Folgen Sie uns

Aktien

Italiens Banken: IWF macht Druck, Deutschland blockt – am Ende „fauler“ Kompromiss?

Das Thema ist voll auf der Tagesordnung, auch der letzte Weggucker weiß es jetzt: Solange Italiens Banken nicht „erlöst“ werden von ihrer Last kaputter notleidender Kredite, geht im Land wirtschaftlich nichts voran. Und abgesehen davon stehen die Banken…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Das Thema ist voll auf der Tagesordnung, auch der letzte Weggucker weiß es jetzt: Solange Italiens Banken nicht „erlöst“ werden von ihrer Last kaputter notleidender Kredite, geht im Land wirtschaftlich nichts voran. Und abgesehen davon stehen die Banken vor einer Massenpleite. Es muss also gehandelt werden. Aktuell schaltet sich der Internationale Währungsfonds in die Dikussion ein und macht Druck. Es müsse endlich gehandelt werden. Mit den vorhandenen Mechanismen könne Italien seine Banken rekapitalisieren. Damit meint der IWF die Beteiligung von Aktionären und Anleiheinhabern. Werden Sie enteignet bzw. ihre Forderungen wertlos gestellt, saniert man damit ohne frisches Geld die Kapitalbasis der Banken,  zumindest teilweise.

Der IWF, der räumlich und auch geistig immer weit weg sitzt von Regierungsentscheidungen und Realpolitik, hat stets eine ziemlich technische Sicht auf die Dinge. So fordert er aktuell: Italiener, wendet doch einfach die EU “ Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD)“ an und enteignet die Anleihegläubiger. Worauf wartet ihr noch, so die unausgesprochene Frage aus Washington. Zitat:

„Bank balance sheets are strained by very high NPLs and lengthy judicial processes; and public debt has edged up to close to 133 percent of GDP, a level that limits the fiscal space to respond to shocks.

Directors underscored that financial sector reforms are critical to entrench financial stability and support the recovery. They commended the recent insolvency reforms, the framework for bank consolidation, and steps to address nonperforming loans (NPLs). To substantially reduce the stock of NPLs over the medium term, lower the cost of risk, and improve operating efficiency, Directors supported further measures, including more intensive use of out-of-court debt restructuring mechanisms; strengthened supervision; and a systematic assessment of asset quality for banks not already subject to the ECB comprehensive assessment, with follow-up actions in line with regulatory requirements. Directors considered that effective use of the framework for the prompt resolution of banks is important. Recognizing the adoption of the Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) framework, they noted that concerns related to the bail-in of retail investors should be dealt with appropriately.“

Die Enteignung von Privatanlegern solle laut IWF „angemessen“ vorgenommen werden, also irgendwie Enteignung light? Die kleinsten Privatanleger verschonen? Genau darauf drängt ja auch Italien selbst, um keinen innenpolitischen Aufstand der Kleinsparer zu bekommen. Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD sind gegen ein Rettungsprogramm für die italienischen Banken. Die Regeln müssten eingehalten werden, so der wirtschaftspolitische Sprecher der Union Joachim Pfeiffer. Alles andere wäre inakzeptabel. SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider sagt dazu die Glaubwürdigkeit der Regeln zum Schutz aller Steuerzahler in Europa dürfe nicht bei der erstbesten Gelegenheit infrage gestellt werden. Genau so argumentiert auch der mächtige Vorsitzender der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass Banker ihre Probleme dem Staat zuschieben. Die Leichtigkeit, mit der Banker nach Steuergeldern rufen würden, sei sehr problematisch.

Warum kommt dieser scharfe Gegenwind? Nun, im Zuge von AfD, Griechenland-Desaster und Brexit hat man wohl keine Lust, dass demnächst groß verkündet wird: Bei der ersten Bankenkrise nach dem Erlassen neuer EU-Regeln werden diese Regeln gebrochen. Denn genau das will man ja für die Öffentlichkeit nicht mehr haben, dass der Bürger den Eindruck gewinnt, dass sich niemand in Europa an Regeln hält. Aber dazu wird es wohl kommen. Der faule Kompromiss könnte vielleicht so laufen: Anleiheinhaber werden enteignet, was die Bilanzen der italienischen Banken ein klein wenig saniert. Private Anleiheinhaber mit kleinen Summen werden von der Enteignung ausgenommen, um die Wut der Kleinsparer in Italien in Grenzen zu halten. Da diese halbherzige Enteignung/Sanierung aber nicht reicht, wird der italienische Staat mit Steuergeldern wie schon angedacht 40 Milliarden Euro für die Eigenkapital-Erhöhung der Banken überweisen.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    7randyhofbeck7

    12. Juli 2016 09:34 at 09:34

    ganz einfach: banken retten, verantwortliche mirarbeiter, die fahrlässig gehandelt haben müssen zeitlebens gemeinnützige arbeit verrichten und diejenigen, die vorsätzlich gehandelt haben – ab in den knast…

  2. Avatar

    leser

    12. Juli 2016 09:59 at 09:59

    Die beschriebene „Lösung“ würde nicht lange reichen.
    Da hat die 5-Sterne-Bewegung, die Renzi im Nacken sitzt, einen nachhaltigeren Vorschlag gemacht: Verstaatlichung der Banken und Austritt Italiens aus dem Euro. Auf diesem Wege könnte sich der italienische Staat auch entschulden. Und gegen den totalen Kollaps der Lira helfen die dritthöchsten Goldreserven weltweit. Auch wenn die bestimmt schon zu großen Teilen verpfändet sind.
    Mises hat Recht: Es gibt keinen schmerzfreien Weg aus einer Schuldenkrise.

    • Avatar

      7randyhofbeck7

      12. Juli 2016 10:02 at 10:02

      hallo leser, das war keine seriöse lösung, sondern ein emotional tapezierter gefühlsausbruch – nix für ungut !

      • Avatar

        leser

        12. Juli 2016 10:13 at 10:13

        hallo 7randyhofbeck7,
        ich freue mich über jede Rückmeldung. Aber ein Argument wäre auch ganz schön.

  3. Avatar

    Trigo

    12. Juli 2016 10:49 at 10:49

    Rettung hier, Rettung da…. und am Schluss?
    Wer rettet aber am Ende die Retter?“

    • Avatar

      joah

      12. Juli 2016 14:21 at 14:21

      Diese sich selbst. Und wenn jeder sich selbst hilft, sei ja angeblich auch wieder allen geholfen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Big Tech mit „enttäuschend guten Ergebnissen“

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die großen Tech-Konzerne haben gestern sehr gute Quartalszahlen gemeldet. Er geht darauf ein, welche Haare in der Suppe die Anleger dennoch fanden, weshalb die Kurse dann nachbörslich fielen.

weiterlesen

Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

weiterlesen

Aktien

Ballard Power vor gewaltigem Kursrutsch? – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

da stimmen Sie mir sicherlich zu. Die Stimmung an den Börsen hat sich im Oktober eingetrübt. Vor allem das europäische Infektionsgeschehen schlägt uns aufs Gemüt. Auch im Alltag werden wir die Folgen nächstens wieder alle ganz gegenständlich spüren, wenn Deutschland in den Lockdown light geht. Das nämliche Bild bei unseren Nachbarn. In Wien werden derzeit ähnliche Maßnahmen vorbereitet, um die zweite Covid-Welle zu brechen. In Frankreich gelten sogar wieder harte Ausgangssperren. Man darf dort zur Arbeit und zum Einkauf fahren. Ansonsten gilt: Rien ne va plus.

Da überrascht es nicht, dass der DAX südwärts läuft und derweil auf Wochensicht über 8 % eingebüßt hat. Ähnlich wie im vergangenen Februar und März sind auch die Ölpreise wieder massiv rückläufig und verlieren zur Vorwoche rund 9 %. US-Aktien halten sich noch recht wacker, aber auch hier sehe ich Gefahr im Verzug.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich mache jetzt hier nicht den Pessimisten. Gleichwohl halte ich es für ratsam, kurzfristig in unseren Depots die Cashquoten zu erhöhen und den ein oder anderen Titeln zu veräußern, um dann am Ende zu günstigeren Kursen wieder in den Markt zurückzukommen.

Diese Taktik dürfte etwa bei dem Wasserstoff-Titel Ballard Power reizvoll sein, denn hier kündigt sich ein scharfer Ausverkauf an. Schauen wir uns zunächst einmal die letzten Zahlen aus dem zweiten Quartal an. Das kanadische Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 25,8 Millionen USD. Das entspricht einem recht vernünftigem Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal in Höhe von 9 %. Den Verlust konnte man spürbar eingrenzen, gleichwohl hat das…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen