Anleihen

Japanischer Anleihemarkt durch Notenbank zunehmend zerstört – Vorbild für die Eurozone?

FMW-Redaktion

Was die EZB mit ihren Anleihekäufen seit März 2015 macht, ist in Japan schon ein alter Hut. Die Bank of Japan (BoJ) hat im Zuge ihre Aufkäufe japanischer Staatsanleihen bereits knapp 30% des Marktes aufgekauft. Dieser Anteil wird weiter steigen. Es fällt ihr aktuell immer schwerer ihr monatliches Volumen von umgerechnet etwas mehr als 100 Milliarden US-Dollar pro Monat am Markt aufzukaufen, der kurz vor einem Kollaps steht, wie es ein Großteil der Marktteilnehmer inzwischen sieht.

Die 10jährigen japanische Staatanleihen, der Richtwert ähnlich wie die 10jährige Bundesanleihe in Deutschland, notiert aktuell mit -0,1% Rendite, wo man vor Kurzem schon bei -0,135% lag. Was machen die privaten Investoren, die ihre Anlegergelder unterbringen müssen, folgerichtig? Sie flüchten in längere Laufzeiten und sorgen hier für Kaufdruck.

Notenbankchef Kuroda ist stolz darauf, dass seine Politik „funktioniere“. Die Renditen der „kurzen“ 10jährigen sind jetzt im Minus, die daher keiner mehr haben will. Nicht nur dass die Privaten Richtung 30 und 40 Jahre Laufzeit fliehen, vor Kurzem hat auch die Bank of Japan am langen Ende kräftig eingekauft. Das sorgt für Chaos am Markt. Große Investoren handeln zeitweise gar nicht mehr, was zu Illiquidität und chaotischen Kursen führt. Die Volatilität im japanischen Anleihemarkt ist von Ende Januar (Einführung Negativzinsen) bis jetzt von einem Indexpunkt von 1,5 auf jetzt 5,5 um gigantisch angestiegen.

Die Rendite für 40jährige japanische Staatsanleihen notierte gestern unter der für 30jährige. Geht´s noch? Soll man diesen Markt noch als „Markt“ bezeichnen? Wirkt eher wie ein verzerrter Zombi-Markt eines Landes auf direkten Weg in die Börsen-Planwirtschaft. Der Anteil privater Anleihetrader am Gesamtvolumen ist momentan auf einem Rekordtief in Japan. Verständlich, denn irgendwann ist nach ständigem Aufkaufen der Notenbank der Markt leergefegt und chaotisch.

Ähnliches blüht wohl demnächst der Eurozone durch die EZB-Politik. Sie dringt immer tiefer in den Kapitalmarkt vor. Erst kaufte man nur Staatsanleihen und die von öffentlichen Einrichtungen wie Förderbanken. Dann wurde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen der Anteil pro Anleiheemission, den die EZB aufkauft, raufgesetzt, was den Markt weiter leerfegt. Jetzt ab Juni weitet die EZB ihren Zugriff auf die Unternehmensanleihen in der Eurozone aus, was die Investoren hierzulande wohl auch in die Langläufer treibt, und wohl auch vermehrt in Schrottanleihen (German Pallets reloaded?). Danach, so prognostizieren wir es, weitet die EZB ihren Zugriff aus auf den europäischen Aktienmarkt. Planwirtschaft wir kommen!



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