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Devisen

Japans Stabilität- wirklich ein Vorbild für Europa?

Eine Staatsfinanzierung durch die Notenbank kann auf lange Sicht nicht funktionieren, da dürfte auch Japan keine Ausnahme darstellen..

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Die gestrigen Kommentare über die wirtschaftliche Situation Japans haben mich nochmal zum Nachdenken gebracht. Zweifelsohne ist das Land der aufgehenden Sonne eine Nation mit einem sehr hohen Lebensstandard und kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften, die ich hier keineswegs in Abrede stellen möchte. Aber kann die Geld- und Fiskalpolitik zum Vorbild für andere Staaten genommen werden?

 

Die derzeitige Lage

Ich habe es gestern in dem Artikel „Steht Europa vor japanischen Verhältnissen? Ein Vergleich nach der gestrigen Zinsentscheidung der EZB“ dargelegt. Japans Staatsschulden liegen bei 238% zum BIP, die Zinsen seit einem Jahrzehnt bei 0 Prozent und das Wachstum schwächelt. Aber, die Schulden befinden sich in inländischen Händen und die heimische Währung ist stabil.

In Japan sind es die eigenen braven Bürger, die der Regierung die niedrig verzinsten Papiere abkaufen. Nur acht Prozent der Staatsanleihen landen bei ausländischen Investoren. Erstaunliche zehn Prozent kauft die Notenbank, zwölf Prozent die staatliche Rentenkasse und unglaubliche 31 Prozent übernimmt die staatliche Postbank. Damit befinden sich bereits 40% der japanischen Anleihen in der Bilanz der Bank of Japan, dazu wird noch mit dem Einsatz von über 600 Milliarden € jährlich der Aktienmarkt gestützt.

Aber:

Ein bedeutsamer Anteil der Steuereinnahmen fließt bereits jetzt in den Schuldendienst – und das trotz extrem niedriger Zinsen. Bislang machte Wirtschaftswachstum dies möglich. Jetzt kommt aber noch das Demografieproblem: Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt hohe 48 Jahre, mehr als ein Viertel ist bereits über 65 Jahre alt, die Geburtenrate befindet sich mit 1,4 Kinder pro Familie auf einem Tief – Japan schrumpft.

Noch finanziert eine Generation Babyboomer Japans Schulden. Allerdings wird diese noch arbeitende Generation absehbar in Rente gehen. Wie versucht die Regierung um Ministerpräsident Abe nun die Schuldensituation in den Griff zu bekommen? Durch Ankurbelung von Wachstum und Inflation, außerdem dürfte die Notenbank die gekauften Anleihen nie mehr in den Kreislauf zurückführen. Wenn das Experiment nicht gelingt, gäbe es langfristig nur die schmerzhafte Lösung – Schuldenschnitt.

 

Die Yen-Stärke

Trotz der hohen Verschuldung des Landes ist die heimische Währung sehr stabil. Persönlich bin ich vor knapp drei Jahrzehnten in die Currency Carry Trade-Falle getappt. Sprich, ich hatte einen Kredit in Yen aufgenommen und Anleihen in kanadischen und australischen Dollar gekauft, mit dem bekannte Ausgang. Zu dieser Zeit gab es sogar Investoren, die ihren Immobilienkredit mit einer Yen-Finanzierung stemmen wollten.

 

Japan kann kein Vorbild sein – besonders nicht für Europa

Italien ist im Vergleich mit Japan (nur) mit 132% zum BIP verschuldet (die einmal implementierten Stabilisationskriterien des Maastricht-Vertrages sahen 60% vor), da wäre doch noch viel Luft nach oben, vor allem, wenn EZB und heimische Banken die Anleihen aufkauften. Da würde der Teufelskreis beginnen. Die EZB ist die Zentralbank vieler Länder, die ihren Anteil an der Notenbank haben. Hier ganz besonders das Land Deutschland, das zudem durch die Target 2-Salden noch auf ungedeckten Schecks sitzt. Die Folgen für die Stabilität der Eurozone wären dramatisch.

 

Mein Fazit

Japan hat einen Sonderweg gewählt, der das Land zu einem großen Teil immun gemacht hat gegenüber Angriffen aus der Finanzwelt. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wie das Schuldenproblem gelöst werden könnte, außer durch die Radikallösung. Eine Staatsfinanzierung durch die Notenbank kann auf lange Sicht nicht funktionieren, da dürfte auch Japan keine Ausnahme darstellen.

 

Japans Schnellzüge, die Shinkansens

Von DAMASA – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8109654

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Martin Ebner

    12. April 2019 12:28 at 12:28

    Für die asiatische Menschenhaltung gelten vielleicht andere Maßstäbe – aber in einem Tierpark würde unterbleibende Vermehrung nicht als Erfolg gewertet…

    Der „sehr hohe Lebensstandard“ Japans lässt außerhalb von ein paar Glitzermetropolen sehr zu wünschen übrig. Jedenfalls gilt er nicht für all die Japaner, die sich brav zu Tode arbeiten. Oder die in einem Pappkarton in einem Park hausen. Auch nicht für die jugendlichen NEETis. Schon gar nicht für die Senioren, die eigentlich von den Zinsen ihrer Lebensersparnisse auf dem Postsparbuch hätten leben wollen – und nun leider leider nicht in den Ruhestand gehen können…

    Und wofür werden die ganzen Schulden gemacht? Wird damit irgend etwas Sinnvolles oder Profitables oder sonstwie Zukunftsträchtiges finanziert? Schön wär’s! Japans „Stabilität“ beruht seit Jahrzehnten buchstäblich auf Beton + Bauindustrie, geht also auf Kosten von Natur und Kulturerbe (und was nicht nachhaltig ist, hält auch nicht lang): http://martin-ebner.net/regions/asia/japan-beton-statt-bonsai/

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Devisen

Aktuell: Pfund sieht kein Brexit-Problem, US-Dollar und Goldpreis in Bewegung

Claudio Kummerfeld

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Die aktuelle Lage bei Goldpreis, US-Dollar sowie im britischen Pfund sind Thema in diesem Artikel. Der Devisenmarkt reagiert tief entspannt auf die Ereignisse rund um den Brexit. Die Verhandlungen zwischen EU und UK sollen diese Woche weitergehen, aber die letzte Brexit-Deadline zur Klärung von Problem rückt unaufhaltsam näher. Und dann hört man heute, dass die britische Regierung an 200.000 Unternehmen Briefe verschickt, wonach diese Vorbereitungen für einen harten Brexit treffen sollten. Und zack, das britische Pfund rauscht ab in den Keller?

Nein, das Pfund steigt sogar leicht! Gibt es nicht? Doch, heute geschieht es genau so. Am Freitag hatten wir noch vor der großen Ungewissheit und dem Risiko gewarnt, übers Wochenende im Pfund engagiert zu sein. Die Trader sagen mit dem Kursverlauf heute: Leute, ganz entspannt, es wird noch einen Deal geben. Was für ein Optimismus! Pfund gegen US-Dollar hat seit Freitag Abend gut 80 Pips zugelegt auf aktuell 1,3018. Euro gegen Pfund hat verloren von 0,9066 auf aktuell 0,9048.

US-Dollar und Goldpreis spielen ihr Spiel

Der US-Dollar verliert schon seit heute früh. Die steigende Hoffnung auf eine Einigung für einen neuen Billionen-Stimulus in den USA schürt natürlich Hoffnung für eine bessere globale Konjunktur. Damit ist der „große sichere Hafen“ namens US-Dollar als Fluchtwährung weniger gefragt. So verliert der Dollar-Index (Währungskorb) seit heute früh von 93,75 auf aktuell 93,23 Indexpunkte.

Tja, und der Goldpreis? Die ständigen seit Tagen anhaltenden Versuche, deutlich über 1.900 Dollar zu laufen, scheiterten immer wieder. Erst heute Vormittag berichteten wir. Ein schwacher US-Dollar bedeutet in der Regel einen stärkeren Goldpreis. Und so kletterte er heute auch von 1.900 auf 1.918 Dollar in der Spitze um 14 Uhr. Aber bis jetzt kommt der Goldpreis wieder zurück auf 1.909 Dollar. Mal wieder scheint der Anlauf nach oben zu scheitern. Im Chart sehen wir seit Freitag früh den US-Dollar-Index in blau gegen den Goldpreis in rot-grün.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf gegen US-Dollar

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Devisen

Große Pfund-Wette übers Wochenende, US-Dollar und der Goldpreis

Claudio Kummerfeld

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Symbole für Pfund Euro, Yen und US-Dollar

Über das bevorstehende Wochenende hinweg wird womöglich eine große Pfund-Wette laufen. Die läuft folgendermaßen. Entweder das Pfund wird nächste Woche weiter deutlich fallen, oder es passiert gar nichts. Denn heute Mittag hat der britische Premier Boris Johnson mit einem harten Brexit gedroht. Die EU bewege sich nicht und habe nie ernsthaft verhandelt, so Johnson (hier mehr dazu). Daraufhin war das britische Pfund gegen den US-Dollar und gegen den Euro seit 12:50 Uhr gefallen.

Und die EU-Kommission hat geantwortet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, dass man weiterhin an einem Deal arbeite, aber nicht zu jeden Preis (sie will wohl nicht als erpressbar in der Öffentlichkeit da stehen). Wie bereits geplant, werde das Verhandlerteam der EU nächste Woche nach London aufbrechen, so ihr kurzer Text. Also: Entweder die Drohung von Boris Johnson sollte lediglich seine eigene Verhandlungsposition verbessern (auf dicke Hose machen), oder es kommt nächste Woche zu einer Konfrontation, die sich nicht mehr lösen lässt. Das wäre wahrscheinlich für das britische Pfund ein ziemlich schlechtes Signal. Den ersten Vorgeschmack gab es vorhin. Euro gegen Pfund steigt von 0,9047 auf 0,9090. Pfund gegen US-Dollar fällt von 1,2957 auf 1,2920. Das waren noch keine Riesen-Bewegungen, aber der Devisenmarkt hat negativ auf die Johnson-Aussagen reagiert. Wer jetzt noch vorm Wochenende eine Pfund-Position öffnet, geht ein großes Risiko ein. Denn man weiß nicht, wie sich die politische Lage übers Wochenende entwickelt.

US-Dollar

Der US-Dollar stand vorhin unter der Fuchtel von US-Konjunkturdaten. Um 14:30 Uhr wurden die Einzelhandelsumsätze deutlich besser gemeldet als erwartet. Dann um 15:15 Uhr folgten Daten zur US-Industrieproduktion, die schlechter gemeldet wurden als erwartet. Und vorhin um 16 Uhr dann der dritte Akt heute Nachmittag. Daten der Universität von Michigan zeigen ein etwas besser als erwartetes Vertrauen der US-Verbraucher. Der US-Dollar in Form des Dollar-Index (Währungskorb) hat sich durch diese drei Daten bis jetzt nur minimal geändert mit einem Anstieg von 93,56 auf 93,63 Indexpunkten.

Goldpreis

Der Goldpreis hat seit 14 Uhr von 1.913 auf jetzt 1.905 Dollar verloren. Wir erinnern an unsere Berichterstattungen der letzten Tage. Immer wieder gab es Anläufe im Goldpreis über die Marke von 1.900 Dollar, sogar deutlich stärker als heute – und immer wieder fiel der Goldpreis unter diese runde Marke. Gold ist seit Tagen nicht stabil und zeigt keinen nachhaltigen Aufwärtsmove. Hauptsächlich schuld ist der US-Dollar, der sich seit Montag im Aufwärtstrend befindet, und Gold auf dem Weg nach oben blockiert. Im Chart sehen wir seit Wochenanfang den Goldpreis in rot-grün gegen den Dollar-Index in blau.

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar im Kursverlauf

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