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Devisen

Italien: Der Euro ist nicht das wirkliche Problem!

Warum der Euro praktisch nichts mit den Problemen Italiens zu tun hat..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Italiens sich anbahnende neue Regierungskoalition aus Lega und Cinque Stelle schockte die Märkte zunächst mit der Forderung einer Streichung von Milliarden von Schulden – was dann aber zumindest im Koalitionsabkommen nicht weiter verfolgt wurde. Heute hat der neue Ministerpräsident Conte versucht, die Lage etwas zu beruhigen (Europa sei unser aller Heimat, Italien habe identische Interessen mit Europa etc.), gleichwohl versprach Conte aber zugleich radikale Änderungen: so etwa in der Flüchtlingspolitik (Dublin-Abkommen müsse geändert werden), eine einheitliche Steuer (flat tax) sowie ein Grundeinkommen. Die Schulden Italiens seien tragbar, müssten jedoch durch Wachstum reduziert werden. Man wolle durch Wachstum und nicht durch Austerizität die Schulden abbauen etc. etc.

Was aber ist Italiens Problem? Die Antwort mag für viele überraschend sein – es ist neben einem sehr unflexiblen und ineffektiven Arbeitsmarkt die Tatsache, dass wenige Familien im Besitz großer Vermögen sind und diese Vermögen meist risikoavers investieren, wie eine Studie gezeigt hat. Es sind dann fast ausschließlich diese Familien und ihre in der Regel zu großen und ineffektiven Unternehmen, die von den italienischen Banken Kredite bekommen, während eben diese Banken meist anderen, eigentlich effizienten kleinen Unternehmen keine Kredite vergeben (sondern sich stattdessen vorwiegend mit italienischen Staatsanleihen vollgesaugt haben, für die sie kein Eigenkapital hinterlegen müssen).

All das zeigt: der Euro ist nicht das eigentliche Problem der italienischen Wirtschaft, zumal durch Einführung der Gemeinschaftswährung das BIP pro Kopf in Italien nicht gesunken ist.

Hier Anmerkungen zur Lage Italiens von Lars Erichsen:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Welche Risiken für deutsche Haushalte unter anderem mit Italien verbunden sind, thematisiert Florian Homm – und macht das mit intensiven Bewegungen seiner Hände – was einen Zuseher zu der Anmerkung veranlaßte: „So viele Handbewegungen, Herr Homm hat heute einen Italiener gefrühstückt.“

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang M.

    5. Juni 2018 17:40 at 17:40

    Das Video von Lars Erichsen ist schon etwas oberflächlich, bei der Angabe von Fakten und seinen Schlussfolgerungen. Das BIP Italiens ist nicht 5-6 mal so groß wie das von Griechenland, sondern 9-10 mal so groß (nur ein Beispiel).
    Klar sind Italiens Probleme nicht allein der fehlenden Abwertungsmöglichkeit durch den Euro geschuldet, sondern struktureller Natur. Aber liegt es an der Kreditvergabe der Banken?
    Da hat der Staat eine gehörige Mitschuld. Noch 1995 musste Italien 27% seiner Steuereinnahmen für Zinszahlungen nutzen, 1999 waren es 16% und heute sind es gerade noch 10%. Italien hat dadurch 400 Mrd. € gespart und hätte dieses Geld für Investitionen oder Schuldendienst nutzen können. Wie könnte das Land, bei dem das Privatvermögen der Bürger höher ist als das in D, heute dastehen? Ob da die Kreditvergabe der Banken an kleine Unternehmen das ausschlaggebende Argument ist?
    Wieso sind die Diäten italienischer Abgeordneter eigentlich 60% höher als in D? Ja, in D herrscht auch extremer Reformunwille und wir sollten wirklich nicht den großen Schulmeister spielen, aber Schuldzuweisungen an D für italienisches Wirtschaften sind auch nicht angebracht.

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      tm

      6. Juni 2018 09:58 at 09:58

      Der Staat hat eine Mitschuld? Seit 1992 – mit kurzer Ausnahme 2009/10 – erwirtschaftet Italien Primärüberschüsse im Staatshaushalt und die Staatsschuldenquote sank von 1994 bis 2007 und nun wieder seit 2017. Was hätten die Regierungen seit Anfang der 1990er Jahre denn anders machen sollen in finanzpolitischer Hinsicht? Die hohen, in den 1970er und 1980er Jahren aufgetürmten Schulden lassen sich doch nicht einfach wegzaubern und gerade in den 1990er Jahren waren die Zinsen sehr hoch und dennoch wurde die Schuldenquote gesenkt.

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    tm

    6. Juni 2018 09:50 at 09:50

    „Austerizität“

    Lasst doch bitte vor der Veröffentlichung jemanden korrekturlesen – nicht ein Artikel ohne Fehler.

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      Maitdjai

      6. Juni 2018 11:23 at 11:23

      tztztz…Wer das Wort kennt, versteht es schon! Ich denke die „Aktualitaet“ der Artikel hat hier eher Prioritaet, als der „Rechtschreibungs-Standard“ von deutschen „Ober“ – Lehrern> :-)

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        tm

        6. Juni 2018 11:43 at 11:43

        klar, versteht man alles auch mit noch mehr Fehlern. Aber finden Sie wirklich, einmal Korrekturlesen hätte so lange gedauert, dass der Artikel nicht mehr aktuell gewesen wäre? ALso von einer professionellen Seite erwarte ich auch ein entsprechend professionelles Auftreten im Stil und nicht nur im Inhalt. Sie sehen das offenbar anders…

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          sabine

          6. Juni 2018 13:02 at 13:02

          Bei „ALso“ schreibt man das „l“ klein.
          Wenn wir schon dabei sind.

          • Avatar

            tm

            6. Juni 2018 13:47 at 13:47

            Ich bin ja auch nicht der Betreiber dieser – letztlich kommerziellen – Seite… Ist Ihnen die Rechtschreibung tatsächlich vollkommen egal?

        • Avatar

          Maitdjai

          6. Juni 2018 13:46 at 13:46

          Ja, sehe ich so. Die Artikel sollten so, wie sie reinkommen, veroeffentlicht werden. Ohne daran „rum zu korregieren“. Inhaltlich gelesen, werden sie vor der Einstellung bestimmt! Sonst wuerden sie ja nicht eingestellt. Sei’s drum.

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    Columbo

    6. Juni 2018 10:52 at 10:52

    Auf Italien herumhacken ist derzeit sehr beliebt in DE. Dabei liegt die Zukunft der EU womöglich gerade bei den „Neuen Volksparteien“(um das Unwort „Populisten“ zu vermeiden) und nicht bei veralteten Systemen wie Deutschlands Groko.

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      Maitdjai

      6. Juni 2018 11:17 at 11:17

      Yes Sir! Da koennte was dran sein…Lol

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    Wolfgang M.

    6. Juni 2018 11:28 at 11:28

    tm. Ihr Hinweis auf italienische Haushaltsüberschüsse ist schon eine sehr politikfreundliche Betrachtung der Wirtschaftsdaten. Klar ist die Schuldenquote Italiens von 2000 – 2007 von 105 auf knapp 100% gefallen (wachstumsbedingt), seither kontinuierlich aber bis auf 132% gestiegen. Obwohl die Zinslast in Relation zu den Einnahmen von 14 auf 8% (von 2000 bis heute) gefallen ist, in ähnlicher Relation auch im Verhältnis zum BIP. Dabei hat „Maestro“ Draghi auch mit seiner „whatever it take“-Politik ab 2012 nochmals gewaltig nachgeholfen, um Italien Zeit für Reformen zu geben. In den letzten 17 Jahren lag die Neuverschuldung des Staates auch immer zwischen 1,3 und 5,4%. Wenn es bei einer in der Wirtschaftsgeschichte historischen Reduktion der Zinssätze Italiens für Staatsschulden von 1995 bis heute nicht zumindest zu einem Schuldenstopp kommt, muss schon einiges im Argen liegen. Aus meiner Beurteilung hat der Staat daran auch einen gewissen Anteil. Nicht mehr und nicht weniger.
    Gruß

    • Avatar

      tm

      6. Juni 2018 11:51 at 11:51

      Ich sprach nicht von Haushaltsüberschüssen, sondern von Primärüberschüssen. Und wenn die Fakten politikerfreundlich sind, ändert das nichts an den Fakten. Primärüberschüsse sind ein klares Zeichen und die liefert Italien seit 1992.

      Die Schuldenquote ist mit Ausbruch der Finanzkrise, an der Italien keine Schuld hatte, gestiegen – 2014 wurde die Quote stabilisiert, 2017 ist sie gefallen und es deutet bisher auch noch alles daraufhin, dass sie 2018 auch fallen wird. Angesichts der hohen ererbten Schulden ist der Handlungsspielraum aber nunmal begrenzt und ein Schuldenabbau kann nicht mal eben vonstatten gehen.

      Dann mal konkreter: Was hätte die italienische Regierung ab 2008 und danach machen sollen? Bis 2007 war die Schuldenquote kontinuleirlich um 18 Prozentpunkte gefallen, was coh eine beachtliche Leistung darstellt. Dann kam die größte Wirtschaftskrise seit 1929 – für Italien sogar teils schlimmer als damals.

      In deutschen Onlineforen liest sich das immer so, als gäbe es da ganz einfache Rezepte und schwupps würden die Schulden inken, die Wirtschaft florieren und alles wäre gut, aber so einfach ist es doch nicht.

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        6. Juni 2018 11:55 at 11:55

        @tm, bitte mehr Sorgfalt bei der Rechtschreibung in Ihren Kommentaren:

        „war die Schuldenquote kontinuleirlich um 18 Prozentpunkte gefallen, was coh eine beachtliche Leistung darstellt.“

        Wir bei FMW legen, wie Sie stets betonen, sehr viel Wert auf gute Rechtschreibung… :)

        • Avatar

          tm

          6. Juni 2018 13:46 at 13:46

          :-) Ich hab nur darauf gewartet, dass so etwas kommt – nur schreibe ich in einem Forum, Sie schreiben Artikel, die Sie letztlich auch vermarkten. Sehen Sie da tatsächlich keinen Unterschied in der Relevanz? Oder anders gefragt: Stört es Sie nicht, wenn Sie im Spiegel, der FAZ oder was immer Sie auch lesen, haufenweise Fehler finden?

          • Avatar

            Petkov

            6. Juni 2018 20:35 at 20:35

            Das ist was anderes. Die zweifellos vielen Fehler im Spießel sind meist semantischer Natur und FMW ging es um Syntax ;-)

      • Avatar

        Wolfgang M.

        6. Juni 2018 12:07 at 12:07

        tm, mit Verlaub, aber was helfen denn Primärüberschüsse, wenn sie zu einem Rückgang des Defizits von 105 auf 100% in 7 Jahren (2000 – 2007) führen? Das würde ja bedeuten, dass man in diesem Tempo 50 Jahre braucht, um das Maastrichtkriterium zu erfüllen. Ohne dass in der Zwischenzeit eine Rezession dazwischenkommt, die ca. alle 7-10 Jahre auftritt. Natürlich ist das Problem hochkomplex, aber es ging mir nur um Thema Staatsschulden und deren Tilgung.
        Schönen Tag

        • Avatar

          tm

          6. Juni 2018 13:49 at 13:49

          Es waren 18 Prozentpunkte seit 1994 – und das bei hohen Zinsen, was den Rückgang massiv erschwert hat. Also 1,5 Prozentpunkte pro Jahr. Das mag wenig erscheinen, aber ich habe Zweifel, dass bei einem Land wie Italien mit massiv alternder Gesellschaft viel mehr möglich wäre. Genau das muss doch aber das Kriterium sein, an dem ich die Regierung messe: War ein stärkerer Rückgang der Schuldenquote möglich oder wahrscheinlich?

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            Wolfgang M.

            6. Juni 2018 16:34 at 16:34

            tm, ein letzter Versuch. Im Jahr 1994 lag das Zinsniveau für die italienischen Staatsanleihen bei 10%, im Jahr 2007 vor Ausbruch der Finanzkrise lag das Niveau bei 4,5%. Obwohl das italienische Wachstum in diesem Zeitraum fast immer schwache Raten aufwies, musste auch ohne großes Zutun ein Primärüberschuss entstehen, durch die riesigen Zinsersparnisse (wo lagen damals die deutschen Zinsen?). Fallende Zinslast bei moderatem Wachstum und niedriger Inflation, das waren die Hauptursachen für den moderaten Defizitrückgang und nur ein wenig der Reformeifer italienischer Politiker. Aber das war die Zeit vor der Finanzkrise und jetzt bei einem Schuldenstand von 132% zum BIP gibt es eine neue Situation. Zinsanstieg und bald eine mögliche Rezession in den kommenden Jahren nach Jahren des Aufschwungs? Was für ein Cocktail!
            Persönliche Anmerkung:
            Eine meiner Töchter lebt bei Florenz und hat mich vor einem Jahr zum Opa gemacht (Cosimo). Ich mag das Land und wünsche mir beileibe kein Chaos.
            Gruß

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    Beobachter

    6. Juni 2018 12:09 at 12:09

    @Colombo, ich muss Ihnen Recht geben,wenn es wirklich chaotisch wird, wird Italien besser zurecht kommen als die nördlichen Kreditgeber.Ich war 1985 in Sizilien u.alle warnten mich vor der dortigen Armut.Was wir dort antrafen erstaunte uns, ein Zusammenleben von 2–3 Generationen als Selbstversorger.
    Brot,Wein, Fleisch, Gemüse würde alles selbst angebaut u. konnte zusätzlich noch verkauft werden.Das auffallende für uns war, dass man nachts Wache stehen musste, dass die wertvollen Lebensmittel nicht gestohlen wurden.Dass die Südländer mit wenig Geld besser leben als wir hat auch mit dem Klima zu tun.Ein Rohbauhaus ,das im Verlauf von 20 Jahren fertiggestellt wird reicht völlig , da es eben keine Heizung braucht.Eine Wohnungsnot gibt es nicht u.für die Pflegekosten braucht es keine Milliarden u.ausländisches Personal .Dort kann man in seiner gewohnten Umgebung in Würde altern.Den grossen Fehler den wir machen, ist wenn wir die Löhne vergleichen.D.h. die Lebensqualität ist im tiefsten Süden für den Normalbürger viel besser als bei uns.
    Nach meinen letzten Infos wird übrigens FR bald ebenso verschuldet sei wie Italien, mit dem Unterschied ,dass die ItaloBanken viele eigene Staatsanleihen besitzen.Da doch FR u. DE Banken u.die EZB da auch involviert sind wird der Schwarze Peter doch auch an allen hängen bleiben.Übrigens mit der Umverteilung
    durch die Tiefzinspolitik werden die sogenannten Hochlohnländer immer ärmer.
    Das war mein Eindruck vor dreissig Jahren, ich nehme an ,das das heute noch ähnlich ist, während es bei uns schlechter wird für den Normalbürger.

  6. Avatar

    Beobachter

    6. Juni 2018 14:58 at 14:58

    Italien ist für die EU die grössere Knacknuss als Griechenland,denn während die Griechen knapp EU
    freundlich waren u. die Hilfe gegen vorgegebene Budgetdisziplin erhielten, wird die neue Italoregierung
    schon wegen der Wahlversprechen sich nicht von Brüssel disziplinieren lassen. Trotzdem wird Brüssel u. die EZB LA BELLA ITALIA nicht fallen lassen können.Die Gläubiger haben mehr zu verlieren als die Schuldner !
    Hat man doch schon bei der Griechenlandrettung gesagt, man habe die deutschen u.französischen Banken gerettet u. nicht Griechenland.Könnte gar nicht so falsch sein.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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