Kapitalintensive Unternehmen vs nicht-kapitalintensive Unternehmen. Ist die Börsenwelt immer noch nicht wirklich eingestellt auf eine Welt, in der Rohstoffe und der Aufbau neuer Infrastrukturen der Mega-Trend der nächsten Jahre sind? Seit geraumer Zeit laufen die Branchen gut, wo harte Industrieproduktion stattfindet. Nach Iran-Krieg, nach Ukraine-Krieg etc muss und will die Welt sich resilienter aufstellen in Sachen Energieversorgung, Lieferketten usw. Das könnte die Aktien hinter diesen Bemühungen jahrelang nach vorne tragen? So meine Anmerkung vorab!
Kapitalintensive Unternehmen preschen voran – Goldman mit Argumenten
Kapitalintensive Unternehmen dürften in der nun beginnenden Berichtssaison für das zweite Quartal solide Gewinne ausweisen und damit ihre Konkurrenten, die stärker auf personelle oder digitale Vermögenswerte angewiesen sind, weiter übertreffen, so sagen es laut Bloomberg aktuell die Strategen von Goldman Sachs. „Die Anleger sind nach wie vor untergewichtet für eine Welt, in der physische Vermögenswerte, Infrastruktur und industrielle Kapazitäten wieder an strategischer Bedeutung gewinnen“, schrieb das Team um Guillaume Jaisson.
Ein Korb europäischer kapitalintensiver Unternehmen, zu denen auch Versorger und Energieunternehmen gehören, hat in diesem Jahr um 15 % zugelegt. Demgegenüber ist ein Index, der kapitalarme Aktien abbildet, um 2 % gesunken, da Anleger die hohen Bewertungen von Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz hinterfragen.
Die Goldman-Strategen erklären dazu aktuell, dass die Gewinnschätzungen eine ähnliche Divergenz widerspiegeln, wobei Kapitalintensive Unternehmen in diesem Jahr bislang die stärksten Gewinnanhebungen verzeichnen. „Die Messlatte liegt hoch, aber ebenso hoch ist das Potenzial für höhere Gewinne“, schrieb Jaisson in einer Mitteilung. „Die nächste Performance-Phase erfordert keine weitere Expansion der Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder gar signifikante Gewinnanhebungen. Es geht lediglich darum, die Ergebnisse zu liefern.“
Nachdem europäische Aktien seit März hinter den US-Aktien zurückgeblieben waren, haben sie im vergangenen Monat die Führung übernommen, da Anleger eine Rotation weg von Chipherstellern vornehmen. Sinkende Ölpreise haben zudem die Aussichten für konjunkturgebundene Sektoren aufgehellt, die in Europa im Vergleich zum technologieorientierten US-Markt stärker vertreten sind. Strategen von Banken wie Barclays und der Deutschen Bank haben kürzlich ihre Jahresendziele für europäische Aktien angehoben.
HALO-Trade
Guillaume Jaisson von Goldman sagte auch, der sogenannte „HALO“-Trade – ein Akronym für „Heavy Assets, Low Obsolescence“ (kapitalintensive Werte, geringe Veralterung) – trete nun in eine „dauerhaftere Phase“ ein, in der eher die Gewinne als ein breiter Anstieg der Bewertungen die Wertentwicklung bestimmen dürften.
Dies werde wahrscheinlich zu einer größeren Streuung zwischen Gewinnern und Verlierern führen, selbst innerhalb der kapitalintensiven Gruppe, sagte er.
Der Korb der Kapitalintensiven Unternehmen der Bank umfasst Aktien wie Infineon, Rolls-Royce und Airbus. Der kapitalarme Korb enthält unter anderem Adidas, British American Tobacco und Danone.
FMW/Bloomberg
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