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Janet Yellen im Zwielicht: hat sie Informationen „geleakt“?

Von Markus Fugmann

Hat Janet Yellen Interna aus einer Fed-Sitzung verraten? Im Oktober 2012 hatte die Investment-Beratungsfirma Medley Global Advisors, zu deren Kunden Hedgefonds, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren gehören, in einem Newsletter das nächste große Stimulusprogramm QE3 der Fed angekündigt – einen Tag, bevor das Fed-Protokoll der September-Sitzung der amerikanischen Notenbank veröffentlicht wurde. Auf der September-Sitzung aber hatte die Fed beschlossen, länger laufende Staatsanleihen und ABS zu kaufen, nachdem sie zuvor die kürzer laufenden Anleihen verkauft hatte, kurz das sogenannte QE3. Das amerikanische Justizministerium hatte daraufhin eine Untersuchung wegen der „leaks“ gegen Medley Global Advisors angestrengt.

Janet Yellen
Hat Janet Yellen hochsensible Informationen geleaked?
Foto: Federal Reserve

Nun hat Janet Yellen zugegeben, Analysten von Medley Global Advisors im Juni 2012 getroffen zu haben, darunter auch Regina Schleiger, die den Newsletter einen Tag vor dem Fed-Protokoll an ihre Kunden gesendet hatte (hier die Aussage Yellens, in der sie das Treffen zugibt). Sie habe – selbstredend – aber keinerlei Interna über die Fed-Sitzung verraten. Fragt sich nur, woher Regina Schleiger dann ziemlich präzise das formulieren konnte, was die Masse der Investoren dann erst am nächsten Tag im Fed-Protokoll lesen durften?

Noch im März hatte Janet Yellen mitgeteilt, dass ein interner „watchdog“ die leaks untersuche – sie habe aber keine Ahnung, woher Medley Global Advisors und Regina Schleiger die Informationen erhalten habe. Regina Schleiger wiederum hatte in dem Newsletter sehr detaillierte Informationen über die Ausarbeitung der Fed-Protokolle sowie Einsichten in die geldpolitischen Vorstellungen des damaligen Fed-Chefs Bernanke, der Fed-Vize Yellen sowie des New Yorker-Fed-Chefs Dudley gegeben.

Die Fed hatte zuvor Anfragen von republikanischen Abgeordneten ignoriert, die darum gebeten hatten, jene Fed-Mitglieder zu benennen, die Kontakt mit Mitarbeitern von Medley Global Advisors hatten. Die interne Untersuchung der Fed wurde auf Wunsch einiger nicht namentlich genannter Fed-Mitglieder gestoppt. Daraufhin hatte der republikanische Abgeordnete Jeb Henserling in einem Brief an Janet Yellen die Notenbank-Chefin ultimativ aufgefordert, bis zum 22.April jene Fed-Mitglieder zu benennen, die Kontakt zu Medley Global Advisors hatten. Yellen aber hatte die Frist verstreichen lassen – um dann plötzlich gestern zuzugeben, dass sie selbst Kontakt zu der Beratungsfirma hatte – allerdings deutlich vor dem relevanten Zeitraum.

Eine späte Wendung. Hat die Notenbankchefin etwas zu verbergen? Wie auch immer: die Angelegenheit hat ein „Geschmäckle und könnte die Autorität Janet Yellens weiter untergraben. Als eigentlicher Kopf der amerikanischen Notenbank gilt ohnehin der ehemalige israelische Notenbankchef Fischer, der Vizechef der Fed ist. Es sieht so aus, als stünden Yellen schwierige Tage bevor: insbesondere republikanische Abgeordnete, die auf mehr Transparenz bei der Fed drängen, dürften sie in den nächsten Tagen in die Mangel nehmen..



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