Devisen

Japaner flüchten aus deutschen Staatsanleihen

Offenkundig aus Furcht vor den Konsequenzen der Russland-Krise haben Japans Investoren im März in großem Maßstab europäische Staatsanleihen verkauft. Dies zeigen heute veröffentlichte Daten des japanischen Finanzministeriums.

Demnach verkauften Japans Profiinvestoren im März europäische Staatsanleihen im Gegenwert von 1,96 Billionen Yen (19,2 Milliarden US-Dollar) – soviel wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr. Der Löwenanteil der Verkäufe entfiel dabei auf Deutschland (1,79 Billionen Yen) – wohl aus Sorge um die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Öl und Gas. Das ist der höchste Wert seit Aufzeichnung der Daten durch Bloomberg, also seit 2005. Im Gegenzug bauten Nippons Investoren ihre Bestände an US-Staatsanleihen aus (536 Milliarden Yen).

Wie Daten des japanischen Finanzministeriums zeigen, fiel der Handelsbilanzüberschuss Japans auf den tiefsten Stand seit 1985. Geht diese Entwicklung weiter, dürften die Zeiten rekordniedriger Renditen (=Risikoprämien) für japanischen Staatsanleihen bald der Vergangenheit angehören: bislang profitierte das Land von den Handelsbilanzüberschüssen, die das gigantische Staatsdefizit als vermeintlich finanzierbar hatten erscheinen lassen. Versiegen die nun die Überschüsse in der Handelsbilanz, muss Japan Kapital aus dem Ausland importieren, um das weit über 200% des BIP liegende Staatsdefizit zu refinanzieren. Derzeit bekommen Anleger für einen 10-jährige japanische Staatsanleihe lediglich 0,6% – so wenig wie in keinem anderen Land der Welt.

Der Rückgang des Handelsbilanzüberschusses ist direkt Folge der neuen Geldpolitik seit dem Regierungsantritt von Ministerpräsident Abe. Sein Ziel, die Deflation in Japan durch massive Staatsanleihenkäufe durch die japanische Notenbank zu bekämpfen, hat durchaus unangenehme Risiken und Nebenwirkungen, da durch den geschwächten Yen die Importe teurer werden und so die Kosten für japanische Unternehmen steigen, während die Löhne in Nippon kaum zulegen. Japan muss daher unter allen Umständen verhindern, dass die Anleiherenditen für japanische Staatsanleihen steigen, weil sonst der Schuldenberg nicht mehr finanzierbar wäre..



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