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Ist der Dax inzwischen zu teuer? Die Lage an den Märkten

Über Frühindikatoren, Gewinnerwartungen, Notenbanken, China – und die Frage, ob der Dax nicht jetzt schon zu teuer ist..

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Jetzt sind es schon über 13 Monate, dass der deutsche Leitindex sein letztes Allzeithoch  in Höhe von 13559 Punkten erreicht hat. Von da an ging es in Schüben nach unten bis zum Jahrestief von 10381 Punkten, kurz vor der Jahreswende. Dann die fulminante Wende von 10% in knapp zwei Monaten. Gleichzeitig feiert unser Aufschwung in dieser Woche so etwas wie seinen 10. Geburtstag, denn das letzte zyklische Tief (3588 Punkte) stammt vom 9.März 2009. Deshalb ist es sicher nicht verkehrt, sich  ein paar fundamentale Gedanken zur Bewertung unseres Dax zu machen, unter Berücksichtigung der letzten Unternehmensausblicke.

 

Die schwächelnden Frühindikatoren

 

Anders als die steigenden Börsenkurse zeigen die realen Wirtschaftsdaten und Frühindikatoren weiter nach Süden. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmenschefs beurteilen nun schon seit sechs Monaten ihre Situation stets schlechter als im jeweiligen Vormonat, der letzte Stand fiel sogar auf ein Vierjahrestief. Dabei sieht die aktuelle Lage noch besser aus, als die sich weiter eintrübenden Geschäftsaussichten. Hauptursache ist die schwächelnde Auslandsnachfrage nach deutschen Exportgütern.

Erstmals seit der letzten Krise im Jahr 2009 setzten die deutschen Autobauer 2018 weniger um als im Vorjahr, deren Exporte fielen in der zweiten Jahreshälfte um mehr als fünf Prozent. Nach unten rutschen auch übergeordnete Frühindikatoren aus dem Transportsektor wie etwa Schiffs- und Flugzeugfrachtraten. Der Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe sprach davon, dass die Exportdynamik praktisch zum Erliegen gekommen sei.

Dies findet auch seine Bestätigung im Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der zuletzt mit 47,6 Punkten auf das niedrigste Niveau seit 2012 gefallen ist.

 

 

Die Revision der Gewinnschätzungen

 

Die Abschwächung des Welthandels äußerte sich in den Quartalszahlen Q4 (2018) unserer großen Unternehmen.

Daimler meldete für das vierte Quartal eine glatte Gewinnhalbierung auf 1,6 Milliarden Euro und Siemens ein Minus von 54 Prozent auf eine Milliarde Euro.

Die sinkende Nachfrage zeigt Wirkung, was sich ganz besonders beim Zulieferer Continental beobachten ließ, der im letzten Jahr gleich zweimal seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung überrascht hat.

Was natürlich auch den vielen Analysten auffiel, die reihenweise ihre Gewinnschätzungen nach unten anpassten. Während der letzten drei Monate:

  • Für Siemens, Fresenius, Daimler, Continental und Bayer um mehr als 5 Prozent,
  • für Henkel, BASF und RWE um mehr als 10 Prozent
  • und für Thyssen-Krupp und Covestro sogar um rund 30 Prozent.

Eine Ausnahme bildeten Linde, die Immobiliengesellschaft Vonovia, SAP, Vw und jüngst BASF, die ihre Gewinnerwartungen anhoben.

Insgesamt lautet das Fazit nach der Quartalsbilanz wie folgt:

Bei 24 der 30 Unternehmen reduzierten Analysten in den vergangenen drei Monaten ihre Gewinnerwartungen für das Geschäftsjahr 2019. Allein seit Januar senkten sie ihre Schätzungen um knapp 5 Prozent, seit Oktober sogar um zehn Prozent.

 

Ist der Dax damit teuer?

 

Auf Basis dieser Erwartungen ergibt dies für den Dax aktuell ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12, also ein KGV unterhalb des langjährigen Mittels. Wenn die Anleger jetzt gekauft haben, fußt dieses Verhalten auf der Annahme, dass der Trend zu Gewinnrevisionen zu einem Ende kommt und die Weltwirtschaft nicht weiter an Fahrt verliert.

 

Die Bedeutung Chinas

 

Eine zentrale Rolle für das Wohl und Wehe unseres Leitindex spielt natürlich die Volksrepublik China. Im 2018 erwirtschafteten die Dax-Konzerne knapp 16 Prozent ihrer Umsätze in dem Riesenreich. Das waren im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 200 Milliarden Euro, ein neuer Rekord. BMW, Daimler und VW sowie der Halbleiterhersteller Infineon und der Spezialchemiekonzern Covestro erwirtschafteten sogar mehr als jeden fünften Euro in China.

Da die chinesische Wirtschaft derzeit stark abkühlt, rächt sich die starke Fokussierung auf den starken Hunger der Asiaten nach Autos, Maschinen und Halbleiter. Die chinesischen Auftragsmanagerindizes sackten unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten ab, konnten sich wegen eines gigantischen Kreditimpulses aber zuletzt wieder etwas erholen. Der morgendliche Blick auf Chinas neueste Wirtschaftsdaten dürfte für Dax-Anleger (zumindest die kurzfristigen) ein Muss bleiben.

Zusätzlich gilt erschwerend für die zahlreichen exportstarken deutschen Industrie-, Handels- und Konsumkonzerne zu berücksichtigen. Das gleichzeitig schwächere Wachstum in den USA, welches in den vergangenen Monaten (besonders seit Oktober) an Schwung verloren hat.

 

Was könnte ein Langfristanleger tun?

 

Wie bereits öfters hier angesprochen, hat der Ifo-Index eine gute historische Korrelation zur Entwicklung unseres Dax. Wer sich seiner Sache einigermaßen sicher sein will, wartet, bis konjunkturelle Frühindikatoren und der Ifo über zwei bis drei Monate hinweg nicht weiter fallen. Auch sollten die Unternehmensausblicke einen Boden in ihren Revisionen bilden. Leider kommt Letzteres erst ziemlich zeitverspätet, während der Markt schon reagiert hat.

Das mit den offiziellen Zahlen ist ohnehin so eine Sache. Beispiel: Wenn eine Rezession amtlich bestätigt wird, haben die Kurse zumeist ihr Tief schon gesehen.

 

Ausblick

Der Dax fiel 2018 mit der chinesischen Börse, also sollte er auch mit dieser in Zukunft weiter korrelieren. China stemmt sich mit allerlei geldpolitischen Maßnahmen gegen den Wirtschaftseinbruch – derzeit mit Erfolg. Auch wenn die Wall Street mit ihren Firmengiganten großen Einfluss auf die Weltbörsen hat, war die chinesische Wirtschaft im vergangenen Jahrzehnt für ein Drittel der weltweiten Gewinne verantwortlich und damit auch für den deutschen Leitindex.

Von Chinas Aufschwung profitierten Rohstoffländer, Emerging Markets und eben auch Industriestaaten. Deshalb kommt der Entwicklung des Zollstreits eine so große Bedeutung zu. Eine Zolleskalation würde m.E. die Hausse an den Märkten schlagartig beenden, ungeachtet einer notwendigen Korrektur der jetzigen Überkauftheit der Börsen.

Man konnte erst diese Woche beobachten: Kaum kam ein skeptischer Kommentar von Robert Lighthizer zu den Schwierigkeiten in den Verhandlungen, zuckte die Wall Street nach unten, um dann nach Trumps Beteuerungen über die guten Fortschritte wieder zu steigen. Nein, ein Scheitern der Gespräche darf es für die Bullen eigentlich nicht geben. Andererseits muss eine kurzfristige Korrektur kommen. Denn eine Fortschreibung des bisherigen Trends in den USA würde eine unrealistische Verdoppelung der Kurse binnen eines Jahres bedeuten.

 

Ergo: Eine Stabilisierung der Weltwirtschaft ist für mich Punkt eins für ein Verhindern des Absinken unseres Leitindex unter sein Dezembertief.

Punkt zwei für eine positive Börsenentwicklung ist aber, dass die großen Notenbanken für längere Zeit die „Füße still“ halten. Denn neben den Gewinnen der Unternehmen spielt das billige Geld an den Börsen erfahrungsgemäß die große Rolle.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, will heißen: Wer glaubt, dass dieser Aufschwung noch ewig weiter geht, dürfte sich gewaltig irren.

Irgendwann werden weitere Zinssteigerungen, eventuell ausgelöst durch eine Inflation, die das billige Geld zur Folge hat, den verschuldeten Subjekten am Markt das Wasser abgraben. Seit vielen Jahrzehnten ist dies stets der Auslöser, deshalb unterstütze ich gedanklich weiter Dr. Kralls These, dass es spätestens 2020/21 soweit ist. Daran können auch konzertierte Aktionen der Notenbanken und die „Wiederwahl-Träume“ des „besten Präsidenten aller Zeiten“ vermutlich nichts ändern.

 

Foto: Deutsche Börse AG

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