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Italien: Teil 3 der Serie „Die wirtschaftliche Lage in Europa“

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Mit dem heutigen dritten Teil unserer Serie „Die wirtschaftliche Lage in Europa“ widmen wir uns Italien. Wir analysieren diverse Faktoren sowie die politische Lage. Auch bewerten wir länderspezifische Besonderheiten und die Zukunftsaussichten.

Italien Ministerpräsident Matteo Renzi
Foto: Presidenza della Repubblica / Wikipedia

Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt in Italien ist 2008 wie überall eingebrochen, aber nicht so stark. Andersrum fiel danach die Erholung ebenfalls mäßig aus. Seit dem Höchstwert im BIP 2008 konnte die italienische Wirtschaft nicht weiter wachsen – Stagnation ist angesagt! Im 1. Quartal 2015 stieg das BIP um 0,3% – das Ende der Rezession ist eingeläutet – aber wohl durch die Geldschwemme der EZB. Die EU-Kommission erwartet für 2015 und 2016 Zuwächse von 0,6 und 1,4%.

Italien BIP

Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung in Italien wächst wie die Arbeitslosigkeit kontinuierlich an. Lag sie zu Beginn der Krise noch bei 102% bezogen auf das BIP, waren es Ende 2014 schon 132%. Eine dramatische Zunahme – und wie bei der Arbeitslosigkeit ist die Konstanz des Anstiegs beängstigend. Die EU-Kommission erwartet bis Ende 2016 einen leichten Rückgang auf 130,6%.

Italien Staatsverschuldung

Arbeitslosigkeit

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit stellt sich dramatisch dar. Wo sich andernorts in Europa nach eine harten Krise Erholungstendenzen breit machen, steigt die strukturelle Arbeitslosigkeit in Italien seit 2008 kontinuierlich an. Auch wenn man nicht annähernd so schlecht dasteht wie Spanien oder Griechenland, ist gerade die Kontinuität bedrohlich. Bei Ausbruch der Krise noch bei 6,7%, lag die offizielle Quote Ende 2014 bei 12,7%, also fast eine Verdoppelung. Die EU-Kommission rechnet für 2015 und 2016 mit einem Verbleib der offiziellen Quote auf hohem Niveau bei 12,4%. Bedenkt man, dass Eurostat mit der Zahl der „Erwerbslosen nach ILO-Methode“ rechnet, dürfte die Arbeitslosigkeit, wie sie in Deutschland berechnet wird, in Italien bei ca. 17% liegen. Dazu packe man noch versteckte Arbeitslosigkeit wie in allen Ländern, und schnell ist man bei realistisch 20% Arbeitslosenquote in Italien.

Italien Arbeitslosenquote

Politik: Renzi der einzige Hoffnungsschimmer?

Matteo Renzi regiert als Ministerpräsident erst seit 2014 und ist nach Jahrzehnten der erste Regierungschef, der nicht aus der alten Garde der klassischen Politikerkaste stammt. Er hat Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt und Bankensektor ins Laufen gebracht. Ebenfalls sollen in allen Bereichen der Verwaltung Verfahren beschleunigt werden, was aber nicht von heute auf morgen umzusetzen ist. Von fast allen Seiten betrachtet ist er eigentlich derzeit der einzige Hoffnungsschimmer für Italien. Entscheidend wird sein, dass die Wähler ihm Zeit geben seine Reformen weiter umzusetzen, sonst könnte Italien wieder zurückfallen in die alte Klientelwirtschaft a la Berlusconi, auch wenn die Namen dann andere wären.

Börse

Auch der italienische Aktienmarkt entwickelt sich wie die Wirtschaft deutlich schlechter als der Rest Europas. Wie der Chart sehr gut zeigt, stagnieren die Kurse seit Beginn der Krise 2008 – von Erholung keine Spur. Die italienische Industrie, die ausschließlich im Norden des Landes beheimatet ist, produziert großteils wettbewerbsfähig und kann international mithalten, wenn sie denn Geld für Investitionen bekommen würde.

Italien Aktienindex

Das Hauptproblem in Italien

Die Industrieproduktion in Italien ist im Vergleich zu 2008 um gut 25% gesunken. Das strukturelle Problem dahinter ist, dass die Banken die Wirtschaft fast gar nicht mehr mit Investitionskrediten versorgen. Grund hierfür ist, dass man in Italien das Problem der faulen Kredite in den Bankbilanzen in den letzten Jahren ignoriert hat. Jetzt haben die Banken keine Spielräume um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Matteo Renzi hat dieses Problem erkannt und ist derzeit mit Hochdruck dabei bei der EU-Kommission abzukopfen, wie er eine Bad Bank vergleichbar mit anderen EU-Ländern ins Leben rufen kann, ohne dabei EU-Recht zu verletzen.

Er möchte die Möglichkeit schaffen, dass der Staat den Banken faule Kredite abkauft, die sich auf ca. 300 Milliarden Euro belaufen sollen. So wie die Planungen derzeit aussehen, sollen die Banken nicht mit überhöhten Phantasiepreisen beglückt werden, sondern die Bad Bank soll ihnen den Schrott zu aktuellen Marktpreisen aus den Bilanzen rauskaufen. Es wäre also keine richtige Belastung für den italienischen Staat, trotzdem eine Art Neubeginn für die Banken. Die Regierung arbeitet derzeit auch daran, dass Banken Sicherheiten von ausgefallenen Krediten deutlich schneller „verwerten“ können. Auch soll die steuerliche Absetzbarkeit dieser Verluste verbessert werden.

Zukunftsaussichten

2014 war für Italien eine Art Neustart mit Matteo Renzi. Er sollte von seinen Wählern die Zeit für wirkliche Reformen bekommen, damit Verwaltungsabläufe auf allen Ebenen beschleunigt und vereinfacht werden. Vor allem sollte er die Reaktivierung des Bankensektors vollenden können, die er gerade erst in Angriff genommen hat. Dann kann es langsam aber vorsichtig bergauf gehen. Der Weltmarkt rennt Italien mehr und mehr davon. Das produzierende Gewerbe in Norditalien kann nicht ewig warten – irgendwann hat man den Anschluss verloren und die Industrieproduktion bricht vollends ein. Kommen die alten Seilschaften wieder an die Macht, stünden die Chancen nicht schlecht, dass Italien das nächste Griechenland wird.




Quellen:
Eurostat
Europäische Zentralbank
Europäische Kommission
Italienische Zentralbank

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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