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Kapitalmärkte: Jahresprognosen der Banken, Corona und der Zufall

Wolfgang Müller

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Wall Street Schild

Im Dezember eines jeden Jahres werden von den Großbanken die Prognosen für das neue Jahr vorgelegt, ja sogar mit Spannung erwartet. Obwohl die Aussichten fast in jedem Jahr heftigst daneben liegen, ist es zum jährlichen Ritual geworden – die Kunden verlangen danach. Im Dezember 2019 ahnte noch kein Analyst etwas von Corona, dementsprechend verwirrend lesen sich manche damalige Vorhersagen im Lichte der gegenwärtigen Ereignisse. Jetzt kommt aber die Überraschung: Ausgerechnet im Coronajahr 2020 kommen die Bankenprognosen bei der Prognose des Endstandes unseres Leitindex am nähesten, gesetzt den Fall es gibt heute nicht noch eine extreme Kursüberraschung. Hier noch einmal der Ausblick 2020 sowie ein kleines aktuelles Update der Banken für Silvester 2020.

Jahresausblicke: Das jährliche Spiel mit der Glaskugel

Betrachtet man die Prognosen über Dax und Co der letzten Jahre mit dem tatsächlichen Eintreffen, so könnte man das Unterfangen juristisch überspitzt so formulieren: Untauglicher Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt. Hier nur einmal der Bankenkonsensus der letzten drei Jahre:

2017 Prognose Dax (Durchschnitt) 11629 – Endstand 12917
2018: Prognose Dax 14008 – Endstand 10599
2019 Prognose Dax: 12431 – Endstand 13249

Und was erwarteten die 20 Großbanken für das Jahr 2020 für Indizes, Zinsen, Währungen und Konjunktur?

Dax: 13.920 Punkte – eine andere Aufstellung kam auf 13.875
Dow Jones: 28892 Punkte
S&P 500: 3251 Punkte
Gold in $: 1570
Brent Öl in $: 61,47
Euro/Dollar: 1,15
10-jährige Bund: minus 0,33 Prozent
10-jährige US-Treasury: 1,83 Prozent
BIP-Wachstum Deutschland: 0,86 Prozent
BIP-Wachstum USA: 1,64 Prozent

Als man im Herbst diesen Jahres ein kleines Update durchführte, mit einer Umfrage, die Mitte Oktober auf FMW vorgestellt wurde, war man schon erheblich vorsichtiger:

Jahresschlusskurs beim Dax von 12.831 Punkten, mit einer gigantischen Prognose-Spanne von 11.500 bis 14.000 Punkten.
Damit lag man nach Lage der Dinge in den letzten Handelsstunden wiederum daneben und es entsteht die skurrile Situation, dass man ausgerechnet in dem Jahr, in dem es praktisch unmöglich war anhand von Modellrechnungen eine valide Prognose abzugeben, mit seiner Dax-Vorhersage zum Jahreswechsel am treffsichersten lag.

Was war mit den anderen Assetklassen?

Man hatte zwar die Richtung bei Gold, Euro, oder Öl richtig vorhergesehen, die tatsächlichen Bewegungen waren aber deutlich stärker ausgefallen. Allein bei den 10-jährigen deutschen Staatsanleihen lag man mit minus 0,33 Prozent nicht so weit entfernt von der aktuellen Rendite (-0,57 Prozent) entfernt. Einige Banken landeten sogar eine ziemlich genaue Vorhersage, das Anleihekaufprogramm der EZB konnte nur ein weiteres Absinken der Renditen im als „Safe Haven“ angesehenen Landes zur Folge haben.

Und was erwartet man für 2021?

Die Analysten von 22 Banken aus den USA und Europa kommen bei ihren Ausblicken zu folgenden durchschnittlichen Prognosen:

Dax: 14.323 Punkte
S&P 500: 3903 Punkte
Gold in $: 1970
Brent Öl in $: 53,00
Euro/Dollar: 1,22
10-jährige Bund: minus 0,38 Prozent
BIP-Wachstum Deutschland: 3,73 Prozent

Für Jim Reid, einem Analysten der Deutschen Bank, der diese Analyse schon seit 25 Jahren kommentiert, fällt auf, dass es selten so geringe Abweichungen bei den verschiedenen Assetklassen gegeben hat, bei einem so einhellig vorhandenen Optimismus für das neue Jahr. Was auch wenig verwundert, eine Pandemie mit Lockdowns und die Aussicht (aus aktueller Sicht) auf eine Impfung von Milliarden Menschen ist ein echter Game Changer und ohne historisches Vorbild. Gerade amerikanische Großbanken schwärmen von der kommenden Periode, Goldman Sachs bringt sogar den historischen Vergleich der „Roaring Twenties“.

Was ergäben sich aus diesem Szenario für Schlussfolgerungen für Sparer und Anleger?

Sollte sich tatsächlich das Wachstumsszenario bestätigen, würde sich die Schere zwischen Realwirtschaft und Börsenbewertung deutlich schließen. In Kombination mit den niedrigen Zinsen wäre dies ein weiteres positives Umfeld für Aktien. In Deutschland sind die Bestände auf unverzinsten Giro- und Tagesgeldkonten gewaltig. Über 2,5 Billionen Euro übersteigt deren Wert die Marktkapitalisierung aller Aktien, in den verschiedenen Dax-Klassen.

Sollten hierbei einige Milliarden Euro auf der Suche nach Rendite, die Seite wechseln….? Für manche eine unvorstellbare Vorstellung – TINA und dann ein Crack-up Boom.

Fazit und Ausblick

Wie in jedem Jahr stellt sich auch 2021 das Problem, dass die Kapitalmärkte nicht nur durch äußere Umstände beeinflusst werden, sondern auch durch die handelnden Personen, die zugleich Beobachter eines Systems sind, welches sich stets durch Rückkopplung ändert.

Was mich auch immer wieder zu der Schlussfolgerung treibt, dass es keine Methode geben kann – jenseits jederzeit möglicher Zufallstreffer, im englischen: Random Walk – Entwicklungen von Preisen an den Kapitalmärkten und gleich auf Jahressicht einigermaßen treffsicher vorherzusehen. Nicht einmal Mitte Oktober war man auch in diesem Jahr in der Lage das Corona- Jahresende einigermaßen zu prognostizieren.

Für 2021 herrscht unglaubliche Zuversicht für Wirtschaft und Börse, was aber nicht einmal verwunderlich ist.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und strebt nach Zeiten der Entbehrung mit aller Macht zu alten Verhaltensweisen. Das Prinzip Hoffnung ist ein wirkmächtiges Element, überall im Leben. Deshalb auch die Erwartungen für 2021, wenn es gelingen sollte eine Pandemie mittels Impfungen zu besiegen. Wenn man sich nur die Bilder der letzten Tage betrachtet, wie Menschen in Österreich und auch in Teilen Deutschlands in die Skigebiete geströmt sind, kann vielleicht ermessen, was los sein wird, wenn es tatsächlich wieder möglich sein wird, Freizeit, Kultur und Urlaub zu genießen.

Ich wage sogar zu behaupten, dass der Nachholbedarf alles toppen wird, was man in den letzten Jahrzehnten gesehen hat. In den USA konnten Verbraucher 90 Milliarden Dollar nicht ausgeben – nicht die unteren Schichten, aber die hatten schon vor Corona zu Abermillionen keine 400 Dollar auf der hohen Kante, um sich zum Beispiel eine defekte Waschmaschine zu ersetzen.

In Deutschland ist die Sparrate auf noch nie dagewesene 20 Prozent gestiegen, der Rekord vor 28 Jahren war einmal 18 Prozent. Beispielsweise haben allein 21 Millionen Rentner in Deutschland keine finanziellen Einbußen durch Corona erlitten, aber auch das Geld für bestimmte Freizeitaktivitäten nicht ausgeben können.

Aber jetzt kommt der Haken. Denn es ist nicht abzusehen, was die Börsen aus dieser Situation machen werden. Wenn plötzlich unheimlich viel Geld in bestimmte Bereiche der Wirtschaft fließt, wenn gebeutelte Branchen die Preise erhöhen (z.B Restaurants), weil sie ihre Ausfälle kompensieren wollen, wenn die Steuererhöhungen für 47 Millionen Kfz mit Verbrennungsmotoren und rund 12 Millionen Haushalte mit Öl- und Gasheizungen spürbare Preiserhöhungen durch die CO2-Abgabe leisten müssen, die Mehrwertsteuer wieder auf das alte Niveau gesteigert wird.

Der Konsens der vielen Bankenprognosen ist fast zu deutlich einheitlich auf eine starke Erholung der Wirtschaft mit einem Börsenaufschwung ausgelegt. Könnte im ersten Halbjahr, unabhängig von Korrekturen tatsächlich auch so kommen, aber was ist mit den zweiten Halbjahr, wenn die Börse das Jahr 2022 einpreist? Mit einem Auslaufen der überbordenden monetären Versorgung durch die Notenbanken bei gleichzeitig gestiegenen Kapitalmarktzinsen (nicht Leitzinsen)?

Die Prognosen für 2021 sind wieder ein Versuch die „Unknown Unknowns“ einzupreisen, wie in den letzen Jahren vermehrt geschehen, als man ganz einfach den langjährigen durchschnittlichen Jahresanstieg auf die Prognose draufgepackt hat. Die Wirtschaftsredaktion der „Welt“ hat in den letzten 25 Jahren die Dax-Prognosen der Geldinstitute ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass man in 17 Jahren mehr als zehn Prozent abseits von der Realität gelandet war. Ausgerechnet in dem Corona-Jahr hat es wieder einmal gut geklappt.

Daher ist anzunehmen, dass die Jahresendprognose beim Dax von 14.333 Punkten, dann mit 40 Werten, einmal mehr nicht zutreffen wird. Aber Investoren gieren nach dem Blick in die Glaskugel, ohne Anker geht es nicht, auch wenn er keine Verlässlichkeit garantieren kann.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Savestrax

    30. Dezember 2020 11:08 at 11:08

    14.333 ist ja auch nicht die Jahresendprognose.

    Wenn einer für 2020 für die Wirecard die Pleite, also 0, vorausgesagt hätte und ein zweiter 1.000 als Ziel ausgegeben hätte, lägen dann beide falsch? Das Mittel sind ja 500.

    Durchschnittswerte bei den Prognosen ist doch Nonsens.

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Auto1 vor IPO: Buch gut gefüllt, Aktie im Pre-IPO-Handel höher

Claudio Kummerfeld

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Börsenkurse

Haben wir eine Coronakrise, eine Rezession so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr? Nein, Notenbanken und Regierungen schließen die Lücke, die Börse läuft auf Rekordkursen, und alles wird gut? Jetzt gibt es den nächsten Kandidaten für die große Sause, nämlich die Firma Auto1 aus Berlin. Sie gab gestern Details für ihren Börsengang in Frankfurt bekannt, wonach am 4. Februar der erste Handelstag stattfinden soll (Angebotszeitraum für die Aktien läuft vom 26. Januar bis 2. Februar). An der Frankfurter Wertpapierbörse wird die Aktie von Auto1 unter dem Handelssymbol AG1 und der ISIN DE000A2LQ884 zu finden sein.

Laut aktuellen Berichten haben am Börsengang von Auto1 beteiligte Banken gemeldet, dass Kauforders für das vollständige Emissionsvolumen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro vorlägen. Daran erkennt man, wie groß der Drang der Börsianer sein muss. Man blicke auf zahlreiche andere IPOs dieser Tage, und möchte sagen: Es gehört auch hier zum guten Ton dazu, dass das begehrte Unternehmen natürlich noch Verluste macht. So hat Auto 1 nach eigenen Angaben letztes Jahr 2,8 Milliarden Euro umgesetzt und gut 15 Millionen Euro Verlust gemacht. In drei Jahren will man in die Gewinnzone kommen.

Wer das Unternehmen nicht kennt: Auto1 kauft nach eigenen Aussagen über zwei Kanäle Fahrzeuge an. Über das Netzwerk der wirkaufendeinauto.de-Marken biete man Verbrauchern eine einfache Möglichkeit, ihre Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Remarketing-Lösungen für Händler würden den Partnern helfen ihren Bestand an Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Fahrzeuge werden dann auf den Verkaufskanälen der AUTO1 Group, der Konsumentenmarke Autohero und der Handelsplattform für Händler, AUTO1.com angeboten.

Die Anleger scheinen auch im vorbörslichen inoffiziellen Handel auf die Aktie abzufahren. Im „Handel per Erscheinen“ auf Tradegate sieht man bei einer IPO-Spanne von 32-38 Euro aktuell einen Handelskurs von 44-47 Euro. Mag sein, dass anfangs ein kleiner Hype entsteht. Schaut man aber auf zahlreiche IPOs in Deutschland und vor allem in den USA in den letzten Jahren, dann darf man aber fragen, ob der Kursverlauf in den nächsten Monaten von Erfolg gekrönt sein kann. Man sieht jedenfalls aktuell: Nach allem menschlichen Ermessen wird das IPO von Auto1 kurzfristig ein Erfolg werden (wenn bis dahin nicht noch ein großer Börsencrash geschieht). Auto1 will übrigens von den angestrebten Einnahmen von 1 Milliarde Euro rund 750 Millionen Euro in das Wachstum des Unternehmens stecken, und 250 Millionen Euro in die Rückzahlung einer bestehenden Wandelanleihe.

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