Aktien

Risk-off zum Wochenauftakt Iran-Krise drückt Aktienmärkte: Ölpreis und Rüstung steigen

Iran-Krise drückt Aktienmärkte: Ölpreis und Rüstung steigen
Raffinerie der Marathon Petroleum Corp. in Detroit. Foto: Bloomberg

Die Eskalation im Nahen Osten setzt die Aktienmärkte zu Wochenbeginn spürbar unter Druck. Nach US- und israelischen Angriffen auf den Iran schalten Investoren weltweit in den Risk-off-Modus. Während steigende Ölpreise Energie- und Rüstungsaktien antreiben, geraten Airlines, Reise- und Transportwerte unter Druck. Im Zentrum steht die Sorge, dass eine weitere Zuspitzung des Konflikts die globale Öl- und Gasversorgung beeinträchtigen und neue Inflationsimpulse auslösen könnte.

Iran-Krise: Energie- und Rüstungsaktien im Aufwind

Energie- und Rüstungsaktien springen an, Airlines geraten ins Minus. Auslöser sind die jüngsten Militärschläge gegen den Iran, die Anleger in sichere Häfen treiben und Risikoanlagen belasten.

Wie Bloomberg berichtet, fiel die Reaktion am Ölmarkt am stärksten aus: Der Preis für Brent-Rohöl schoss zeitweise um bis zu 13 Prozent nach oben, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde. Hintergrund ist die Befürchtung, dass eine weitere Eskalation die weltweiten Energieflüsse beeinträchtigen könnte. Zwischenzeitlich stabilisierten sich asiatische Aktien etwas, nachdem Irans Sicherheitschef laut einem Bericht eine Wiederaufnahme der Atomgespräche mit Washington ins Spiel brachte.

Auf Sektorebene profitierten Energieunternehmen von den steigenden Rohölpreisen, da höhere Preise die Umsatz- und Gewinnperspektiven verbessern. Rüstungsaktien legten ebenfalls zu – getrieben von der Erwartung steigender Verteidigungsausgaben. Airlines hingegen gerieten unter Druck. Investoren fürchten höhere Treibstoffkosten sowie mögliche Luftraumsperrungen, die den internationalen Flugverkehr beeinträchtigen könnten.

„Die Aktienmärkte dürften sich vollständig auf den Ölpreis als zentralen Kurstreiber fokussieren“, sagte Michael Kantrowitz, Chefstratege bei Piper Sandler. „Aktien bleiben unter Druck, solange der Ölpreis weiter steigt.“

Globale Aktienmärkte im Risk-off-Modus

Auch die Futures auf US- und europäische Aktienindizes gaben nach. Die Terminkontrakte auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 lagen am Montagvormittag in Hongkong jeweils rund 0,7 Prozent im Minus, nachdem sie zuvor mehr als 1 Prozent verloren hatten. Der MSCI Asia Pacific Index fiel zwischenzeitlich um bis zu 1,6 Prozent. Euro-Stoxx-50-Futures reduzierten ihre Verluste auf etwa 1,5 Prozent. Der hiesige DAX verlor zeitweise über 400 Punkte, konnte sich jedoch von seinem außerbörslichen Tief erholen.

Energie- und Rüstungsaktien steigen - Iran-Eskalation beflügelt
Energie- und Verteidigungsaktien steigen nach Angriff auf den Iran

Citigroup stufte indessen britische Aktien von „Underweight“ auf „Overweight“ hoch. Die Analysten verweisen darauf, dass der britische Markt stark rohstofflastig und defensiv ausgerichtet sei und damit als effektive „geopolitische Absicherung“ dienen könne. Japan wurde hingegen von „Overweight“ auf „Underweight“ herabgestuft.

Mit dem Handelsstart in Asien, Europa und den USA richten sich die Blicke der Anleger nun auf mehrere Schlüsselbranchen.

Energiesektor im Fokus

Große Energiekonzerne verzeichneten in Asien deutliche Kursgewinne. Australiens Woodside Energy stieg um bis zu 11 Prozent, PetroChina in Hongkong um 5,9 Prozent. Auch die Aktien der globalen Ölmultis wie Exxon Mobil, Chevron, Shell, TotalEnergies, Repsol und BP stehen im Fokus der Investoren.

Entscheidend bleibt die Frage, wie stark Irans Reaktion die globale Ölversorgung beeinträchtigen wird – kurzfristig oder möglicherweise längerfristig. Sollte es nicht zu massiven Angebotsausfällen kommen, könnte ein Preisschub laut Marktbeobachtern nur vorübergehend sein. Ein weniger wahrscheinliches, aber brisantes Szenario wäre eine längere Blockade der Straße von Hormus. In diesem Fall könnten die Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel steigen.

Der Iran hat erklärt, die wichtige Wasserstraße nicht schließen zu wollen. Dennoch mehren sich Anzeichen, dass der Tankerverkehr durch die Meerenge – über die rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gastransporte laufen – ins Stocken gerät.

Auch Öltanker-Reedereien könnten profitieren. Raffinerien hingegen geraten bei steigenden Rohölpreisen typischerweise unter Margendruck, da sich ihre Einkaufskosten erhöhen.

Aktienmärkte zum Wochenstart unter Druck - Iran-Krise belastet
Globale Turbulenzen beflügeln US-Energieaktien

Rüstungswerte im Aufwind

Rüstungsaktien befinden sich bereits seit Monaten im Aufwärtstrend, befeuert durch zunehmende geopolitische Spannungen. Der aktuelle Konflikt liefert zusätzlichen Rückenwind. In Japan schoss die Aktie von Hosoya Pyro-Engineering zeitweise um 20 Prozent nach oben. In China legten der Hersteller des J-35-Tarnkappenjets Avic Shenyang sowie der Drohnenproduzent AVIC Chengdu UAS deutlich zu. Auch Taiwans Aerospace Industrial Development verzeichnete kräftige Gewinne.

Im Fokus stehen zudem große US-Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin und Northrop Grumman sowie europäische Anbieter wie Rheinmetall und BAE Systems.

„Der Markt dürfte dies insgesamt positiv für europäische Rüstungsaktien werten“, sagte Analyst Jens-Peter Rieck. Allerdings sei zu erwarten, dass Kursbewegungen eher stimmungsgetrieben seien als fundamental durch angehobene Gewinnschätzungen.

US-Präsident Donald Trump hat Verbündete in Europa und Asien wiederholt zu höheren Verteidigungsausgaben gedrängt und eine Erhöhung der US-Militärausgaben um rund 500 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen. Auch im Nahen Osten könnte der Wunsch nach höheren Verteidigungsbudgets nun zunehmen. US-Rüstungsunternehmen dürften einen erheblichen Teil dieser zusätzlichen Aufträge auf sich vereinen, da die Region bereits heute einen bedeutenden Anteil an ihren Auslandsgeschäften ausmacht.

Edelmetalle als sicherer Hafen

In Phasen geopolitischer Unsicherheit suchen Anleger traditionell Zuflucht in Gold und Silber. Entsprechend profitieren häufig auch Minenaktien. Die Preise für Edelmetalle – insbesondere Gold und Silber, die bereits seit Monaten stark gestiegen sind – zogen schon vor der Eskalation mit dem Iran weiter an.

In Australien gewann die Genesis Minerals-Aktie zeitweise 8,6 Prozent hinzu, während Chifeng Jilong Gold Mining in Hongkong um 6,4 Prozent zulegte. Beobachtet werden zudem nordamerikanische Produzenten wie Agnico Eagle Mines, Barrick Mining und Newmont sowie europäische Unternehmen wie Fresnillo und Hochschild Mining.

Der kanadische Leitindex S&P/TSX Composite könnte angesichts seines hohen Anteils an Energie- und Bergbauwerten relativ besser abschneiden, da diese Sektoren rund 38 Prozent des Index ausmachen.

Reise- und Transportwerte unter Druck

Steigende Ölpreise erhöhen die Kerosinkosten der Fluggesellschaften und schmälern die Margen. Gleichzeitig gefährden wachsende Spannungen die globale Reisetätigkeit und operative Abläufe. US-Airline-Aktien verzeichneten bereits am Freitag die stärksten Verluste seit April, da die Aktienmärkte eine Eskalation einpreisten. Fluggesellschaften am Persischen Golf verlängerten ihre Flugaussetzungen, was die fein abgestimmten globalen Flugpläne durcheinanderbringen könnte.

In Asien verloren die Aktien von Qantas zeitweise bis zu 10 Prozent, Japan Airlines 7,1 Prozent und Singapore Airlines 7,5 Prozent. Im Blick stehen zudem American Airlines, Delta Air Lines und die Deutsche Lufthansa.

Ölpreis und Gold steigen nach US-Angriff auf den Iran
Aktien von Fluggesellschaften rutschen ab

Kurzfristig dürften vor allem Airlines und Reiseaktien reagieren, insbesondere wenn Lufträume im Nahen Osten geschlossen bleiben oder Flüge nach Europa umgeleitet beziehungsweise gestrichen werden müssen. Laut Analystenschätzungen wirkt sich jede Veränderung der erwarteten Treibstoffpreise um 5 Prozent deutlich auf die Gewinne je Aktie großer US-Fluggesellschaften aus – bei einzelnen Anbietern sogar überproportional.

Auch Hotelbetreiber könnten unter Reisebeschränkungen und geringerer Nachfrage leiden. Zudem setzen längere Flugrouten und Umwege Frachtunternehmen wie FedEx, UPS oder DHL unter Margendruck, da die Treibstoffkosten steigen. Umgekehrt könnten Störungen im Roten Meer oder am Suezkanal Containerreedereien in die Lage versetzen, höhere Frachtraten durchzusetzen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Das OPEC+-Mitgliedsland Islamische Republik Iran ist in Sachen Renessauce des JCPOA-Abkommens 2015 weiterhin gesprächsbereit, was den 47. US-Präsidenten Donald John Trump jedoch nicht davon abhält, die Flugzeuge Richtung Teheran aufsteigen zu lassen. Der MDax-Konzern Deutsche Lufthansa AG wäre natürlich von Luftraumsperrungen im Naher und Mittlerer Osten betroffen, mit Auswirkungen auf die Lufthansa-Aktie. Was hingegen die aktuelle Entwicklung des Ölpreises anbelangt, nun, der Kranich-Konzern wird für in Zukunft anstehende Kerosinkäufe das Finanzprodukt Rohstoffsicherungsgeschäft/Hedgefonds/Hedging nutzen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage