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Japan gegen den Rest der Welt Japan: Erstmals seit 1998 Intervention wegen kollabierendem Yen

Über geldpolitische Klimaleugner

Japan Yen monetärer Klimawandel

Japan ist mit seiner Notenbank im Grunde der einzige relevante Währungsraum, der die weltweiten Zins-Anhebungen zur Bekämpfung der Inflation ignoriert – mit der Folge eines seit März geradezu kollabierenden Yen. Dollar-Yen wertet seit März von 116 auf heute knapp 146 auf – im Währungsbereich eine gigantische Abwertung der japanischen Währung in einem so kurzen Zeitraum. Die Bank of Japan betreibt weiter Quantitative Easing (kauft also Staatsanleihen), obwohl auch im Reich der aufgehenden Sonne die Inflation zuletzt deutlich angezogen hat auf nun +3,0% zum Vorjahresmonat.

Nach Platzen der Immobilienblase in Japan stürzte das Land in eine jahrelange Deflation. Der kürzlich ermordete Shinzo Abe versuchte mit Installierung einer ultraexpansiven Geldpolitik ein Gegenmittel gegen die Deflation – mit mäßigem Erfolg. Inzwischen besitzt die Notenbank Japans nicht nur mehr als die Hälfte der japanischen Staatsanleihen, sondern sie kauft auch in erheblichem Umfnag ETFs zur Stützung des Aktienmarkts des Landes.

Der Kollaps des Yen und der monetäre Klimawandel: Japan als einzige Ausnahme

Der  globale monetäre Klimawandel aber setzt der Bank of Japan zu – sichtbar im freien Fall des Yen. Notenbank-Chef Kuroda will mit der Rückendeckung der Politik aber unbedingt an der expansiven Geldpolitik festhalten, um die Wirtschaft zu stützen. Aber der Kollaps des Yen setzt gleichwohl viele Branchen in Japan unter enormen Druck.

Nun hat die Bank of Japan das erste Mal seit dem Jahr 1998 zugunsten des Yen interveniert – und damit den freien Fall der Landeswährung vorerst gestoppt. Hat das Aussicht auf Erfolg? Zunächst gelingt die Operation. Der schwächere Dollar stütze nach der Intervention der Bank of Japan die westlichen Aktienmärkte, die derzeit besonders unter der Dollar-Stärke ächzen (derzeit gilt: starker Dollar=schwache Aktienmärkte und umgekehrt).

Wie Bloomberg berichtet, intervenierte Japan  zum ersten Mal seit 1998, um den Yen zu stützen, und versuchte, den 20-prozentigen Rückgang gegenüber dem Dollar in diesem Jahr angesichts der zunehmenden politischen geldpolitischen Divergenz mit den USA aufzuhalten.

Der Yen stieg um bis zu 2,3 % gegenüber dem Dollar und erholte sich deutlich von den Tiefstständen des Tages, als er die psychologisch wichtige Marke von 145 durchbrochen hatte. Der oberste Währungshüter Masato Kanda sagte, die Regierung ergreife nun „mutige Maßnahmen“.

Die Intervention zeigt, dass eine Schmerzgrenze erreicht wurde, nachde vor allem Hedge-Fonds ihre Short-Wetten auf den Yen immer weiter aufgestockt. Die Frage ist nun, ob die einseitigen Maßnahmen greifen werden.

„Bestenfalls kann ihre Aktion dazu beitragen, das Tempo der Yen-Abwertung zu verlangsamen“, sagte Christopher Wong, ein Währungsstratege bei der Oversea-Chinese Banking Corp. „Die Maßnahme allein wird den zugrunde liegenden Trend wahrscheinlich nicht ändern, es sei denn, der Dollar und die Renditen der US-Staatsanleihen fallen oder die Bank of Japan ändert ihre Geldpolitik.“

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Kandas Kommentare zu Interventionen stützen den Yen

Währungsinterventionen sind ein ungewöhnlicher Schritt für ein Land, das seit langem von seinen Handelspartnern dafür kritisiert wird, eine schwache Währung zu tolerieren oder sogar zu fördern, um seine Exporteure zu begünstigen. Das letzte Mal, dass Japan den Yen durch direkte Interventionen gestärkt hat, war während der asiatischen Finanzkrise im Jahr 1998, als der Wechselkurs rund 146 erreichte und eine schwache Wirtschaft bedrohte.

Auch im Jahr 2011 hatte Japan bereits bei Kursen um 130 interveniert – allerdings damals um den Yen zu schwächen.

Der Yen stieg um 17:54 Uhr in Tokio Ortszeit um 1,7 % auf 141,71 gegenüber dem Dollar. Bei der Ankündigung der Intervention hatte Kanda die Maßnahmen gegen die Währung als plötzlich und einseitig bezeichnet.

Die japanischen Behörden haben in den letzten Wochen vermehrt verbale Warnungen ausgesprochen, und die Bank of Japan hat im letzten Zug eine so genannte Kurskontrolle am Devisenmarkt durchgeführt, um vor spekulativen Wetten zu warnen.

Am Donnerstag beließen BOJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda und seine Vorstandskollegen das Programm zur Steuerung der Zinskurve und die Ankäufe von Vermögenswerten wie allgemein erwartet unverändert. Der Chef der Zentralbank sagte später in einem Briefing, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren keine Notwendigkeit geben könnte, die Forward Guidance zu ändern, und dass es keine Aussicht auf eine kurzfristige Zinserhöhung gibt.

Der Yen ist unter den Währungen der Gruppe der 10 der schlechteste Wertentwickler. Japanische Unternehmen und Haushalte haben sich zunehmend über die negativen Auswirkungen der schwächeren Währung geäußert, da die Input- und Energiekosten in die Höhe schnellen. Ein weiteres Abrutschen wird den Konsens zwischen einer Zentralbank, die die Inflation anheizen will, und einer Regierung, die verzweifelt versucht, eine Lebenshaltungskostenkrise zu vermeiden, unter Druck setzen.

„Vorerst könnte es zu einer gewissen Auflösung von Yen-Shorts kommen, insbesondere wenn die BOJ Anfang nächster Woche im Auftrag des Finanzministeriums weiter am Markt interveniert“, so Jian Hui Tan, Stratege bei Informa Global Markets. „Wahrscheinlich verschafft die BOJ Japan etwas Zeit, in der Hoffnung, dass sich die allgemeine USD-Stärke etwas abschwächt und eine weitere Yen-Abwertung gebremst werden kann.“

FMW/Bloomberg



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6 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Hintergrund: Als die japanische Notenbank im Januar 13 das „Abenomics Programm“ begann stand der Nikkei bei unter 10 TDS Punkten.

    Der japanische Leitindex hatte eine jahrelange Baisse hinter sich, im Dezember 89 wurden noch über 38 TDS abgerufen.
    Im Grunde wurde das Abenomics schon im September 12 beschlossen. Der zukünftige Premier Abe tüftelte die Strategie mit Wallstreet Bankern im Hinterzimmer aus: Unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen und damit die Indizes mit purer Gewalt nach oben drücken.
    Vorbild war Draghis Whatever it takes und Bernankes zahlreiche QE Programme.
    Die Analysten hatten noch im August 12,als erste Gerüchte über Abenomics die Runde machen, große Zweifel, ob die Investoren auf den Zug aufspringen, aber sie taten es.
    Der Nikkei 225 der ,im Tief der Eurokrise noch bis auf unter 7500 abgetaucht war, kannte in den folgenden Jahren nur einen Weg,steil nach oben.
    Bis auf über 30 TDS trieben Bank of Japan und Spekulanten die Kurse, ehe die aufkommende Ukraine Krise das Spiel beendete.
    Das jetzt, fast 10 Jahre später, niemand vom Geld drucken im ungedecktem Papiergeldsystem ablassen will, wenn will man es verdenken.
    Kurz und gut: Die japanische Notenbank erschafft weiter Geld aus dem Nichts, per elektronischer Druckerpesse, denn niemand in Japan will die 7500 im Nikkei wiedersehen.
    Sollte die Blase wirklich platzen würde aber sicherlich das Ausgangsniveau im Nikkei 225 wieder erreicht werden.
    Und davon hat man Angst, deshalb wird weiter gedruckt…

  2. Ich frage mich, ob der Renditesprung, den wir bei den US-Staatsanleihen gerade sehen, mit der Intervention zusammenhängt. Um Yen zu kaufen, muss Japan ja Dollar verkaufen, die hält sie in Form von US-Staatsanleihen. Also müssten ja gerade mehr US-Staatsanleihen auf den Markt kommen.

    Eine interessante Mischung: Die Fed ist momentan Netto-Verkäuferin, Japan ebenfalls. Der Markt für US-Treasuries scheint ja derzeit auch extrem illiquide zu sein, so dass die japanischen Maßnahmen spürbare Wirkungen haben können.

    Und wenn Japan mit seinen Verkäufen von US-Treasuries deren Rendite erhöht, verstärkt es das Problem, das der ganzen Yen-Schwäche zugrunde liegt: Die Renditedifferenz US-JP vergrößert sich weiter. Das macht eine verstärkte Intervention nötig, was bei den US-Renditen weiteren Druck nach oben ausübt, was wiederum den Yen weiter schwächt…

    es wird interessant.

    1. @Rettich, sehr starker Kommentar!

  3. Das sind doch verbrannte Devisenreserven solange die Bank of Japan nicht ihren geldpolitischen Kurs ändert. @Rettich: Die Fed ist keine Netto-Verkäuferin, da sie nicht aktiv Treasuries verkauft, sondern diese auslaufen lässt.

    1. Wenn die BoJ Dollar für Marktinventionen benötigt, dann hängt der Geldbedarf dafür doch vom Umfang und Zeitpunkt der geplanten Intervention ab. Bei einem bloßen Auslaufen der Treasuries ist aber gar nicht gesagt, dass die in dem Umfang des jeweiligen Dollarbedarfs fällig werden. Deswegen bin ich mir unsicher, ob es ohne aktive Verkäufe abgehen kann.

      Und auch ohne aktive Verkäufe bleibt ja das Problem, dass für die Ablösung der auslaufenden Anleihen andere Anleger als die BoJ (oder die Fed) gefunden werden müssen. Auch ein passives Auslaufen der Treasuries drückt also die Renditen nach oben.

      1. Sorry, hatte das „Fed“ überlesen, der erste Teil des Kommentars ist damit hinfällig, der zweite nicht.

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