werden.

Unter normalen Umständen würde eine Rückkehr auf die kürzere Route durch den Suez-Kanal diesen Effekt verstärken, da kürzere Fahrzeiten die Umläufe beschleunigen und damit zusätzliche Kapazität freisetzen würden. Mit der Eskalation des Krieges rund um Iran verliert diese Erwartung jedoch an Glaubwürdigkeit. Bleibt der Verkehr weiterhin auf der längeren Route rund um Afrika, verlängern sich die Rotationen der Liniendienste erheblich, wodurch für dieselbe Frequenz mehr Schiffe benötigt werden. Auf diese Weise bindet die längere Route einen Teil der bestehenden und künftig hinzukommenden Kapazitäten und wirkt damit stabilisierend auf die Frachtraten.

Überkapazität drückt Frachtraten in Asien

Während die großen Fernrouten auf diese Weise Unterstützung erhalten, zeigt sich innerhalb Asiens eine deutlich andere Entwicklung. Der von Drewry berechnete Intra Asia Container Index sank in dieser Woche um fünf Prozent auf 616 US-Dollar pro 40-Fuß-Container. Entscheidend ist hier, dass die Reedereien nach dem Ende der chinesischen Fabrikferien zusätzliche Schiffe in der Region bereit gestellt haben, die die Kapazität schneller erweitern als das Frachtaufkommen wächst. Die letzten PMI-Daten aus China lassen aber auf eine baldige Steigerung der Exportvolumina erwarten.

Asien-Containerindex

Auch wenn die Frachtraten im Moment steigen und dieser Trend in den nächsten Wochen anhalten wird, bleibt das strukturelle Ungleichgewicht erhalten und wird sich in den kommenden zwei Jahren noch verstärken. Der Flottenaufbau der Reedereien schreitet schneller voran als das Handelsvolumen steigt. Die Reeder sind in den letzten Monaten immer wieder daran gescheitert, langfristig höhere Raten durchzusetzen. Maersk hat schon angekündigt, im Laufe des Monats die Raten generell verteuern zu wollen. Da im Moment das Thema „Zölle“ in den Hintergrund tritt, wird dieser Versuch vermutlich wieder scheitern.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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