Aktien

Ist der VIX noch nicht hoch genug für den großen Sell Off?

FMW-Redaktion

Viele „Profis“ wie Banken, normale Fonds und Hedgefonds arbeiten mit komplizierten und oft auch erfolglosen „Marktmodellen“, die alle von hochbezahlten Programmierern entworfen werden. In den meisten Fällen wird einmal etwas eingegeben, eine Art Vorgabe, und dann wird ge- oder verkauft, wenn der Kasten eine Entscheidung ausspuckt. Deswegen kommt es auch oft zu Überreaktionen am Markt, zu Sell Offs oder auch zu überraschenden Höhenflügen in Aktienkursen, Futures und Rohstoffen.

Eine der wichtigsten Kennzahlen in den „Marktmodellen“ der Profils ist die Schwankungsintensität von Kursen. Nicht die Performance von Aktien oder Indizes selbst ist dann interessant für die Entscheidung „Halten“ oder „Verkaufen“. Auch schauen viel Profis nicht mehr auf KGVs oder das realwirtschaftliche Umfeld in einzelnen Märkten. Anhand der Schwankungsintensität (Volatilität) von Märkten versucht man abzulesen wie nervös der Gesamtmarkt ist. Je nervöser der Gesamtmarkt, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines großen Sell Offs, also Abverkaufs.

Überschreitet die Volatilität (VIX) einen gewissen Punkt, springen die von den „Experten“ programmierten Maschinen, sogenannte Algorithmen (ALGOS) an und verkaufen automatisch große Pakete in kurzer Zeit. Dadurch steigt die Volatilität aber noch weiter an, und andere Profi-Anleger mit einer höheren VIX-Schwelle srpingen dann auch noch auf. So befeuert sich ein Crash selbst, die sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung.

In den USA ist mit am bedeutendsten der CBOE Volatility Index, der die Schwankungsintensität von in Chicago gehandelten Optionen abbildet. Schwankungen gerade wie gestern in den Aktienmärkten mit einem Minus von 550 Punkten im Dow und dann gleich wieder ein Anstieg von 450 Punkten bis spät in den Abend befeuern die Volatilität weiter. Der CBOE Volatility Index lag Ende August 2015 während des dramatischen China-Einbruchs bei 28. In den letzten Monaten bis Jahresende ging es immer rauf und runter zwischen 15 und 25. In den letzten Tagen springt er aber kräftig an und schwankte gestern in einer Range von 28 auf 32 – heftige Ausschläge. Man ist jetzt also in der Schwankungsintensität schon über dem August-Niveau vom China-Crash.

Geht es noch ein kleines bißchen so weiter mit einem täglichen Rauf und Runter in den Aktienkursen, was passiert dann? Beginnt dann eine verhängnisvolle Kettenreaktion von sich selbst aktivierenden ALGOS und Stop Loss-Orders, die sich gegenseitig immer weiter anfeuern? Genau wissen das nur die „Profis“ selbst, die ihre ALGOS mit Zahlen gefüttert haben. Aber der hohe Stand der Volatilität ist ein Hinweis für evtl. bevorstehende weitere Abverkäufe.



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2 Kommentare

  1. Um ehrlich zu sein schaue ich auch auf den VIX, wenn ich versuche den tatsächlichen Trendwechsel zu traden.

    Der VIX (VOLATILITY S&P 500 = INDEXCBOE:VIX) war am 25. August sogar über 40 auf Tagesbasis. Wahrscheinlich werden wir einen Boden erst jenseits dieser 40, vielleicht sogar erst über 50 oder 60 sehen – ich rechne dabei mit Kursen im DAX um 8000 bis 8300. Vielleicht sogar tiefer.

  2. Die meisten dürften schon einem VIX von 20 getriggert worden sein. Die Lage ist jedoch nach wie vor gefährlich, da VIX Futures immer noch stark in Backwardation sind. Zahlreiche „Buy the dips“ Rufe von Anal-ysten lassen weiteres Abwärtspotential (finaler selloff?) vermuten. Das Vorjahrestief im S&P hat jedoch gehalten (bisher..), es bleibt spannend.

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