Folgen Sie uns

Allgemein

Vor dem IWF-Frühjahrstreffen: Globale Probleme schonungslos offengelegt, Schäuble trifft „seinen AfD-Draghi“

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Kurz vor dem IWF-Frühjahrstreffen in Washington hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt. Zur Lösung dieser Probleme schlägt er aber alte und bekannte Wege vor. Wolfgang Schäuble trifft beim Treffen in Washington auf den Mann, dessen Politik zu guten Teilen mit Schuld sein soll am Erstarken der AfD…

IWF-Frühjahrstreffen Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde gestern kurz vor dem eigentlichen Start des IWF-Frühjahrstreffen. Gestern ging es um das „SM16 Seminar: Conflicts and the Refugee Crisis“. Foto: IWF (Lizenz)

Gibt es da böses Blut, böse Blicke und böse Worte von beiden Seiten? Erst letzte Woche hatte Wolfgang Schäuble doch ernsthaft behauptet die EZB (also in Persona Mario Draghi) sei mit ihrer Nullzinspolitik zu 50% schuld daran, dass Parteien wie die AfD so sehr erstarkt seien. Der Chefvolkswirt der EZB Peter Praet sagte jüngst u.a. „wie in diesem Land auf diese Institution geschossen wird, ist manchmal schwer zu ertragen.“ Schäuble sagte jedenfalls am Dienstag ebenfalls in Richtung EZB ihre Politik schaffe außerordentliche Probleme für die deutschen Renten. Schäuble und Draghi werden sicher Zeit finden ein paar Minuten zu plaudern – aber wie sagte Peter Praet vor Kurzem so schön: Gerade die Deutschen bestanden doch bei der Einführung des Euro darauf, dass die EZB völlig unabhängig agieren müsse. Jetzt dürften sich die Deutschen nicht beschweren, dass die EZB eine Politik mache, die ihnen nicht genehm ist.

Der IWF über die weltweite Schuldenlage

Der IWF legt als Vorlage für das IWF-Frühjahrstreffen in einem Text schonungslos die Schuldenprobleme der hochentwickelten Länder, der Entwicklungsländer sowie der Öl-Staaten im Nahen Osten und Nordafrika dar. In diesen aufschlussreichen Charts erkennt man die Tragweite der globalen Verschuldung. In diesem ersten Langfristchart seit den 1920er-Jahren wird mit der globalen Staatsverschuldung in % zum BIP gerechnet – anders geht es bei solch langfristigen Sichtweisen gar nicht. Der IWF möchte mit der Grafik zeigen, dass die Verschuldungen nach dem 1. und 2. Weltkrieg wieder zurückgingen. Rechts im Chart erkennt man, dass nach den letzten Krisen die Verschuldung der entwickelten Nationen immer weiter gestiegen ist, bis heute.

IWF-Frühjahrstreffen 1
Grafik: IWF

Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.

IWF-Frühjahrstreffen 2
Grafik: IWF

Dieser Chart zeigt die Haushaltssituation der Öl-Exporteure in der sogenannten MENA-Region, also Naher Oster und Nordafrika. Gut dargestellt sieht man im linken Block bis 2008 satte Haushaltsüberschüsse, zuletzt 300 Milliarden US-Dollar in 2008. Von 2009 bis 2014 gab es Schwankungen. Im rechten Block erkennt man die Phase des jetzt vorherrschenden und zukünftigen strukturellen Defizits in den Haushalten dieser Länder. Verantwortlich ist natürlich der niedrige Ölpreis. Der zeigt aber schonungslos auf, dass sich die meisten dieser Länder bequem ganz alleine auf Öl als einzigem Produktionsgut ausgeruht haben. Jetzt bei so niedrigen Ölpreisen sind die Haushalte in dieser Region kaputt.

IWF-Frühjahrstreffen 3
Grafik: IWF

Der IWF weist unserer Meinung nach in sehr klaren Worten auf die mögliche Abwärtsspirale für die Weltwirtschaft hin, die aus einem bösen Cocktail gemixt wird von hohen Staatsschulden, niedriger Inflation und niedrigem Wachstum. Das könnte Haushalte und Staaten dazu bringen Geld zu sparen um Schulden abzubauen, was die Abwärtsspirale noch verstärken könnte, so der IWF. Das Rezept des IWF: noch mehr Schulden machen, in Infrastruktur investieren, und noch mehr lockere Geldpolitik. Ach ja, und Strukturreformen. Die könnten in Italien z.B. helfen die Konjunktur zu beleben, wenn man die Banken von ihren kaputten Krediten loseisen könnte. Aber wie man jüngst mit dem gigantischen 5 Milliarden Euro-Rettungsfonds gesehen hat: Damit bereinigt man kein Portfolio von 360 Milliarden Euro an faulen Krediten.

Wir zitieren den IWF:

„Advanced economies are facing the triple threat of low growth, low inflation, and high public debt. This combination of factors could create self-reinforcing downward spirals. By this, we mean that continuous downward revisions in growth and inflation are associated with upward revisions in public and private debt as a share of GDP. This may lead governments, firms and households to cut spending in order to lower debt, depressing further economic activity and inflation. To avert falling into such a trap, countries should follow a three-pronged approach based on expansionary monetary policy, growth-friendly fiscal policy and productivity-enhancing structural reforms. By growth-friendly fiscal policy, we mean measures that boost growth both in the short- and the medium-term (such as higher infrastructure investment) and policy actions that support the implementation of structural reforms.“

Jetzt stehen Staaten und Notenbanken vor einem weltweiten Dilemma. Man versuchte seit der Finanzkrise 2008 alle Probleme mit gedruckten Geld und Staatsschulden ohne Ende zuzuschütten. Die Effekte verpufften, die Schulden und die aufgeblähten Notenbankbilanzen sind geblieben. Wie entkommt man jetzt aus dieser Falle, die man selbst gebaut hat, ohne Fluchtweg? Aus dem Appell des IWF liest man ganz klar, gerichtet an die in Kürze in Washington versammelte „Weltelite“: Druckt noch mehr Gratisgeld, investiert noch mehr in Brücken und Straßen (also neue Staatsschulden!?), und verdammt nochmal, macht endlich Strukturreformen. Zitat:

„Public finances have had a rough year. A new reality is emerging. Against this backdrop, countries need to act now to boost growth and build resilience. They must also be prepared to act together to fend off global risks.“

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    14. April 2016 14:25 at 14:25

    In mindestens einem Punkt(eher sind es mehrere)irrt Wolfgang Schäuble gewaltig:Die Zuwendung der „arbeitenden Bevölkerung“,nicht nur in D zu eher „rechten“Parteien ist nicht nur der unsäglichen Arbeitsweise des Duce in die Schuhe zu schieben.Vielmehr ist es die Gesetzlosigkeit vieler Regierungen nach dem Adenauermotto:Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!Rückgrat,Verlässlichkeit,Geradlinigkeit,gibt es mit wenigen Ausnahmen schon lange nicht mehr im Politbetrieb.Was bleibt dem Ex-Souverän dann noch übrig?Er wählt AFD,Front National Ukip,usw.Sogar mit Bauchgrimmen&völliger Desillusion!Nochmal Adenauer:Macht euch keine Gedanken Politiker:Wählen gehen die immer!Schaun mer mal(Zitat der Ex-Lichtgestalt!)Auch daran sieht man den moralischen Niedergang eines Volkes.

  2. Avatar

    leser

    14. April 2016 14:35 at 14:35

    Wie hieß es doch in dem alten Indianerspruch: Wer ein totes Pferd reitet, sollte absteigen.

    Stattdessen wird das tote Pferd angetrieben (mehr Geld drucken) oder versucht, die Richtung zu ändern („Strukturreform“). Stattdessen sollte man sich diesen Chart ansehen, http://www.goldseiten.de/artikel/281564–Papiergeld-vs.-Gold—dieser-Chart-sagt-alles.html. Dann würde man feststellen, dass man schon eine ganze Weile auf einem toten Pferd sitzt.

  3. Avatar

    pierre

    14. April 2016 20:56 at 20:56

    blabla „…hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt.“
    „Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.“
    Ist da nicht ein Widerspruch? Der IWF lügt, wo er nicht erwischt wird. Der Lügen-IWF. Er tut dann so, wie wenn er sich geirrt hätte.
    xxxxxxxxxxxxxxx
    Nur mal so nebenbei: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45080/1.html
    „In der Fußnote der FAZ heißt es: „Als die Finanzmärkte auf dieses Zitat nervös reagierten, bat der IWF darum, die autorisierte deutsche Version anders zu formulieren. Deshalb wurde aus dem autorisierten Zitat, es handle sich bei dem Grexit um eine Möglichkeit, die Version, dass „niemand den Europäern einen Grexit wünscht.“
    Obwohl nur vier Zeilen lang, verrät diese Fußnote mehr über die mächtigste Finanzorganisation der Welt und die Rolle, die die FAZ und die Mainstream-Medien im Konflikt um Griechenland spielen, als so manch langes politisches Traktat.
    Aus der Reaktion des IWF geht hervor, dass Formulierungen seiner führenden Vertreter die Finanzmärkte keinesfalls „nervös machen“ dürfen. Gibt es einen deutlicheren Beweis dafür, wessen Interessen das Handeln des IWF bestimmen?
    Schafft es der IWF trotzdem, die Finanzmärkte mittels einer Äußerung „nervös zu machen“, so zögert seine PR-Abteilung anschließend ganz offensichtlich nicht, die Medien hinter dem Rücken der Öffentlichkeit zu manipulieren. Braucht man einen klareren Beweis dafür, dass eine Organisation ihren wahren Charakter vor den Augen der Welt zu verschleiern versucht?
    Der IWF bittet darum, die Formulierung „Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit“ durch die Formulierung „Niemand wünscht den Europäern einen Grexit“ zu ersetzen. Kann man Griechenland zynischer diskreditieren und die europäische Bevölkerung auf perfidere Weise unter Druck setzen, als ihr gegenüber Mitleid mit einem „Grexit“ zu heucheln…?“

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Allgemein

Achtung: Korrektur voraus – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage