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Allgemein

Italien und Griechenland: Zwei aktuelle Beispiele von „das wird schon“

Redaktion

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Ist die Regierung Tsipras eine links-populistische Regierung? Da kann man drüber streiten. Auf jeden Fall hat Ministerpräsident Tsipras es bisher gut verheimlicht, dass er Griechenland wirtschaftlich von Grund auf neu strukturieren will, damit das Land endlich gesunden kann. Erst vor wenigen Wochen endete das 86 Milliarden Euro-Hilfspaket der Europartner, welches über kleine Tranchen scheibchenweise an Athen ausgezahlt wurde.

Jetzt ist Griechenland wieder am freien Kapitalmarkt unterwegs. Die Banken sind mit einem gigantischen Berg notleidender Kredite immer noch de facto völlig marode, aber wen interessiert das schon? Kommt die nächste Krise, sollten die Europartner wieder bereit stehen, oder? Aber wie will Tsipras das Land nun aus der Dauerkrise führen? Wo soll Geld herkommen um das Land auf Vordermann zu bringen? Ein ernsthafter Politiker würde unzählige kleine Maßnahmen ergreifen, um Verwaltung und Wirtschaft auf aufzustellen.

Tsipras aber plant, das ist kein Geheimnis, den großen Wurf. Mit dem hat er aus guten Gründen bis zum Ende des Hilfspakets gewartet, bis er alle Gelder daraus erhalten hatte. Schließlich hätte Deutschland die letzten Auszahlungstranchen blockieren können? Jetzt ist es so weit. Tsipras will das Parlament darüber abstimmen lassen, dass Griechenland von Deutschland weit mehr als 200 Milliarden Euro Reparationszahlungen für den 2. Weltkrieg einfordert, als Griechenland von Nazi-Deutschland besetzt war.

Es gibt die deutsche Sichtweise, dass dieses Thema längst durch Verträge erledigt ist. Griechenland sieht das anders. Wer recht hat, das ist wohl eine Frage für Staatsrechtler, Philosophen und Richter. Vermutlich müssen internationale Gerichtshöfe dieses Thema klären. Mit diesem großen Wurf würde das Land einen riesigen Cash-Berg an Land ziehen. Renten, Gehälter für Staatsbedienstete, alles könnte wieder kräftig angehoben werden, und Tsipras wäre der große Held.

Natürlich würde damit die alte Spirale hoher Ausgaben aufs Neue beginnen. Aber 200 Milliarden auf einen Schlag frisch im Staatshaushalt, das wäre schon was. Man müsste sich nicht mit lästigen Reformen weiter abmühen, sondern hätte sofort einen Haufen Geld, dass man verteilen kann. Wohl in den nächsten Tagen soll das Parlament in Athen einem Bericht zustimmen, wonach die Forderungen gegen Deutschland berechtigt sein sollen. Danach soll die Regierung Tsipras den Gang durch Institutionen und Gerichte auf internationaler Bühne beginnen, um Geld von Deutschland einzufordern.

Es ist klar. Deustschland wird alles tun um diese Forderung abzublocken. Selbst wenn man eine dreistellige Milliardensumme zahlen würde. Was wären die Folgen? Sämtliche von Deutschland damals besetzten Länder würden folgen und ähnliche Forderungen stellen. Und das wären dann Billionen-Summen, die insgesamt alle Vorstellungen sprengen würden. Auf jeden Fall hat Ministerpräsident Tsipras hier ein Thema, mit dem er auf lange Zeit von möglichen eigenen Versäumnissen im Alltagsgeschäft ablenken kann – zumal es ja so emotional behaftet ist.

Italien

Nimmt man das Wort Populismus, dann ist die aktuelle Regierung in Italien wohl ein Musterbeispiel. Zum Populismus gehört auch, allen alles zu versprechen. Da ist das Beispiel Alitalia verdammt zutreffend. Die Airline ist schon seit Jahren am Ende, und aktuell insolvent. Sie wird in einer Art Sonderstatus derzeit mit Staatskrediten noch künstlich am Leben gehalten.

Dieser Zustand endet am 31. Oktober. Bis dahin soll ein privater Investor den Laden übernommen haben. Aber laut „Il Sole 24 Ore“ soll die neue Regierung daran arbeiten diese Frist um weitere sechs Monate zu verlängern. Da Alitalia eine Cash Burn-Maschine ist, müsste der Steuerzahler wohl nochmal Geld nachpumpen. Und die Regierung plant offenbar, nicht die ganze Airline an einen privaten Investor zu verkaufen, der wohl mit 100% Wahrscheinlichkeit eine Airline aus dem Ausland käme.

Nein, dieser private Investor soll offenbar nur 20-30% von Alitalia erhalten, aber er soll Geld in die Airline investieren. Den Rest der Anteile sollen der Staat sowie staatsnahe Unternehmen halten. Das heißt: Die populistische Regierung in Rom will den Laden de facto auf Dauer mit Staatsgeld am Leben erhalten. Denn wer die Geschichte der Airline kennt, der weiß: Sie verbrennt immer nur Geld. Ohne Radikal-Sanierung von außen tut sich hier nichts.

Und dass eine langfristig im Staatsbesitz bleibende Alitalia wirklich ernsthaft umgebaut wird bei den starken Gewerkschaften, daran kann niemand glauben. Kommt es so, dann wird die Airline dauerhaft ein teures Zuschussgeschäft für alle Italiener, über den Steuerhaushalt. Auch wenn man dies über staatsnahe Betriebe verschleiert, so muss doch letztlich immer der Steuerzahler bezahlen. Die Rechnung des Populisten lautet (so meinen wir): Damit retten wir die Alitalia-Jobs. Die Mitarbeiter sind glücklich, und die Öffentlichkeit ist glücklich, dass Italien weiterhin einen eigenständigen nationalen Champion am Himmel hat. So macht man „das Volk“ vordergründig glücklich. Langfristig zahlt es drauf. Und mal ehrlich… welche ausländische Airline würde sich mit 30% Anteil zufrieden geben? Dann läuft es wohl auf eine vollständige Staatsairline Alitalia hinaus!

Italien Alitalia
Ein Alitalia-Flieger. Foto: Eric Salard CC BY-SA 2.0

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Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

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Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

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Allgemein

Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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Allgemein

Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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