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Juncker macht einen auf „Ersatz-Draghi“ mit 500 Milliarden Euro – langfristig könnte er deutlich mehr Erfolg haben als die EZB

Jean-Claude Juncker geht es als EU-Kommissionspräsident nicht um die Preisentwicklung, sondern um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa, so seine eigenen Worte. Dazu läuft seit…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Eine Parallele kann man gut ziehen. Mario Draghi will mit Brachialgewalt mit immer mehr gedrucktem EZB-Geld irgendeine Art von Stimulanz hervorrufen, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln, damit die Inflation anspringt. Dazu hat man bei der EZB letzte Woche erst die Schallmauer von mehr als 1 Billion Euros durchschritten, die man seit März 2015 für Staatsanleihen ausgegeben hat. Jean-Claude Juncker geht es als EU-Kommissionspräsident nicht um die Preisentwicklung, sondern um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa, so seine eigenen Worte. Dazu läuft seit letztem Jahr das „EFSI“-Programm.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Foto: Factio popularis Europaea / Wikipedia (CC BY 2.0)

Aber kurz was anderes. Für Länder außerhalb der EU plant Juncker eine Investitionsunterstützung. Mit fast bis zu 7 Milliarden Euro an Garantien will Juncker private Investitionen von bis zu 88 Milliarden Euro auslösen, um die wirtschaftlichen Verhältnisse in Afrika und der EU-Nachbarschaft zu verbessern. Mal ehrlich: Wird so ein Betrag für so eine große Fläche und Bevölkerung etwas bringen? Und wer stellt sicher, dass die EU-Gelder nicht auf Schweizer Bankkonten eines Despoten landen? Aber gut, zurück nach Europa.

Junckers Idee ist, so finden wir, gar nicht mal so schlecht, und kann auf ganz lange Sicht einen gewissen Effekt erzielen. Noch effektiver wären aber nationale Maßnahmen, da die nationalen Regierungen wortwörtlich näher dran sind an den Gegebenheiten vor Ort. Denn ja Herr Juncker, die EU-Mitgliedsstaaten sind noch kein einheitlicher und vergleichbarer Wirtschaftsraum. Junckers Grundidee lautet „Hebel“. Die EU gibt über Förderprogramm + Förderbank seit letztem Jahr Garantien, auf denen basierend deutlich größere private Investitionen aufgebaut werden sollen. Laut EU-Kommission ist seit letztem Jahr folgendes passiert – Zitat von einer aktuellen Veröffentlichung:

„Nach einem erfolgreichen ersten Jahr hat der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI), das Herzstück der Investitionsoffensive für Europa, schätzungsweise bereits rund 116 Mrd. EUR in 26 Mitgliedstaaten mobilisiert, die mehr als 200 000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugutekommen.“

Durch den Hebel sollten bisher die Investitionen bis ins Jahr 2018 auf insgesamt 315 Milliarden Euro kommen. 60 Milliarden Euro nimmt hierfür die Europäische Investitionsbank (EIB) am Markt auf bis 2018. Laufzeit und Höhe des Gesamtprogramms sollen jetzt verlängert werden (zwei Paralleln zu Draghi). Auch ist man bei der EU-Kommission überzeugt, dass die Maßnahmen bisher wirken (dritte Parallele zu Draghi), ohne dass das durch harte Fakten belegbar wäre. Zitat:

In Anbetracht des bisherigen Erfolgs der Investitionsoffensive und der vielversprechenden Anzeichen für eine nachhaltige Steigerung des niedrigen Investitionsniveaus in Europa plädiert die Kommission für eine Verdoppelung der Laufzeit und der Mittelausstattung des EFSI, um den Projektträgern die nötige Planungssicherheit zu bieten und dafür zu sorgen, dass dieses Instrument fortgesetzt wird. Die Kommission schlägt heute per entsprechendem Rechtsakt vor, die Laufzeit der Investitionsoffensive für Europa von ursprünglich drei Jahren (2015-2018) bis zum Ende des gegenwärtigen mehrjährigen Finanzrahmens im Jahr 2020 zu verlängern und das ursprüngliche Volumen* von 315 Mrd. EUR auf mindestens 500 Mrd. EUR aufzustocken. Um die Schlagkraft des EFSI noch weiter zu steigern und eine Verdopplung des angestrebten Investitionsumfangs zu erreichen, fordert die Kommission die Mitgliedstaaten auf, ebenfalls einen Beitrag zu leisten. Für die Zeit nach 2020 beabsichtigt die Kommission, durch entsprechende Vorschläge dafür zu sorgen, dass die strategischen Investitionen auf nachhaltigem Niveau verbleiben.“

Das Problem bei diesem Konstrukt von Juncker könnte sein, dass Unternehmen, die sowieso Geldgeber für ihre Projekte finden würden, jetzt ihren Kreditgebern sagen „hey, macht das doch über die EU-Garantie. Wenn es schiefgeht, stehen die für das Risiko gerade.“

Die große Wirkung ist bislang europaweit nicht zu spüren, denn seien wir mal ehrlich: 116 Milliarden Euro auf die ganze EU verteilt, mit 500 Millionen Bürgern, das ist nicht gerade eine große Summe. Aber wir finden: Vom Ansatz her deutlich interessanter als der Irrsinn der EZB, da hier Kreditgarantien für ganz konkrete Projekte gegeben werden – das Geld landet also nachweislich in der Realwirtschaft, anders als bei der EZB. So ein Programm müsste mehr Volumen haben, und durch nationale Institutionen veranstaltet werden, dann könnte es vielleicht langfristig eine gewisse Wirkung entfalten.

Quelle: EU-Kommission

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

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Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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