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Juncker Superman: Meine Offensive hat das EU-BIP um 0,6% angehoben

Redaktion

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Jean-Claude Juncker ist der Gigant, der Supermann, der Antreiber der europäischen Wirtschaft. Wirklich? Wahrscheinlich haben VWL-Experten in Brüsseler Kellern errechnet, wie viel Wirtschaftsleistung dabei rauskommt, wenn so und so viel Kreditvolumina an so und so viele Unternehmen vergeben werden. Und zack, schon kann man daraus schließen, wie viel man mit seinem Projekt zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen hat?

So sieht die Lage aktuell bei EU-Kommissionspräsident Juncker aus. Laut einer aktuellen Veröffentlichung seiner Behörde hat der auch so genannte „Juncker-Plan“ das EU-BIP bereits um 0,6% angehoben, und wird es bis zum Jahr 2020 um 1,3% anheben. Das sind volkswirtschaftlich gesehen gigantische Dimensionen, die er mit seinem Plan da bewegt haben will. Der Juncker-Plan stellt eine große Investitionsoffensive mit EU-Geldern dar, bei der Kredite vergeben werden, die letztlich zu noch viel größeren Kreditvolumina privater Kreditgeber führen sollen.

Die Begeisterung in der heutigen Verlautbarung über tolle erzielte Resultate scheint keine Grenzen zu kennen. Dabei möchten wir bezweifeln, ob sich BIP-Wachtumsraten so exakt einem bestimmten Grund zuordnen lassen. Schließlich sind weitere Faktoren vorhanden wie Konjunkturzyklen, das gigantische Gelddrucken der EZB, nicht vorhandene Zinsen, große Übersee-Nachfrage nach Produkten aus Europa, und und und. Aber wie auch immer. Die Kommission feiert sich erstmal selbst. Hier auszugsweise im Wortlaut:

Vier Jahre nach dem Start der Investitionsoffensive für Europa legt die Kommission in einer heute veröffentlichten Mitteilung dar, wie diese Initiative – auch „Juncker-Plan“ genannt – dazu beigetragen hat, die Investitionen in Europa wieder auf ein tragfähiges Niveau zu bringen. Die anfänglich mit der Investitionsoffensive angestrebte Zielvorgabe und die Erwartungen wurden übertroffen: Inzwischen wurden 360 Mrd. EUR für Investitionen mobilisiert, wovon zwei Drittel aus privaten Quellen kamen. Dank der Unterstützung durch den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) sollen 850 000 kleine und mittlere Unternehmen einen besseren Zugang zu Finanzierungen erhalten. Schätzungen zufolge hat der EFSI bereits über 750 000 Arbeitsplätze gesichert. Bis 2020 sollen insgesamt 1,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, wovon Millionen europäischer Haushalte profitieren werden. Durch den Juncker-Plan wurde jetzt schon eine Erhöhung des EU-BIP um 0,6 % bewirkt, bis 2020 soll ein Wert von 1,3 % erreicht werden. Die Investitionsoffensive kommt allen Mitgliedstaaten zugute, insbesondere aber denen, die die Krise am stärksten getroffen hat.

Dazu der für Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission Jyrki Katainen: „Mit der Investitionsoffensive wurden die Karten neu gemischt. Innerhalb von vier Jahren konnten wir mit diesem neuen, einzigartigen Ansatz private Mittel zum Wohle der Allgemeinheit mobilisieren und 360 Mrd. EUR an frischen Finanzierungen für die Wirtschaft bereitstellen. Auch haben wir innovativen Projekten zum Start verholfen und für ein besseres Investitionsumfeld in Europa gesorgt. Im Rahmen des nächsten langfristigen EU-Haushalts wollen wir diese Dynamik aufrechterhalten und das der Investitionsoffensive zugrunde liegende erfolgreiche Modell zum neuen europäischen Standard für Investitionsförderung machen.“

Die Investitionsoffensive für Europa, der sogenannte „Juncker-Plan“, wurde im November 2014 ins Leben gerufen, um den Abwärtstrend bei den ohnehin schon niedrigen Investitionen umzukehren und Europa auf den Weg der wirtschaftlichen Erholung zu führen. Mit dem innovativen investitionspolitischen Ansatz, begrenzte öffentliche Mittel in Verbindung mit einer EU-Garantie für die EIB-Gruppe (Europäische Investitionsbank) einzusetzen, ist es gelungen, beträchtliche private und öffentliche Mittel für Investitionen in strategischen Sektoren der EU-Wirtschaft zu mobilisieren, etwa für Infrastrukturen und Wohnraum, Forschung und Entwicklung, neue Technologien und Produktionsverfahren, Bildung und Qualifizierung und den Übergang zu einer Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen.

Im Juli 2018 war es so weit, dass das ursprüngliche Investitionsziel des Juncker-Plans – 315 Mrd. EUR – übertroffen wurde. Bisher wurden 993 Vorhaben im Rahmen des EFSI genehmigt, die zu Investitionen im Umfang von 360 Mrd. EUR in den 28 EU-Mitgliedstaaten führen dürften. Die Zielvorgabe für 2020 lautet 500 Mrd. EUR.

Jean-Claude Juncker
Jean-Claude Juncker. © European Union, 2015 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Georges Boulougouris

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    bademeister

    22. November 2018 17:31 at 17:31

    Die Ähnlichkeit zu einem ehemaligen deutschen Staatsmann, der in Chile verendete, ist verblüffend.

  2. Avatar

    bademeister

    22. November 2018 17:37 at 17:37

    …und wie es aussieht, steht uns ein „Black Friday“ an den Börsen dies- und jenseits der Weltmeere bevor…da kann auch Juncker mit eigentlich trumpschen Attitüden (auf dieses Statement bezogen)die Kuh aus dem geschmolzenen Eis ziehen…der schaffts nicht mal mehr nach Chile.

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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Konsumklima und Kaufverhalten im Oktober – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Einkaufswagen

Die Coronakrise nimmt wieder mehr Fahrt auf. Deutschland hat mehr täglich Neuinfizierte als noch im Frühjahr, und die Restriktionen im Alltag nehmen wieder zu. Der selbe Reflex wie im Frühjahr zeigt sich aktuell bei den Verbrauchern – aber offenbar noch nicht im selben Ausmaß. Das kann man gut ablesen im Konsumklima und im Kaufverhalten der Deutschen. Heute früh wurden Daten zu Konsumklima und Kaufverhalten für Oktober veröffentlicht.

Konsumklima

Das einmal im Monat veröffentlichte GfK-Konsumklima zeigt heute früh, dass der Optimismus der deutschen Verbraucher im Oktober spürbar schwindet. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen demnach aktuell davon aus, dass COVID-19 eine große bziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt, und etwa die Hälfte macht sich große beziehungsweise sehr große Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen wie auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert GfK für das Konsumklima für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten, und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres. Gut sichtbar ist der Abwärtstrend im Konsumklima im folgenden Chart. Ein Balken steht für einen Monat.


source: tradingeconomics.com

Kaufverhalten

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Daten zum Kaufverhalten in Deutschland veröffentlicht. Man hat sich die Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 angeschaut, und mit früheren Zeiträumen verglichen. Wegen der steigenden Infektionszahlen ist die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teils deutlich gestiegen. Die Verkaufszahlen von Toilettenpapier waren vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (+89,9 %) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. Der Absatz von Desinfektionsmitteln lag knapp drei Viertel (+72,5 %) und der von Seife knapp zwei Drittel (+62,3 %) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Die Grafik, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, zeigt: Die Panikkäufe im Frühjahr waren deutlich heftiger als heute, aber der Trend zum Kauf bestimmter Waren geht aktuell bergauf.

Chart zeigt Kaufverhalten vor und während der Coronakrise

Hier weitere Detailaussagen der Statistiker:

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife blieb auch während des Sommers, als sich der Absatz von Lebensmitteln weitgehend normalisiert hatte, leicht überdurchschnittlich. In der 42. Kalenderwoche zog nun auch die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln an. So stieg der Absatz von Mehl verglichen mit dem Vorkrisen-Durchschnitt um mehr als ein Viertel (+28,4 %) und der Absatz von Hefe um mehr als ein Drittel (+34,8 %). Die Verkaufszahlen von Teigwaren wie Nudeln waren hingegen leicht unterdurchschnittlich (-0,2 %).

Statistik zeigt Kaufverhalten für einzelne Produkte

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