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Japans Finanzminister Aso: es gab keine Geheimabsprache beim G20-Treffen – wirklich??

FMW-Redaktion

Nein nein, es habe keine geheimen Absprachen beim G20-Treffen in Shanghai im Februar gegeben – das sagte der japanische Finanzminister Aso gegenüber Journalisten nach einem Treffen mit dem amerikanischen Finanzminister Jack Lew.

Aso
Japans Finanzminister Tarō Asō
Foto: http://www.weforum.org World Economic Forum], CC BY-SA 2.0

Soso. Aber es gibt da ein paar, nennen wir es einmal „Ungereimtheiten“. So die extrem dovishen Aussagen Janet Yellens unmittelbar nach dem G20-Treffen, als sie (und die Fed) die Stärke des Dollar erstmals als „vorübergehend“ bezeichnete. Die „dots“, also die Erwartung der Fed über die weitere Entwicklung der Leitzinsen, wurden völlig überraschend von vier auf zwei Schritte reduziert – unter Hinweis auf die achso große Schwäche der Weltwirtschaft, für die sich die Fed (und Yellen) zuvor eher mäßig interessiert hatte.

Dann kürzlich die Aussagen des japanischen Ministerpräsidenten Abe, dem größten Währungskrieger der Welt, dessen Ziel einer radikalen Schwächung des Yen durch eine noch nie dagewesene ultralaxe Geldpolitik seit seinem Amtsantritt in die Tat umgesetzt worden war. In einem Interview aber gab er sich kürzlich lammfromm und erteilte Interventionen am Devisenmarkt gegen den starken Yen eine Absage. Auch das- wie bei der Fed auch – eine sehr plötzliche und überraschende Kehrtwende.

Seit dem G20-Treffen in Shanghai spricht die Fed mit gespaltener Zunge: auf der einen Seite Janet Yellen, die in Shanghai dabei war, auf der anderen Seite die anderen Fed-Mitglieder, die nicht in Shanghai dabei waren. Am besten ist diese Differenz zwischen Yellen und anderen Fed-Mitgiedern bei James Bullard auszumachen, der mit seinen Bemerkungen die Finanzmärkte immer wieder stark bewegt hatte: Yellen müsse nun Wort halten, so Bullard in einem Interview, und die Zinsen anheben, wenn sich die Lage der US-Konjunktur so verbessere, wie es derzeit der Fall sei. Aus einen Worten war das ungläubige Erstaunen über die jüngsten Aussagen Yellens geradezu greifbar – auch das ein Hinweis, dass das Shanghai-Treffen wohl kein unverbindliches Kaffe-Kränzchen war.

Wenn es diese Geheimabsprache zwischen den in Shanghai anwesenden Notenbankchefs und Regierungschefs gegeben hat, dann weil die Beteiligten erkannt haben, dass der starke Dollar das Problem ist: Rohstoffschwäche, deflationäre Tendenzen, Schuldenexplosion der in Dollar verschuldeten Welt – mit der Schwächung des Dollar wären all diese Probleme deutlich kleiner. Es gibt also ein ziemlich starkes Motiv für ein koordiniertes Vorgehen der Anwesenden in Shanghai.

Japans Finanzminister Aso aber fürchtet die Auswirkungen, die die Annahme eines solchen Geheimabkommens vor allem für den Yen hat und schon gehabt hat, bekanntlich stürzte Dollar-Yen seit dem Shanghai-Treffen von Kursen um die 114 auf Kurse kürzlich unter 108 ab – und das schmeckt dem Finanzminister Aso gar nicht. Er hat erkannt, dass die Trader am Devisenmarkt eben an dieses Geheimabkommen glauben und sich dementsprechend positioniert haben – nun versucht er, diese Annahme als Unsinn zu entlarven, um der Stärke des Yen zu begegnen. Also hat auch er ein starkes Motiv. Viel Glauben sollte man seinen Aussagen daher eher nicht schenken..



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