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Italien „erst einmal befriedet“? Salvini hat sich verkalkuliert, Kapitalmarkt macht Freudensprung

Claudio Kummerfeld

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Egal welchem Lager man sich zugehörig fühlt, oder ob man gar keinem Lager angehört. Egal wie man es betrachtet – die Lage in Italien ist eindeutig. Matteo Salvini hat sich gehörig verkalkuliert. Als er vor Kurzem die Koalition mit den Fünf Sternen platzen ließ, war sein Kalkül klar nachvollziehbar. In den Umfragewerten lag er inzwischen dramatisch besser als noch zum Zeitpunkt der Wahl 2018. Er wollte Neuwahlen provozieren, wodurch er weit vor den Fünf Sternen gelandet wäre. Auch wäre er sicherlich neuer Ministerpräsident in Italien geworden, anstatt bislang „nur“ Innenminister.

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Salvini war wohl fest davon ausgegangen, dass es Neuwahlen geben würde. Nie hätte er angenommen, dass die Fünf Sterne sich mit den Sozialdemokraten zusammentun könnten. Aber genau das passiert jetzt. Heute nämlich hat Staatspräsident Mattarella den bisherigen Regierungschef Conte mit der Bildung einer neuen Regierung aus eben diesen beiden Parteien beauftragt. Somit fliegt Matteo Salvini aus der Regierung, und muss bis zur nächsten regulären Wahl warten. Natürlich unter der Voraussetzung, dass diese neue Regierung so lange hält. Nun lautet die Frage: Bleiben bis dahin Salvinis Umfragewerte so gut wie jetzt? Oder kann er sie sogar noch weiter steigern? Man darf vermuten, dass diese neue deutlich europafreundlichere Regierung, die auch beim Thema Ausländer deutlich moderater agieren dürfte, ein Mittel in die Hand nehmen wird. Geld.

Eigentlich wird man sparen müssen um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Aber man darf vermuten, dass man in Rom versuchen wird die „zornigen“ Salvini-Anhänger mit Geld zuzuwerfen, mit besseren Sozialleistungen, geringeren Steuern etc. Hauptsache sie wählen nächstes Mal nicht Salvini und seine Lega? Aus europäischer Sicht dürfte klar sein: Einmal kräftig durchatmen bitte. Aus Sicht Brüssels dürfte Italiens „Verlässlichkeit“ in Sachen Europapolitik nun wieder zunehmen. Auch der Kapitalmarkt freut sich gerade so richtig. Die italienische Lira gibt es ja nicht mehr, daher schauen wir auf Aktien und Anleihen.

Italien nun in ruhigem Fahrwasser?

Der Leitindex MIB40 in Mailand notiert heute mit +420 Punkten oder +2%. Die Rendite für zehn Jahre laufende italienische Staatsschulden fällt heute um 0,07% auf 0,96%. Am letzten Freitag lag sie noch bei 1,34%. Seit drei Tagen fällt die Rendite immer weiter, weil man das heute verkündete Ergebnis schon als wahrscheinliche Variante erwartet hatte. von 1,34% auf 0,96% in weniger als einer Woche – das sind Welten am Rentenmarkt! Der Kapitalmarkt glaubt also, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit für italienische Schulden deutlich sinkt, weil die „Seriosität“ der neuen Regierung als deutlich hochwertiger angesehen wird, als mit einem Regierungsmitglied namens Salvini. Der Chart zeigt die Rendite seit 2015.

Man sieht gut, dass sie ab Frühjahr 2018 nach der Salvini-Wahl nach oben sprang, und sich dann wieder beruhigte ab Mai 2019, weil kaum noch negative Aussagen in Richtung Brüssel kamen. Aber aktuell rauscht sie immer weiter in den Keller. Also: Der Markt glaubt offenbar, dass Italien sich nun wieder einreiht in die Riege „normaler“ EU-Mitgliedsstaaten. Aber Vorsicht: Die Wähler von Salvini sind ja nicht weg. Nur haben sich andere Parteien überraschend zusammen getan. Das „Problem“ eines Ministerpräsidenten Salvini in Italien ist also lediglich aufgeschoben, und nicht aufgehoben.

Italien Rendite 10 Jahre

Matteo Salvini hat sich verkalkuliert - Italien erst mal befriedet?
Matteo Salvini. Foto: Angelo Trani – http://www.interno.gov.it/it/ministero/matteo-salvini CC BY 3.0 it – Auszug aus Originalfoto

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Johann Steinhaus

    29. August 2019 19:15 at 19:15

    „Überraschend zusammengetan“ ist gut 🤣 Hier in Köln sagt man „jemauschelt und Klüngel“ dafür.
    Wenn sich aber die Bürger hintergangen fühlen werden selbst finanzielle Zuwendungen bzw, Erleichterungen nichts nützen.

  2. Avatar

    Politologe

    30. August 2019 06:00 at 06:00

    Fazit: Mit einer der EU genehmen Regierung ist die höhere Verschuldung wieder erlaubt. Die Volksabstimmung wollte man verhindern, weil das sogenannt dumme Volk nicht fähig ist.Das ist Demokratie
    Marke EU. Die Oposition wird so nur gestärkt u.wird Italien nicht weiterbringen.

    • Avatar

      Gixxer

      30. August 2019 12:27 at 12:27

      Ich sehe das ähnlich bzw. habe die gleichen Bedenken.
      Wenn der neuen Regierung nun das Geld ausgeben erlaubt wird, weil sie ja wieder verlässlicher sind, ist das ein fatales Signal. Es gilt dann nicht gleiches Recht für alle und meiner Meinung nach treibt man so auf lange Sicht noch mehr in die Arme von Salvini. Und auch ohne ein Freund oder Anhänger von ihm zu sein, kann ich das nachvollziehen.

    • Avatar

      Claudia

      30. August 2019 12:47 at 12:47

      @Politologe @Gixxer, wurde eine höhere Verschuldungsquote schon angekündigt oder offiziell von der EU genehmigt? Ich frage deshalb, weil ich noch nichts dahingehend gehört oder gelesen habe. Könnten Sie mir bitte ein, zwei Quellen nennen?

      • Avatar

        Gixxer

        30. August 2019 12:57 at 12:57

        Meines Wissens wurde bis jetzt nichts angekündigt. Ich meinte in meinem Post ja auch nur, wenn…

  3. Avatar

    politologe

    30. August 2019 13:12 at 13:12

    @ Claudia, man hat gemunkelt,dass da etwas läuft, oder haben sie ein Beispiel wo bei Linksrutsch die Verschuldung zurückging?

    • Avatar

      Claudia

      30. August 2019 13:43 at 13:43

      @Politologe @Gixxer, vielen Dank für die Antworten. Meine Frage war übrigens völlig neutral und nicht als Kritik gemeint. Mir ist klar, dass mein Name inzwischen trollbelastet ist und keiner wissen kann, wer hier gerade schreibt. Was ich meinte, war in erster Linie auf die EU bezogen („höhere Verschuldung wieder erlaubt“), und die hat meines Wissens bei den letzten Wahlen keinen Linksrutsch erfahren.

  4. Avatar

    Prognosti

    30. August 2019 13:25 at 13:25

    Auf jeden Fall haben die sehr „sicheren Italo- Anleihen „sehr positiv reagiert, die EZB kann ja auch mit Anleihenkäufen den verhinderten Rechtsrutsch bejubeln.

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Dank Notenbanken immun: Vermögen wachsen trotz Krisen immer weiter

Claudio Kummerfeld

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Vermögen in Form vieler US-Dollars

Die Gelddruck-Orgien der Notenbanken haben die weltweiten Vermögen immunisiert gegen Verluste, egal wie schlimm die Krise in 2019 auch war, und jetzt in 2020 dank Corona noch geworden ist. Zu diesem Schluss kommt der ganz frisch veröffentlichte „Allianz Global Wealth Report“, in dem das Wort „Immunisiert“ sogar explizit so genannt wird.

Vermögen steigen weiter an

Die Headline-Aussage der Allianz besagt, dass die Vermögen in den letzten zehn Jahren noch nie eine so große Zunahme des Wohlstands verzeichnen konnten. Weltweit sei das Brutto-Geldvermögen im Jahr 2019 um 9,7 Prozent gewachsen, und habe damit das stärkste Wachstum seit 2005 hingelegt. Angesichts der Tatsache, dass das Jahr 2019 von sozialen Unruhen, eskalierenden Handelskonflikten und einer industriellen Rezession geprägt war, sei diese Leistung mehr als erstaunlich, so die Allianz. Doch als die Zentralbanken einen Kursschwenk hin zu einer breit angelegten geldpolitischen Lockerung vollzogen, habe dies zu einem kräftigen Plus von 25 Prozent an den Aktienmärkten geführt, losgelöst von den Fundamentaldaten. Dadurch seien auch die Geldvermögen kräftig angehoben worden. Allein die Anlageklasse der Wertpapiere nahm 2019 um satte 13,7 Prozent zu – nie war das Wachstum im 21. Jahrhundert stärker, so die Headline-Aussage. Versicherungen und Pensionen erreichten laut Allianz ein Plus von 8,1 Prozent, was hauptsächlich auf den Anstieg der zugrundeliegenden Vermögenswerte zurückzuführen sei – die Bankeinlagen stiegen um 6,4 Prozent.

Vermögen auch in 2020 immunisiert gegen Verluste

Und was wird 2020 unterm Strich passieren? Es geht wohl nach dem Motto „Je schlimmer die Krise, desto mehr drucken die Notenbanken, und helfen damit Aktien und Immobilien nach oben“. So sagt der Report nämlich, dass „die selbe Geschichte sich im Jahr 2020 wiederholen“ dürfte, nur ins Extrem gewendet. Denn als die Coronakrise die Weltwirtschaft in die tiefste Rezession seit 100 Jahren stürzte, legten Zentralbanken und Finanzbehörden auf der ganzen Welt beispiellose geld- und fiskalpolitische Hilfspakete auf und schirmten so die Haushalte und ihr Geldvermögen vor den Folgen einer Welt in Unordnung ab, so die Allianz. Man gehe davon aus, dass die privaten Haushalte ihre Verluste aus dem ersten Quartal wettmachen konnten und bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 einen leichten Anstieg des globalen Geldvermögens um 1,5 Prozent verzeichneten. Hauptreiber der Entwicklung seien die Bankeinlagen, die dank großzügiger öffentliche Unterstützungsprogramme und vorsorglicher Ersparnisbildung um kräftige 7,0 Prozent zunahmen. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2020 im Plus enden werde.

Die Allianz merkt kritisch an, dass die Geldpolitik im Moment zwar die Vermögen gegen Corona quasi immunisiert habe. Aber man solle sich nichts vormachen. Null- und Negativzinsen seien ein süßes Gift. Sie würden die Vermögensbildung untergraben, und verschärfen die soziale Ungleichheit, da Vermögenseigentümer satte Mitnahmegewinne einstreichen können. Das sei nicht nachhaltig. Auch noch interessant: Das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern habe sich wieder vergrößert. Im Jahr 2000 sei das Netto-Geldvermögen pro Kopf in den Industrieländern im Durchschnitt 87-mal höher gewesen als in den Schwellenländern. Bis 2016 war dieses Verhältnis auf 19 gesunken. Seither ist es wieder auf 22 (2019) angestiegen, so die Allianz.

Was lernen wir daraus?

Nun, die Allianz steht wohl kaum im Verdacht gegen den Kapitalismus zu hetzen, oder Notenbanken arg kritisch gegenüber zu stehen. Von daher ist es schon interessant, dass sie so klipp und klar ausspricht, was viele andere Kommentatoren (wie auch wir bei FMW) seit geraumer Zeit sagen. Nämlich dass die obszöne Geldschwemme von EZB, Fed und Co Assetpreise wie Immobilien oder Aktien kräftig antreibt, losgelöst von der Realwirtschaft. Dies ist also kein Mythos und keine Verschwörungstheorie, wenn man die Allianz als seriöse Informationsquelle für diese Information zählt.

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Fed: US-Bürger ignorieren die mächtigste Notenbank der Welt

Dass die Kommunikation der Fed mit den US-Bürgern kaum Auswirkungen hat, zeigt jedoch eine Studie von vier Ökonomen der Notenbankstelle in Cleveland

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Für die Finanzmärkte ist die US-Notenbank Fed das Maß aller Dinge – aber auch für die US-Bürger, also die „normalen Leute“, die Main Street?

Wer sich die Mühe macht, die Statements der US-Notenbank Fed nach ihren Sitzungen zu lesen und die Pressekonferenzen zu verfolgen, die Jerome Powell jedes Mal „zelebriert“, so könnte man auf zwei Schlussfolgerungen kommen: Erstens, dass er sich mit seiner unglaublich gehäuften Darlegung des gesetzlichen Auftrags der Fed „Prize Stability and Maximum Employment“ eine kleine Entschuldigung für seine Geldpolitik sucht, die dem Open Market Committee keine andere Wahl lasse. Dass dies – zweitens – aber einen Versuch darstellt, die Öffentlichkeit zu informieren und den Bürger zu einem gewünschten Verhalten innerhalb der finanziellen Repression zu veranlassen. Dass Letzteres nicht gelingt, beweist eine Umfrage aus dem Wissenschaftsumfeld der Fed unter US-Bürgern.

Fed: Das flexible Inflationsziel

Ende August hatte Fed-Chef Powell in einer Rede ausgesprochen, was man schon längere Zeit vermutet hatte. Man würde zinspolitisch die „Füße stillhalten“, auch wenn die Inflationszahl für längere Zeit über der bisherigen Zielmarke (Inflation target) von zwei Prozent liegt. Klingt erst einmal unsinnig, denn schließlich sollte sich die Teuerung in den nächsten Jahren nicht einmal richtig der Zielzone nähern. Eindeutig dürfte dahinter sich die Absicht der Notenbank verbergen, dass man die finanzielle Repression dauerhaft fortsetzen wird: Zinsen für längere Zeit unterhalb der Teuerungsmarke, bei gleichzeitigem BIP-Wachstum, ergibt eine prozentuale Absenkung des Verschuldungsniveaus. Das ist ein Verfahren, welches die USA und Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre praktiziert hatten. Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt: die Fed könnte durch eine höhere Inflationserwartung Konsumenten und Unternehmen zu höheren Ausgaben veranlassen. Dass die Kommunikation der Fed mit den US-Bürgern kaum Auswirkungen hat, zeigt jedoch eine Studie von vier Ökonomen der Notenbankstelle in Cleveland.

US-Bürger haben wenig Ahnung von der Fed-Politik

Targeting and Household Expectations heißt die Arbeit der Ökonomen, die sich mittels Befragung unter Bürgern mit der Frage beschäftigt haben, wie der kleine Mann den Wechsel in der Notenbankpolitik aufnimmt. Das Ergebnis dürfte recht erschütternd sein für den Chef der US-Notenbank: Nur eine kleine Minderheit gab an, überhaupt von einer neuen Strategie der Fed gehört zu haben. Und die, die davon gehört hatten, gaben auch noch falsche Ziele wieder. Man glaubt allgemein, dass das Ziel der Notenbank ein starker Dollar sei und niedrige Zinsen, damit sich der Staat seine Verschuldung leisten kann.

 

Fazit

Auch wenn das zigfache Wiederholen des gesetzlichen Auftrags der Fed (Maximum Employment und Prize Stability) durch Jerome Powell in den Pressekonferenzen schon fast nervig wird: beim Bürger kommt anscheinend nicht viel davon an, was die Damen und Herren im Elfenbeinturm des Geldes in Washington D.C. vorhaben.

So könnte seine letzte Strategie mit der Aufforderung beim Bürger mehr zu investieren auf taube oder gar keine Ohren gestoßen sein. Höhere Inflationserwartungen sollten zum Vorziehen von Konsumausgaben führen. Wobei man sich schon fragen muss, wie es sein kann, dass man das Volk mit den vielen (überzogenen) Kreditkarten überhaupt zum Geldausgeben animieren muss..

Die Fed dringt mit ihren Aussagen nicht wirklich zu den Bürgern durch

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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