Anleihen

Deutlich fallende Kreditkosten Kapitalmarkt belohnt Italien für Melonis „artiges“ Verhalten

Der Kapitalmarkt belohnt derzeit Italien für die "artige" Politik der neuen Premierministerin Georgia Meloni - sichtbar in einem Chart.

Der Kapitalmarkt belohnt Italien seit Wochen, und seit gestern erneut. Was gab es für Horrorszenarien. Italien würde unter Georgia Meloni als ultrarechter Premierministerin die Neuverschuldung massiv erhöhen, um ihre Wähler glücklich zu machen. Und dazu noch jede Menge Ärger in Brüssel verursachen und am besten noch maximal viele EU-Gelder abstauben. All das kann natürlich noch passieren. Aber bis jetzt ist davon nichts zu sehen. Und am Anleihemarkt kann man exakt ablesen, wie die Märkte Italien bestraft und wieder belohnt haben für seine Haushaltspolitik.

Italien wird vom Kapitalmarkt belohnt – Blick auf die Rendite-Spreads

Schauen wir auf den TradingView Chart, der bis Jahresanfang zurückreicht. Wir sehen dort den BTPBUND Spread. Er zeigt die Differenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit. Italien liefert den Anlegern derzeit 3,77 % Rendite, Deutschland 1,91 Prozent. Bei der Ernennung Melonis zur Premierministerin lag die Italien-Rendite noch bei 4,76 %. Die aktuelle Differenz zwischen der deutschen und italienischen Rendite beträgt 1,86 Prozentpunkte oder 186 Basispunkte. Je größer die Differenz beziehungsweise der Aufschlag auf deutsche Renditen, desto stärker glaubt der Anleihemarkt an eine unsolide Haushaltsführung und ausufernde Staatsschulden in Italien.

Rendite-Spread für Anleihen aus Italien und Deutschland mit zehn Jahren Laufzeit

Im Chart sehen wir: Monatelang stieg der Renditespread an. Im Januar noch bei 140 Basispunkten, wurde man ab Juni immer nervöser, dass die Ultra-Rechten die Wahlen gewinnen könnten. Niemand konnte abschätzen, ob sie die Neuverschuldung in Italien explodieren lassen würden etc. Also stieg der Renditespread bis zum Freitag kurz vor der Wahl am 23. September auf 235 Basispunkte, um am Montag nach der Wahl in der Spitze auf 265 Basispunkte zu springen. Nachdem Georgia Meloni dann am 21. Oktober zur Premierministerin ernannt wurde, fiel der Spread von 233 Punkten bis gestern früh auf nur noch 195 Basispunkte. Denn die großen Schreckensszenarien bewahrheiteten sich nicht. Und von gestern früh bis heute Nachmittag ist der Spread nochmal weiter gefallen auf jetzt 186 Basispunkte. Und warum?

Relativ solider Haushalt in Rom

Gestern hat die Regierung von Georgia Meloni den Haushalt für 2023 verabschiedet. „Der Standard“ formulierte es so: „Rechte Meloni orientiert sich bei Italiens Budget an Ex-EZB-Chef Draghi. Italiens Rechtsregierung lässt sich bei Finanzen auf keine Experimente ein“. Das italienische Haushaltsdefizit wird voraussichtlich auf 4,5 Prozent steigen. Die Pläne der Vorgängerregierung von Mario Draghi hatten noch 3,7 Prozent angepeilt. 2023 soll Bürgern in Italien, die nach Maßgabe der Regierung in der Lage sind zu arbeiten, nur noch acht Monate lang das Bürgergeld ausgezahlt werden.

Ab 2024 bekommen sie dann gar kein Geld mehr, wenn sie ein nach der Definition der Regierung „angemessenes“ Jobangebot ablehnen, so berichtete es zusammenfassend die Tagesschau. Im Haushalt für 2023 vorgesehen sind Maßnahmen im Umfang von 35 Milliarden Euro. 21 Milliarden davon fließen in Maßnahmen, mit denen Familien und Unternehmen unterstützt werden sollen. Das Kabinett beschloss auch die Maßnahmen zurückzufahren, mit denen die Spritpreise gebremst werden. Benzin und Diesel werden künftig mit 15 Cent pro Liter bezuschusst – statt wie bisher 25 bis 30 Cent pro Liter.

Fazit

Hat man in Rom Georgia Meloni am jüngsten Beispiel Großbritannien gezeigt, was passiert, wenn ein Staat plant seine Neuverschuldung ins Uferlose auszuweiten? Denn die Briten planten im September massive Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung, und die britischen Anleiherenditen stiegen extrem stark an. Italien ist dank diesem relativen soliden Haushalt „belohnt“ worden in Form von sinkenden Kreditkosten für die Staatsverschuldung. Für diesen Augenblick ist die Alarmstimmung um die neue Premierministerin Georgia Meloni erst einmal abgeblasen – zumindest wenn es um die Staatsfinanzen und die Anleiherenditen geht.

Aber man wird im Lauf der nächsten Monate und Jahre sehen müssen, ob man wirklich bei diesem soliden Haushalten bleibt. Der Anleihemarkt liefert jedenfalls ein klar erkennbaren Gradmesser, wie die Märkte zur aktuellen Politik in Italien stehen. Denn der Devisenmarkt als Gradmesser ist ja nicht mehr existent, seitdem die italienische Lira durch den Euro ersetzt wurde.



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2 Kommentare

  1. Deutschland aktuell dabei, Italien als Schuldenmacher abzulösen

  2. Und wieder einmal sind von Untergangsliebhabern prophezeite Schreckensszenarien ausgeblieben.
    Italien wird besonders gerne von „nördlichen“ Ökonomen in arroganter Weise als kranker Mann Europas bezeichnet.
    Mal sehen, welche Politiker ihre Länder kränker oder gesünder machen:
    Das Scholz/Habeck-Duo oder Meloni.

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