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IWF-Lagarde stellt klar: Am 30.06. muss Griechenland 1,5 Mrd zahlen

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

IWF-Chefin Lagarde stellte gestern klar: Am 30.06. muss Griechenland die im Juni aufgelaufenen 1,5 Milliarden Euro zahlen. Wortwörtlich sagte sie gestern Reportern „there´s no grace period or 2 month delay“. Also gibt es keine „Gnadenfrist“ für Griechenland diese Zahlung noch weiter hinauszuzögern.

IWF Chefin-Christine-Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde
Foto: Marie-Lan Nguyen / Wikipedia (CC BY 3.0)

Lagarde sagte auch der Zahlungsausfall ab 1. Juli wird hoffentlich nicht eintreten. Am Dienstag gab es Spekulationen, dass die griechische Regierung einen Kniff im Kleingedruckten der IWF-Statuten nutzen wolle die Zahlung um 6 Monate hinauszuzögern. Aber vielleicht zaubern Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis irgendeinen Kniff bis Ende Juni noch aus dem Hut.

IWF besteht auf Termin 30.06.

Oft wird von den schrecklichen Forderungen der „Institutionen“ (vormals Troika) berichtet, die Griechenland dazu drängen würden die Renten drastisch zu senken uvm. Hierzu sagte Lagarde gestern es sei dem IWF wichtig, dass Griechenland gerade die kleineren Rentenbezüge nicht kürze! Interessant: Lagarde erwähnte wie bereits ihr Chefökonom Olivier Blanchard vor Kurzem, dass Griechenland 16% seines Bruttoinlandsprodukts für Rentenzahlungen ausgebe – damit läge man weit über dem Durchschnitt in Europa – dies müsse man anpassen. Hier müsse sich strukturell etwas ändern. Blanchard sprach in seinen Erläuterungen davon Renten senken zu müssen, weil die anderen Staatsausgaben in Griechenland schon „bis auf die Knochen“ gesenkt wurden. Also die hohen Rentenbezüge kürzen, die kleinen Renten nicht weiter absenken + Renteneintrittsalter raufsetzen, so liest sich wohl die Agenda des IWF für das griechische Rentensystem.

Krimineller IWF – Dialog mit Erwachsenen

Erst vor Kurzem hatte Alexis Tsipras den IWF „kriminell“ bezeichnet. Heute gab es zu dieser charmanten Aussage eine Antwort von Christine Lagarde als Chefin des IWF: Sie sagte heute „das Drängendste ist, dass wir den Dialog mit Erwachsenen im Raum wiederherstellen“. Ein direkter Seitenhieb Richtung Tsipras & Varoufakis. Der konnte es nicht lassen prompt noch einen draufzusetzen. „Es habe sich gezeigt, dass die Eurogruppe kein Forum sei, in dem ernsthafte Diskussionen geführt werden können“. Wir meinen: Diese Aussagen von Yanis Varoufakis schaffen beste Voraussetzungen für gute, konstruktive und vertrauensvolle Verhandlungen nächste Woche mit den Geldgebern (Achtung, ja, das war Sarkasmus).

In die Hand beißen, die einen füttert?

Wir alle wissen es erst, wenn es tatsächlich passiert, aber: Wenn Griechenland am 1. Juli beim IWF in den „default“-Status fällt, hätten dann die ständigen Beleidigungen und Angriffe von Tsipras & Varoufakis nicht zu einem großen Teil dazu beigetragen? Hätte man mit einen höflicheren und diplomatischeren Vorgehen nicht schon längst neue EU-Hilfen erhalten? Unabhängig davon, wer ethisch & moralisch im Recht ist, Griechenland oder die Geldgeber (oder kann man das vielleicht gar nicht klären?): Sollte man als Schuldner nicht in einem seriösen und respektvollen Ton gegenüber seinem Gläubiger auftreten? Auch wenn die Herren Tsipras und Varoufakis für ihre Wähler und Parteifreunde volle Kanne gegen die „bösen Menschen“ in Brüssel, Frankfurt und Berlin poltern müssen, so kann man doch sagen: Es ist generell nicht gut in die Hand zu beißen, die einen füttert. Diese Hand zu schütteln wäre sinnvoller.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    bademeister

    19. Juni 2015 09:54 at 09:54

    Tsipras ist heute optimistisch, daß es eine Lösung nach EU-Recht am Montag geben wird…sehr spannend.

  2. Avatar

    joah

    19. Juni 2015 10:41 at 10:41

    Das vom IWF die Forderung nach Rentenkürzung und Erhöhung des Eintrittsalters kommt, ist schlicht rational – aber auch vollkommen emotionslos. Das man sich gegen so eine kalte und gleichsam ignorante Haltung wehrt ist meines Erachtens selbstverständlich: Hände schüttelnd und lächelnd (nur für die Kamera) wäre hier auch das falsche Signal.

    Ich will damit weder den IWF und dessen derzeitige Frontfrau, geschweigedenn Griechenland und seine Akteure in Schutz nehmen: alle Seiten wussten was sie tun und wissen es immer noch – und sie haben sich alle redlich gegenseitig verdient.

    • Avatar

      bademeister

      19. Juni 2015 11:12 at 11:12

      Denn…sie wussten nicht…und wissen nicht…was sie mit unserem Geld tun.

      • Avatar

        joah

        19. Juni 2015 19:01 at 19:01

        doch: massiv entwerten und schlussendlich vernichten

  3. Avatar

    grafiksammler

    19. Juni 2015 13:47 at 13:47

    Vor ein paar Jahren betrugen die griechischen Renten noch ca 10% des BIP. Seither ist das BIP geschrumpft, die Renten nicht. Folge ( jedenfalls für die die Rechnen können: der Prozentuale Anteil der Renten am BIP muß steigen, ohne dass die Renten gestiegen sind )
    Schade das Frau Lagarde nicht dazu gehört. Traurig, sojemanden an die Spitze des IWF zu berufen.

  4. Avatar

    AltFryRhätien

    19. Juni 2015 14:26 at 14:26

    Und die Äusserung dieser abscheulichen Lagarde nennen Sie dann „diplomatisch, höflich und zurückhaltend“? Die Masstäbe sind aus dem Gleich, wie die Maurer sagen.

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Hans-Werner Sinn bei Marc Friedrich – die große Krise

Claudio Kummerfeld

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Hans-Werner Sinn ist als ehemaliger Leiter des ifo-Instituts immer noch ein bundesweit hoch anerkannter und gern gesehener Gesprächspartner rund um ökonomische Themen. Seine Meinung hat Gewicht. Aktuell wurde er vom (durch große Medien als Crashprophet bezeichneten) Marc Friedrich interviewt zur aktuellen großen Krise.

Hans-Werner Sinn über zweite Corona-Welle und China

Laut Hans-Werner Sinn sei die zweite Corona-Welle längst da. Einen zweiten, echten und harten Lockdown könne Deutschland nicht verkraften – deswegen werde es ihn auch nicht geben. Man werde stattdessen versuchen Brandherde einzeln und lokal zu löschen. Besprochen werden von den beiden zahlreiche bestehende ökonomische Probleme, darunter die Südländer in Europa, für die der Euro nach wie vor zu teuer sei. Auch die Krise der Autohersteller wird angesprochen. Hier gehe es um Regulierungsprobleme.

Marc Friedrich spricht die starke Überschuldung in China an. Hans-Werner Sinn erwähnt hier aber die in wenigen Jahren stark gestiegene Bedeutung Chinas für Deutschland. Vor vier Jahren sei China noch das viert wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft gewesen, heute sei es das wichtigste Land. Die dortige rasche konjunkturelle Erholung helfe derzeit auch sehr stark der deutschen Exportwirtschaft.

Schulden-Vergemeinschaftung

Auch besprechen Hans-Werner Sinn und Marc Friedrich ausführlich das Thema der neuen EU-Anleihen und der zunehmenden Staatsfinanzierung durch die EZB. Angesprochen werden auch die ursprünglichen Grundsätze zu Zeiten der Euro-Einführung, wonach die EZB die Staaten nicht direkt finanzieren dürfe. Aus der Formulierung hätte Juristen dann den Schluss gezogen, dass eine indirekte Finanzierung erlaubt sei, so wie sie jetzt laufe (Banken kaufen Staatsanleihen in der Erstauktion, verkaufen sie kurz danach an die EZB).

Auch werden von den beiden Themen angesprochen wie eine mögliche Hyperinflation, das massive Rentenproblem und die großen wirtschaftlichen Probleme, die in Deutschland schon in zehn Jahren sichtbar sein sollen. Hans-Werner Sinn formuliert es drastisch und klar. Europa gehe über in ein dauerhaftes Siechtum bestehend aus dauerhaften Transfers nach Südeuropa, und ohne ausreichende Produktivität.

Bankenkrise

Egal ob die Zinsen nun wieder steigen würden, oder ob man weiter auf der Null-Linie bleibe. Auf die Banken in Europa werden laut Hans-Werner Sinn immense Probleme zukommen, die nicht ewig mit Sondermaßnahmen (wie es derzeit passiert) kaschiert werden könnten. Ein sehenswertes Gespräch, es lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die fünf Investment-Ideen von Marc Friedrich.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: blu-news.org CC BY-SA 2.0

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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