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Jagd nach einem Phantom! Videoausblick

Über Phantome und Interpretationen – war Powell wirklich so dovish?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Sowohl die Märkte als auch (und vor allem) die Fed sind auf der Jagd nach einem Phantom namens „neutrale Rate“, also dem Zinssatz, der weder die Konjunktur unterstützt noch bremst. Jerome Powell hat mit seiner Aussage, wonach der aktuelle Zinssatz „just below“ der neutralen Rate liege, die stärkste Rally seit dem 26.März auseglöst – weil nun wieder denkbar ist, dass die Fed nach einer Zinsanhebung im Dezember dann eine Pause einlegt (aber die Zinsanhebungen nicht autmomatisch stoppt). Allerdings war die Rede von Powell weniger dovish, als viele meinen: keine Erwähnung einer möglichen Abschwächung der Inflation, die US-Konjunktur sieht Powell nach wie vor unter Volldampf. Der Dax dürfte zunächst etwas niedriger starten als er gestern den X-Dax-Handel beendete..

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9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang M.

    29. November 2018 08:15 at 08:15

    Bei der Bewertung der gestrigen Rede von „Jay“ Powell komme ich nicht umhin aus meinem Samstagskommentar „Das Goldilock-Szenario“ zu zitieren.
    „Dazu noch ein kleiner Hinweis, der die Bären ein bisschen zur Vorsicht mahnen sollte. Die Fed kennt ihre Historie und weiß um die finalen Wirkungen ihrer Zinspolitik. Dazu eine aktuelle Aussage eines früheren Wirtschaftsberaters (Former Chief Economic Advisor) der US-Regierung:
    Wir haben in den letzten 25 Jahren drei „Boom and Bust“-Szenarien wegen der Zinspolitik der Fed erlebt. (Zu lange tiefe Zinsen und dann zu viele und zu schnelle Anhebungen). Wenn die Fed ihr institutionelles Überleben sichern will, wird sie dieses Mal vorsichtiger vorgehen. Gerade weil der US-Präsident Trump heißt und dieser wird nicht zögern die Schuld, ohne Rücksichtsnahme, auf die Instution Fed zu projizieren.
    Und.
    Wahrscheinlich agiert die Fed im Sinne von John Maynard Keynes: „When the facts change, I change my mind!“
    Was aber nichts daran ändert, dass das große nächste Thema die Handelspolitik Trumps ist und da kann der Präsident den „Game changer“ spielen.
    Gruß

  2. Avatar

    Hinterfrager

    29. November 2018 08:45 at 08:45

  3. Avatar

    pigeon

    29. November 2018 10:08 at 10:08

    Ein wichtiger Punkt in der Rede Powells war ja die Finanzstabilität. Und eigentlich hat Powell gesagt, dass, selbst wenn es zu einem Abschwung an den Aktien- und Kreditmärkten käme, die Finanzstabilität, im Gegensatz zur Situation in 2008, nicht gefährdet wäre. Und er hat betont, dass es der Fed neben ihrem zweifachen Mandat (Inflation + Arbeitsmarkt) eigentlich nur darum geht, dass im Falle einer Krise die Kreditversorgung der Wirtschaft und der Verbraucher nicht unterbrochen wird. Wenn er nun also die Finanzstabilität, die er in diesem Sinne definiert hat, nicht gefährdet sieht, dann bedeutet das aus meiner Sicht, dass er sich von selbst stark fallenden Aktien oder auch sich deutlich ausweitenden Credit-Spreads nicht beeindrucken lassen würde.
    Ich denke, wirklich der einzige dovishe Satz war dieses nah an der neutralen Rate Sein. D.h. weniger Zinsschritte aber kein Abrücken vom Zurückfahren der Bilanzsumme. Das bedeutet weiter jeden Monat rund 50 Mrd USD Drogenentzug. Irgendwie erinnerte mich die Rede an Bernanke am Abend der Subprime Krise, wo er die als „likely contained“ bezeichnete. Die Fed hatte einfach nicht gesehen, wieviel unterschwellige Probleme schon da waren. Den gleichen Eindruck erweckte Powell und das hat mich etwas überrascht. Er sieht einfach kein wirkliches Risiko. Damit ist die Fed auf dem gleichen Weg wie 2007.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      29. November 2018 10:10 at 10:10

      @pigeon, sehr guter Kommentar! Ich habe mich gestern auch über Powell gewundert..

    • Avatar

      Wolfgang M.

      29. November 2018 10:52 at 10:52

      Hallo @pigeon. Endlich ein bisschen Diskussion zu diesem schwierigen Thema. Glauben Sie wirklich, dass die Fed nicht im Besitz der sich abschwächenden Signale ist? Die deutliche Abschwächung im Häusermarkt, der Anstieg der Hypothekenzinsen über 5%, die Zunahme an Unternehmensanleihen im Junk – und im BBB-Bereich, die Ausfälle an Steuereinnahmen durch die Tax Reform, die Gefahren durch den Handelskrieg. Niemals. Dass dem so ist, konnte man auch aus den Antworten Powells bei seiner Pressekonferenz heraushören. Ich denke, dass die Fed in einem Teufelskreis gefangen ist. Sie hat eine große Mitverantwortung über die US-Wirtschaft, darf aber keine große Kritik an der Regierung äußern. Die Finanzmärkte hören auf jedes Wirt, auf jede Änderung im „Wording“. Eine negative Äußerung führt sofort zu einem Abverkauf an den Märkten und zu großen Vermögensverlusten. Denken Sie nur an die berühmte „Tapering-Rede“ Bernankes, oder jüngst an die unbedachten Äußerungen Powells im Interview zu den Zinsen. Deshalb auch die kryptische Sprache Alan Greenspans (Wenn sie glauben, mich verstanden zu haben, habe ich mich falsch ausgedrückt!).
      Was glauben Sie, was passiert wäre, wenn Powell gestern Abend gesagt hätte: Die Fed sieht eine Abschwächung in der Weltkonjunktur, die Gefahren eines Endes des schuldenfinanzierten Aufschwungs in den USA u.s.w – ein weltweiter Abverkauf. Deshalb meine Einschätzung. Die Fed darf überhaupt nicht Klartext sprechen, weil sie zwar die Macht über die Geldschöpfung besitzt, aber bei einer Abschöpfung derselben mit panikartigen, lawinengleichen Marktreaktionen rechnen muss. Sie darf deshalb nicht den geringsten Zweifel an der Finanzstabilität äußern, aus den besagten Gründen. Ein systemimmanentes Problem der großen finanziellen Machtkonzentration bei der Notenbank. Wie sehen Sie das?
      Viele Grüße

      • Avatar

        pigeon

        29. November 2018 12:03 at 12:03

        Hallo @Wolfgang M.
        vielleicht war Powell ja auch etwas eingeschüchtert durch die Reaktion, die er Anfang Oktober an den Märkten ausgelöst hat und wollte deshalb allseits Beruhigung verbreiten. Ich weiß es nicht, hatte aber bisher den Eindruck, dass Powell eher Klartext redet als seine Vorgänger. Sein Argument der Finanzstabilität war ja durchaus begründet, nämlich mit der starken Änderung der Anlagestruktur bei den systemrelevanten Finanzinstitutionen hin zu erstklassigen, liquiden Assets. Er sah den großen regulatorischen Fortschritt bei diesen Instituten. Die Folgerung daraus war, dass eine Liquiditätskrise erheblich weniger wahrscheinlich ist als 2008. Und das erscheint mir doch ein Problem zu sein: Die Fed glaubt offensichtlich wirklich, dass die Krise 2008, ähnlich wie 1929 eine Liquiditätskrise war. Was aber eigentlich unterschwellig schwärt ist aus meiner Sicht eine Solvenzkrise. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob sie das sehen, denn wenn dem so wäre, dann hätten sie die Krise nicht ein knappes Jahrzehnt lang mit einem negativen Realzins bekämpft, ohne gleichzeitig regulatorisch das Kreditwachstum stark einzudämmen. (Der negative Zins war ja für die Gesundung der Bilanzen notwendig, aber faktisch hat er zu neuen Verschuldungshöhen geführt. Das hätte man unbedingt verhindern müssen). Ich denke sie sehen die konjunkturelle Abschwächung, die Warnsignale aus dem Häusermarkt, die ansteigenden Defaults usw. Aber es sind für sie eben nur zyklische Veränderungen im Rahmen einer ansonsten gesunden Konjunktur. Was der Fed scheinbar verborgen ist, ist der kaskadierende Effekt, den ein Wachstumseinbruch auf die Kreditmärkte und den Konsum haben wird. Sonst würden sie jetzt die Reduktion der Bilanz verlangsamen, um dem System noch mehr Zeit zu geben, sich zu adaptieren.

        • Avatar

          Wolfgang M.

          29. November 2018 14:13 at 14:13

          @pigeon. Gute Gedanken. Es gibt zudem noch zwei Aspekte zu berücksichtigen.
          Jerome Powell hat als Fed-Chef die Probleme des fast 10-jährigen „Kreditaufschwungs“ von seinen Vorgängern Janet Yellen und Ben Bernanke (Helikopter-Ben) geerbt. Und:
          Dieser Zinsanhebungszyklus ist schon jetzt etwas Besonderes.
          Die Fed hat in drei Jahren die Zinsen gerade mal um 200 Basispunkte angehoben, Alan Greenspan hatte in zwei Jahren 400 BP geschafft. Dies ist der langsamste Zinsanhebungszyklus seit Jahrzehnten. Ich es schon ein paar Mal erwähnt, die Fed kennt die finale Wirkung eines Zinszyklus.
          Gruß

  4. Avatar

    Bond-Kenner 007

    29. November 2018 10:22 at 10:22

    Wenn die Konjunktur schlechter wird u.Trump die Verschuldung weiter treibt, wird der Unternehmens- Anleihenmarkt einbrechen u.den Takt an den Aktienmärkten vorgeben.Die kurzfristigen Leitzinsen , über die wir Tag u, Nacht rätseln, werden dann nur eine Nebenrolle spielen.Die U-S Staatsanleihen werden dann üblicherweise sogar steigen, d.h. die T- B Renditen fallen.Übrigens, die riesige Verschuldung der Unternehmen hat Powell gestern auch angesprochen.Gut ersichtlich aus den Charts der High-Yield Bonds u. der T- Bonds bei der 08 – er Korrektur.

  5. Avatar

    Beobachter

    29. November 2018 14:28 at 14:28

    Soeben gelesen auf
    Meine alte Platte über die grösste Zeitbombe der Gegenwart , die immer grössere Schieflage der Unternehmensanleihen, wurde soeben wieder bestätigt. Nicht zu vergessen , der weltweite Bondmarkt
    ist etwa 3 mal grösser als der gesamte Aktienmarkt. Vom Bondmarkt redet fast niemand, während
    die ganze Welt Aktien hin u.her tradet u. die Wirtschaftszahlen auf drei Kommastellen beobachtet u.Zinserwartungen u. Handelskrieg als Hauptsache ansehen.
    Ich behaupte wieder einmal, der Auslöser der nächsten Krise wird der hochexplosive Anleihenmarkt sein.
    Die Krux ist eben, dass dessen Zinsen auch in der Rezession, oder eben genau wegen einer Rezession steigen werden, weil die Firmen weniger verdienen.

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