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Italien vor dem wegweisenden Referendum: Gerüchte, Stimmungen, Italexit-Risiko auf Allzeithoch!

Die Märkte preisen das Risiko, dass Italien aus der Eurozone austritt, so hoch wie noch nie ein. Aber da gibt es einen wichtigen Punkt, der für einen Sieg Renzis sprechen könnte..

FMW-Redaktion

Je näher das Referendum am Sonntag in Italien rückt, umso nervöser wird die Lage. So berichtete heute die angesehene „Corriere della Sera“, dass Renzi selbst im Falle eines Sieges bei dem Referendum zurück treten könnte – er sei 2014 angetreten mit dem Versprechen, das Land zu reformieren, und habe mit dem wegweisenden Referendum diesen Prozeß in Gang gesetzt, den dann andere fortsetzen könnten.

Aber die italienische Regierung ließ dieses „Gerücht“ dementieren:

Aber was sollte die Renzi-Regierung auch anders sagen – würde man das bestätigen, wäre das Referendum wohl schon im Vorfeld verloren. Renzi versucht mit dem Referendum faktisch, seinen Reformkurs endlich durchsetzen zu können, da ein „Ja“ der Italiener die Machtfülle des Regierungschefs deutlich steigern würde (lustigerweise ist Berlusconi, der genau das auch wollte, für ein „No“, weil die Machtfülle dann nicht ihm zufallen würde..).

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Italiens Noch-Ministerpräsident Matteo Renzi. Foto: Gobierno de Chile / Wikipedia (CC BY 2.0)

Die Voraussetzungen, dass Renzi das Referendum für sich entscheiden kann, sind nicht gerade gut. So fiel, wie Daten gestern gezeigt hatten, das Verbrauchervertrauen der Italiener auf den tiefsten Stand seit Juli 2015, auch die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe geht zurück, wie die staatliche Statistikbehörde Istat meldete.

Aber das Bild ist nicht ganz eindeutig: so berichtete Istat letzte Woche auch, dass die Mehrheit der Italiener ihre Einkommenssituation in diesem Jahr als „gut“ oder sogar „sehr gut“ werteten. Aber wird Renzi das helfen?

Die Italiener haben das Gefühl, dass sich auch unter Renzi wenig geändert hat. Besonders die anhaltende Flüchtlingsproblematik drückt auf die Stimmung, weil die stetig an den italienischen Inseln anlandenden Flüchtlinge nicht wie versprochen von anderen europäischen Ländern wie Deutschland aufgenommen werden. Renzi versucht diese Wut zu kanalisieren, schimpft auf Brüssel, sagt, das eigentliche Problem sei Deutschland mit seinen exzessiven Überschüssen etc.

Und hat damit nicht ganz unrecht, wie der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck immer wieder betont: sparen setzt voraus, dass andere Schulden machen, sonst funktioniert das System nicht. Mithin ist also die Export-Fixierung Deutschlands durchaus mitverantwortlich für die Schieflage der Euro-Peripherie, auch wenn man das in Deutschland nicht gerne hört – und in den deutschen Medien auch nicht liest!

Wie auch immer: wenn Renzi das Referendum verliert und dann zurück tritt, steigt die Chance auf eine Regierung unter Beppe Grillo in Koalition mit der Lega Nord und der Forza Italia (die „Berlusconi-Partei). Grillo würde dann seinerseits ein Referendum über den Austritt aus der Eurozone abhalten – mit ungewissem Ausgang!

Daher steigt der Italexit-Index auf fast 20% – mithin erwarten also fast 20%, dass Italien inerhalb von 12 Monaten seinen Austritt aus der Eurozone verkünden wird:

Aber da gibt es noch eine Unbekannte, die für Renzi sprechen könnte: den Italienern ist überwiegend durchaus klar, dass das italienische Bankensystem wahrscheinlich nach einem Euro-Austritt kollabieren würde, auch eine Staatspleite droht, weil die Schulden in Euro ja bleiben, aber duch die Wiedereinführung einer dann stark abwertenden Lira extrem drückend würden.

Wollen die Italiener das riskieren, zumal sie es sind, die die meisten Anleihen ihrer Banken halten? Vielleicht also stehen die Dinge für Renzi doch nicht so schlecht – und die Umfragen täuschen sich einmal mehr nach Brexit und Trump-Wahl..



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9 Kommentare

  1. Es ist wie bei einem alten Auto: Die Reparaturkosten steigen und steigen und irgendwann ist es wirtschaftlicher, das gute Stück zum Schrottplatz zu fahren. Dann kann man eine Weile Vespa fahren und für einen Fiat 500 sparen.
    Die Alternative ist, das Schrottauto bis zum Kollaps weiter zu fahren. Das Ende kommt so oder so und das Weiterfahren ist eben teurer.

  2. Wie wäre es, wenn alle sparen ?!
    Dann gleicht sich das wieder aus. Einfacher ist natürlich immer mehr Geld auszugeben, an die Bevölkerung Bonbons zu verteilen und auf die zu schimpfen die einen Teil der Reformen schon durchgeführt haben.
    Die Lösung kann doch nur eine Reform der Ausgabenpolitik sein, auch wenn das schmerzt. Das die handelnde Regierung dann abgewählt wird, ist auch klar. So gesehen bei Gerd Schröder nach den Hartz- Reformen.
    Die SPD trägt seitdem trauer.
    Aber…..Politiker sollen dem Volk und dem Land dienen. Wird man dann abgewählt, hat man das Land eventuell etwas weiter gebracht. Bei den generösen „Altersbezügen“ kann das der Einzelne sicher verkraften.

    1. @tomgala, wenn alle sparen würden, würde die globale Wirtschaft kollabieren!

      1. dann nennen wir es Ausgeben mit Augenmaß, oder nur Ausgeben was uns zur Verfügung steht.
        Schulden machen um jeden Preis kann es doch auch nicht sein.
        Vielleicht wird so klarer was ich gemeint habe.

        1. da gebe ich Ihnen recht, @tomgala!

          1. a) Daß die Wirtschaft gemäß den Keynsianern immer wachsen muß, ist das Problem.
            b) Die Welt-Elite aber will nur diesen Keynsianismus, bzw durch Schulden und billiges Geld erfolgte Anlageblasen! Die dann platzen.
            c) Somit kommt irgendwann, da alles weltliche endlich ist, das Reset und das Spiel geht von neuem los. So ein Reset kann mit einem Krieg einhergehen, Volksaufständen usw.
            Marc Faber über das Schuldenproblem: „Unter den Präsidenten der US-Notenbank, den Herren Alan Greenspan (ab 1987) und Ben Bernanke (seit 2006), war und ist die amerikani­sche Geldpolitik durch eine vollständige Vernachlässigung des übermäßigen Kreditwachstums gekennzeichnet. In den USA sind die Gesamtschul­den der privaten Haushalte, der Unternehmen und des Staates von rund 140 Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahre 1980 auf zurzeit knapp 380 Prozent gestiegen. Diese 380 Prozent schliessen noch nicht die fun­dierten, aber bestehenden künftigen Verpflichtungen in der Sozialversi­cherung und im Gesundheitswesen ein, die auf rund 400 Prozent des Bruttosozialprodukts geschätzt werden.“
            „Schließlich möchte ich die Worte von Ernest Hemingway in Erinne­rung rufen, nach denen die erste Lösung für ein schlecht geführtes Land die Inflation der Geldmenge sei, die zweite der Krieg. Beide würden temporä­ren Wohlstand bringen – und dann permanenten Ruin.“
            http://www.misesde.org/?p=3603

  3. Das hier finde ich interessant: …dass die Mehrheit der Italiener ihre Einkommenssituation in diesem Jahr als „gut“ oder sogar „sehr gut“ werteten…
    Häh???
    Vielleicht rechnet man dann noch rein, dass die meisten auch irgendwie Immobilienbesitz haben (und sei’s ein kleines Steinhaus in den Abruzzen, Hauptsache keine Miete zahlen) könnte man daraus einen Faktor bilden.
    Und den sollte man dann mal mit Deutschland oder Griechenland vergleichen!
    Dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn vielleicht bald der Ruf erschallt: „Rettet Italien“ !

    1. Italien,das bisher letzte Rettungsobjekt in der jahrzehntelangen Liste! 1980:Rettet den Baum.1990.Rettet den Regenwald.2000:Rettet den Eisbär.2010.Rettet den €uro.2013:Rettet Griechenland.2015:Rettet die Flüchtlinge.2016.Rettet Italien.Ab 2017:Rette sich,wer kann!P.s.:es bleibt zu konstatieren,dass eigentlich keine Rettungsaktion bis jetzt erfolgreich war!Die ultimativ letzte Rettung wird lauten:Rettet die EZB!

      1. Nein. Was geht uns die EZB an? Müssen denn die Deutschen immer jeden Ruin auskosten, bis zum „Geht nicht mehr“ und allerletzten Wurstzipfel? (Usque ad nauseam!) Die spinnen die Deutschen.
        In ein paar Jahren (2019?) wird es heißen, rette dein Leben, und das deiner Nächsten. Das ist die ultimative Ratio. Eigentlich schon jetzt.
        http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/marc-faber-im-interview-welt-auf-dem-weg-in-den-finanziellen-untergang/8349192.html

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