Folgen Sie uns

Allgemein

Juncker als Totengräber der Maastricht-Kriterien – Dijsselbloem warnt davor!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Warum bekommt Frankreich immer wieder Ausnahmen beim Verletzen der Maastricht-Kriterien zugesprochen? Ganz einfach „weil es Frankreich ist“, so sagte es wortwörtlich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Anfang der Woche als Antwort auf die Frage, warum die EU-Kommission bzgl. Frankreichs Haushaltsdefizit wiederholt beide Augen zugedrückt hat.

Jeroen-Dijsselbloem
Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Foto: Rijksoverheid / Wikipedia / Gemeinfrei

So einfach kann Politik sein – weil es Frankreich ist… im Klartext: Das Land ist zu groß und zu entscheidend, immerhin nach Deutschland die Nummer 2 in der Eurozone. Welche Art von Druck will Juncker da schon ausüben? Umgekehrt bedeutet das auch, dass die einst als Fundament europäischer Finanzstabilität eingeführten Maastricht-Kriterien somit mehr denn je der Lächerlichkeit preisgegeben werden – und zwar vom Chef der ganzen Veranstaltung (EU). Juncker führte aus so ein Stabilitätspakt könne nicht blind angewendet werden – er kenne Frankreich sehr gut, auch seine internen Reaktionen und vielseitigen Facetten.

Ins Deutsche übersetzt heißt das: Hohe Arbeitslosigkeit und Streiks begründen für Juncker eine Art Argumentationsgrundlage, um eine Ausnahme für Frankreich einräumen zu können. Aber, so meinen wir, wird nicht in vielen anderen Ländern Europas auch gerne mal ausgiebig gestreikt? Und gibt es dort nicht auch hohe Arbeitslosigkeit? Mit den Ausnahmen steht Frankreich zumindest nicht alleine da. Jüngst drückte die EU-Kommission auch bei Italien alle drei Augen zu, obwohl man in Rom zuletzt die Schulden nicht so abbaute wie vereinbart.

Mit welcher Begründung möchte Juncker kleinen EU-Mitgliedsstaaten noch ernsthaft mit finanziellen Sanktionen drohen, wenn man bei Frankreich über das aktuelle Defizit von 3,5% einfach hinwegschaut, dazu noch Schulden von 96% des BIP? Denn die Maastricht-Kriterien besagen, dass man als Staat maximal 3% Haushaltsdefizit und maximal 60% Schulden haben darf. So direkt, so dreist wurde wohl noch nie vom „Chef“ persönlich formuliert, dass die Regeln „für die Großen“ einfach nicht gelten.

Dann kann man sie auch gleich ganz abschaffen, so meinen wir. Und genau hier tritt nun auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem ins Scheinwerferlicht. Er sieht das nämlich genau so problematisch. So sagte er jetzt gegenüber mehreren Pressevertretern wenn der EU-Kommissionspräsident sage die Dinge würden für Frankreich anders gelten, beschädige er wirklich die Glaubwürdigkeit der EU-Kommission als Hüterin des Stabilitätspakts – das sei seine Sorge. Die Mitgliedstaaten benötigten einen objektiven Schiedsrichter, so Dijsselbloem. Auch sieht er die Gefahr, dass die EU-Kommission dann bei anderen Sündern genau so ein Auge zudrücke, und am Ende überall. Seine Aufforderung: Die EU-Kommission solle gefälligst die Regeln für alle Mitglieder gleich anwenden, egal wie groß das Land sei und ob dort gerade Wahlen anstünden.

Und in Frankreich selbst? Da schert sich derzeit wohl kaum jemand um diese (langweiligen?) Maastricht-Kriterien. Mit Terror, Streiks, Wirtschaftsflaute und einer doppelt so hohen Arbeitslosigkeit wie in Deutchland hat man im Augenblick andere Sorgen als „etwas zu viel Schulden zu haben“. Und der Jean-Claude Juncker, und der Herr Dijsselbloem? Die lässt man halt reden…

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

weiterlesen

Allgemein

Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Allgemein

Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen