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Italien: Nervosität wegen des Budgets – heute muß „die Katze aus dem Sack“! Tritt Tria als Garant für die Finanzmärkte zurück?

Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf in Rom – die Chance ist hoch, dass die Dinge eskalieren!

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Hektik in Rom

 

Es geht heute turbulent zu in Italien – denn bis heute Mitternacht, das ist eine Vorgabe der EU-Kommission, muß der Haushalt für das Jahr 2019 stehen! Dabei will die neue italienische Regierungskoalition die Ausgaben deutlich erhöhen für ein bedingungsloses Grundeinkommen und Steuersenkungen für zunächst Firmen, dann ab 2019 auch für die Bürger Italiens (siehe dazu unseren Artikel „Italien: Wirtschaftsminister verspricht Geschenke für alle – aber wer zahlt´s?“).

Nun gibt es innerhalb der italienischen Regierung nicht unerhebliche Differenzen: Wirtschaftsminister Tria will das Defzit möglichst gering halten, im Bereich der 1,6%-Marke zum BIP. Die Cinque Stelle, die ihren Wählern vor allem eine Steigerung von Sozialleistungen versprochen hat, will auf jeden Fall über der 2%-Marke bleiben. Und so wird gezerrt und gezogen, bis man sich irgendwie einigen kann – ursprünglich war die Sitzung des Kabinetts für heute 10Uhr geplant, ist aber nach neuesten Informationen nun auf 20Uhr verschoben worden. Man braucht offenkundig Zeit, um sich auf einen Kompromiß zu einigen.

 

Tritt Tria zurück? Dann Tumulte am italienischen Anleihemarkt!

Nun sagt ein führendes, aber anonym bleibendes Miglied von Cinque Stelle: der parteilose Wirtschaftsminister Tria habe seinen Rücktritt angedroht – offenkundig weil er gegenüber der Lega und Cinque Stelle mit seiner Mahnung auf verlorenem Posten steht, dass ein Defizit von mehr als 1,9% des BIP die Tragfähigkeit der italienischen Schulden gefährde. Cinque Stelle hätte ohnhin lieber eine Zahl um die 2,4% oder 2,5%, selbst Lega-Chef Salvini hält eine Zahl über der 2%-Marke für „offensichtlich“ sinnvoll. Wirtschaftsminster Tria aber, so wird kolportiert, bestehe auf maximal 1,6%.

Nun gilt Tria den Finanzmärkten gewissermaßen als Grant dafür, dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen in Sachen Spendierfreudigkeit der neuen Regierung – sein Rücktritt wäre ein Alarmsignal an den Anleihemarkt. Die beiden Koalitionspartner Cinque Stelle und Lega aber scheinen sich einig zu sein: die entscheidende Zahl müsse nicht bei 2,4% Defizit liegen, aber über der 2%-Marke – ja, das müsse unbedingt sein.

So spricht vieles dafür, dass wir hinter den Kulissen derzeit eine Auseinandersetzung sehen zwischen dem parteilosen Tria und den beiden Koalitionsparteien. Und eigentlich kann es da nur zwei Varianten geben: Tria stimmt einer Zahl über der 2%-Marke zu – und verliert damit gewissermaßen sein Gesicht. Oder Tria tritt zurück – und dann herrscht Tumult am italienischen Anleihemarkt!

 


Von Rabax63 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59186870

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Wahrsager

    27. September 2018 15:43 at 15:43

    Ich wette mein ganzes Vermögen dagegen das nichts passiert,… man wird sich wieder einigen auf faule Kompromisse so wie es Politikschlampen schon seit 1000 Jahren machen.
    Top , die Wete gilt….

    • Avatar

      Columbo

      27. September 2018 16:50 at 16:50

      mal ganz privat, ganz persönlich, so unter uns gesagt, es ist mir auch lieber, wenn nichts passiert.

      • Avatar

        freierMensch

        1. Oktober 2018 09:03 at 09:03

        Mit jedem Tag wo es länger dauert wird es schlimmer für uns.

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Anleihen

EZB-Rettungsprogramm: Anleihe-Kauflimits gestrichen – das wird problematisch!

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Die EZB hat mit ihrem neuen 750 Milliarden Euro schweren Anleihekaufprogramm namens „PEPP“ (Pandemic Emergency Purchase Programme) einiges an zusätzlichem Geld, was in den Markt gepumpt werden muss. Zur Nothilfe in der Coronavirus-Krise wird man also noch deutlich mehr am Anleihemarkt aufkaufen. Aber wie geht das? Denn die EZB hatte sich bislang selbst die Regel verpasst, dass man bei neuen Anleihe-Tranchen, die an den Markt kommen, maximal 33 Prozent selbst aufkauft. Und in manchen Fällen war man an die Nähe dieser Grenze gekommen. Mit dieser 33 Prozent-Grenze wollte man vermeiden, dass der Eindruck einer Staatsfinanzierung durch die EZB entsteht. Es sollte also pro Anleihe immer noch mehrheitlich private Besitzer geben, abseits der Notenbank. Aber nun hat die EZB laut aktuellen Berichten diese Begrenzung für das PEPP aufgehoben. Sie kann nun also deutlich mehr als 33 Prozent einer ausgegebenen Anleihe aufkaufen. Klar, irgendwie muss man ja das Geld unterbringen.

Also alles Eitel Sonnenschein? Nein, da entsteht ein ernsthaftes Problem! Denn es gibt ja vor allem in Deutschland massive Kritik an diesen Käufen der EZB. Hierzu gab es sogar Gerichtsverfahren am EuGH und beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Es ging um eine mutmaßliche Kompetenzüberschreitung der Notenbank. Der EuGH wies auf die Wichtigkeit der Kaufobergrenzen hin, und Karlsruhe wird noch ein Urteil fällen, ob die Käufe der EZB rechtens sind. Indem die EZB nun ihre eigenen Regeln aufweicht, sendet sie zwar ein erneutes „whatever it takes“-Signal an die Märkte. Aber den Kritikern der EZB schüttet man jetzt viel frisches Wasser auf die Mühlen. Handelt sie unkontrolliert, zügellos? Handelt es sich nun umso mehr um eine klare Staatsfinanzierung durch die Notenbank, was keinesfalls erlaubt ist? Aber hey, wen interessiert das derzeit schon? Werden auch die Gerichte alle drei Augen zudrücken, weil außer der EZB niemand den Laden am Laufen halten kann?

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Offiziell: Deutsche Anleihen-Agentur verkündet massive Schuldenausweitung

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Die Finanzagentur Deutschland GmbH ist das Vehikel, über welches der deutsche Staat die Ausgabe von Staatsanleihen aller Art abwickelt. Vor wenigen Minuten hat diese Agentur verkündet, dass die Schuldenaufnahme um 87 Milliarden Euro ausgeweitet wird. Aus heutiger Sicht werde sich das Emissionsvolumen der nominalverzinslichen Kapitalmarktinstrumente sowie der unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes im zweiten Halbjahr um ca. 87 Milliaden Euro erhöhen. In diesem Volumen seien Mittel enthalten, die der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zur Finanzierung ihres Sonderprogramms im Rahmen des Maßnahmenpakets des Bundes zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie zur Verfügung gestellt werden können. Hier weitere Ausführungen im Wortlaut von der Agentur:

Der Finanzierungsbedarf des Bundes wird sich im Jahr 2020 gegenüber der im Dezember 2019 veröffentlichten Jahresvorausschau erhöhen. Grund hierfür ist das weitreichende Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie heute auf den Weg gebracht hat. Der Bund passt daher seine Emissionsplanung für das Jahr 2020 an. Zudem werden ausstehende Bundesanleihen in den Eigenbestand des Bundes aufgestockt. Dies dient insbesondere der kurzfristigen Refinanzierung des Bundes über Repo-Geschäfte.

Die im zweiten Quartal beginnenden monatlichen Emissionen von Unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes (Bubills) mit 12-monatiger Laufzeit sollen im zweiten Halbjahr fortgesetzt werden.

Zudem sind weitere Aufstockungen in den Eigenbestand des Bundes zwecks kurzfristiger und flexibler Kapitalaufnahme insbesondere über Repo-Geschäfte möglich.

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EZB-Bazooka zeigt massive Auswirkungen in Griechenland, Italien Spanien

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Die Akropolis in Athen - die EZB rettet sie alle

Nennen wir es einfach mal die EZB-Bazooka, was da heute Nacht verkündet wurde. Die EZB kauft zusätzlich zu den bestehenden Programmen bis Jahresende für 750 Milliarden Euro Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in der Eurozone auf. Dazu noch der dezente Hinweis der EZB, dass es bei Käufen der Zentralbank im Rahmen dieses neuen „PEPP-Programms“ einen Verzicht auf die Zulassungsvoraussetzungen für von der griechischen Regierung ausgegebene Anleihen geben wird. Im Klartext: Vor allem Griechenland wird die EZB so richtig anständig unter die Arme greifen, in dem man dort zuschlägt. Bislang galten griechische Papiere als problematisch, weil sie noch kein „höherwertiges“ Rating als „Investment-Grade“ haben. Aber sowas muss nun zurückstehen – es wird nun kräftig gekauft!

EZB bringt die Rendite nach unten

Das Resultat kann man heute besichtigen. Drohende Staatspleiten in Euroland? Eine neue Griechenland-Krise, Italien am Ende? Nein, ganz im Gegenteil. Wenn die EZB jetzt um so mehr kräftig zulangt bei diesen Anleihen, sinkt natürlich das Ausfallrisiko. Und zack, der Risikoaufschlag für diese Papiere sinkt dramatisch. Schauen wir uns zunächst Griechenland an. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen lag gestern noch bei 3,97 Prozent, heute sind es bei schnellen Bewegungen nur noch um die 2,40 Prozent. Was für ein Rückgang. Man sieht es im folgenden Chart gut, der bis zum 19. Februar zurückreicht. Ab dem 12. März schoss die Rendite hoch. Die Aktienmärkte crashten, alles crashte (vereinfacht gesagt) – und die Angst vor Staatspleiten nahm  zu. Und zack, die EZB als „der große Aufkäufer“ bringt das „Vertrauen“ zurück, die Rendite geht in den Keller. Denn wo soll das Risiko sein, wenn die EZB nach und nach alles aufkauft? (ja, leicht übertrieben formuliert)

Griechenland Rendite fällt dank EZB

Bei spanischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist die Rendite heute um 27 Prozent gesunken. Der Verlauf ist ähnlich wie bei Griechenland, nur nicht ganz so krass ausgeprägt. Lag die Rendite gestern noch im Hoch bei 1,36 Prozent, so sind es jetzt 0,89 Prozent. Und das Sorgenkind Italien? Ähnlicher Verlauf. Die Rendite sinkt heute um 20 Prozent ab. Gestern noch im Hoch bei 2,95 Prozent, so sind es jetzt noch 1,82 Prozent.

Spanien Rendite

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