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Ist das der wirklich „meistgehasste Bullenmarkt aller Zeiten?“ Zeit, mit einem Gerücht aufzuräumen!

Zeitgenossen, die bullisch eingestellt sind, belieben gerne ein Totschlag-Argument anzuwenden: das sei derzeit der meist gehasste Bullenmarkt aller Zeiten! Subtext: alle sind skeptisch, und aufgrund dieser Skepsis klettern die Kurse der Aktienmärkte weiter an der "wall of worry". Solange der Pessimismus groß sei, so die These, müsse eben der Bullenmarkt weiter gehen. Dumm nur, dass diese Rally nicht gehasst, sondern heißgeliebt ist, wie eine Auswertung zeigt..

FMW-Redaktion

Zeitgenossen, die bullisch eingestellt sind, belieben gerne ein Totschlag-Argument anzuwenden: das sei derzeit der meist gehasste Bullenmarkt aller Zeiten! Subtext: alle sind skeptisch, und aufgrund dieser Skepsis klettern die Kurse der Aktienmärkte weiter an der „wall of worry“. Solange der Pessimismus groß sei, so die These, müsse eben der Bullenmarkt weiter gehen.

Das klingt natürlich alles sehr schick und vermeintlich einleuchtend, es gibt dabei nur ein kleines Problem: die These des „meist gehassten Bullenmarkts aller Zeiten“ stimmt einfach nicht – nicht mal annähernd! Zumindest was die US-Aktienmärkte betrifft, um die es hier geht.

Ein sehr guter Maßstab dafür sind die (kurzfristigen) Empfehlungen von US-Börsenbriefen, die Mark Hulbert während der letzten 20 Jahre ausgewertet und daraus sogar einen Index entwickelt hat, den Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI). Dieser bemißt, mit wieviel Prozent des Portfolios die Börsenbriefe den Anlegern empfehlen in Aktien long zu gehen (dann ist der Wert im Plus) oder short zu gehen (dann ist der Wert im Minus). Mit anderen Worten: je höher der Index im Plus ist, umso dominanter die Long-Empfehlungen der Börsenbriefe – und umgekehrt.

Und siehe da: der Bullenmarkt zwischen Oktober 2002 und Oktober 2007 war viel unbeliebter als der derzeitige Bullenmarkt. Gemäß dem HSNSI lag der Index damals bei 31,5%, beim derzeitigen Bullenmarkt sind es 43,1% – wobei Hulbert den Beginn des derzeitigen Bullenmarkts auf den Februar 2016 datiert; würde man den Bullenmarkt ab dem Tief im März 2009 beginnen lassen, läge der HSNSI immer noch bei 38,8% und damit deutlich höher als bei dem Bullenmarkt zwischen 2002 und 2007.

Aktuell liegt die von Hulbert gemessene Stimmung bei 59,9% – das ist höher als bei den Markt-Tops im Oktober 2007 (46,7%) und dem Top aus dem Mai 2015 (55,7%). Der höchste je von Hulbert gemessene Stand war übrigens am Top aus dem April 2011 mit 67,2%. Man kann also sagen: wir liegen ganz weit oben, was die Stimmung bei US-Börsenbriefen betrifft, nahe eines Allzeithochs!

Erstaunlich ist, dass anders als oft angenommen die Stimmung kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, also dem vierten Quartal 1999, deutlich negativer war als derzeit! Und zwar massiv: der tiefste je erreichte Punkt des HSNSI Index war Mitte Oktober 1999 mit einem Stand von -81,8%! Der zweitniedrigtse Wert lag übrigens mit -55,6% kurz nach dem Brexit im Juni 2016.

Und so bemerkt Hulbert völlig richtig: diejenigen, die uns erzählen wollen, dass dieser Bullenamrkt ungeliebt sei, lullen uns faktisch nur ein:


„At the same time, however, we should never forget that we’re far closer to the extreme bullishness end of the sentiment spectrum than extreme bearishness. Those who constantly repeat the mantra that this is the most unloved bull market ever are lulling us into a false sense of complacency.“


Statue von Arturo Di Modica nahe der Wall Street in New York City
Foto von Andreas Horstmann/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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1 Kommentar

  1. Bullenmärkte,die kein Aussenstehender mehr versteht,zeichneten & zeichnen sich dadurch aus,dass immer wildere Vergleiche angestellt werden!Obiger Beitrag ist ein Beleg dafür!“Sitting Bull ist reif!Nicht alle Bären sind „General Custer“

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