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Italiens Krisenbank Monte dei Paschi: So trickst die EU, um retten zu können!

Die EU-Kommission bestätigt aktuell, dass man dem Rettungsplan der italienischen Krisenbank „Monte dei Paschi“ zustimmt. Aber wie soll das gehen bei so einer kaputten Bank? Sie ist schließlich völlig…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die EU-Kommission bestätigt aktuell, dass man dem Rettungsplan der italienischen Krisenbank „Monte dei Paschi“ zustimmt. Aber wie soll das gehen bei so einer kaputten Bank? Sie ist schließlich völlig überladen mit Schrottkrediten! Die EU-Kommission weiß dazu eine Lösung, die schon seit Monaten im Raum stand. Denn gemäß EU-Regularien kann eine Bank in der EU „vorsorglich rekapitalisiert“ werden, wenn sie als „langfristig profitabel“ eingeschätzt wird. Demnach ist diese völlig mit Schrott überladene kaputte Bank langfristig eigentlich gesund, und hat eine tolle Perspektive – so zumindest so die EU heute offiziell.


Der Sitz der Banca Monte dei Paschi. Foto: Tango7174 / Wikipedia (GFDL)

Daher stimmt die EU-Kommission heute zu, dass die italienische Regierung, die für den heutigen Entscheidungstag bereits vorsorglich 20 Milliarden Euro als pauschalen Rettungstopf bereitgestellt hatte, diesen nun auch nutzen kann. Laut EZB braucht die Bank möglichst schon gestern 8,8 Milliarden Euro frisches Kapital. Die Bank möchte vom Staat 6 Milliarden Euro haben, und auch Geld von institutionellen Anlegern einsammeln. Durch die Geldspritze aus Rom würde der italienische Steuerzahler zu 70% Eigentümer der Bank.

Bei solchen Aussichten dürfte es institutionellen Anlegern leichter fallen mit einzusteigen. Denn man weiß ja jetzt, dass der Steuerzahler die ganze Sause stützt! Ach ja, laut offiziellem heutigen Text der EU-Kommission soll die zukünftig wieder so tolle Bank kernsaniert werden. Unter anderem dürften Führungskräfte erst einmal nur noch das maximal Zehnfache der durchschnittlichen Gehälter ihrer Bankangestellten verdienen.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Hier auszugsweise von der EU-Kommission die heutige Veröffentlichung:

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan haben sich heute (Donnerstag) im Grundsatz auf den Restrukturierungsplan für die Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) geeinigt. Damit kann die vorsorgliche Rekapitalisierung der Bank im Einklang mit den geltenden EU-Regeln erfolgen. Der Einigung waren intensive Kontakte zwischen der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und den italienischen Behörden vorausgegangen.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu: „Diese Lösung ist ein großer Schritt in die richtige Richtung für MPS und den italienischen Bankensektor. Italien hätte die Möglichkeit, MPS im Einklang mit den EU-Vorschriften vorsorglich Kapital zuzuführen, ohne dass dadurch eine größere Belastung für die italienischen Steuerzahler entstünde. MPS wird einer grundlegenden Umstrukturierung unterzogen, um seine Überlebensfähigkeit zu sichern; dazu gehört auch eine Säuberung der Bilanzen von sogenannten notleidenden Krediten. Ich hoffe, dass MPS dadurch seine Anstrengungen ganz auf die Kreditvergabe an italienische Unternehmen und die Unterstützung der italienischen Wirtschaft konzentrieren kann.“

Die EU-Regeln, insbesondere die Richtlinie zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen, bieten den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, einer solventen Bank Kapital zuzuführen, unter der Bedingung, dass gewissen Kriterien erfüllt sind (sogenannte „prophylaktische Rekapitalisierung“). Staatliche Beihilfen können in diesem Zusammenhang nur als eine Vorsichtsmaßnahme gewährt werden.

Haben Sie den Schlusssatz gelesen? Können Sie es auch kaum fassen? Monte dei Paschi, die kaputteste aller kaputten Banken, soll eine solvente Bank sein. Und deshalb könne man ihr vorübergehend und vorsorglich mal eine kleine Cash-Zufuhr zubilligen. Wenn das mal keine Lachnummer ist. Dann kann man sämtliche Rettungs-Regularien in der EU auch gleich über Bord werfen, so meinen wir! Denn wenn das hier schon durchgeht, gibt es wohl keine Bank auf der Welt, die kaputt genug wäre, damit man sie nicht retten könnte. Der Trick lautet einfach: eigentlich ist die Bank doch gesund. Mit dieser Methode und Argumentation hätte man entspannt auch Lehman Brothers retten können..

Ach ja, und da ist noch ein „Oberknaller“ bei dieser Rettung. Es war ja lange die Frage, wie das Desaster von zig tausenden Kleinsparern verhindert wird. Wo man in Deutschland den Michel jahrzehntelang bat, das Geld aufs Sparbuch zu packen, bat man seitens der Banken in Italien den „italienischen Michel“ freundlich die bankeigenen Anleihen zu kaufen. Nun hängen unendlich viele Kleinsparer mit ihrem Spargroschen in den Bankanleihen, die in keiner Weise durch Einlagensicherungssysteme gedeckt sind (die gelten nur bei Girokonten, Sparbüchern und Termingeld).

Laut neuer EU-Regeln müssen aber bei Bankenrettungen mit Steuergeld die Anleihegläubiger von Banken mit bluten, also Teile oder große Teile ihrer Forderungen verlieren. Das würde den italienischen Kleinsparer ins Mark treffen. Wie also das Problem lösen? Wie es sich anhört, hat man eine ganz krumme Nummer zurecht gebastelt. So schreibt man zwar, dass die normalen EU-Regularien weiter gelten – also Besitzer von Anleihen sollen an der Rettung beteiligt werden. Aber im Falle Monte dei Pachi könnte es laut EU-Text vielleicht sein, dass Käufer nachrangiger Anleihen (ganz am Ende der Nahrungskette) vielleicht beim Kauf der Anleihen fehlerhaft beraten wurden.

In so einem Fall könne die Bank die minderwertigen Anleihen für die Kunden in hochwertige Anleihen umtauschen, die wahrscheinlich bei einer Beteiligung im Rettungsfall weniger an Wert verlieren (Summen noch unklar). Wir vermuten jetzt mal, dass womöglich viele (oder sogar alle?) Inhaber solch nachrangiger Anleihen schlecht beraten wurden. Das wäre wohl ein einmaliger Fall in der globalen Bankenhistorie, dass eine Bank freiwillig feststellt, dass man die eigenen Kunden reihenweise schlecht beraten hat. So aber kann man vermeintlich seine Kleinsparer vor all zu großen Verlusten durch die Rettung schützen – in Italien wäre das ein großes Politikum, zumal es schon im Herbst zu Neuwahlen kommen dürfte und man daher auch seitens der EU nicht für noch mehr Unruhe sorgen will!

Was für ein wildes Konstrukt. Unser Vorschlag: Lasst uns die ganzen EU-Vorschriften einfach ganz vergessen, soll doch jeder Staat machen wie er es für richtig hält. Dann sparen wir alle uns diese krummen Nummern, die lediglich die offiziellen Regeln ad absurdum führen!




Quelle: EU-Kommission

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    SMArtTrader

    1. Juni 2017 16:40 at 16:40

    Ist doch auch schon egal! Die eine „Lüge“ mehr oder weniger. Die allermeisten der EU-Bürger werden es eh nicht mitbekommen, die die es mitbekommen werden die Zusammenhänge eh nicht verstehen und selbst wenn werden sie denken wir ich: Ist doch auch schon egal! Die eine „Lüge“ mehr oder weniger.

    Heute gab es ja auch eine weiteren Schritt hin zu EURO-Bonds. War bis vor Kurzem ja auch noch eine der zigtausend roten Linien…

  2. Avatar

    Gixxer

    1. Juni 2017 18:12 at 18:12

    Sie sprechen mir mit dem Artikel aus der Seele.

    Ich möchte natürlich nicht, dass viele Kleinsparer Italiens ihr gesamtes Geld verlieren, aber wenn die Regeln es so vorschreiben, dann sollte es so sein. Wozu sind Regeln denn sonst da? Wenn sie nie beachtet werden, sind sie nicht mal das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind.
    Aber wir leben hier eben in einer EZB-Diktatur und ein Diktator muss sich an keine Regeln halten!

  3. Avatar

    Wutbürger

    1. Juni 2017 21:41 at 21:41

    Wie nennt man die eigentlich juristisch korrekt. Also die Leute, die ständig Gesetze, Verordnungen, Verträge usw. brechen, wenn ihnen diese nicht in den Kram passen. Kriminelle? Verbrecher? Straftäter? Räuber? Terroristen? In einem Rechtsstaat jedenfalls müssten solche Figuren doch sofort Bekanntschaft mit den Strafverfolgungsbehörden machen. Aber nichts passiert. Irgendwie scheint es mir, sind in dieser EU die Rechtsstaaten abhandengekommen. Jedenfalls bezüglich der Täter ganz oben.

    • Avatar

      Lars

      1. Juni 2017 22:17 at 22:17

      Nicht nur in der EU, global !!!!!
      Man nennt diese Leute Politiker, Banker, Börsianer, Konzernchefs, Notenbankpräsidenten, Vorstandsvorsitzende und Lobbyisten. Juristisch gesehen alles Subjekte, die Immunität, Straffreiheit und vollkommene Verantwortungslosigkeit genießen dürfen.
      Juristisch korrekt sind es Menschen, die außerhalb der Pflichten und Verantwortungen stehen, welche das Recht den übrigen 99,5% der Menschheit auferlegt.
      Welchen Begriff könnte man anwenden? Freischärler, immunitäre Outlaws, pflichtfreie Eliten, sinnfreie Größenwahnsinnige??
      Es gibt noch keinen juristischen oder allgemein gültigen Begriff.
      Vorschlag: Covfefes

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        1. Juni 2017 22:23 at 22:23

        @Lars, sehr geil, wir nennen sie Covfefes! Covfefe Draghi, Covfefa Merkel…

        • Avatar

          Lars

          1. Juni 2017 23:59 at 23:59

          @Markus Fugmann
          Da bin ich dabei, Covfefe steht ab sofort für Menschen und Gruppen, die außerhalb der Pflichten und Verantwortungen stehen, welche das Recht den übrigen 99,5% der Menschheit auferlegt. Für Freischärler, immunitäre Outlaws, pflichtfreie Eliten, sinnfreie Größenwahnsinnige aus dem Bereich der Politik, des Bankwesens, der Börse, Konzernchefs, Notenbankpräsidenten, Vorstandsvorsitzenden und Lobbyisten.
          Wir sollten das sofort bei Wikipedia eintragen lassen ;)

      • Avatar

        Michael

        2. Juni 2017 01:57 at 01:57

        Cover-up from e??? forever
        Vertuschung von e? Wir rätseln weiter. Wir werden das Rätsel lösen!

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Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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