Allgemein

Jede Woche ein neues FinTech in Deutschland – völlig überschätzte Euphorie-Branche?

Jede Woche (im Schnitt alle 6,4 Tage) wurde im Jahr 2018 bislang ein neues FinTech-Startup gegründet (42 Gründen in 270 Tagen). Im Vorjahr waren es erst 30. Die Branche boomt also. Frage: Welche tollen, hippen und innovativen Tools wollen all diese Firmen denn entwerfen, die wir Konsumenten und die Banken so dringend benötigen? Es wirkt wie eine Kopie des Tech-Booms Anfang der 2000er-Jahre. Die Vermutung liegt nahe, dass der überwiegende Großteil der FinTechs in brutalen Total-Verlusten für die Investoren enden werden, weil die Ideen der StartUps floppen. Diese Befürchtung hört man dieser Tage immer mehr von Insidern in der Finanzbranche.

Also: Augen auf bei Investitionen in ein ach zu hippe Geschäftsmodelle, das angeblich die Finanzwelt revolutionieren werden! Zu den Zahlen. Laut comdirect-Studie in Zusamenarbeit mit der Barkow Consulting ist dabei der hohe Anteil von Startups, die sich mit Blockchain beziehungsweise Bitcoin beschäftigen, auffällig. Mit 13 Neugründungen seit Anfang 2017 hat sich dieser Bereich gegenüber der letzten Studie in 2016 mehr als verdoppelt. Auch der Bereich Insurtech verzeichnet mit einem Plus von 26 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum. Nach wie vor dominierend unter den Fintechs sind jedoch die Bereiche Proptech und Finanzierung mit 187 beziehungsweise 157 Startups.

Weiter heißt es Zitat:

Die Fintech-Szene in Deutschland wächst weiter – und sammelt so viel Risikokapital ein wie noch nie. 793 Startups aus dem Finanzbereich gibt es aktuell (Stand: 30. September 2018). Mit 778 Millionen Euro haben sie in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 bereits mehr Venture Capital eingesammelt als im gesamten Jahr 2017, dem bisherigen Rekordjahr bei der Vergabe von Risikokapital (713 Millionen Euro).

Frage: Liebe Leser, ist Ihnen bis heute schon eine FinTech-Anwendung über den Weg gelaufen, die ihr Leben wirklich verbessert hat? Ihnen auch nicht? Na, dann werden die hunderten tollen neuen Anwendungen wohl bald alle noch auf uns zukommen! Natürlich muss man auch zugeben, dass es  FinTech-Geschäftsmodelle gibt , die nur auf der B2B-Ebene laufen werden, also zwischen dem Anbieter und Versicherungen oder Banken. Davon bekommt der Endverbraucher dann gar nichts mit. Weiter heißt es aus der Studie:

Startups aus dem Bereich Finanzierung sind auch führend bei der Beschaffung von Venture Capital. In 2017 und 2018 konnten sie 25 Prozent des in Fintech investierten Kapitals auf sich vereinen. Zum Bereich Finanzierung gehören neben Vergleichsportalen auch Startups, die Crowdfunding, Leasing oder Factoring anbieten. Mit 17 Prozent folgen Investment-Startups auf Platz zwei. Weiter aufholen konnten Accounting-Startups, die zwölf Prozent des Venture-Capital-Investmentvolumens seit 2017 erhielten. In Insurtech-Startups wurden zehn Prozent des Fintech-Venture Capital investiert. Proptech, die zahlenmäßig größte Kategorie, konnte lediglich acht Prozent des Kapitals einsammeln. Unter den großen Kategorien liegt Proptech damit auf dem letzten Rang. Etwas überraschend: Payment-Startups können trotz der breiten öffentlichen Diskussion zum Thema mit zwei Prozent nur einen verschwindend geringen Anteil des Venture-Capital-Investitionsvolumens seit 2017 für sich verbuchen.

Ob diese Euphorie bei den FinTechs eine Blase ist, die noch weiter aufgebläht wird, und dann irgendwann gewaltig platzt? Wenn ja, dann werden davon fast ausschließlich institutionelle Anleger betroffen sein, die ihr Risikokapital hier investiert haben.

FinTech



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. FinTechs, die mein Leben vereinfachen:
    Paypal, WeltSparen, N26.
    Geld abheben im Supermarkt (FinTech), neue Software für online-banking (FinTech), Bezahlen mit dem Smartphone (FinTech).
    Also ein paar ganz nette Ideen gibt es schon ;-)
    Und was sollen das überhaupt für „Insider“ sein, die diese unsäglichen „Flopps der Startups befürchten“. Ein bisschen konkreter bitte.
    Dass die Unternehmen mehr Venture Capital einsammeln, liegt doch auch daran, dass es derzeit sehr viel Venture Capital gibt, oder nicht?
    LG
    YT

  2. Pingback: Vom Balancieren auf des Messers Schneide – über die konkurrierenden Positionen von Original und Kopie in der Welt der Wirtschaft - ownly.de

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage