Anleihen

Leitzins klettert auf 2,5 % - im Sommer noch 0,00 % Italien schimpft auf EZB – Anleihemarkt erhöht Risikoaufschlag

Die Renditeaufschläge für Anleihen aus Italien sind sprunghaft gestiegen. Die Regierung Meloni ist verärgert über die höheren EZB-Zinsen.

Italien-Flagge

Italien ist extrem hoch verschuldet mit 150,2 % in Relation zur Wirtschaftsleistung. Im Vergleich dazu: Deutschland hat nur 67,2 % Verschuldungsgrad. Wer viele Schulden hat und auch weiterhin den Drang verspürt viele neue Schulden machen zu wollen, braucht neben dem Zugang zu Geldgebern vor allem niedrige Zinsen! Bislang hat sich die neue rechte Regierung unter Georgia Meloni relativ gut zurückgehalten mit verbalen Entgleisungen. Aber nach der gestrigen Zinsanhebung der EZB um weitere 0,50 % auf 2,50 % konnte man nicht mehr an sich halten.

So wie der Anleihemarkt vor Wochen extrem sensibel und deutlich auf die geplante Schuldenorgie in Großbritannien reagierte, so beobachtet man auch ganz genau die Aussagen aus Italien. Auch wenn das Land fest in Euro-Staatenbund verankert ist… die Verschuldung ist nun mal extrem hoch, und der kurzfristig unwahrscheinliche Fall eines Zahlungsausfalls wird durch Renditesprünge am Anleihemarkt angezeigt. Am Markt schaut man immer direkt auf den BTPBUND-Spread. Er zeigt an, um wie viel höher die Rendite für italienische 10-Jahres-Staatsanleihen liegt gegenüber den deutschen Anleiherenditen. Denn das „seriöse“ Deutschland gilt in Europa als die Benchmark für die größte Wahrscheinlichkeit der Anleiherückzahlung, mit entsprechend niedrigen Renditen.

Rendite-Aufschlag für Italien steigt – Regierung schimpft auf EZB

Je höher die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls, desto mehr Risikoprämie will der Anleger sehen in Form höherer Renditen. Und dieser Aufschlag ist für Italien seit gestern Mittag sprunghaft gestiegen! Hochrangige italienische Regierungsmitglieder haben nämlich die gestrige Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank kritisiert. Die Spannungen zwischen der Regierung von Giorgia Meloni und den Währungshütern in Frankfurt nehmen zu, so Bloomberg aktuell. Die Entscheidung der EZB habe “in Italien und ganz Europa Milliarden an Ersparnissen verbrannt”, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Verkehrsminister Matteo Salvini. Dies sei “beunruhigend und besorgniserregend.” FMW: Na ja, eigentlich sind höhere Zinsen ja positiv für Sparvermögen!

Bloomberg weiter: Verteidigungsminister Guido Crosetto, wie Meloni Mitglied der Rechtspartei Fratelli d’Italia, twitterte gestern, die Straffung der EZB und der die Falken-Haltung von Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz der Notenbank seien für das Italien ein unerwünschtes “Präsent”.

Gap zwischen den Renditen für Italien und Deutschland

Der Renditeaufschlag zehnjähriger Italienanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich am Donnerstag nach der EZB-Entscheidung um 13 Basispunkte auf über 200 Basispunkte aus. Heute erreichte der viel beachtete Risikoindikator sogar 215 Basispunkte.

Als Georgia Meloni dem ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi als Ministerpräsidentin nachfolgte, kündigte sie an, seine Reformen und die zurückhaltende Budgetpolitik fortzusetzen. Das erste Haushaltsgesetz ihrer Regierung, das noch nicht vom Parlament gebilligt wurde, kündigt einen weiteren Abbau der enormen Staatsschulden an, und entspricht weitgehend den Empfehlungen der Europäischen Union.

Banca d’Italia und ESM

Dennoch üben Meloni, ihre Parteifreunde und Koalitionspartner zunehmend Kritik an der EZB und der italienischen Notenbank. In ihrer ersten Parlamentsrede im Amt sagte Meloni, die Zinsschritte der EZB seien “unüberlegt” und würden Ländern wie Italien schaden. Staatssekretär Giovanbattista Fazzolari, ebenfalls aus Melonis Partei Fratelli, legte sich kürzlich mit der Banca d’Italia an, als diese die Pläne der Regierung kritisierte, die Anreize für Kartenzahlungen zu verringern. Der Zentralbank ginge es nur um die Interessen der Banken, denen sie zum Teil gehöre, sagte Fazzolari.

Ein weiterer Streitpunkt ist eine relativ unbedeutende Reform des Europäischen Stabilitätsmechanismus, des EU-Rettungsfonds. In Italien ist der ESM traditionell ein hochpolitisches Thema, weswegen eine Regierung nach der anderen die Ratifizierung hinauszögert. Christine Lagarde sagte gestern in ihrer Pressekonferenz, als einziges Land, das sich der Reform verweigere, sei Italien eine “Anomalie”. Dies veranlasste Finanzminister Giancarlo Giorgetti zu der Aussage, er müsse die Position des Parlaments respektieren. Die Abgeordneten hatten kürzlich für eine Resolution gestimmt, in der die Regierung aufgefordert wird, keine Änderungen am ESM zu genehmigen.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Im Land der Ferrari-Fahrer drehen sie jetzt völlig durch und werden immer unverschämter, Mattini von den Rechtspopulisten der Lega meint, die EZB würde die Sparer schaden, wenn man Zinsen erhöht?!? Der Mann sollte seinen Geisteszustand überprüfen lassen. Der Realzins ist immer noch massiv im negativen Bereich, dies nennt man finanzielle Repression und nicht die Erhöhung von Zinsen schädigt die Sparer, sondern die Sparer werden von der Inflation, von „Negativzinsen“ und also von der ultralocketen Geldpolitik der EZB enteignet und geschädigt, als eine EZB Politik die gemacht wird um den Schuldenmachern vom Club Med zu gefallen, die keine Steuern zahlen.

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