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Vor dem IWF-Frühjahrstreffen: Globale Probleme schonungslos offengelegt, Schäuble trifft „seinen AfD-Draghi“

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kurz vor dem IWF-Frühjahrstreffen in Washington hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt. Zur Lösung dieser Probleme schlägt er aber alte und bekannte Wege vor. Wolfgang Schäuble trifft beim Treffen in Washington auf den Mann, dessen Politik zu guten Teilen mit Schuld sein soll am Erstarken der AfD…

IWF-Frühjahrstreffen Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde gestern kurz vor dem eigentlichen Start des IWF-Frühjahrstreffen. Gestern ging es um das „SM16 Seminar: Conflicts and the Refugee Crisis“. Foto: IWF (Lizenz)

Gibt es da böses Blut, böse Blicke und böse Worte von beiden Seiten? Erst letzte Woche hatte Wolfgang Schäuble doch ernsthaft behauptet die EZB (also in Persona Mario Draghi) sei mit ihrer Nullzinspolitik zu 50% schuld daran, dass Parteien wie die AfD so sehr erstarkt seien. Der Chefvolkswirt der EZB Peter Praet sagte jüngst u.a. „wie in diesem Land auf diese Institution geschossen wird, ist manchmal schwer zu ertragen.“ Schäuble sagte jedenfalls am Dienstag ebenfalls in Richtung EZB ihre Politik schaffe außerordentliche Probleme für die deutschen Renten. Schäuble und Draghi werden sicher Zeit finden ein paar Minuten zu plaudern – aber wie sagte Peter Praet vor Kurzem so schön: Gerade die Deutschen bestanden doch bei der Einführung des Euro darauf, dass die EZB völlig unabhängig agieren müsse. Jetzt dürften sich die Deutschen nicht beschweren, dass die EZB eine Politik mache, die ihnen nicht genehm ist.

Der IWF über die weltweite Schuldenlage

Der IWF legt als Vorlage für das IWF-Frühjahrstreffen in einem Text schonungslos die Schuldenprobleme der hochentwickelten Länder, der Entwicklungsländer sowie der Öl-Staaten im Nahen Osten und Nordafrika dar. In diesen aufschlussreichen Charts erkennt man die Tragweite der globalen Verschuldung. In diesem ersten Langfristchart seit den 1920er-Jahren wird mit der globalen Staatsverschuldung in % zum BIP gerechnet – anders geht es bei solch langfristigen Sichtweisen gar nicht. Der IWF möchte mit der Grafik zeigen, dass die Verschuldungen nach dem 1. und 2. Weltkrieg wieder zurückgingen. Rechts im Chart erkennt man, dass nach den letzten Krisen die Verschuldung der entwickelten Nationen immer weiter gestiegen ist, bis heute.

IWF-Frühjahrstreffen 1
Grafik: IWF

Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.

IWF-Frühjahrstreffen 2
Grafik: IWF

Dieser Chart zeigt die Haushaltssituation der Öl-Exporteure in der sogenannten MENA-Region, also Naher Oster und Nordafrika. Gut dargestellt sieht man im linken Block bis 2008 satte Haushaltsüberschüsse, zuletzt 300 Milliarden US-Dollar in 2008. Von 2009 bis 2014 gab es Schwankungen. Im rechten Block erkennt man die Phase des jetzt vorherrschenden und zukünftigen strukturellen Defizits in den Haushalten dieser Länder. Verantwortlich ist natürlich der niedrige Ölpreis. Der zeigt aber schonungslos auf, dass sich die meisten dieser Länder bequem ganz alleine auf Öl als einzigem Produktionsgut ausgeruht haben. Jetzt bei so niedrigen Ölpreisen sind die Haushalte in dieser Region kaputt.

IWF-Frühjahrstreffen 3
Grafik: IWF

Der IWF weist unserer Meinung nach in sehr klaren Worten auf die mögliche Abwärtsspirale für die Weltwirtschaft hin, die aus einem bösen Cocktail gemixt wird von hohen Staatsschulden, niedriger Inflation und niedrigem Wachstum. Das könnte Haushalte und Staaten dazu bringen Geld zu sparen um Schulden abzubauen, was die Abwärtsspirale noch verstärken könnte, so der IWF. Das Rezept des IWF: noch mehr Schulden machen, in Infrastruktur investieren, und noch mehr lockere Geldpolitik. Ach ja, und Strukturreformen. Die könnten in Italien z.B. helfen die Konjunktur zu beleben, wenn man die Banken von ihren kaputten Krediten loseisen könnte. Aber wie man jüngst mit dem gigantischen 5 Milliarden Euro-Rettungsfonds gesehen hat: Damit bereinigt man kein Portfolio von 360 Milliarden Euro an faulen Krediten.

Wir zitieren den IWF:

„Advanced economies are facing the triple threat of low growth, low inflation, and high public debt. This combination of factors could create self-reinforcing downward spirals. By this, we mean that continuous downward revisions in growth and inflation are associated with upward revisions in public and private debt as a share of GDP. This may lead governments, firms and households to cut spending in order to lower debt, depressing further economic activity and inflation. To avert falling into such a trap, countries should follow a three-pronged approach based on expansionary monetary policy, growth-friendly fiscal policy and productivity-enhancing structural reforms. By growth-friendly fiscal policy, we mean measures that boost growth both in the short- and the medium-term (such as higher infrastructure investment) and policy actions that support the implementation of structural reforms.“

Jetzt stehen Staaten und Notenbanken vor einem weltweiten Dilemma. Man versuchte seit der Finanzkrise 2008 alle Probleme mit gedruckten Geld und Staatsschulden ohne Ende zuzuschütten. Die Effekte verpufften, die Schulden und die aufgeblähten Notenbankbilanzen sind geblieben. Wie entkommt man jetzt aus dieser Falle, die man selbst gebaut hat, ohne Fluchtweg? Aus dem Appell des IWF liest man ganz klar, gerichtet an die in Kürze in Washington versammelte „Weltelite“: Druckt noch mehr Gratisgeld, investiert noch mehr in Brücken und Straßen (also neue Staatsschulden!?), und verdammt nochmal, macht endlich Strukturreformen. Zitat:

„Public finances have had a rough year. A new reality is emerging. Against this backdrop, countries need to act now to boost growth and build resilience. They must also be prepared to act together to fend off global risks.“

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    14. April 2016 14:25 at 14:25

    In mindestens einem Punkt(eher sind es mehrere)irrt Wolfgang Schäuble gewaltig:Die Zuwendung der „arbeitenden Bevölkerung“,nicht nur in D zu eher „rechten“Parteien ist nicht nur der unsäglichen Arbeitsweise des Duce in die Schuhe zu schieben.Vielmehr ist es die Gesetzlosigkeit vieler Regierungen nach dem Adenauermotto:Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!Rückgrat,Verlässlichkeit,Geradlinigkeit,gibt es mit wenigen Ausnahmen schon lange nicht mehr im Politbetrieb.Was bleibt dem Ex-Souverän dann noch übrig?Er wählt AFD,Front National Ukip,usw.Sogar mit Bauchgrimmen&völliger Desillusion!Nochmal Adenauer:Macht euch keine Gedanken Politiker:Wählen gehen die immer!Schaun mer mal(Zitat der Ex-Lichtgestalt!)Auch daran sieht man den moralischen Niedergang eines Volkes.

  2. Avatar

    leser

    14. April 2016 14:35 at 14:35

    Wie hieß es doch in dem alten Indianerspruch: Wer ein totes Pferd reitet, sollte absteigen.

    Stattdessen wird das tote Pferd angetrieben (mehr Geld drucken) oder versucht, die Richtung zu ändern („Strukturreform“). Stattdessen sollte man sich diesen Chart ansehen, http://www.goldseiten.de/artikel/281564–Papiergeld-vs.-Gold—dieser-Chart-sagt-alles.html. Dann würde man feststellen, dass man schon eine ganze Weile auf einem toten Pferd sitzt.

  3. Avatar

    pierre

    14. April 2016 20:56 at 20:56

    blabla „…hat der IWF in einer guten und schonungslosen Analyse die globalen Probleme klar und anschaulich dargestellt.“
    „Dieser Chart des IWF soll zeigen, dass die Erwartungen an die Haushaltsdefizite von Entwicklungsländern seit 2011 drei Mal kräftig nach oben korrigiert werden mussten.“
    Ist da nicht ein Widerspruch? Der IWF lügt, wo er nicht erwischt wird. Der Lügen-IWF. Er tut dann so, wie wenn er sich geirrt hätte.
    xxxxxxxxxxxxxxx
    Nur mal so nebenbei: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45080/1.html
    „In der Fußnote der FAZ heißt es: „Als die Finanzmärkte auf dieses Zitat nervös reagierten, bat der IWF darum, die autorisierte deutsche Version anders zu formulieren. Deshalb wurde aus dem autorisierten Zitat, es handle sich bei dem Grexit um eine Möglichkeit, die Version, dass „niemand den Europäern einen Grexit wünscht.“
    Obwohl nur vier Zeilen lang, verrät diese Fußnote mehr über die mächtigste Finanzorganisation der Welt und die Rolle, die die FAZ und die Mainstream-Medien im Konflikt um Griechenland spielen, als so manch langes politisches Traktat.
    Aus der Reaktion des IWF geht hervor, dass Formulierungen seiner führenden Vertreter die Finanzmärkte keinesfalls „nervös machen“ dürfen. Gibt es einen deutlicheren Beweis dafür, wessen Interessen das Handeln des IWF bestimmen?
    Schafft es der IWF trotzdem, die Finanzmärkte mittels einer Äußerung „nervös zu machen“, so zögert seine PR-Abteilung anschließend ganz offensichtlich nicht, die Medien hinter dem Rücken der Öffentlichkeit zu manipulieren. Braucht man einen klareren Beweis dafür, dass eine Organisation ihren wahren Charakter vor den Augen der Welt zu verschleiern versucht?
    Der IWF bittet darum, die Formulierung „Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit“ durch die Formulierung „Niemand wünscht den Europäern einen Grexit“ zu ersetzen. Kann man Griechenland zynischer diskreditieren und die europäische Bevölkerung auf perfidere Weise unter Druck setzen, als ihr gegenüber Mitleid mit einem „Grexit“ zu heucheln…?“

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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