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Kann der ifo-Chef die Eurozone revolutionieren?

Kann der erst seit letztem Jahr amtierende Chef des ifo-Instituts Clemens Fuest das schaffen, was seinem (glorreichen?) Vorgänger Hans-Werner Sinn nie gelungen war? Kann er wirklich die…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Kann der erst seit letztem Jahr amtierende Chef des ifo-Instituts Clemens Fuest das schaffen, was seinem (glorreichen?) Vorgänger Hans-Werner Sinn nie gelungen war? Kann er wirklich die tatsächliche Finanz- und Wirtschaftspolitik in Europa beeinflussen? Denn Sinn ist mit seinen kontroversen, aber auch oft sinnvollen Vorschlägen nie über den „Vorschlagsmodus“ hinausgekommen. Gerne hörte man ihm zu, interessant war er, auch immer gern gesehen in Talkshows, doch für die Realpolitik schienen seine oft radikalen Denkmodelle zu unpraktikabel.


Der seit letztem Jahr amtierende ifo-Chef Clemens Fuest. Foto: Institut der deutschen Wirtschaft/Wikipedia (CC BY
2.0
)

Fuest aber hat schon seit einiger Zeit den Vorschlag in den Raum gestellt die Schuldenaufnahme der Eurozonen-Mitglieder quasi in ein Zweiklassen-System aufzuteilen. Bis zu einem gewissen Grad sollen sich zukünftig Eurozonen-Mitgliedsstaaten wie bisher normal verschulden können. Ist ein Land zahlungsunfähig, würden wie auch bisher die schon vorhandenen Mechanismen wie der ESM einspringen. Auch kauft ja bisher die EZB Staatsanleihen auf, was offiziell natürlich nichts mit der Stützung der jeweiligen Staaten zu tun hat. Über dieses gewisse Maß hinaus sollten die Staaten aber zukünftig Nachranganleihen ausgeben, so die Idee von Fuest.

Das Modell ist in der Geschäftswelt bereits bekannt. Wer solche Schulden eines Emittenten kauft, ist sich bewusst, dass er im Falle von Rückzahlungsschwierigkeiten ganz am Ende der Verwertungskette steht. Erst wenn alle anderen Gläubiger bedient sind, darf er seine Forderungen stellen, und geht in der Regel leer aus. So auch bei dem Fuest-Modell. Sind Eurozonen-Mitglieder künftig nicht fleißig genug bei der Eindämmung ihre Haushaltsdefizite, können sie gerne so viele Zusatzschulden machen wie sie wollen, aber eben nur noch in Form solcher Nachranganleihen.

Laut Fuest´s Plan dürfte die EZB solche Anleihen nicht aufkaufen. Keine staatliche Einrichtung in Europa solle für den Ausfall dieser Anleihen haften. Auch dürften Banken, die solche Schulden aufkaufen möchten, sie nur noch mit einer hohen Eigenkapitalunterlegung kaufen. Die logische Folge solcher Einschränkungen: Für solche Anleihen müssten die Staaten den kaufwilligen Anlegern drastisch höhere Zinsen anbieten als für bisherige „normale“ Anleihen. Denn auf der Käuferseite ist deutlich weniger Nachfrage vorhanden (mangels EZB + Banken), und das Ausfallrisiko ist größer. In einer offiziellen Veröffentlichung beim ifo-Institut schreibt Fuest von einer Grenze von 0,5%. Zitat:

Zur Begrenzung des Schuldenmachens schlagen Fuest und Becker vor, dass Staaten nur noch 0,5 Prozent ihrer Jahreswirtschaftsleistung mit normalen Anleihen finanzieren dürfen. Sollten sie höhere Schulden machen, müssten diese Anleihen nachrangig sein, also als erste ausfallen, sie dürfen nicht von der EZB gekauft werden und auch von Banken nur mit hoher Eigenkapitalunterlegung gehalten werden. „Das würde deutlich höhere Zinsen für diese Anleihen bedeuten, weil die Kosten der Verschuldung nicht auf andere Länder abgewälzt werden können. Die derzeitige Subventionierung des Schuldenmachens durch Elemente der Solidarhaftung würde abgeschafft“, sagte Fuest.

An anderer Stelle ist von der 0,5%-Schwelle keine Rede. Fuest äußert sich aktuell gegenüber der Welt, dass Eurozonen-Mitgliedsstaaten erst dann gezwungen sein sollten statt normale nur noch Nachranganleihen auszugeben, wenn sie das erlaubte Defizitziel überschreiten. Und das liegt ja bekanntlich bei 3%, und nicht bei 0,5%. Aber auch das wäre ja eine sinnvolle Grenze. Fuest nennt die Nachranganleihen interessanterweise in diesem Zusammenhang „Accountability Bonds“, auf Deutsch „Verantwortungsanleihen“. Denn die Logik dahinter lautet: Jeder Staat wüsste, dass er drastisch höhere Zinsen zahlen muss, wenn er sein Budget nicht im Griff hat. Laut Fuest sei sein Konzept bei der EZB schon auf Zustimmung gestoßen, und die BaFin prüfe die Idee bereits. Und in der Tat: Das Konzept ist einfach wie genial. Staaten, die sich eh nicht oder nur ungerne an solche Defizitvorgaben halten wollen, können nach Lust und Laune kräftig neue Schulden machen, zahlen dafür aber eben deutlich mehr Zinsen. Das wird Ländern wie Griechenland eh egal sein bei dem astronomischen Schuldenberg.

Gleichzeitig weiß jeder Anleger klipp und klar: Hier erhalten ich deutlich mehr Zinsen. Ist der Staat aber pleite, sehe ich mein Geld nie wieder, und keine europäische Institution kauft mir den Schrott dann noch ab, weil das vorher so klar kommuniziert war. Alle wissen woran sie sind. Ein klarer und einfacher Deal. Das wäre ja mal was. Damit hätte der Schüler das geschafft, was der Lehrer (Sinn) eben nicht erreicht hat. Und auch das Theater zwischen Nord- und Südländern wäre geklärt. Der eine beharrte bisher auf Haushaltsdisziplin, der andere auf kräftiger Neuverschuldung, damit die Wirtschaft angekurbelt wird. Mit diesem Modell kann man beide Seiten im Großen und Ganzen glücklich machen – vermeintlich.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    15. Februar 2017 17:27 at 17:27

    Entschuldigung, aber der Vorschlag ist doch vollkommener Schwachsinn ! Wenn einigen bzw. bonitätsschwachen Staaten ermöglicht wird Nachranganleihen zu begeben, dann verschulden die sich doch bis ins Unendliche weil sie genau wissen, das sie den Käufern dieser Anleihen nie irgendwas zurückzahlen müssen, weil diese ganz unten in der Empfängerkette stehen. Und Nord-und Südeuropa sollen dann trotzdem unter einer gemeinsamen Währung zusammen existieren ? Finanzstarke und Pleitegeier in einem Boot ?

    Herrn Fuest´s Modell gleicht eher einer gezielten Förderung der Insolvenzverschleppung.

  2. Avatar

    leser

    15. Februar 2017 17:42 at 17:42

    Wer am ESM festhalten will, hat sich schon disqualifiziert. Das EURO-System ist ebenso wenig reformierbar, wie das FIAT-Geldsystem. Wieviele Grenzen wurden versprochen und dann willkürlich gebrochen? Unzählige. Ein gutes System muss schon vom Design her so gestaltet sein, dass auch ein Verrückter (oder eine Verrückte) es nicht vor die Wand fahren kann.

  3. Avatar

    bigben

    15. Februar 2017 19:53 at 19:53

    finger weg von diesem mann !!!

    glaubt ihm kein wort !!!

  4. Avatar

    MoinMoin

    15. Februar 2017 22:28 at 22:28

    „Denn die Logik dahinter lautet: Jeder Staat wüsste, dass er drastisch höhere Zinsen zahlen muss, wenn er sein Budget nicht im Griff hat.“… wie, bitte schön, sollen den Länder höhere Zinsen zahlen, wenn sie jetzt noch nicht mal die viel niedrigeren zahlen können.. es geht halt nicht ohne Reformen..

  5. Avatar

    Manfred Waltermann

    16. Februar 2017 12:49 at 12:49

    Taschenspieler
    versuchen meist viel erfolgreicher an anderer Leute Geld zu kommen.
    Herr Fuest versucht offenbar das Unmögliche zu retten: Den EURO, der niemals als Einheitswährung für so viele EU-Staaten hätte eingeführt werden dürfen.
    Aus dieser Mega-Verschuldung kommt die EU nie raus und wird daran – wie an zahlreichen Gestezesverstößen – zerbrechen, wenn nicht heute dann morgen!!
    Das Vertrauen der Bürger in diese EU sinkt weiter und wird auch von dem „Heilsbringer Schulz“ mit seinen Euro-Bonds-Vorstellungen als gemeinsamer Schuldenhaftung erst recht an die Wand gefahren.

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Autoindustrie: Zulieferer bauen massenweise Stellen ab

Claudio Kummerfeld

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Autos am Abstellplatz - Zulieferer der Autoindustrie mit Stellenabbau

Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Doppelproblem der Coronakrise sowie des Strukturwandels, hin zu E-Autos und Brennstoffzelle. Die Krise hatte aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Seit Monaten läuft die Welle der Entlassungen in der Autoindustrie. Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet, sind es vor allem die Zulieferer, die in großem Stil Stellen abbauen. Hier ein paar Beispiele von den ganz Großen der Branche.

Zulieferer der Autoindustrie mit massivem Stellenabbau

Einer der Giganten der Zulieferer für die deutsche Autoindustrie ist Continental. Erst Anfang September verkündete man den Abbau von 30.000 Stellen, 13.000 davon alleine in Deutschland (bislang 59.000 Mitarbeiter in Deutschland). Dazu hier nur ein ganz kurzer Auszug aus der Meldung von Continental:

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus.

ZF Friedrichshafen

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen ist ebenfalls einer der ganz großen Zulieferer in der Autoindustrie. Auch hier werden laut Meldung des Unternehmens Stellen abgebaut. Aber das Anbieten von Abfindungen, Altersteilzeit etc klingt doch besser als Entlassung? Zitat vom Unternehmen:

In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen. Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

Mahle

Erst gestern hat der Autozulieferer Mahle verkündet 7.600 Stellen streichen zu wollen, 2.000 davon in Deutschland. Man habe seine Geschäftseinheiten, Regionen und Standorte eingehend bewertet und globale Überkapazitäten von 7.600 Stellen ermittelt, so drückt man es aus. Aus den folgenden Worten des Unternehmens kann man entnehmen, dass die Lage in der deutschen Autoindustrie wohl doch dramatischer ist, als man es annehmen möchte. Zitat Mahle:

Bereits im letzten Jahr hatte MAHLE vor dem Hintergrund des technologischen Wandels in der Automobilindustrie und eines anspruchsvollen Marktumfeldes umfassende Kostenspar- und Restrukturierungsprogramme eingeleitet. Durch die massiven Einbrüche der internationalen Märkte und die anhaltend niedrigen Kundenabrufe als Folge der Corona-Pandemie hat sich der Handlungsdruck nochmals deutlich verschärft. MAHLE prognostiziert eine Rückkehr der Fahrzeugmärkte zum Vorkrisen-Niveau erst in mehreren Jahren. Zugleich bleibt das Vorantreiben der technologischen Transformation unerlässlich.

Schaeffler

Auch Schaeffler ist ein Großer der Branche. Bis Ende 2020 will man weitere 4.400 Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen sind der Stammsitz in Herzogenaurach, sowie elf weitere Standorte in Deutschland und zwei im Ausland. Für die Standorte Wuppertal und Clausthal-Zellerfeld wird eine Komplettschließung nicht mehr ausgeschlossen, so Schaeffler in seiner Mitteilung vom 9. September. Neben Mahle erkennt man auch in den Aussagen von Schaeffler klar, dass die Krise der Autoindustrie und ihrer Zulieferer schon lange vor der Coronakrise begann. Zitat:

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits im Jahr 2018 angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2018 die Präsenz in Großbritannien um drei Standorte reduziert. Zudem wurde im Frühjahr 2019 in der Sparte Automotive OEM das Effizienzprogramm RACE etabliert, dem im Verlauf desselben Jahres die Spartenprogramme GRIP (Automotive Aftermarket) und FIT (Industrie) folgten. Im Rahmen von RACE wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft. Ferner wurde im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

Bosch

Auch bei dem Giganten der Branche Bosch tut sich in Sachen Stellenabbau und Werksschließungen so einiges. Wir verweisen an dieser Stelle auf folgende Berichte der FAZ sowie auf regionale Berichte (hier und hier).

Transformation und neue Jobs in der Autoindustrie?

Es fallen also hunderttausende Stellen in der Autoindustrie weg, was offenbar die Zulieferer richtig hart trifft. Glaubt man den Unternehmen, dann ist es Teil der großen Transformation hin zu E-Mobilität etc, wo einfach weniger Beschäftigte in der Produktion benötigt werden (vereinfacht ausgedrückt). Dazu kommt derzeit noch die Auto-Krise, die offenbar schon 2018 begann, sich 2019 verschlimmerte, und in welcher die Coronakrise als Brandbeschleuniger fungierte. Da stehen nun Mengen an qualifizierten Facharbeitern. Wohin mit ihnen, wenn sie offenkundig auf Sicht von Jahren in der Autoindustrie keinen neuen Job mehr finden werden? Das ist wohl die wichtigste Frage. Da bei solchen Stellenstreichungen erstmal verhandelt wird, Sozialpläne erstellt werden etc, sehen wir die meisten dieser Entlassenen wohl jetzt noch nicht in den Arbeitslosenstatistiken. Werden sie in einer Nach-Corona-Welt neue Betätigungsfelder in neuen Industrien finden können? Wird die Industrie stark und innovativ genug sein, um neue Stellen zu schaffen? Denn trotz aller „Zukunftsprogramme“, sollte man sich nun wirklich nicht auf die Politik als Schaffer neuer Arbeitsplätze oder neuer Industrien verlassen!

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Zombieunternehmen: Steuergeld für ein Fass ohne Boden? Hier ein mögliches Beispiel

Claudio Kummerfeld

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Was sind Zombieunternehmen? Wir beschäftigen uns öfters mit diesem Themenkomplex, siehe beispielsweise hier oder hier. Nun, der eine sagt dies sind Unternehmen, die so wenig Gewinne machen, dass sie nicht mal ihre Zinskosten aus ihren Gewinnen begleichen können, und dass sie die letzten Jahre nur deswegen überlebt haben, weil die EZB die Zinsen abgeschafft hat, und so ziemlich jedes Unternehmen extrem günstig an Geld kommt. Der andere sagt, dass Zombieunternehmen so zu definieren sind, dass sie jahrelang konstant nur Verluste erwirtschaften, und dass auch keine Aussicht auf Besserung besteht – und dass diese Unternehmen sich gerade in Corona-Zeiten mit Kurzarbeitergeld, Aussetzung des Insolvenzantragspflicht und sonstigen Hilfsmaßnahmen noch mal weiter Zeit erkaufen, um nicht dicht machen zu müssen.

Nur Verluste

Ob das folgende Unternehmen tatsächlich ein Zombieunternehmen ist? Schon mal was von dem Unternehmen Outfittery gehört? Bei diesem reinen Internet-Anbieter können sich Männer nach einem kurzen Style-Check persönlich zusammengestellte Kleiderpakete nach Hause schicken lassen. Outfittery wählt aus zahlreichen Modemarken Stücke aus, die nach den Präferenzen der Kunden womöglich am besten zu ihnen passen. Die Preise sollen nicht dramatisch teurer als im Einzelhandel sein. Tja, nun kann man sich fragen, ob die Kundschaft von dem Konzept all zu begeistert ist, und ob die willigen Konsumenten sich nicht zu sehr eingeengt fühlen, wenn ein Anbieter ihnen komplette Outfits per Post schickt. Will man sich nicht lieber selbst einzelne Stücke aussuchen, anstatt quasi bevormundest zu werden von einem Anbieter, der versucht zu erahnen, was einem gefallen könnte? Aber gut, das ist der freie Markt, und niemand wird gezwungen dort Kunde zu werden.

Das „am Leben halten“ von Zombieunternehmen bewirkt letztlich, dass der normale Prozess der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert. Das Erstellen und Versenden von Kleiderpaketen ist ein gutes Beispiel. Nehmen genug potenzielle Kunden dauerhaft diesen Service in Anspruch? Falls nicht, verschwindet diese Idee vom Markt, und andere Ideen können sich entfalten. Aber wie jüngste Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin) zeigen, hat das vor acht Jahren gegründete Unternehmen Outfittery noch nie Gewinne erwirtschaftet, und seitdem 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Auch der jüngste Umsatzschub sei nur durch eine Fusion mit einem vergleichbaren Anbieter zustande gekommen – der aber ebenfalls defizitär ist. Laut MM kämpft Outfittery ums Überleben.

Outfittery braucht derzeit wohl dringend 10 Millionen Euro. Angeblich sollen wohl Bestandsinvestoren von Outfittery um „HV Holtzbrinck Ventures“ frisches Geld nachschießen. Und dann gebe es ein sogenanntes „Matching“ aus dem Corona-Rettungsfonds der Bundesregierung, welcher von der staatseigenen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verwaltet wird. Bis zur Hälfte der von Outfittery erhofften Finanzierung könnte dann vom Staat kommen. Schon die Info-Seite der Bundesregierung sagt es. 2 Milliarden Euro will der Bund „Startups“ und „jungenTechnologieunternehmen“ zukommen lassen.

Zombieunternehmen oder förderungswürdiges „Startup“?

Jetzt ist nur die Frage: Ist Outfittery, ein Unternehmen das acht Jahre am Markt ist und noch nie Gewinne gemacht hat, noch ein junges, dynamisches, hippes und förderungswürdiges „Startup“? Oder handelt es sich um eines von unzähligen Zombieunternehmen? Vielleicht entspricht es nicht der klassischen Definition, weil Gelder bisher von privaten Investoren kamen, die auch bei jahrelangem Verlust die Wachstumsphase pushen wollten? Und wer weiß, vielleicht wird daraus doch noch eine Erfolgsgeschichte? Schließlich produzierte Amazon ja auch eine Ewigkeit nur Verluste – aber dort stimmte die Wachstumsstory.

Aber in diesem speziellen Marktsegment von Outfittery, da darf zumindest die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich der Staat mit Steuergeldern einspringen sollte. Für klassische Corona-Hilfen kommt so ein bereits vorher defizitäres Unternehmen nicht in Frage. Aber dann geht es halt um die Frage, ob die KfW dieses „Projekt“ in die Schublade „Startup“ packt, und es als förderungswürdig betrachtet im Sinne des Startup-Fonds.

Beispielfoto einer Outfittery Box - ein Zombieunternehmen?
Foto einer Outfittery Box. Foto: OUTFITTERY

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Fed: Tiefzins und Geldvermehrung ohne Ende – ein Kommentar

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung!

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Auf seiner zweitägigen Sitzung hat der Rat der US-Zentralbank (Fed) beschlossen, den Leitzins unverändert bei 0,00–0,25 Prozentpunkten zu lassen; diese Entscheidung war im Vorfeld erwartet worden.

Die Fed signalisiert mit ihrer neuen Zinsprognose, dass sie den Leitzins bis Ende 2023auf dem aktuellen Niveau halten wird.

Die Wachstumsraten für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) sieht die Fed nunmehr etwas optimistischer: Im laufenden Jahr wird es um 3,7% gegenüber dem Vorjahr fallen (Juni-Schätzung: -6,5% J/J); und für 2021 wird ein Wachstum von 4,0% J/J erwartet (Juni-Schätzung: 5,0% J/J).

Die jahresdurchschnittliche Konsumgüterpreisinflation wird auf 1,2% in 2020 und auf 1,7% in 2021 geschätzt (nach 0,8% beziehungsweise 1,6% in der Juni-Schätzung).

Das Aufkaufen von Schulden in großem Stil (also das Ausweiten der US-Dollar-Geldmenge) geht natürlich weiter, ließ die Fed wissen.

Soweit der „Fed-Sprech“.

 

LOCKDOWN-KATASTROPHE

Die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwer angeschlagen – auch wenn sie sich aus dem tiefen Absturz herausarbeitet, den der politisch diktierte Lockdown verursacht hat.

So betrugen die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe bis zum 4. September 2020 immer noch 884.000 – und waren damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt seit 1967.

Das US-Haushaltsdefizit wird vermutlich 3,3 Billionen US$ in 2020 betragen – das wären schwindelerregende 16 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes.

Um die Haushaltslöcher zu finanzieren, schafft die Fed neue Dollar „aus dem Nichts“. Das erklärt auch, warum die US-Geldmengen derzeit so stark wachsen:

Ende August 2020 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) 40,9%, die der Geldmenge M2 24,2%.

Die „Überschussgeldmenge“, die sich dadurch aufbaut, ist gewaltig – denn die US-Produktion ist massiv eingebrochen.

Die Äußerung von Fed-Chef Jerome H. Powell in der Pressekonferenz signalisierten: Eine Abkehr von der extremen Tiefzinspolitik ist nicht in Sicht – und dass wohl nicht nur wegen der Präsidentschaftswahl im November dieses Jahres.

Die Folge ist absehbar: Die Kaufkraft des US-Dollar wird leiden, weil die Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisinflation anziehen wird.

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und Bank von England folgen ihr auf dem Fuße.

Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung.

Genau darauf zielen die Zentralbanken ab: das Schuldgeldsystem mit neu geschaffenem Geld vor dem Zusammenbruch zu bewahren, es zu inflationieren.

AUF GOLD UND SILBER SETZEN

Nach der hitzigen Aufwärtsbewegung, die ab etwa Mitte Juli 2020 einsetzte, haben der Gold- und Silberpreis leicht korrigiert; der langfristige Aufwärtstrend ist aber weiter intakt.

Die Aussicht auf weiterhin extrem niedrige Zinsen, stark steigende Geldmengen und ein Anziehen der Teuerungsraten – und zwar für Konsumgüter- und/oder Vermögenspreise – geben den Preisen für Gold und Silber weiter Rückenwind.

Die Fed sorgt für eine Entwertung des Dollars

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