Aktien

Japan-Phantasie

Es sind zwei Nachrichten aus Asien, die die Aktienmärkte heute stützen: erstens der gestiegene Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe aus China. Das ist, vorsichtig formuliert, überraschend, nachdem die harten Fakten eher nach unten deuten. Aber Chinas Regierung braucht gute Daten – und da lassen sich dann die staatlichen Statistiker nicht zweimal bitten..

Die andere Nachricht aus Asien kommt aus Japan und hat heute dem Nikkei zu einem Höhenflug verholfen (+2,07%). Es geht um die von der japanischen Großbank Nomura geschürte Erwartung, dass Nippon seinen staatlichen Pensionsfond stärker als bisher mit ausländischen und japanischen Aktien bestückt bzw. verstärkt Staatsanleihen anderer Länder kauft. Genau dies hatte George Soros damals auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos dem japanischen Ministerpräsidenten Abe geraten – ganz uneigennützig natürlich. Soros hatte zuvor erfolgreich auf eine Abwertung des japanischen Yen profitiert, und der Kauf ausländischer Aktien oder Staatsanleihen würde den Yen weiter unter Druck bringen.

Derzeit hält der Pensionsfond ein Volumen (1,3 Billionen US-Dollar), dass das BIP Mexicos übersteigt. Davon sind 60% in japanischen Staatsanleihen investiert und damit weitgehend „unproduktiv“, weil Japan die niedrigsten Renditen für Staatsanleihen weltweit bietet (für eine 10-jährige derzeit 0,58%!).

Da liegt natürlich der Gedanke nahe, etwas mehr Rendite zu erzielen. Für Euphorie sorgt in Tokyo insbesondere die Aussicht, dass durch den Kauf japanischer Aktien durch den Staatsfond endlich der Nikkei – der anders als westliche Aktienindizes meilenweit von Rekordhochs entfernt ist – wieder etwas Stärke gewinnt. Und ebenso wichtig: der Yen weiter abwertet, was wiederum die Käufe ausländischer Assets durch den Pensionsfond nach sich ziehen würde. Klingt verlockend. Vermutlich so verlockend, dass der in Japan fast allmächtige Abe dieser Versuchung nicht widerstehen wird..

Und genau darauf werden nun die Wetten abgeschlossen: Long Nikkei, short Yen. Macht zwar für Japans Wirtschaft eher keinen Sinn, aber lukrativ ist es für die Finanzmärkte allemal..



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