Die geopolitischen Spannungen im Iran nehmen erneut zu – und damit wächst auch die Nervosität an den Finanzmärkten. Ölpreise ziehen wieder an, der DAX gerät charttechnisch unter Druck und selbst Gold und Silber senden derzeit widersprüchliche Signale. Nach Einschätzung von André Stagge befinden sich die Märkte an einem kritischen Wendepunkt. Der Marktstratege sieht mehrere Warnsignale, die von der Entwicklung im Nahen Osten über die Geldpolitik der Fed bis hin zum Ölmarkt reichen.
DAX auf der Kippe
Im Fokus steht zunächst der DAX. Zwar markierte der deutsche Leitindex zuletzt ein neues Allzeithoch, doch genau darin erkennt Stagge ein Warnsignal. Der Ausbruch über die Marke von rund 25.500 Punkten sei ein klassischer Fehlausbruch gewesen. Nach den neuen Spannungen im Iran habe sich das Chartbild deutlich eingetrübt. Die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten rücke nun erneut in den Mittelpunkt. Sollte sie nachhaltig unterschritten werden, hält Stagge einen Rückgang in Richtung 24.680 Punkte und anschließend sogar bis zur 200-Tage-Linie bei aktuell 24.310 Punkten für möglich.
Verstärkt werde dieses Risiko durch die saisonal schwächere Börsenphase im dritten Quartal. Vor allem die Monate August und September zählen statistisch zu den schwächsten Börsenmonaten des Jahres.
Iran-Krise: Ölmarkt sendet Warnsignale
Besonders aufmerksam verfolgt André Stagge derzeit die Entwicklung am Ölmarkt. Nachdem der Ölpreis zuletzt zeitweise unter sein Niveau vor Ausbruch des Iran-Konflikts gefallen war und damit seine Kriegsprämie vollständig abgegeben hatte, sieht er nun neue Kaufsignale entstehen. Entscheidend ist, ob Brent seine 200-Tage-Linie bei aktuell 77,60 US-Dollar nachhaltig überwindet. Jede weitere Eskalation im Iran könne den Ölpreis schnell wieder deutlich nach oben treiben.
Ein wichtiger Indikator ist für ihn dabei der sogenannte Crack Spread – also die Differenz zwischen Rohöl und den daraus produzierten Kraftstoffen wie Diesel und Benzin. Obwohl die Ölpreise zwischenzeitlich gefallen waren, blieben die Preise an den Tankstellen hoch. Für Stagge deutet diese Entwicklung darauf hin, dass Raffinerien und Marktteilnehmer weiterhin mit einer angespannten Versorgungslage rechnen.
Zusätzliche Risiken entstehen durch die eingeschränkte Schifffahrt in der Straße von Hormus. Laut den von André Stagge gezeigten Daten ist die Zahl der Tankertransporte zuletzt erneut deutlich zurückgegangen. Sollte der Iran seine Drohung wahrmachen und die Straße von Hormus erneut blockieren, könnten die Ölpreise weiter steigen und zugleich den Inflationsdruck erhöhen.
Zinsen bleiben das Risiko
Auch bei Gold und Silber erkennt Stagge derzeit ein ungewöhnliches Bild. Trotz der geopolitischen Unsicherheit gelingt den klassischen sicheren Häfen bislang kein nachhaltiger Ausbruch. Gleichzeitig gewinnt der US-Dollar an Stärke, was Edelmetalle zusätzlich belastet. Ursache dafür seien vor allem die steigenden Renditen am US-Anleihemarkt.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Fed. Nach Veröffentlichung der jüngsten Sitzungsprotokolle sieht Stagge die Notenbank zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob der KI-Boom künftig eher inflationär oder deflationär wirken wird. Gleichzeitig preist der Anleihemarkt höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum ein. Für die Aktienmärkte bedeutet das Gegenwind, da sichere Staatsanleihen inzwischen attraktive Renditen bieten. Zwar steigt die Bilanzsumme der Fed wieder leicht an und sorgt für zusätzliche Liquidität, doch höhere Zinsen könnten diesen Effekt überlagern.
Zum Abschluss betont André Stagge, dass langfristiger Börsenerfolg nicht auf Meinungen, sondern auf klaren Prozessen basiert. Seine Kernbotschaft lautet: Gerade in einem Umfeld aus Iran-Konflikt, steigenden Ölpreisen, einer restriktiven Fed und zunehmender Unsicherheit sollten Anleger diszipliniert handeln und ihre Strategie konsequent umsetzen.
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