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Börse in Kanada geschlossen – was lernen Sie daraus?

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Angst vor Verlusten? Stopps bieten keine wirkliche Sicherheit

Viele Anleger und Trader denken, mit einem Stopp, vielleicht sogar nur einem mentalen, seien sie bereits auf der sicheren Seite an der Börse. Das stimmt schon nicht in „normalen“ Börsenzeiten, erst recht aber nicht im Krisenmodus wie derzeit. Die untertägige Schließung der Börsen des Betreibers TMX gestern in Kanada aufgrund angeblicher technischer Probleme zeigt, dass dieses Art von Risikomanagement keinesfalls ausreicht. Denn wer nur auf Stopps setzte, hat nun an kanadischen Börsen das Problem, überhaupt nicht handeln zu können.

Stopps funktionieren meistens, sind aber keine verlässliche Absicherung

Stopps sind ein wichtiges Instrument der Risikokontrolle und Risikovorsorge. Wer einen Stopp platziert hat, wird in den meisten Fällen damit nicht auf dem falschen Fuß erwischt. Positionen werden ohne eigenes Zutun beim Erreichen der eingestellten Kurse geschlossen. Das ist ein praktisches und meistens hilfreiches Instrument an der Börse.

Doch schon in normalen Zeiten zeigen sich öfter die Probleme von Stopps. Ein Stopp wird nicht zum eingestellten Stopp-Kurs ausgeführt, sondern zum nächstbesten Kurs. Der nächstbeste Kurs muss überhaupt nichts mit dem eingestellten Stopp zu tun haben. Wenn das Orderbuch leer ist, kann es auch passieren, dass nach Auslösen des Stopps der Kurs von 50 Euro auf 0,01 Euro fällt und die Order dann ausgeführt wird. Lachhaft unrealistisch? Nun, exakt das passierte einigen Tradern 2015 bei der Aufhebung des Mindestkurses im Schweizer Franken. Das gleiche passierte auch beim Flash Crash 2010, als zum Beispiel die Aktien von Accenture oder Procter & Gamble zu einem Kurs von einem Cent gehandelt wurden.

Ein Problem sind Stopps auch im nächtlichen Handel. Ständig kommt es vor, dass außerhalb der Handelszeiten der Börse kursrelevante Informationen veröffentlicht werden, und seien es nur die Quartalszahlen des Unternehmens. Am nächsten Morgen eröffnet der Markt dann unter Umständen weitab des eingestellten Stopps. Statt für 20 Euro können Sie dann vielleicht nur noch für 10 Euro verkaufen. Gibts nicht an der Börse? Dann schauen Sie sich mal die Aktie von Stamps an. Am 20. Februar eröffnete die Aktie mit einem Gap up von 36 US-Dollar bei 131,79 US-Dollar. Wer seinen Stopp zum Kauf bei 96 US-Dollar platzierte, wurde am Morgen also 35,79 US-Dollar schlechter ausgeführt. Am 9. Mai 2019 ging es übrigens in die Gegenrichtung mit einem Gap down von 41,27 US-Dollar. Oder am 22. Februar ebenfalls ein Gap down von vollen 108,08 US-Dollar. Solche Gaps können einen Trader über Nacht ruinieren.

Die heutige Schließung der kanadischen TSX Börsenplätze des Betreibers TMX zeigt eine weitere Gefahr auf: Stopps werden gar nicht ausgeführt. Angeblich gäbe es einen technischen Fehler. In Kanada ist es die Technik, in China wurden nach dem Ausbruch des Coronavirus Verkäufe kurzerhand gleich ganz verboten. In diesen Fällen nützt also auch kein Stopp.

Diversifizierung und gekaufte Absicherung senken Ihre Risiken!

Risikomanagement muss also an anderer Stelle ansetzen, um effektiv zu sein. Wenngleich Stopps in 99% der Fälle effektiv arbeiten, so reicht das eine Rest-Prozent oder auch nur 0,01% aus, um ein Depot zu vernichten. Um die Risiken zu begrenzen, sollte an der Börse also neben Stopps auch das Mittel der Diversifizierung genutzt werden. Wer in seinem Depot möglichst unkorrelierte Werte versammelt, läuft weniger Gefahr, von einer Kursbewegung wie der dieswöchigen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Unkorreliert heißt dabei nicht, dass Sie auf steigende und fallende Kurse gleichzeitig setzen sollen. Es reicht, wenn die Kursbewegungen der Werte in Ihrem Depot möglichst wenig miteinander zu tun haben. Es gibt immer Werte, die steigen, wenn alle anderen an der Börse crashen. Am Donnerstag stieg beispielsweise die Aktie von 3M um 0,8%, während der Dow Jones um 4,4% abstürzte.

Am besten gelingt die Risikostreuung, wenn dabei verschiedene Anlageklassen berücksichtigt werden. Darüber hinaus kann eine Depotabsicherung auch mittels Optionen aussichtsreich sein. DAX-Optionen waren bis vergangene Woche noch sehr günstig bepreist und wären angesichts der Allzeithochs eine preiswerte Depotabsicherung gewesen.

Noch ein Tipp aus eigener, schmerzvoller Erfahrung: Mit Options-Absicherung meine ich gekaufte Optionen, keine verkauften Calls für ein Long-Depot. Verkaufte Calls für ein Long-Depot sind höchstens eine Form der Rendite-Optimierung, aber keine Absicherung. Als 2015 der Wechselkurs des Schweizer Frankens freigegeben wurde, schoss die implizite Volatilität mit dem fallenden EUR/CHF Kurs derart in die Höhe, das selbst verkaufte Calls tief im Minus landeten, die bei fallenden Kursen eigentlich ein quasi-sicherer Gewinn gewesen wären. Da der Broker den durch die hohe Volatilität gestiegenen Rückkaufkurs jedoch für seine Marginberechnungen nutzte, hagelte es einen Margin Call. Und die Position, die unter normalen Umständen ein satter Gewinn gewesen wäre, wurde mit Verlust geschlossen.

Helfen an der Börse Stop loss-Orders immer?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    28. Februar 2020 11:20 at 11:20

    Häufig wird immer davon gesprochen, dass der Aktienmarkt ein vollkommener Markt wäre. OTC Geschäfte, unterschiedliche Handelszeiten je nach Broker. Feiertage, geschlossene Börsen und trotzdem laufen Kurse weiter. Lächerlich. Und das in einer vernetzten digitalen Welt die immer schnelleres Handeln erfordert.

    Ein kaputtes System. Hoffentlich wird es mit der nächsten Krise generalüberholt.

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    Kritisch on fire

    28. Februar 2020 11:40 at 11:40

    Aus meiner Sicht und ich praktiziere es immer, ist wirklicher Schutz nur mit „GARANTIERTEM STOPP“ möglich. Das kostet bei Auslösung zwar eine geringe Prämie, ist es aber allemal wert! Wie man aus monetären Gründen diese Prämie versucht zu umgehen bleibt für mich eines der vielen Rätsel von Tradern.

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    frank

    28. Februar 2020 12:07 at 12:07

    gestern konnte ich meine Shorts auch nicht verkaufen. Es waren Knock Outs von BNP und als die Kurse gestern eingebrochen sind, sind meine Shorts in kurzer Zeit sehr stark gestiegen. Es wurden einfach keine Kurse mehr angezeigt und es fand kein Handel mehr statt, weder in Frankfurt noch in Stuttgart. Erst heute morgen konnte ich sie verkaufen

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Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

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Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

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Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

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Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

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Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

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