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Kann Donald Trump seine Zolldrohungen wirklich dauerhaft umsetzen? Die Grenzen des Pokerspiels

Keine eineinhalb Jahre vor den Wahlen kann sich Trump keinen Wirtschaftskrieg mit steigenden Lebenshaltungskosten für die „einfachen“ Bürger leisten

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Präsident Trumps Verhandlungsstil dürfte bereits allgemein bekannt sein. Mit dem Maximalen drohen, pokern, poltern, um dann mit einem deutlich abgeschwächten Kompromiss zufrieden zu sein und diesen dann  als besten „Deal ever“ zu verkaufen. Brinkmanship, oder das Spiel mit dem Äußersten, nennt man diese Form der Politik, die Donald Trump in seiner jahrelangen Immobilienkarriere praktiziert hatte. Nur, um dann einen Kompromiss in der Mitte oder tiefer zu erzielen.

So geschehen im NAFTA-Nachfolge-Deal mit Kanada und Mexiko, der eigentlich keine große Änderung zum Vorgänger bedeutete. Oder das „Nichtabkommen“ mit Diktator Kim Jong Un, den er zuerst als kleinen Raketenmann bezeichnete und dann als großen, imposanten Mann – einem Regenten, der ganz nebenbei eigene Verwandte, die ihm gefährlich werden konnten umbringen ließ oder einen General, der es gewagt hatte in einer Besprechung zu gähnen. Was soll man dazu sagen?

 

Die neue Zolldrohung gegenüber China

Im Bewusstsein starker US-Wirtschaftsdaten platzte Donald Trump wahrscheinlich wieder einmal der Kragen. Er versprach Woche für Woche gute Fortschritte in den Handelsgesprächen und eine baldige Einigung. Da die Chinesen in einigen Punkten anscheinend auf Zeit spielen, versucht es der Präsident jetzt mit seiner oben angedeuteten Methode.

Er, als bester „Dealmaker on earth“, will Ergebnisse und keine monatelangen Verhandlungsrunden. Können sich die USA aber tatsächlich eine Erhöhung der Zölle auf 25% und die Erhebung weiterer Einfuhrzölle ohne Beschädigung der eigenen (Konsumenten)-Konjunktur leisten? Ich sage nein, denn es geht nicht nur um die Preissteigerungen von Alltagsprodukten bei Walmart u. Co., sondern auch um die Reaktionen Chinas als Produzent und Abnehmer von US-Produkten. Apple und mancher US-Chipkonzern können schon mal zu rechnen beginnen.

 

Es gibt zwei entscheidende Prioritäten, die alle Aktionen, die man aus den Vereinigten Staaten hört, determinieren:

  • Donald Trump will 2020 wiedergewählt werden und braucht dazu unbedingt die Unterstützung der Wall Street und
  • die US-Gesellschaft kann keinen Crash am Aktienmarkt verkraften, ohne heftige Auswirkungen auf Wohlstand und inneren Frieden

Über Punkt eins habe ich schon öfters geschrieben, denn Trump hat sich bereits am Tag seiner Wahl im November 2016 ins Wahlregister für die Wahl 2020 eintragen lassen. Außerdem hat er vor seinen Wählern großspurig geprahlt „an der Entwicklung der Aktienmärkte sollt ihr mich messen.“

Über Punkt zwei habe ich bereits in einem Kommentar am 14. Dezember 2018  „Das Billionen-Dollar-Risiko oder der Irrtum des US-Präsidenten – Warum der US-Aktienmarkt Stärke und zugleich Achillesferse der US-Wirtschaft ist?“ geschrieben und begründet, was bereits ein 20% -Einbruch an der Wall Street für Vermögenseinbußen bei den US-Bürgern zur Folge hätte. Diese haben in großem Stile über Aktiensparpläne für ihre Rente vorgesorgt und da muss man sich nochmal die Zahlen vor Augen führen, um die Dimension des Problems zu erfassen.

Im Jahr 2009, dem Tiefpunkt der Finanzkrise, lag die Marktkapitalisierung der US-Börsen bei 10 Billionen Dollar, seit Kurzem dürfte diese rund 40 Billionen betragen. Ein Verlust von 20%, der dem Eintritt in einen Bärenmarkt entspricht, hätte bereits eine Schrumpfung um acht Billionen Dollar zur Folge. Eine unvorstellbare Summe, die in etwa der Marktkapitalisierung aller chinesischen Börsen entspricht. Am 27. Dezember, als der S&P 500 um 19,48% gefallen war, kam die große „dovishe“ Wende der Federal Reserve.

 

Fazit

Trump kann soviel poltern wie er will, die oben genannten Rahmenbedingungen werden ihn immer wieder an den Verhandlungstisch zwingen. Keine eineinhalb Jahre vor den Wahlen kann er sich keinen Wirtschaftskrieg mit steigenden Lebenshaltungskosten für die „einfachen“ Bürger leisten und fallende Aktienmärkte – man würde dies mit seiner Politik in Verbindung bringen.

Was man aber nicht absehen kann, ist, ob Trump mit seinem „Zoll-Wirtschaftskrieg“ die Weltwirtschaft durch eine Lähmung seiner entscheidenden Akteure nicht bereits so beeinträchtigt, dass er selbst zum Trigger einer Rezession in den wichtigen Wirtschaften wird. China war für viele Länder (auch Deutschland) der Gewinnbringer des letzten Jahrzehnts und es geht dabei nicht nur um eine bilaterale Angelegenheit.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Kritisch

    7. Mai 2019 11:10 at 11:10

    Hallo, sehr geschätzter Hr. Müller!
    Brilliante Einschätzung, wie immer! M.E. haben sie aber einen wesentlichen Aspekt vergessen und mr. president bringt dafür schon seine Figuren in Stellung. Wenn er wirtschaftlich zu scheitern drohen sollte so wird er sich nicht scheuen einen militärischen Konflikt vom Zaun zu brechen um sein Scheitern in den Hintergrund zu drängen – selbstverständlich wird eine militärische Intervention (vielleicht gegen den Iran) als notwendiger Vorgang im Sinne der „Nationalen Sicherheit“ den US-Bürgen verkauft um so seine Wiederwahl unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung zu erreichen. Irgendwie habe ich in Erinnerung, dass wir doch soetwas schon einmal erlebten.
    LG

  2. Avatar

    sabine

    7. Mai 2019 13:10 at 13:10

    Verhandlungsstil: Wir machen es in der Fa. genauso, Autobranche – Bayern.

    Hab ich in Stuttgart auf dem Flohmarkt auch nicht anders gemacht.
    20€ verlangt, 12€ wollt ich eigentlich.

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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