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Vor dem IWF-Frühjahrstreffen: Globale Probleme schonungslos offengelegt, Schäuble trifft „seinen AfD-Draghi“

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kurz vor dem IWF-Frühjahrstreffen in Washington hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt. Zur Lösung dieser Probleme schlägt er aber alte und bekannte Wege vor. Wolfgang Schäuble trifft beim Treffen in Washington auf den Mann, dessen Politik zu guten Teilen mit Schuld sein soll am Erstarken der AfD…

IWF-Frühjahrstreffen Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde gestern kurz vor dem eigentlichen Start des IWF-Frühjahrstreffen. Gestern ging es um das „SM16 Seminar: Conflicts and the Refugee Crisis“. Foto: IWF (Lizenz)

Gibt es da böses Blut, böse Blicke und böse Worte von beiden Seiten? Erst letzte Woche hatte Wolfgang Schäuble doch ernsthaft behauptet die EZB (also in Persona Mario Draghi) sei mit ihrer Nullzinspolitik zu 50% schuld daran, dass Parteien wie die AfD so sehr erstarkt seien. Der Chefvolkswirt der EZB Peter Praet sagte jüngst u.a. „wie in diesem Land auf diese Institution geschossen wird, ist manchmal schwer zu ertragen.“ Schäuble sagte jedenfalls am Dienstag ebenfalls in Richtung EZB ihre Politik schaffe außerordentliche Probleme für die deutschen Renten. Schäuble und Draghi werden sicher Zeit finden ein paar Minuten zu plaudern – aber wie sagte Peter Praet vor Kurzem so schön: Gerade die Deutschen bestanden doch bei der Einführung des Euro darauf, dass die EZB völlig unabhängig agieren müsse. Jetzt dürften sich die Deutschen nicht beschweren, dass die EZB eine Politik mache, die ihnen nicht genehm ist.

Der IWF über die weltweite Schuldenlage

Der IWF legt als Vorlage für das IWF-Frühjahrstreffen in einem Text schonungslos die Schuldenprobleme der hochentwickelten Länder, der Entwicklungsländer sowie der Öl-Staaten im Nahen Osten und Nordafrika dar. In diesen aufschlussreichen Charts erkennt man die Tragweite der globalen Verschuldung. In diesem ersten Langfristchart seit den 1920er-Jahren wird mit der globalen Staatsverschuldung in % zum BIP gerechnet – anders geht es bei solch langfristigen Sichtweisen gar nicht. Der IWF möchte mit der Grafik zeigen, dass die Verschuldungen nach dem 1. und 2. Weltkrieg wieder zurückgingen. Rechts im Chart erkennt man, dass nach den letzten Krisen die Verschuldung der entwickelten Nationen immer weiter gestiegen ist, bis heute.

IWF-Frühjahrstreffen 1
Grafik: IWF

Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.

IWF-Frühjahrstreffen 2
Grafik: IWF

Dieser Chart zeigt die Haushaltssituation der Öl-Exporteure in der sogenannten MENA-Region, also Naher Oster und Nordafrika. Gut dargestellt sieht man im linken Block bis 2008 satte Haushaltsüberschüsse, zuletzt 300 Milliarden US-Dollar in 2008. Von 2009 bis 2014 gab es Schwankungen. Im rechten Block erkennt man die Phase des jetzt vorherrschenden und zukünftigen strukturellen Defizits in den Haushalten dieser Länder. Verantwortlich ist natürlich der niedrige Ölpreis. Der zeigt aber schonungslos auf, dass sich die meisten dieser Länder bequem ganz alleine auf Öl als einzigem Produktionsgut ausgeruht haben. Jetzt bei so niedrigen Ölpreisen sind die Haushalte in dieser Region kaputt.

IWF-Frühjahrstreffen 3
Grafik: IWF

Der IWF weist unserer Meinung nach in sehr klaren Worten auf die mögliche Abwärtsspirale für die Weltwirtschaft hin, die aus einem bösen Cocktail gemixt wird von hohen Staatsschulden, niedriger Inflation und niedrigem Wachstum. Das könnte Haushalte und Staaten dazu bringen Geld zu sparen um Schulden abzubauen, was die Abwärtsspirale noch verstärken könnte, so der IWF. Das Rezept des IWF: noch mehr Schulden machen, in Infrastruktur investieren, und noch mehr lockere Geldpolitik. Ach ja, und Strukturreformen. Die könnten in Italien z.B. helfen die Konjunktur zu beleben, wenn man die Banken von ihren kaputten Krediten loseisen könnte. Aber wie man jüngst mit dem gigantischen 5 Milliarden Euro-Rettungsfonds gesehen hat: Damit bereinigt man kein Portfolio von 360 Milliarden Euro an faulen Krediten.

Wir zitieren den IWF:

„Advanced economies are facing the triple threat of low growth, low inflation, and high public debt. This combination of factors could create self-reinforcing downward spirals. By this, we mean that continuous downward revisions in growth and inflation are associated with upward revisions in public and private debt as a share of GDP. This may lead governments, firms and households to cut spending in order to lower debt, depressing further economic activity and inflation. To avert falling into such a trap, countries should follow a three-pronged approach based on expansionary monetary policy, growth-friendly fiscal policy and productivity-enhancing structural reforms. By growth-friendly fiscal policy, we mean measures that boost growth both in the short- and the medium-term (such as higher infrastructure investment) and policy actions that support the implementation of structural reforms.“

Jetzt stehen Staaten und Notenbanken vor einem weltweiten Dilemma. Man versuchte seit der Finanzkrise 2008 alle Probleme mit gedruckten Geld und Staatsschulden ohne Ende zuzuschütten. Die Effekte verpufften, die Schulden und die aufgeblähten Notenbankbilanzen sind geblieben. Wie entkommt man jetzt aus dieser Falle, die man selbst gebaut hat, ohne Fluchtweg? Aus dem Appell des IWF liest man ganz klar, gerichtet an die in Kürze in Washington versammelte „Weltelite“: Druckt noch mehr Gratisgeld, investiert noch mehr in Brücken und Straßen (also neue Staatsschulden!?), und verdammt nochmal, macht endlich Strukturreformen. Zitat:

„Public finances have had a rough year. A new reality is emerging. Against this backdrop, countries need to act now to boost growth and build resilience. They must also be prepared to act together to fend off global risks.“

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    14. April 2016 14:25 at 14:25

    In mindestens einem Punkt(eher sind es mehrere)irrt Wolfgang Schäuble gewaltig:Die Zuwendung der „arbeitenden Bevölkerung“,nicht nur in D zu eher „rechten“Parteien ist nicht nur der unsäglichen Arbeitsweise des Duce in die Schuhe zu schieben.Vielmehr ist es die Gesetzlosigkeit vieler Regierungen nach dem Adenauermotto:Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!Rückgrat,Verlässlichkeit,Geradlinigkeit,gibt es mit wenigen Ausnahmen schon lange nicht mehr im Politbetrieb.Was bleibt dem Ex-Souverän dann noch übrig?Er wählt AFD,Front National Ukip,usw.Sogar mit Bauchgrimmen&völliger Desillusion!Nochmal Adenauer:Macht euch keine Gedanken Politiker:Wählen gehen die immer!Schaun mer mal(Zitat der Ex-Lichtgestalt!)Auch daran sieht man den moralischen Niedergang eines Volkes.

  2. Avatar

    leser

    14. April 2016 14:35 at 14:35

    Wie hieß es doch in dem alten Indianerspruch: Wer ein totes Pferd reitet, sollte absteigen.

    Stattdessen wird das tote Pferd angetrieben (mehr Geld drucken) oder versucht, die Richtung zu ändern („Strukturreform“). Stattdessen sollte man sich diesen Chart ansehen, http://www.goldseiten.de/artikel/281564–Papiergeld-vs.-Gold—dieser-Chart-sagt-alles.html. Dann würde man feststellen, dass man schon eine ganze Weile auf einem toten Pferd sitzt.

  3. Avatar

    pierre

    14. April 2016 20:56 at 20:56

    blabla „…hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt.“
    „Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.“
    Ist da nicht ein Widerspruch? Der IWF lügt, wo er nicht erwischt wird. Der Lügen-IWF. Er tut dann so, wie wenn er sich geirrt hätte.
    xxxxxxxxxxxxxxx
    Nur mal so nebenbei: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45080/1.html
    „In der Fußnote der FAZ heißt es: „Als die Finanzmärkte auf dieses Zitat nervös reagierten, bat der IWF darum, die autorisierte deutsche Version anders zu formulieren. Deshalb wurde aus dem autorisierten Zitat, es handle sich bei dem Grexit um eine Möglichkeit, die Version, dass „niemand den Europäern einen Grexit wünscht.“
    Obwohl nur vier Zeilen lang, verrät diese Fußnote mehr über die mächtigste Finanzorganisation der Welt und die Rolle, die die FAZ und die Mainstream-Medien im Konflikt um Griechenland spielen, als so manch langes politisches Traktat.
    Aus der Reaktion des IWF geht hervor, dass Formulierungen seiner führenden Vertreter die Finanzmärkte keinesfalls „nervös machen“ dürfen. Gibt es einen deutlicheren Beweis dafür, wessen Interessen das Handeln des IWF bestimmen?
    Schafft es der IWF trotzdem, die Finanzmärkte mittels einer Äußerung „nervös zu machen“, so zögert seine PR-Abteilung anschließend ganz offensichtlich nicht, die Medien hinter dem Rücken der Öffentlichkeit zu manipulieren. Braucht man einen klareren Beweis dafür, dass eine Organisation ihren wahren Charakter vor den Augen der Welt zu verschleiern versucht?
    Der IWF bittet darum, die Formulierung „Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit“ durch die Formulierung „Niemand wünscht den Europäern einen Grexit“ zu ersetzen. Kann man Griechenland zynischer diskreditieren und die europäische Bevölkerung auf perfidere Weise unter Druck setzen, als ihr gegenüber Mitleid mit einem „Grexit“ zu heucheln…?“

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Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

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Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

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Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

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