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„Verbraucher sehen Kaufkraft dahinschmelzen“ – Energiepreise im Fokus

Einkaufswagen

„Durch die stark gestiegenen Preise für Gas, Heizöl und Benzin sehen die Verbraucher ihre Kaufkraft dahinschmelzen“ – so sagt es heute die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Zuge ihrer Veröffentlichung für den GfK-Konsumklimaindex für April. Der Indexwert fällt auf -15,5 Punkte nach -8,5 Punkten für März. In der folgenden Grafik sieht man die Entwicklung des deutschen Konsumklimas in den letzten fünf Jahren. Die massiv steigenden Energiepreise stehen hierbei im Fokus!


source: tradingeconomics.com

Ukraine-Krieg und stark steigende Energiepreise lassen Kaufkraft in den Augen den Verbraucher dahinschmelzen

„Noch im Februar waren die Hoffnungen groß, dass sich mit den absehbaren Lockerungen der pandemiebedingten Beschränkungen auch die Konsumstimmung deutlich erholen kann. Mit Beginn des Ukraine-Krieges hat sich dies jedoch schlagartig in Luft aufgelöst. Steigende Verunsicherung sowie die Sanktionen gegenüber Russland haben vor allem die Energiepreise explosionsartig in die Höhe schnellen lassen und drücken damit spürbar auf die allgemeine Verbraucherstimmung“, so sagt es heute die GfK. Dies zeige sich besonders an den Einkommensaussichten der Bundesbürger, die im März gegenüber dem Vormonat 25 Punkte verlieren und auf -22,1 Punkte abrutschen. Dies ist laut der GfK der niedrigste Wert seit Januar 2009, als infolge der Finanzkrise der Einkommensindikator auf -22,9 Zähler zurückging.

Details zu den dramatischen Ansteigen der Energiepreise

Das Statistische Bundesamt hat heute Detailangaben speziell über die dramatisch ansteigenden Energiepreise veröffentlicht. Sie reichen bis Ende Februar, und beziehen damit die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs in den letzten vier Wochen noch nicht mal mit ein. Aber auch ohne diese Auswirkungen sind die Preisanstiege dramatisch. Der Ukraine-Krieg raubt dem deutschen Verbraucher wohl die letzte Illusion, dass die Inflation schnell zurückgeht, und damit die Kaufkraft wieder zunehmen könnte.

Die Unsicherheiten auf den Energiemärkten und die angespannte Versorgungslage mit Erdgas vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben laut den Statistikern zu hohen Steigerungen der Energiepreise beigetragen. Sie stiegen im Februar 2022 im Vergleich zum Februar 2021 auf allen Wirtschaftsstufen stark an. Importierte Energie war 129,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, im Inland erzeugte Energie kostete 68,0 Prozent mehr, und Verbraucher mussten für Haushaltsenergie und Kraftstoffe 22,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr.

Grafik zeigt Entwicklung der Energiepreise seit dem Jahr 2015

Gaspreis im Fokus

Hauptverantwortlich für den hohen Anstieg der Energiepreise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen war laut den Statistikern jeweils die Entwicklung der Erdgaspreise. Importiertes Erdgas war im Februar 2022 dreieinhalb Mal so teuer wie ein Jahr zuvor (+256,5 Prozent), Erdgas in der Verteilung kostete über alle Abnehmergruppen betrachtet mehr als doppelt so viel (+125,4 Prozent). Auf der Stufe des privaten Verbrauchs war der Anstieg der Energiepreise im Vorjahresvergleich vor allem durch die um 30,2 Prozent gestiegenen Heizöl- und Kraftstoffpreise verursacht. Hier weitere ausgewählte Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Starke Preissteigerungen für Erdgas auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen

Die starken Preissteigerungen für Erdgas wirkten sich vor allem auf die Abnehmer in der Industrie sowie die Wiederverkäufer aus – das sind Unternehmen, die Erdgas kaufen und an Kraftwerke, die Industrie, Handel und Gewerbe sowie Haushaltskunden verkaufen. So zahlten im Februar 2022 Wiederverkäufer für Erdgas 143,8 % mehr als ein Jahr zuvor, Industriekunden mussten sogar 194,9 % mehr bezahlen. Die Börsennotierungen für Erdgas waren trotz eines Rückgangs der Preise um 27,7 % seit Dezember 2021 mehr als viereinhalb Mal so hoch wie im Februar 2021 (+358,8 %).

Die Entwicklung der Preise für Erdgas war in den Jahren 2020 und 2021 stark von dem durch die Pandemie verursachten wirtschaftlichen Einbruch sowie der rasch folgenden Erholung der Wirtschaft geprägt. In den letzten Monaten kamen Unsicherheiten vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine hinzu. Der geringe Füllstand der Gasspeicher in Deutschland verschärfte die ohnehin angespannte Lage. Die aktuellen Preisentwicklungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind in den Ergebnissen noch nicht enthalten.

Preissteigerungen für Erdgas führen zu höheren Preisen für Strom

Die hohen Preissteigerungen für Erdgas führen aufgrund der Abhängigkeit der Stromerzeugung vom Erdgas auch zu höheren Strompreisen. Die Erzeugerpreise für Strom lagen über alle Abnehmergruppen hinweg im Februar 2022 um 66,5 % über dem Niveau im Februar 2021. Dabei wirkten sich die Preissteigerungen auch hier unterschiedlich auf die einzelnen Abnehmergruppen aus. Während Weiterverteiler – Unternehmen, die Strom kaufen und an die Industrie, Handel und Gewerbe sowie Haushaltskunden verkaufen – 117,6 % mehr bezahlen mussten als ein Jahr zuvor, stiegen die Preise für industrielle Abnehmer um 66,2 %, für gewerbliche Anlage um 13,3 %. Für Privathaushalte kostete Strom 13,0 % mehr als im Februar 2021.

Höhere Preise für viele Mineralölprodukte verursachen hohe Belastung bei privaten Haushalten

Die Preise für Erdöl und Mineralölprodukte unterliegen im Zeitverlauf üblicherweise größeren Schwankungen. Importiertes Erdöl kostete im Februar 2022 um 70,3 % mehr als im Februar 2021. Dennoch waren die Preise noch nicht so hoch wie zu ihrem bisherigen Höchststand im Frühjahr 2012. Auf der inländischen Erzeugerebene wurden die aus Erdöl hergestellten Mineralölerzeugnisse zu gegenüber Februar 2021 um 34,5 % höheren Preisen verkauft und erreichten damit einen Höchststand. Verbraucherinnen und Verbraucher zahlten im Februar 2022 für leichtes Heizöl 52,6 % mehr als im Vorjahresmonat, für Dieselkraftstoff 29,4 % und für Benzin 24,2 %.



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3 Kommentare

  1. Minister Habeck vertritt die Meinung, die Gaslieferverträge mit Russland einhalten zu wollen. Ueber die Sanktionen gegen Russland muss man nicht sprechen; die sind beschlossen und auch berechtigt. Nun wollten europäische Länder in dieser Situation aber weiterhin Erdgas aus Russland beziehen. Dieses Gas hat als Rohstoff einen inneren Wert, weil es effektiv gebraucht werden kann. Deshalb müsste auch die Bezahlung einen entsprechenden inneren Wert haben. Der Euro als Kreditgeld hat aber hauptsächlich einen Wert, wenn es im entsprechenden Währungsraum gebraucht werden kann. Genau das wird aber dem Lieferant verwehrt. Warum kommt niemand auf den Gedanken, das Gas in Warengeld, sprich Gold, zu bezahlen, was fair wäre und der Lieferant Russland wohl akzeptieren würde. Als Bezahlungsort käme z.B. Kalinigrad in Frage.

  2. GelddruckInscheniör

    Richtig, die EU provoziert den Vertragsbruch ( Nichtliefefung von Gas) um dann wieder den bösen Russen die Schuld zu geben.Es ist einfach nur peinlich was die Elite der EU und der USA von sich geben.All dies Nationen hättten doch fähiige Wirtschaftsleute um diese wichtigen Posten zu besetzen.Leider verdienen die Finanzingenieure und Gelddrucker inkl. Bitcoinschürfer in der MMT Welt immer noch mehr und sind an solchen Posten nicht interessiert.

  3. Pingback: IDNweek Jurnal – Dax: Die Lagu auf der Spacious! Videoausblick 2022 | IDNweek Jurnal

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