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Japan mit nur noch 2,2% Arbeitslosigkeit – warum Vollbeschäftigung bei schrumpfender Wirtschaftsleistung Sinn ergibt

Man denke zurück an den 16. Mai. Das war eine Schocknachricht für Japan. Die Wirtschaftsleistung (BIP) ging im 1. Quartal völlig überraschend um 0,6% zurück. Vorher ging es acht Quartale am Stück nur nach oben. Die kleinen Zuwächse waren hart erkämpft durch jahrelanges brutales Gelddrucken der Notenbank. Und dann dieser Einbruch. Heute nun könnte man denken, dass alles wieder gut aussieht.

Denn schaut man auf den Arbeitsmarkt, sieht es auf den ersten Blick mehr als rosig aus. Nach 2,5% Arbeitslosenquote im April ist sie im Mai auf 2,2% gesunken, wobei 2,5% erwartet wurden. Damit liegt sie jetzt auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Das läuft doch phantastisch in der japanischen Wirtschaft, mag man meinen? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Mit 2,2% hat man schon längst den Zustand der „Vollbeschäftigung“ in Japan erreicht, weil es immer einen „Sockel“ an Arbeitslosen gibt, die nicht arbeiten können (krankheitsbedingt etc).

Das Problem in Japan heißt Demografie. Bei schrumpfender Wirtschaftsleistung müsste die Arbeitslosigkeit gemäß ökonomischer Standardbetrachtung eigentlich spürbar steigen. Nicht aber in Japan. Denn die Bevölkerung schrumpft. Die Vergreisung ist nirgendwo so eindeutig zu sehen wie in Japan. Immer weniger junge Leute wachsen nach, die als neue Arbeitskräfte der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Folglich kann die Regierung in Japan zusammen mit der Notenbank noch so viel Geld pumpen und Kredite vergeben.

Wenn die Wirtschaft kein Personal mehr findet, können offene Stellen nicht besetzt und neue Aufträge gar nicht abgearbeitet werden. Das hemmt selbst eine Wirtschaft, die mit extremsten Maßnahmen angefeuert wird. Egal ob die Wirtschaft gut oder schlecht läuft – die Arbeitslosigkeit ist so weit unten, weil schlicht und einfach keine (oder fast keine) neuen Arbeitskräfte auf den Markt nachrücken. Diese Leere bringt Stillstand und eine deflationäre Spirale in eine Volkswirtschaft – wenn nicht kurzfristig, dann wohl auf lange Sicht.

Erste Ausläufer dieser Tendenz werden jetzt sichtbar. Aktuelle Zahlen der offiziellen japanischen Statistik zeigen, dass alleine von Januar bis Mai 2018 die Bevölkerung in Japan um 72.000 Menschen geschrumpft ist auf 126,520 Millionen. Im Jahr 2005 hat die Todesrate die Geburtenrate erstmals überschritten, und das Verhältnis droht nun immer weiter auseinander zu klaffen. 2010 wurde mit über 128 Millionen Menschen der Höhepunkt erreicht, aber schon vorher war der Abfall vorauszusehen. Seitdem geht es nur noch bergab mit der Bevölkerungszahl, und die Zahl der Älteren nimmt stetig zu. Da ist die Vollbeschäftigung kein Wunder, selbst bei einer schrumpfenden Wirtschaft.

Preise in Japan

Mehr als die westlichen Notenbanken hat vor allem die japanische Notenbank versucht neben der Wirtschaft in erster Linie die Preise nicht in die Deflation rutschen zu lassen. Schon kleine Wachstumsraten bei den Preisen sind da ein Erfolg. Für Juni vermeldet aktuell der Großraum Tokio im Jahresvergleich ein Plus bei den Verbraucherpreisen von 0,6%. In ganz Japan wuchsen sie im Mai um 0,7%. Wobei man sagen muss: Die Energiepreise legen um 3,1% zu, womit ohne sie gar kein Preiswachstum in Japan vorhanden wäre. Also erfreut man sich auch hier am globalen Anstieg des Ölpreises, weil man sonst extreme Angst vor Deflation haben müsste.

Japan Tokio
Tokio. Foto: Morio / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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1 Kommentar

  1. Die japanische Regierung ist, anders als die deutsche, zumindest intelligent genug sich die „humanitäre“ Zusatzbelastung durch muslimische und afrikanische Einwanderer vom Hals zu halten. Es hat schon Vorteile wenn man nicht durch bekloppte Moralvorstellungen behindert wird.

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