Anleihen

Italien gegen EU, Erdogan gegen Zins-Teufel – so eindeutig reagiert der Markt

Es ist ganz einfach. Wenn Sie jemand anders Geld geben sollen, müssen Sie ihm vertrauen. Je weniger Sie ihm vertrauen, desto mehr Zinsen (Risikoprämie) verlangen Sie.

Es ist ganz einfach. Wenn Sie jemand anders Geld geben sollen, müssen sSe ihm vertrauen. Je weniger Sie ihm vertrauen, desto mehr Zinsen (Risikoprämie) verlangen Sie. Für das erhöhte Risiko einer Nicht-Rückzahlung wollen Sie sich ja heute schon entsprechend bezahlen lassen.

Dieser Mechanismus ist aktuell wunderbar zu besichtigen in Italien und der Türkei. „Das neue Italien“, welches gerade durch die Wahlgewinner der Fünf Sterne-Bewegung + Lega geformt wird, schießt voll gegen die EU, gegen Verträge, gegen die Einhaltung von Schuldenrückzahlung uvm. Das steigert das Vertrauen der Märkte in Italien natürlich ins Unermessliche (Satire). Tendenziell verkaufen daher einige Anleger italienische Anleihen, um sich verlässlichere Alternativen zu suchen. Wenn die Käufer dieser italienischen Papiere nun günstiger einsteigen können, erhöht sich ihre Rendite (Risikoprämie) auf das eingezahlte Kapital.

Das sieht man gut in der wichtigsten Anleihelaufzeit von zehn Jahren. Im folgenden Chart seit Dezember 2017 sieht man, wie die Rendite von Anfang Mai, wo die aktuelle Koalitionskonstellation konkreter wurde, von 1,76% auf heute 2,18% gestiegen ist. Alleine von gestern auf heute legt die Rendite um 3,3% zu. Italien hat ja bekanntermaßen keine eigene Währung mehr. Gäbe es die italienische Lira noch, würde sie gut in den Keller rauschen. Also Glück gehabt in Sachen Währung?

Italien 10 Jahre Rendite

Türkei

In Sachen Türkei reden wir über ganz andere Größenordnungen, die der hohen Inflation geschuldet sind. Präsident Erdogan hält Zinsen für den Teufel. Man müsse sie eigentlich senken. Dass dies genau das Gegenteil von dem ist, was zur Inflationseindämmung nötig wäre, verstärkt die Vorbehalte der Märkte gegenüber der Türkei immer mehr.

Die zehnjährige türkische Staatsanleihe springt in ihrer Rendite (Chart seit Dezember 2017) seit Anfang Mai von 12,25% auf heute 14,49% – ein kräftiger Anstieg. Wer türkische Schulden jetzt neu kauft, will eben eine Risiko-Kompensation dafür, dass das Staatsoberhaupt des Landes so komische Äußerungen von sich gibt. Außerdem gibt es Gerüchte, dass Erdogan nach seiner Wiederwahl in vier Wochen dazu übergehen könnte die Notenbankpolitik in Eigenregie durchzuführen – also Zinssenkungen, um die Inflation in den Griff zu bekommen??? Es kann interessant werden, und weiteren Rendite-Anstiegen steht vermeintlich nichts im Weg.

Die Türkei hat anders als Italien ja ihre eigene Währung, und wir berichten seit Monaten über die stetige dramatische Abwertung der Lira. Mit 5,27 Lira für einen Euro ist man aktuell nur minimal entfernt vom Allzeittief bei 5,32 von vorgestern. Auch hier scheint vermeintlich der Weg für weitere Abwertungsschübe offen zu sein. Beginnt langsam die große Zockerei der Märkte Richtung Wahlen am 24. Juni?

Türkei 10 Jahre Rendite



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