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Irankonflikt – wie die Welt hinters Licht geführt wurde

Ist der Irankonflikt eine reine Farce?

Wolfgang Müller

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am

Ist der Irankonflikt eine reine Farce? Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Quassem Soleimani, dem großen Drahtzieher vieler militärischer Aktionen sowie von Terrorakten – nicht zuletzt stand er auch für Europa auf der großen Fahndungsliste -, war man vom Schlimmsten ausgegangen. Manche Medien verstiegen sich schon in große apokalyptische Visionen, wie der mögliche Beginn eines Dritten Weltkriegs. Eben weil dieser Mann für viele Iraner ein Volksheld und Märtyrer war und ist. Die iranische Führung hatte fürchterliche Rache geschworen, ein Blutbad für die verhassten Amerikaner angekündigt. Was folgte, war ein Luftangriff mit 15 Raketen, von denen fünf sogar noch das Ziel verfehlten. Aber das Skurrile daran war, dass die Amerikaner vor dem Angriff sogar noch rechtzeitig gewarnt wurden.

Irankonflikt: Eine Militäraktion auf unterster Eskalationsstufe

Nicht nur, dass die amerikanischen Soldaten vor dem Luftangriff rechtzeitig gewarnt wurden, wie der US-Sender CNN berichtete und man rechtzeitig in Luftschutzbunkern Zuflucht suchen konnte. Nein, die unterschiedliche Bewertung des Angriffs zeigt, um welche Farce es sich gehandelt hat.

Donald Trump stellte sofort klar, dass es keine Opfer unter den US-Streitkräften gegeben habe und auch die Sachschäden nicht besonders hoch ausgefallen seien.

Die irakische Führung feierte die „Operation Märtyrer Soleimani“ hingegen als vollen Erfolg. Man berichtete von 80 toten US Soldaten und von einer völlig zerstörten militärischen Basis des verhassten Feindes. Deshalb zog die Propagandaabteilung in den revolutionären Garden noch in der Nacht durch iranische Städte, um mit Siegesmärschen auf den Straßen den großen Erfolg zu feiern. Damit hatte man im Lande offiziell das Gesicht gewahrt.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sorgte selbst auf Twitter für deeskalierende Worte: Er sprach von„angemessenen Maßnahmen zur Selbstverteidigung“ nach Artikel 51 der UN-Charta. „Wir wollen keine Eskalation oder Krieg, aber wir verteidigen uns gegen jede Aggression“, so seine Twitterpost.

Als Ergebnis aus diesem Wirrwarr ist schlusszufolgern, dass beiden Seiten im Irankonflikt an keinem Krieg gelegen ist. Für die USA, weil das amerikanische Volk kriegsmüde ist und selbst die Anhänger Trumps keinen Nahostkrieg mehr wollen, allenfalls das Zeigen amerikanischer Stärke. Und für Trump gelten für die nächsten 10 Monate sowieso andere Prioritäten, wie US-Wirtschaft, Aktienmarkt und die permanente Zurschaustellung der eigenen Regierungsverdienste.

Auch der Iran hat kein Interesse an einer totalen Konfrontation mit der Weltmacht Amerika. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Die heimische Wirtschaft ist auch infolge der Sanktionen mit einer Schrumpfung um 10 Prozent tief in die Rezession gerutscht, außerdem gibt es Demonstrationen im Lande, die sich gegen die Regierungspolitik richten.

Schlussendlich ist dies aber keine Garantie für einen Frieden in der Region. Der Iran wird weiter sein Atomprogramm vorantreiben, Terrorakte finanzieren und Israel die Vernichtung wünschen. Vielleicht verstärkt man auch Cyber-Attacken gegen die USA. Der Irankonflikt wird also weiter andauern.

Die iranische Führung hat prophylaktisch schon einmal die USA vor Vergeltung gewarnt. Sollten sich Bomben gegen iranisches Territorium richten, drohen die Revolutionären Garden, würden der Golfstaat Dubai und das israelische Haifa von Raketen zerstört werden.

Fazit

Unabhängig von diesem Revancheakt – was einem aber abseits dieser Aktion zum Nachdenken bringen muss, ist die aktuelle Zusammensetzung der US-Regierung unter der Ägide Donald Trumps.

In puncto Außenpolitik ist die US-Regierung derzeit mit viel „Greenhorns“ besetzt. Beginnend mit dem Präsidenten selbst und seinem Stellverteter Mike Pence – einem ehemaligen Gouverneur aus Indiana – ist nach dem Ausscheiden von Jim Mattis und John Bolton nicht mehr viel Erfahrung in den entscheidenden Gremien vorhanden. Der Nationale Sicherheitsberater, Robert O’Brien, Außenminister Mike Pompeo, oder Verteidigungsminister Mark Esperanto – sie alle sind außenpolitische Neulinge. Das entscheidende Kriterium war wohl die bedingungslose Loyalität zum Regierungschef, eine Eigenschaft, die im komplizierten Irankonflikt wohl nicht wirklich weiterhilft.

Im Irankonflikt fehlt der Trump-Adminisstration aussenpolitische Erfahrung

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    10. Januar 2020 09:53 at 09:53

    Methode Trump eben, siehe gestrige Analyse FMW.
    Kurspflege um jeden Preis.
    Immer in markt-appetitlichen Happen serviert.
    Nordkorea: Rallye. Europa-Zölle: Rallye. Handelsdeal: Rallye. Steuerreform: Rallye.
    Einziger Lebenszweck der Trump-Junta: Kurspflege.
    Wer sich dagegen stellt wird kleingehackt (Powell).
    Vorgehen: Inszeniere eine (kleine) Krise und anschließend mit großem Dampfgebläse eine Hoffnungslösung.
    Der große Sumpf-Befreier bedient in Wahrheit nur eine kleine Finanzclique (noch dazu mit Insiderwissen).
    Trump mag der Worst Businessman On Planet Earth sein (denn im Business geht es um Fakten).
    Was seine Produktion heißer Luft angeht ernenne ich ihn hiermit zum World´s Best Ballooning Man.
    Das ist doch mal was!

  2. Avatar

    Quintus

    10. Januar 2020 10:05 at 10:05

    @Wolfgang Müller
    Die veröffentlichten Satellitenbilder zeigen allerdings sauber platzierte Einschläge.
    Trump hat bestritten, dass die iranischen Angriffe zu irgendwelchen Opfern geführt haben, aber Hajizadeh sagte, dass das US-Militär nach dem Angriff durch den Iran mindestens neun Einsätze durchgeführt habe, wobei es die Verwundeten nach Jordanien und in die besetzten Gebiete gebracht habe, während Chinook-Hubschrauber die verletzten Amerikaner in das US-Hospital in Bagdad gebracht hätten.

    Gibt es eventuell doch Opfer? Aus Israel kommt die unbestätigte Meldung, verletzte US-Soldaten sind zur medizinischen Versorgung nach Tel Aviv gebracht worden.

    Nicht nach Ramstein ins Landstuhl Regional Medical Center (LRMC), das mit rund 3300 Mitarbeitern das grösste US-Militärhospital darstellt, das sonst verletzte Soldaten aus dem Irak oder Afghanistan immer versorgt.

    Nach Berichten, die die israelische Zeitung Haaretz erhalten hat, landete ein US-Flugzeug mit amerikanischen Soldaten, die durch den iranischen Raketenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Asad verwundet wurden, vor Stunden in Tel Aviv.
    Nach Angaben von informierten Quellen wurden 224 verletzte Soldaten in das Tel Aviv Sourasky Medical Center Hospital gebracht. Dort kann man die Verwundeten „inkognito“ pflegen.

    Das meldet auch Jack Khoury in seinem Tweet. Sein Account ist mittlerweile gesperrt.
    Alles sehr mysteriös…
    Nur eines bestätigt sich immer wieder: Im Krieg stirbt die Wahrheit als Erstes

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    joachim

    10. Januar 2020 10:07 at 10:07

    Laut meinem Informationsstand waren beim ersten Vergeltungsschlag der Iraner 10/12 erfolgreiche Raketentreffer kolportiert worden…die Fachwelt wundert sich über die hohe Präzision und Zielgenauigkeit bei gleichzeitigem Einsatz veralteter Waffen!

    Ja, vermutlich ist alles nur eine trumpsche Show, bei der die iranische Regierung mangels Alternativlosigkeit brav mitspielt.

    Gleichzeitig haben sich die vor dem Mord an dem General immer mehr auseinanderdriftenden Lager im Iran durch dieses Ereignis wieder vereint.
    Also eine absolute win-win Geschichte für Trump und die derzeitigen offiziellen iranischen Machthaber.

    Und immer das wiederkehrende Muster: Trump erschafft, manchmal aus heiterem Himmel oder mit einem Auge an der Wall Street und dem Wählerbarometer, einen Konflikt, um ihn anschließend als „größter und weisester Führer“ erfolgreich zu lösen.
    Egal ob Nordkorea, Handelskrieg oder der Iran…alles wird g(l)ut!

    Wie weit der immer skurriler ausartende Wahlkampf Trumps das Weltgeschehen und somit auch die Märkte in 2020 noch beeinflussen wird, lässt sich derzeit nur erahnen…

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    Lausi

    10. Januar 2020 10:54 at 10:54

    Nachdem sich die Iraner zweimal in den Fuß geschossen haben (einmal die Massenpanik bei der Trauerveranstaltung mit ca. 40 Toten und desweiteren der unbeabsichtigte Abschuss des Passagierflugzeuges), haben sich wohl ihre Rachegelüste fürs erste ziemlich gelegt. Außerdem sind die Iranis nicht doof, und wissen, dass sie bei der erdrückenden militärichen Überlegenheit der USA nicht die geringste Chance hätten. Aber Nadelstiche und Terroraktionen können natürlich schon noch folgen.

    • Avatar

      Gixxer

      10. Januar 2020 14:37 at 14:37

      Ist es schon bewiesen, dass das Flugzeug abgeschossen wurde?
      Bisher habe ich nur von Mutmaßungen gehört.

      • Avatar

        Quintus

        11. Januar 2020 10:55 at 10:55

        @Gixxer
        Leider wurde aus der Mutmaßung nun eine traurige Tatsache. Die iranischen Regierung hat den Abschuss zugegeben.

        https://www.welt.de/politik/ausland/article204931112/Iran-gibt-unbeabsichtigten-Abschuss-von-ukrainischem-Flugzeug-zu.html

        • Avatar

          Gixxer

          11. Januar 2020 14:48 at 14:48

          Ja, habe es auch gehört.
          Leider ist bei derartigen Konflikten immer auch die zivile Bevölkerung mit betroffen, auch wenn sie anscheinend gar nichts damit zu tun hat.

          • Avatar

            Michael

            11. Januar 2020 19:06 at 19:06

            @Gixxer, was heißt „anscheinend“. Hat sie denn vielleicht doch?

            Ich frage mich, warum zu dem Zeitpunkt des Krisenhochpunktes überhaupt ziviler Luftverkehr über Teheran möglich war? Warum wurde der Flugverkehr nicht unterbunden? Warum agieren Fluggesellschaften so sorg- und verantwortungslos? Welchen Anteil tragen die USA nach ihrem provakativen Erstschlag und ihrer Drohung eines Angriffes auf 52 mögliche Ziele?

            Hier darf sich keiner der Beteiligten aus der Affäre ziehen, nicht Iran, nicht USA, nicht die Fluggesellschaft. Eine einseitige Schuldzuweisung und ein iranisches Bauernopfer werden zwar wie immer die Folge sein. Zur Aufklärung des Falles trägt das nicht viel bei.

  5. Avatar

    Beobachter

    11. Januar 2020 22:45 at 22:45

    @ Michael, ihre Meinung kann ich teilen.Meine am ersten Tag gepostet Meinung, dass wegen dieses Irrtums die iranische Reaktion weniger aggressiv war hat sich bestätigt. Aber die von den Börsen gespielte Entspannung der Lage wird nur kurzfristig dauern.Generell wurde die Lage nur verschlechtert u.der GröPaz hat bis jetzt in der Aussenpolitik nur versagt.Sein Erfolg im Wahlkampf beschränkt sich also weiterhin auf das Pushen der Börse u.das Bremsen des Anstiegs des Ölpreises.Man muss als Präsident auch das entsprechende Volk haben, die solche Qualitäten eines Präsidenten entsprechend schätzt.Wobei natürlich vor allem die Finanzelite diese nicht nachhaltigen einmaligen Wahlkampfmethoden schätzt.
    Das Pushen der Börsen durch den Präsidenten u.der Firmenbosse durch Aktienrückkäufe ist für mich unglaublich kurz gedacht u.absolut dumm u.dämlich.China u.Russland müssen sich keine Mühe geben,
    die Amis sind drauf u.dran sich selber zu besiegen.

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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