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Italien und der „Umbau“ des Bankensektors: Da ist was los…

FMW-Redaktion

In Italien, da ist was los im Bankensektor! Aus Bankenkreisen hört man die italienische Regierung überlege aktuell wegen dem Brexit 30-40 Milliarden Euro in ihre heimischen Banken zu pumpen – keine normale Extra-Liquidität durch die Notenbank, sondern eine mögliche Kapitalmaßnahme durch die Regierung! Wie gesagt, bisher nur Gerüchte, aber das wäre schon was! Statt Cash könnte diese Stützung der Banken auch in Form von Garantien erfolgen, was wohl deutlich wahrscheinlicher ist – sonst müsste der italienische Staat seine tatsächliche Staatsverschuldung per sofort durch die Ausgabe von Anleihen erhöhen. Man will damit, wenn es denn so kommt, einem Bank Run vorbeugen, der ein psychologischer Lawineneffekt ist – rennt einer aus Angst zur Bank, folgen schnell ein paar mehr Kunden, kurz darauf rennen alle hin um ihr Geld abzuheben – wie bei der Reise nach Jerusalem.

Der letzte der sich hinsetzt, bekommt keinen Stuhl mehr ab. Käme es zu dieser Kapitalspritze, wäre das nach der Finanzkrise 2008 mal wieder die Verschiebung privater Probleme auf den Steuerzahler. Die Banken und ihre Aktionäre dürfte es freuen, denn die Banken schieben mehr als 300 Milliarden Euro extrem notleidender Kredite vor sich her. Am Aktienkurs von Italiens größter Bank Unicredit jedenfalls kann man diese Hoffnung noch nicht ablesen. Sie fällt heute mit -9% auf ein Rekordtief durch das negative Brexit-Umfeld.

Unicredit 1
Die Unicredit-Aktie seit 2006. Bei der Kursentwicklung sieht selbst die T-Aktie gut aus.

Unicredit 2
Die Unicredit-Aktie seit Ende Mai. Mit -30% verliert Italiens größte Bank seit Donnerstag Abend so stark wie die britischen Großbanken wg. dem Brexit.

Volksbanken

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi will vor allem den Volksbanken-Sektor umkrempeln. Nach einem neuen Gesetz müssen die zehn größten Volksbanken in Italien in Aktiengesellschaften umgewandelt werden, und alte Stimmrechts-Usancen werden auch abgeschafft. Zukünftig hat jeder Anteil das gleiche Stimmrecht. Man will die problembehafteten Volksbanken zu Fusionen drängen, was auch die EZB dringend angemahnt hat – das Schema ist bekannt: durch Fusionen können Stellen eingespart und Filialen geschlossen werden, was Geld sparen soll. Das Hauptproblem wird dadurch aber nicht gelöst: Die brutale Belastung vieler Bankbilanzen mit notleidenden Krediten, die von Schuldnern nicht mehr bedient werden.

Wie auch immer. Aktuell wollte die Volksbank „Veneto Banca“ durch eine Kapitalerhöhung von ihren Aktionären 1 Milliarden Euro einsammeln, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Das ging gründlich in die Hose. Die Altaktionäre zeichneten lediglich 2,2% der Summe – ein Witz und gleichzeitig eine Ohrfeige! Auch externe Investoren hielten sich sagen wir mal dezent zurück. Einspringen muss jetzt wohl aller Wahrscheinlichkeit nach der italienische Rettungsfonds Atlante, der bei der Geschwindigkeit seiner Inanspruchnahme schon bald aufgebraucht sein dürfte. Bereits im Mai gab er 1,5 Milliarden Euro für die Banca Popolare di Vicenza, da hier (merkwürdigerweise?) bei einem geplanten Börsengang auch fast niemand zeichnen wollte.

Die jetzt zu rettende Veneto Banca soll angeblich mit der ebenfalls schlecht da stehenden Volksbank Vicenca fusionieren. Sparen, zusammenlegen, Kosten senken… aber nochmal: So sehr man hierüber auch versucht sich zu gesunden – der lächerlich kleine Rettungsfonds Atlante ist schon fast leer, und müsste eigentlich so richtig dick aufgestockt werden. Mit den 30-40 Milliarden aus der italienischen Staatskasse wäre erst einmal Ruhe – das Geld würde aber nicht in den Fonds, sondern direkt in die großen Banken fließen, so darf man es annehmen. Aber dann hätte man wie gesagt keine Bankensanierung gemacht, sondern lediglich Probleme ein klein bisschen „weg-saniert“ von den Banken rüber zum Steuerzahler. Das ist kein großes Kunststück, sondern nur eine „Umbuchung“. Die beiden vorher erwähnten Volksbanken haben letztes Jahr 758 und 650 Millionen Euro Verlust angehäuft. Durch eine Fusion sparen sie vielleicht Verwaltungskosten, lösen aber nicht ihre strukturellen Probleme. Beide haben beim letzten „Stresstest“ der EZB schlecht abgeschnitten, und sind jetzt unter Druck.

Wenn man sich anguckt, was in Griechenland los war, und dann noch schaut wie sich die Bankaktien in Italien zerlegen, ist es durchaus logisch, dass durch die jetzt herrschende Brexit-Unsicherheit die Regierung in Rom die im Raum stehenden 30-40 Milliarden Euro in die Banken pumpt. Das würde kurzfristig Ruhe bringen und die Aktien vielleicht etwas steigen lassen. Möglich ist aber auch, dass dieser Effekt wie die Gründung des Atlante-Fonds im April schnell verpufft, weil die Investoren sehen, dass die strukturellen Probleme der Banken immer noch die selben sind. Was Italien braucht, wäre ein großer Knall, z.B. ein richtig großer Rettungsfonds, oder eine große Abschreibung wertloser Forderungen – das aber würde zu  Bankenpleiten führen, was wiederum zum Bank Run führt, den ja keiner haben will. Also, was tun? Wieder mal den Steuerzahler zur Kasse bitten?



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2 Kommentare

  1. Die geplante Maßnahme wäre wiederum eine Veruntreuung von Steuergeldern. Wenn überhaupt der Einsatz von Steuergeld gerechtfertigt werden kann, dann zur Rettung der Kleinanleger. Bankaktionäre und Anleihegläubiger sollten wissen, dass sie im schlimmsten Fall leer ausgehen. Aber irgendwie wird derselbe Fehler immer und immer wieder gemacht.

    1. Das ist kein Fehler, das ist das System. Kleinanleger, Sparer, Arbeiter etc. die „Normalsterblichen“ halt, haben keine Lobby. Die sind nur zum Melken da.

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