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Jean-Claude Juncker eskaliert und beschimpft EU-Parlament!

Und wieder eskaliert Jean-Claude Juncker – Unterhaltsames unserer Gesetzeshüter aus dem Europäischen Parlament..

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Jean-Claude Juncker ist bekannt für gelegentlich merkwürdige Aktionen (er steht im Rufe, bestimmten Getränken nicht abgeneigt zu sein..) – so etwa gegenüber dem ungarischen Ministerpräsident Orban, den er einst mit „Hallo, mein kleiner Diktator!“ begrüßte und ihm eine „freundschaftliche“ Ohrfeige verpasste.

Heute dann der nächste Eklat Junckers! Anlaß war, dass zu einer Sitzung des Europäischen Parlaments nur 30 Abgeordnete erschienen waren – das Parlament hat aber 751 Sitze. Offenkundig war das Interesse sehr gering an dem Abschlußbericht des Ministerpräsidenten von Malta, dessen Land in den letzten sechs Monaten die EU-Präsidentschaft inne hatte und heute berichten wollte, was alles in dieser Zeit geschehen bzw. voran getrieben worden war.

Juncker, sichtlich erbost darüber, dass nur ca. 30 Abgeordnete zu der Sitzung erschienen waren:

„Das Europäische Parlament ist lächerlich. Total lächerlich!“

„Ich grüße diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, heute zu erscheinen, aber die Tatsache, dass nur ungefähr 30 Abgeordnete erschienen sind, zeigt klar, dass das Parlament nicht seriös ist!“.

Daraufhin unterbrach der neue Präsident des Europäischen Parlaments, Tarjani (der Nachfolger von Schulz):

„Sie können das Parlament kritisieren, aber es ist nicht die Europäische Komission, die das Parlament kontrolliert, sondern das Parlament kontrolliert die Europäische Kommission!“.

Daraufhin Juncker: „Es sind nur ganz wenige Mitglieder hier, die die Europäische Kommission kontrollieren. Sie sind lächerlich!“.

Darauf Tarjani: „Herr Präsident, ich bitte Sie, ihre Sprachwahl zu ändern. Wir sind nicht lächerlich!“.

Darauf Juncker: „Ich werde nie wieder an so einer Sitzung teilnehmen!“.

Juncker mokierte sich weiter, dass, würde Macron vor dem Parlament sprechen, das Haus wahrscheinlich voll gewesen wäre.

Hier die Wutrede Junckers:

Und so sah es im Europäischen Parlament in Strassburg aus:


Jean-Claude Juncker
Foto: Factio popularis Europaea, http://www.flickr.com/photos/eppofficial/12995014393/
Wikipedia (CC BY 2.0)

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    Petkov

    4. Juli 2017 13:53 at 13:53

    Buahaha. Prost, Jean-Claude! Wenn du nicht permanent hackevoll rumirren würdest, kämest du auch nicht auf die Idee, einer EU-Sitzung beizuwohnen. Vor diesem Hintergrund würde ich die 30 Anwesenden genauer untersuchen. Der EU-Kommunismus kopiert den osteuropäischen, aber auf einer sehr dilettantischen Art und Weise. Europa hat mit diesen Kasperl keine Überlebenschance.

  2. Avatar

    Gixxer

    4. Juli 2017 14:17 at 14:17

    Die Frage ist: Für wie viel Personen hier wohl Sitzungsgeld beantragt wird?
    Ich bin mir sicher, dass werden mehr als 30 sein. Diese Zahl wird sicher deutlich dreistellig sein.

  3. Avatar

    berti

    4. Juli 2017 14:20 at 14:20

    Mag sein , das er oft dicht ist, vielleicht ist das Elend auch nicht anders zu ertragen.
    Eigentlich hat er ja Recht.

  4. Avatar

    GiGi

    4. Juli 2017 14:22 at 14:22

    „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

    Die EU mit ihrer Kommission zusammengesetzt aus Machteliten die den Autogenozid der Völker Europas initiiert hat keine Legitimation.

    Ja zu Europa aber nein zur Union

  5. Avatar

    ubsb55

    4. Juli 2017 14:36 at 14:36

    Wie sagt der Volksmund: Besoffene und kleine Kinder sagen die Wahrheit. Das einzig traurige daran ist nur, dass es dafür Alkohol braucht. Werden die eigentlich dafür bezahlt, dass die da sitzen und wenn ja, gibts auch Abzüge fürs nicht Erscheinen?

  6. Avatar

    Raoul H

    4. Juli 2017 14:40 at 14:40

    Mich erstaunt schon lange, dass die Medien in den Parlamentsräumen Filmen dürfen, es ist in der Tat merkwürdig, wie viele Stühle unbesetzt sind, auch anderswo ( bei uns in Bern zum Beispiel )
    Zumindest aus diesem Blickwinkel hat Herr Juncker absolut Recht ! Bravo !!!

  7. Avatar

    Schleswig-Holsteiner

    4. Juli 2017 14:43 at 14:43

    Junkers hat weder „eskaliert“ noch hat er irgedwen „beschimpft“, Herr Fugmann. Das Verhalten der abwesenden Volkstreter spricht Bände und Junkers hat es gewagt dieses anzusprechen, zu recht. Warum sind Journalisten und solche die sich dafür halten eigentlich nicht mehr in der Lage sachlich und inhaltlich zu berichten und zu kommentieren ? Sie betreiben das dilletantische Geschäft der politischen Eliten und halten die Bevölkerung genauso zum Narren. Kein Wunder das die Demokratie sich selbst ad absurdum führt und den Menschen jedes Vertrauen in die Medien und Politik abhanden kommt. Wo soll das einmal enden ?
    „Das Europäische Parlament ist lächerlich. Total lächerlich!“ Die FMW Redaktion sieht es offenbar ganz anders. „Wutrede“ ? Total lächerlich !

    • Avatar

      berti

      4. Juli 2017 15:02 at 15:02

      Naja,finde ich jetzt nicht mit der FMW Redaktion.
      a) sie berichten ja wenigstens drüber(in der Tagesschau werden Sie davon nix hören)
      b) Sie berichten mit einer gewissen Ironie, ja Jean-Claude bekommts auch bissi ab, aber gut , wer sich behackt in der Öffentlichkeit gibt brauch sich ja auch nicht wundern, nicht ernst genommen zu werden….

      • Avatar

        gerd

        4. Juli 2017 15:23 at 15:23

        Grad denke ich noch, das ist ein Thema, wo ich jetzt mal mein Maul halte. Aber nee, denn Berti, warum wohl“…werden Sie in der Tagesschau davon nix hören“?
        Nicht wegen dem Junker, den FMW auf die Schippe genommen hat (o.k. deswegen evtl auch), sondern weil sie niemals nicht in irgendeiner
        Form Stimmung gegen die EU machen würde.
        Und das täte sie aber, wenn sie darüber berichten würde, was Junker – diesmal zu recht – angeprangert hat.

        • Avatar

          berti

          4. Juli 2017 15:44 at 15:44

          Mhmm, ja, haben Sie wohl Recht!

  8. Avatar

    Mulinski

    4. Juli 2017 14:45 at 14:45

    Dieser selbstgefällige Trunkenbold verkörpert so richtig die Verkommenheit der EU.

    • Avatar

      joah

      4. Juli 2017 17:24 at 17:24

      :lol:

    • Avatar

      Lars

      5. Juli 2017 02:04 at 02:04

      Meinen Sie mit EU die EU-Kommission oder das EU-Parlament, die EU per se und sui generis? Der selbstgefällige Trunkenbold übt doch zumindest Kritik an der Verkommenheit gewählter Volksvertreter, die zu 96% aus Langweile und besseren Ablenkungen ihren hochbezahlten Pflichten nicht nachkommen.

  9. Avatar

    Lossless

    4. Juli 2017 17:19 at 17:19

    Man sagt, mit dem Alter kommt die Weisheit. Ich bin alt genug um zu erkennen, im EU-Parlament stimmt einiges nicht und auch der „Hoffnungsträger“ Emmanuel Macron wird daran nichts ändern.

  10. Avatar

    hasenmaier

    4. Juli 2017 21:56 at 21:56

    Die EU wird nur von 2 Institutionen regiert : Dem EUGH u. der Kommission , daher ist diese mediale Polemik fehl am Platz…

  11. Avatar

    Lars

    5. Juli 2017 01:05 at 01:05

    …30 Abgeordnete erschienen waren – das Parlament hat aber 751 Sitze. Offenkundig war das Interesse sehr gering an dem Abschlußbericht des Ministerpräsidenten von Malta, dessen Land in den letzten sechs Monaten die EU-Präsidentschaft inne hatte und heute berichten wollte, was alles in dieser Zeit geschehen bzw. voran getrieben worden war.“
    30 von 751 = 4%, der Rest (96%) war vermutlich in der Bar, im Restaurant oder beim Escortservice nebenan zu finden. Wofür werden diese Schwerenöter und Filous eigentlich fürstlich bezahlt und gebraucht? Wenn der scheidende EU-Präsident seine Abschlussrede hält, hat man schon aus Gründen der Höflichkeit da zu sein.

    Wenn Juncker sagt: „Das Europäische Parlament ist lächerlich. Total lächerlich!“, verstehe ich die Antwort Tarjanis nicht: „Sie können das Parlament kritisieren, aber es ist nicht die Europäische Komission, die das Parlament kontrolliert, sondern das Parlament kontrolliert die Europäische Kommission!“

    Juncker kritisiert doch das Parlament. Und das glänzt zu 96% durch Abwesenheit und Desinteresse, anstatt sich für seine Aufgabe zu engagieren.
    Wer die Kontrolle hat, sollte sich das nicht so heraushängen lassen, vor allem dann nicht, wenn er seinen Pflichten nicht nachkommt.
    Wer von den 30 Anwesenden mault im Video eigentlich herum? Italiener und andere Südstaatler. Leute, die ihre parlamentarischen Aufgaben mit utopischen Gehältern und Abfindungen anscheinend als Jux und Spaß wahrnehmen.

    Viel schlimmer als Alkies sind unfähige Kleingeister, deren Gehirn im Machtrausch zum chemischen Größenwahn stimuliert wird.

  12. Avatar

    Arianna

    5. Juli 2017 09:06 at 09:06

    Kleiner Kommentar: Die Name des italienisches Präsidenten ist „Tajani“ und nicht „Tarjani“!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      5. Juli 2017 09:08 at 09:08

      Grazie, @Arianna!

  13. Avatar

    walter

    5. Juli 2017 09:56 at 09:56

    Dass man sich ueber einen europ.Alkoholiker,hier so entlaedt,ist schon gigantisch..
    Der kann mich mal….

    • Avatar

      berti

      5. Juli 2017 10:12 at 10:12

      lol

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BaFin bestätigt: Banken müssen Kreditstundungen wieder als Ausfälle deklarieren!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Im März hatten die europäischen Bankenaufseher (EBA) sowie die BaFin verkündet, dass für die Banken eine Ausnahmeregel in der Coronakrise gelten sollte, und zwar bis zum 30. September. Was auf den ersten Blick ziemlich langweilig und unbedeutend wirkt, bot wohl eine gigantische Erleichterung für die Banken, und quasi eine Verdeckung großer Probleme gegenüber der Öffentlichkeit. Denn man beschloss von Seiten der Aufseher, dass ein Schuldner „nicht mehr zwingend als ausgefallen einzustufen war, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet“ wurden.

Im Klartext: Erhält eine Bank vom Kunden keine monatliche Kreditrate mehr gezahlt, kann die Bank den Kredit weiterhin in ihren Büchern als vollwertige Kreditforderung stehen lassen. Vor Corona (in den normalen Zeiten) hätten Banken so einen nicht mehr bedienten Kredit als Kreditausfall abschreiben müssen. Aber die letzten Monate war dies nicht der Fall. Nun hatten wir bei FMW uns die letzten Wochen bereits gefragt, ob die Aufseher nicht doch noch schnell vor Ablauf der Frist im September diese Sonderregel verlängern, vielleicht bis Jahresende? Dies hätte den Banken die Gelegenheit geboten womöglich gigantische Berge an nicht bedienten Krediten weiterhin als vollwertige Kreditforderung im Buch zu führen – womit auch keine Milliardenabschreibungen für das Geschäftsjahr 2020 nötig gewesen wären.

BaFin bestätigt Ende von wichtiger Ausnahmeregel für Banken

Aber heute hat die BaFin offiziell verkündet, dass eben diese Sonderregel tatsächlich mit Wirkung zum 30. September ausläuft. Die BaFin begrüße die Entscheidung der EBA, so der Infotext. Ab 1. Oktober müssen Banken dann wieder diese gestundeten Kredite entsprechend in ihren Büchern ausweisen als Komplettverlust oder Sonstiges. Wie hoch dann Abschreibungen ausfallen werden? Wer kann das schon sagen, denn die letzten Monate, wo diese Stundungen nicht als Kreditausfälle sichtbar waren, konnten externe Beobachter das ja nicht erkennen. Man darf gespannt sein. Hier die BaFin heute im Wortlaut:

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA lässt ihre Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien vom 2. April 2020 (siehe „EBA veröffentlicht Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“) Ende September 2020 auslaufen. Laut EBA sind die Zahlungsmoratorien ein wirksames Instrument gewesen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe von Schuldnern der Institute infolge der Corona-Pandemie und die große Zahl der daraus folgenden Stundungsbegehren zu bewältigen. Die überwiegende Mehrheit der EU-Banken hat an allgemeinen Zahlungsmoratorien teilgenommen und Stundungen zwischen sechs und zwölf Monaten gewährt. Auch nach dem 30. September 2020 können Institute neue Stundungen gewähren. Diese fallen aber nicht mehr unter ein allgemeines Zahlungsmoratorium. Vielmehr muss das Institut den gestundeten Kredit jeweils im Einzelfall der einschlägigen aufsichtlichen Kategorie zuordnen. Die BaFin begrüßt die Entscheidung der EBA.

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Aktuell: ifo-Institut hebt BIP-Prognose an – dramatische Staatsverschuldung

Claudio Kummerfeld

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am

Brandenburger Tor in Berlin

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland soll im Jahr 2020 nicht so dramatisch einbrechen wie zunächst angenommen. Damit liegt die vor wenigen Minuten präsentierte Veröffentlichung des ifo-Instituts im Trend anderer Institute aus den letzten Tagen. Der Absturz der deutschen Wirtschaft verlaufe glimpflicher als gedacht. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) werde in 2020 um 5,2 Prozent schrumpfen, während man bei ifo noch im Sommer ein Minus von 6,7 Prozent vorhergesagt hatte. Der Rückgang im zweiten Quartal und die Erholung derzeit würden günstiger verlaufen als man es erwartet hatte.

Dafür werde das Wachstum der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr geringer ausfallen. ifo rechnet beim BIP nun mit 5,1 Prozent statt 6,4 Prozent. Im Jahre 2022 erwartet das ifo-Institut plus 1,7 Prozent. Interessant sind auch die folgenden Aussagen der Wirtschaftsforscher. Besonders ins Auge fällt die dramatische Neuverschuldung des deutschen Staates – und das nicht nur im laufenden Jahr, sondern auch noch in den beiden Folgejahren. Hier ifo im Wortlaut:

„Die Unsicherheit bei den Prognosen ist sehr groß, weil niemand weiß, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft, ob es nicht doch noch einen harten Brexit gibt und ob die Handelskriege beigelegt werden“, sagt Wollmershäuser.

Die Zahl der Arbeitslosen wird von durchschnittlich 2,3 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,7 Millionen im laufenden Jahr steigen. Im kommenden Jahr wird sie auf 2,6 Millionen zurückgehen und 2022 dann 2,5 Millionen betragen. Damit erhöht sich die Quote in diesem Jahr von 5,0 Prozent auf 5,9 Prozent. 2021 sinkt sie auf 5,7 Prozent und im übernächsten Jahr auf 5,5 Prozent.

Der Überschuss des Staates von 52,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 stürzt in diesem Jahr auf minus 170,6 Milliarden, weil die Ausgaben wegen der Stützung der Wirtschaft drastisch steigen und die Einnahmen sinken. Im kommenden Jahr wird der Fehlbetrag noch 86,9 Milliarden erreichen, im übernächsten immerhin 68,4 Milliarden.

Auch der viel kritisierte deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz (Exporte, Importe, Dienstleistungen, Transfers) sinkt in diesem Jahr, von 244 Milliarden auf 215,4 Milliarden, denn die Exporte gehen 2020 deutlich schneller zurück als die Importe. Im kommenden Jahr steigt der Überschuss aber wieder auf 276,2 Milliarden. Im Jahr 2022 erreicht er 290,1 Milliarden.

Tabelle mit BIP-Details vom ifo-Institut

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

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