Die Iran-Krise spitzt sich zu und gefährdet den globalen Gasmarkt so massiv wie zuletzt während des Ukraine-Kriegs 2022. Im Zentrum der geopolitischen Spannungen stehen Flüssigerdgas (LNG), die strategisch entscheidende Straße von Hormus sowie Schlüsselproduzenten wie Katar. Drohende Lieferausfälle, gestoppte Tankertransporte und steigende Energiepreise könnten die Versorgungssicherheit in Asien und Europa gleichermaßen unter Druck setzen.
Iran-Krise bedroht Gasmarkt
Laut einem Bericht von Bloomberg droht die Eskalation im Nahen Osten den internationalen Gasmarkt massiv zu erschüttern. Eine Ausweitung des Konflikts könnte die gravierendste Marktstörung seit Russlands Angriff auf die Ukraine auslösen, der vor vier Jahren den globalen Energiehandel neu ordnete.
Mehrere Nachbarstaaten Irans – insbesondere Katar – zählen zu den bedeutendsten Gasproduzenten weltweit. Gleichzeitig ist die Region ein strategischer Engpass: Rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Exporte passieren die Straße von Hormus, einen der sensibelsten maritimen Knotenpunkte der globalen Energieversorgung.
Berichten zufolge wurden drei Schiffe nahe der Mündung des Persischen Golfs angegriffen, während es Anzeichen gibt, dass der Tankerverkehr durch die strategisch wichtige Öl- und Gas-Engstelle der Straße von Hormus infolge des regionalen Konflikts zum Stillstand kommt.
Iran erklärte, die Wasserstraße nicht schließen zu wollen – nur einen Tag nachdem Schiffe in der Region Funkdurchsagen empfangen hatten, wonach die Durchfahrt durch Hormuz verboten sei.
Aktuellen Schiffsdaten zufolge ist der LNG-Verkehr durch die enge Wasserstraße nahezu zum Erliegen gekommen. Asiatische Abnehmer, die etwa ein Viertel ihres Flüssigerdgases aus Katar beziehen – dem zweitgrößten LNG-Exporteur der Welt –, kontaktieren verstärkt Händler, um alternative Lieferungen zu sichern. Ägypten versucht derweil, Lieferungen vorzuziehen, nachdem Israel Teile seiner Gasfelder geschlossen hat.
Tom Marzec-Manser, Direktor für Europa-LNG und Gas bei Wood Mackenzie, betont: „Jede militärische Aktivität in der Straße von Hormus wirkt stark preistreibend – ebenso wie jede Beeinträchtigung der katarischen LNG-Produktion.“
Erinnerungen an die Ukraine-Krise werden wach. Damals kappte der Ukraine-Krieg zentrale russische Gasströme nach Europa, verursachte extreme Volatilität am Gasmarkt und ließ die Preise auf Rekordniveaus steigen.
Asiens hohe Abhängigkeit von Katar
Asien ist besonders anfällig für die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten. Mehr als 80 Prozent der katarischen LNG-Exporte gingen im vergangenen Jahr an asiatische Kunden. China war dabei der größte Abnehmer und deckte fast ein Drittel seiner LNG-Importe über Katar. Indien folgt als zweitgrößter Importeur.
Sowohl Lieferungen nach Asien als auch nach Europa müssen die Straße von Hormus passieren. Mindestens elf LNG-Tanker mit Ziel oder Herkunft Katar haben ihre Fahrten unterbrochen, um das Gebiet zu meiden. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate als kleinerer Exporteur verschiffen ihr LNG über diese Route.
Anne-Sophie Corbeau vom Center on Global Energy Policy der Columbia University bringt die Lage auf den Punkt: „Es gibt keinen Ersatz.“ Entscheidend sei, ob die Preise stärker in Asien oder in Europa steigen. Europa sei zwar weniger exponiert, verfüge jedoch über niedrige Speicherstände. Zudem spiele eine Rolle, wie viele Lieferungen nach Asien umgeleitet würden.
Katar exportierte 2025 insgesamt 82,2 Millionen Tonnen LNG. Zusätzlich belastet eine planmäßige Wartung an einer Produktionsanlage im Ras-Laffan-Komplex die Fördermengen und reduziert kurzfristig das Angebot.

Reedereien reagieren mit Vorsicht
Große japanische LNG-Reedereien ziehen Konsequenzen. Nippon Yusen hat verbundene Schiffe angewiesen, das Gebiet rund um die Straße von Hormus zu meiden. Mitsui OSK Lines lässt Tanker in sicheren Gewässern warten, während Kawasaki Kisen Kaisha bestätigte, Schiffe im Persischen Golf in Bereitschaft versetzt zu haben.
Sollte der Konflikt anhalten und die Schifffahrtsstörungen fortbestehen, drohen rasch weitergehende Risiken für die LNG-Produktion. Flüssiggas-Anlagen sind auf kontinuierliche Exporte angewiesen, um den Produktionsfluss aufrechtzuerhalten. Bleiben Abtransporte aus, könnten Förderkürzungen unvermeidlich werden.
Chinesische Importeure prüfen laut Händlern kurzfristig alternative Beschaffungsoptionen, falls iranische Maßnahmen zur Einschränkung der Schifffahrt anhalten. QatarEnergy hat bislang jedoch keine Lieferverzögerungen gemeldet.
Preisrisiken für Asien und Europa
Händler in Indien, Japan und weiteren Ländern stellen sich bereits auf steigende Preise am Gasmarkt ein. Das würde eine Phase vergleichsweise niedriger Notierungen beenden, die durch ein erweitertes globales Angebot geprägt war. Dabei betrifft der Preisdruck nicht nur Spotmärkte: Langfristige LNG-Verträge sind häufig an Öl-Benchmarks gekoppelt. Steigt der Brent-Preis infolge der geopolitischen Spannungen, verteuert sich automatisch auch Gas für asiatische Abnehmer.
Japans größter LNG-Käufer Jera warnt: Sollten sich die Spannungen verschärfen oder verlängern, könnten Einschränkungen der Tanker-Navigation die Versorgung Japans beeinträchtigen. Man werde jedoch sämtliche Möglichkeiten flexibler Brennstoffbeschaffung ausschöpfen.
Ein weiterer kritischer Faktor ist die Türkei. Das Land bezieht Pipeline-Gas aus dem Iran im Rahmen eines Vertrags über 9,6 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, auch wenn die tatsächlichen Liefermengen zuletzt darunter lagen. 2024 machten iranische Lieferungen weniger als 15 Prozent der türkischen Gasimporte aus. Sollten diese Ströme weiter sinken, müsste Ankara – ähnlich wie Ägypten – verstärkt LNG am Weltmarkt einkaufen. Das würde die Nachfrage nach seeseitig transportiertem Flüssiggas zusätzlich erhöhen und weiteren Aufwärtsdruck auf die Preise ausüben.
FMW/Bloomberg
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Na, dann wollen wir mal sehen, bin in Erwartungen des Iran-Konfliktes schon seit Wochen ohne erkennbares Ergebnis in europäischen TTF-Gas-Future long. Da sollte ja nun was gehen…………….