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Italien: Bankrott, korrupt und gefährlich – warum die Wahl am Sonntag unser Vermögen gefährdet

Bereits seit Jahren beschreiben wir den maroden Zustand Italiens, und leider gibt es bis dato nichts Positives zu berichten – ganz im Gegenteil. In Italien wächst der Unmut unvermindert. 74 Prozent der Italiener halten die…

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Gastbeitrag von Matthias Weik und Marc Friedrich

Während Deutschland momentan mehr mit sich selbst beschäftigt ist und die Headlines sich damit befassen, ob die SPD-Mitglieder für eine GroKo stimmen und diese folglich zustande kommt oder auch nicht und ob Komiker wie Sigmar Gabriel, Olaf Scholz, Andrea Nahles Minister(in) oder doch nur Vorturner der, in Zukunft in der Bedeutungslosigkeit verschwindenden SPD werden, sind die bedeutend wichtigeren Probleme innerhalb der EU und insbesondere in Italien keinesfalls kleiner sondern größer geworden.

Italien
Matthias Weik und Marc Friedrich

Bereits seit Jahren beschreiben wir den maroden Zustand Italiens, und leider gibt es bis dato nichts Positives zu berichten – ganz im Gegenteil. In Italien wächst der Unmut unvermindert. 74 Prozent der Italiener halten die Lage in ihrem Land für schlecht. Der Missmut der Bevölkerung hat gegenüber dem Staat und seinen politischen Eliten haben besorgniserregende Höchststände erreicht. 72 Prozent misstrauen den Behörden, 78 Prozent der Justiz und der Regierung und 83 Prozent gegenüber den Parteien.

Am 4. März sind Wahlen und wir gehen davon aus, dass die EU- und Eurokritischen Parteien die gro-ßen Gewinner der Wahl sein werden. Sollte die ganze Situation eskalieren könnte sogar ein Austritt Italiens, der sogenannte Exit, auf der Agenda stehen. Knapp 46 Prozent der Italiener sind davon überzeugt, dass es Italien außerhalb der EU besser gehe und nirgendwo in der Eurozone ist der Euro so unpopulär als in Italien. All dies ist verständlich in Anbetracht dessen, dass die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen der Italiener heute real erheblich niedriger sind als zu Lirazeiten. Zweifellos ist Italien mit seien verkrusteten Verwaltungsstrukturen und seinem mangelnden Willen für tiefgreifende Reformen, einer der Hauptverlierer innerhalb der Eurozone.

Die Arbeitslosenrate Italiens beträgt 10,8 Prozent. Unter den Jugendlichen sind sogar über 32 Prozent ohne Job und Perspektive und folglich verlassen immer mehr junge gebildete Menschen das Land. Für ein Land mit einer ohnehin geringen Akademikerquote ist dies der Supergau. Dies sind verheerende Zahlen für die drittgrößte Wirtschaft der Eurozone. Die staatliche Gesamtverschuldung des betrug zuletzt 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nur Griechenland steht mit 179 Prozent Verschuldung noch schlechter da. Laut Maastricht-Vertrag sind höchstens 60 Prozent erlaubt, doch das interessiert heute anscheinend sowieso keinen mehr in Brüssel. Dort sind Vertragsbrüche Tradition, auch wenn diese Verträge von denselben Ländern gebrochen werden die sie erstellt haben.

Die Target2 Verbindlichkeit der italienischen Zentralbank (Banca d’italia) steigen unvermindert. Allein im Dezember 2017 ging es um 3,1 Mrd. Euro, auf über 439 Mrd. Euro und damit auf eine neue Re-kordverbindlichkeit nach oben. Der folgende Chart zeigt die verheerenden Konsequenzen des Euros für Italien auf und ist ein Beweis dafür, dass die komplette Währungsunion aus dem Ruder gelaufen ist.

Italien

Die Kreditfähigkeit des Landes erodiert seit 2010 kontinuierlich. Laut dem Centrum für Europäische Politik (cep) könnte das Staatsdefizit Italiens ins Uferlose wachsen. Matthias Kullas, Mitautor einer neuen Studie der Freiburger Denkfabrik, sagt: „Italien ist das größte Sorgenkind der Euro-Zone. Es besteht die Gefahr, dass das Land zum zweiten Griechenland wird“. In Italien wird viel zu wenig von Unternehmen Investiert, da diese offensichtlich weder großartiges Vertrauen in den Wirtschafts-standort Italien an sich haben, noch an einen Aufschwung des Landes glauben. Wir gehen sogar ein Schritt weiter: Italien kann das Zünglein an der Waage sein wenn es um die Zukunft der EU und des Euros geht. Als drittstärkste Volkswirtschaft in der Eurozone hat Italien das Potential den Euro und schlussendlich die EU zum Einstürzen zu bringen.

Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) kann sich Italien bisher viel zu günstig am Kapitalmarkt finanzieren. Die EZB hat große Mengen an Staatsanleihen insbesondere aus Südeuropa. Bislang hat die EZB Staatsanleihen im Wert von knapp 2,5 Billionen Euro erworben. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge handelt es sich dabei zunehmend um Anleihen von hoch verschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien. Friedrich Heinemann vom ZEW: „Für Italien deuten die Ergebnisse auf ein wirkliches Risikoszenario hin. Italien ist mit knapp 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts besonders stark durch die Anleihekäufe begünstigt und damit in seiner Finanzierung auch besonders davon abhängig geworden“.

Dies ist unserer Ansicht nach nichts anderes als verbotene Staatsfinanzierung durch die Notenbanken. All das hat mit Kapitalismus und freier Marktwirtschaft nichts zu tun – es ist schlicht und einfach Planwirtschaft der Notenbanken und Planwirtschaft hat bekanntermaßen noch nie funktioniert. Wir sind es nicht Müde zu wiederholen: Innerhalb der Eurozone wird Italien (ebenso wenig wie Portugal, Griechenland, ….) niemals wieder volkswirtschaftlich auf die Beine kommen. Folglich wird die EZB unter der Ägide des Italieners Mario Draghi das Land weiter am Leben erhalten, denn Italien kann auf Grund seiner Größe nicht wie in der Vergangenheit beispielsweise Griechenland oder Portugal unter den EU-Rettungsschirm fallen. Italien ist schlicht und einfach: too big to fail.

Obendrein stehen am 4. März in Italien Wahlen an. Noch ist vollkommen offen, wer diese für sich entscheidet. Silvio Berlusconis Forza Italia verspricht Steuererleichterungen für alle. Familien, Unternehmen, Besserverdienende und Niedriglöhner sollen eine Einheitssteuer von 23 Prozent zahlen. Die Partito Democratico“ (PD).beabsichtigt die Einkommenssteuer für Familien zu senken und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung prüft die Abschaffung von 400 Gesetzen, darunter auch das zur Ausgabenkontrolle des Staates. Ob diese Maßnahmen Italien wieder auf die Beine bringen ist äußerst fraglich. Wir gehen davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Mehr denn je von elementarer Bedeutung, dass jetzt die gravierenden Probleme jetzt gelöst werden bevor sie sich zu einem finanziellen Tsunami entwickeln werden welche alle bisherigen Probleme innerhalb der EU sowie der globalen Finanzwelt wir ein milder Sommerregen erscheinen lassen. Dementsprechend ist es zielführend sich und sein Erspartes auf die Möglichkeit des obigen Szenarios vorzubereiten bevor es zu spät ist. Dies bedeutet insbesondere raus aus Staatsanleihen und rein in Sachwerte, denn Sachwerte können bekanntlich nicht wertlos werden und im Gegensatz zum Euro nicht unendlich geschöpft werden. Sie sind durch die Natur limitiert.



Matthias Weik und Marc Friedrich, Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater, schrieben 2012 ge-meinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Im Jahr 2014 gelang ihnen mit „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ ein weiterer Bestseller. Das Buch wurde im Jahresranking ebenfalls zum erfolgreichsten seiner Gattung. 2016 ist ihr dritter Bestseller „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) geschrieben haben, erschienen. Das Buch schaffte es auf Anhieb auf die auf Platz 1 der manager magazin und Handelsblattbestsellerliste. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds dem FRIEDRICH&WEIK WERTEFONDS. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    1. März 2018 15:26 at 15:26

    Angst um mein Vermögen hätte ich, wenn ich im Sachwertfonds der Crashpropheten investiert wäre.

    • Avatar

      Siggi

      1. März 2018 16:12 at 16:12

      Bei Dirk Müller? Stimmt.

      Ansonsten guter Artikel zu Italien – erschreckend.

    • Avatar

      Sabi

      1. März 2018 20:57 at 20:57

      @Columbo:
      Troll!
      Was soll der unqualifizierte Kommentar? Unglaublich. Seien Sie dankbar das es Menschen wie Marc Friedrich und Matthias Weik gibt die ihre Mitmenschen (auch Sie) informieren und kein Geld dafür verlangen. Die Arbeit der beiden kann gar nicht genug hochgeschätzt werden. Immer diese negative Einstellung von vielen hier in diesem Land.

      • Avatar

        Nicola

        2. März 2018 00:45 at 00:45

        @Sabi.. ich lade Sie höflich die Definition von „Troll“ und gleich danach nochmal Ihren Beitrag zu lesen.
        Fakt ist, dass die Fonds der 2 Crashpropheten bis jetzt noch nie im Plus waren.

        • Avatar

          Sabi

          2. März 2018 12:23 at 12:23

          @ Nicola: Den Fonds kenne ich nicht aber was hat das mit dem Inhalt des Artikels denn zu tun?

          Gruss Sabine

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    Hinterfrager

    1. März 2018 15:56 at 15:56

    Jepp, EU-Verträge werden am laufenden Band gebrochen, den „Menschen da draußen“ aber genauso oft das Gegenteil suggeriert. In der Tat: Vor der Krise ist nach der Krise…

    https://www.abendblatt.de/meinung/article213584625/Rechtsbruch-wohin-man-schaut.html

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    asyoulike

    1. März 2018 17:12 at 17:12

    Moin, moin,
    wieder sehr gelungen der Artikel der beiden Autoren.
    Nun kurz meine subjekte Sichtweise der Dinge. Unter der Annahme, dass wie vermutet, eine bzw. mehrere EU kritische Partei die Wahlen gewinnen, so wird das nur als Druckmittel dienen, um Berlin zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Frei nach dem Motto, unsere Loyalität, euer Geld. Klingt einfach, ist es auch. Somit ergibt sich eigentlich m.E. nur die Frage, was läßt sich Berlin zusätzlich Italiens Loyalität kosten? Das hat mit London auch jahrelang so funktioniert, funktioniert heute noch mit Griechenland etc. pp. . So geht reale Politik ausserhalb des Parlaments. Denn austreten aus der EU will Italien nicht und kann es nicht. Es wäre gleich am Tag des Austritts pleite, pardon zahlungsunfähig. Es geht nur darum, mehr „Verhandlungsmaße“ aufzubauen.
    Fazit: Diese Thematik der EU bleibt spannend, insbesondere vor dem Aufkommen einer neuen Volkspartei in der BRD.

  4. Avatar

    Bernd

    1. März 2018 18:01 at 18:01

    Einer der wenigen Artikel die sich dem eigentlich wichtigstem Ereignis dieser Tage widmet. Bei einem Kippen Italiens würde nicht nur Andrea Nahles planlos dastehen, da der Krug nur so lange zum Wasser geht bis er bricht. In Deutschland werden zur Zeit mit Dieselquatsch, dem bösen Putin, den armen Syrern, GroKo usw. ganze Sauherden durch die Dörfer getrieben und Strohfeuer so hoch wie griechische Schuldenberge aufgetürmt und abgefackelt das der staunende Betrachter meint im Zentrum der Weltscheibe zu stehen. Fakt ist jedoch das dieses mediale Feuerwerk dazu dient die Bedeutung der Wahlen in Italien herunter zu spielen. Die Regierungskaste schließt die Augen vor dem was kommen könnte und reitet weiter und „erreicht den Hof mit Mühe und Not …“ Allerdings wissen die meisten Deutschen eh nicht was es mit den Target 2 Salden auf sich hat, und dass Diesen auch Forderungen gegenüber stehen die sich bei einem Exit Italiens in Wohlgefallen auflösen werden. Und am Ende ist der Blöde wiedermal der Dumme. Doch lauschen wir weiter dem Spiel der Kapelle!

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    Beobachter

    1. März 2018 18:20 at 18:20

    In Italien wird nicht viel passieren:
    1.Was auch passiert, es wird keine grosse Überraschung
    geben.
    2.Die leben seit Jahren mit chaotischen unstabilen Regierungen u.können mt dem leben.
    Es müsste viel mehr zu denken geben,dass das grösste u.stärkste EU -Land wie DE keine vernünftige stabile Regierug zustandebringt u. der neue Macro-Napoleon noch mehr Zentralismus will, obwohl genau das das grösste Problem ist.

    • Avatar

      Columbo

      1. März 2018 19:22 at 19:22

      Auch DE wird sich an chaotische instabile Regierungen gewöhnen müssen. Der Unterschied zu Italien ist kaum mehr erkennbar.

  6. Avatar

    Michael

    1. März 2018 21:51 at 21:51

    Die EU beweist neuerdings spürbar erkennbaren Charakter, so etwas wie Stärke, wieder gefundene Eier, wie Basti Schweinsteiger es einmal bildlich bezeichnet hat.
    Sie etabliert zumindest verbal Konzepte und Gegenmaßnahmen gegen die infantile Abschottungspolitik des irren Präsidenten der Vereinigten Wonderlands.
    Und sie zeigt gleichzeitig den europäischen Separatistenländchen, wo der Bartl den Most holt. Kein Exit ohne Konsequenzen, die Welt der potenziellen alternativen Partner in einer globalisierten Welt ist nicht allzu groß.
    Apropos groß, das große Britannien zeigt uns allen, wie wenig entscheidungsfähig Separatisten tatsächlich sind. Lächerliche und größtenteils erbärmliche Alles-Verweigerer ohne Plan und Ideen für die Zukunft füttern die Presse mit viel Populismus und Phrasendrescherei ohne eigenes Konzept.
    Italiener mögen eigen sein, vollkommen irre sind sie nicht. Zumindest etwa 54% ;) Die 46% Unzufriedenen dürfen und sollen derweil ihren tragischen Landsmann Mario steinigen, der ihr Land und ganz Europa in die aktuelle Bredouille manövriert hat. Und sie dürfen und werden hoffentlich anhand der großen Briten nachdenken, ob ihr populistisches Austrittsgebrüll auch tatsächlich sinnvoll realisierbar ist.
    Die Konsequenzen wird kein Draghi mehr abfedern und anderen Mitgliedern aufhalsen können.
    Warten wir auf die Wahlen in Bella Italia und den GroKo-Entscheid der SPD. Bis dahin bleibt alles pure Spekulation und Manipulation, des Börsianers Lieblingskind.

  7. Avatar

    Nicola

    2. März 2018 02:09 at 02:09

    Man kann nicht unparteiisch sein. Man kann nur intellektuell ehrlich sein.
    Dies heißt auch, die Leser vor den Gefahren unserer Parteilichkeit zu warnen. Unparteilichkeit ist ein Traum, Redlichkeit ist Pflicht.

    1) zum Titel:
    Der Titel heißt „Italien: Bankrott, korrupt und gefährlich – warum die Wahl am Sonntag unser Vermögen gefährdet“, wo wird im Artikel belegt, dass Italien korrupt sei? Mag sein, aber da der Artikeltext dies nicht betrachtet, finde ich die Verwendung von diesem Adjektiv im Titel komplett unangebracht und tendenziös.

    2)
    Zum Target2-Saldo, wenn man wirklich etwas davon verstehen möchte: (Artikel von Philipp Johann König)
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/geldpolitik-target2-und-was-wirklich-dahinter-steckt/6318300-all.html
    https://www.wiwo.de/politik/europa/euro-krise-die-target2-salden-sind-ein-weckruf/14735086-all.html

    3) Zu den „Nachteile“ der Strategie der EZB für Deutschland (Bundeshaushalt):
    https://www.welt.de/finanzen/article172377025/EZB-Geldpolitik-Deutschland-verdankt-seinen-Rekordueberschuss-allein-Mario-Draghi.html
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/02/22/ezb-erzielt-mit-anleihe-kaeufen-millionen-gewinne/ -> 1/4 davon gehen an Deutschland.

    Was ich damit sagen will, ist, dass die Probleme von einige Länder in Europa viele konkrete Vorteile für Deutschland gebracht haben, finanziell, aber auch strukturell, indem Deutschland viele Experten, Ingenieure z.b., aus diesen Länder kostenlos „importiert“ hat.

    Europa sollte wie eine Einheit verstanden werden, die nicht nur aufs Geld basiert.
    Ein Hand hat 5 Finger, theoretisch kann man auf Kleiner- und Ringfinger verzichten: man kann weiterhin essen, rauchen, schreiben, sich die Zähne putzen, usw., man kann aber mit nur 3 Finger (bzw. 6) sich das Gesicht nicht waschen.

    Es ist echt Schade, dass viele nur einige Zahlen betrachten, ohne das Gesamtbild langfristig wahrzunehmen, und ohne die riesige Vorteile die man bekommen hat zu schätzen. Vor allem, die Vorteile sind bereits aufgetreten, und die Probleme sind nur Risiken.

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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