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Kein Ende der Inflation in Sicht – Deutscher Aktienindex vor Bärenmarkt?

Kein Ende der Inflation in Sicht – Deutscher Aktienindex vor Bärenmarkt?

Eine anziehende Inflation und der Krieg in der Ukraine haben den Deutschen Aktienindex Dax in den Korrekturmodus geschickt. Noch sprechen wir von einer „normalen“ Marktkorrektur, allerdings fehlt nicht mehr viel, um in einen Bärenmarkt zu fallen. Die Ukraine-Krieg wirkt sich inzwischen auf die Weltwirtschaft aus. Die Energiepreise steigen explosionsartig und verschärfen die bereits vorhandenen Lieferengpässe. Die aktuelle Marktkorrektur im Dax wird später mal als „Ukraine-Krieg“ in die Geschichtsbücher eingehen. Es sind aber nicht nur die Kriegsangst, die für Turbulenzen an den Märkten sorgt, sondern auch die Inflationsrisiken, die Anlegern Sorgen bereiten.

Aufgrund der ausufernden Inflation könnte im Jahr 2022 eine geldpolitische Trendwende bevorstehen. Seit einigen Monaten treten die großen Notenbanken verbal auf das geldpolitische Bremspedal und leiten einen Straffungskurs ein. Man versucht mit aller Macht die Inflation einzufangen. Allerdings platzt genau jetzt der Krieg dazwischen und verschärft die Lage weiter. Die Auswirkungen des Krieges machen sich indessen deutlich bemerkbar.

Die Preise für Gas und Öl steigen rapide an. Das amerikanische WTI-Öl notierte vor genau drei Monaten noch bei 64 USD, in dieser Woche stieg der Preis auf über 100 USD. Seit gestern sprang der Preis von deutlich unter 100 auf knapp 110 Dollar – und damit auf dem höchsten Stand seit neun Jahren. Das europäische Brent-Öl notierte gestern früh noch bei 99 Dollar, jetzt bei 115 US-Dollar. Die Sorge ist groß, dass Russland Gas und Öl als Druckmittel gegen die Sanktionen des Westens einsetzt und dadurch die Lage verschlechtert. Zuletzt eskalierte der Krieg in der Ukraine weiter und schickte den Deutschen Aktienindex abermals auf Talfahrt. Je schlimmer die Eskalation voranschreitet, desto höher steigen die Energiepreise und die Aktienmärkte setzen ihre Korrektur fort.

Notenbanken zwischen Pest und Cholera

Die Inflation in Deutschland ist im Februar auf 5,1 Prozent angestiegen, damit befindet sich die Teuerungsrate wieder auf dem Niveau wie zu Beginn der 90er Jahre. Im Euroraum sieht es auch nicht besser aus, hier stieg der Verbraucherpreisindex für Februar stärker als erwartet auf satte 5,8 Prozent an (heute 11:00 Uhr). Angesichts der des Ukraine-Krieges, den coronabedingten Lieferengpässen sowie den explodierenden Öl- und Gaspreisen dürfte die Inflation weiter anziehen. Bereits vor dem Beginn der Ukraine-Krise befanden sich die Notenbanken in der misslichen Lage eine zügige geldpolitische Trendwende einzuleiten. Genau in dieser Zeit beginnt nun ein Krieg in Europa und bringt die Notenbanken zusätzlich unter Druck. Die explosive Mischung aus einer hohen Inflation und den Auswirkungen des Krieges spiegeln sich auch im Dax wider. Der Deutsche Aktienindex verlor in der Spitze bereits knapp 16 Prozent von seinem Allzeithoch. Ab einem Einbruch von 20 Prozent spricht man von einem Bärenmarkt.

Die Notenbanken müssen sich nun zwischen Pest und Cholera entscheiden: Entweder stützen sie den Markt mit weiterer Liquidität, um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges aufzufangen? Oder vollziehen sie den monetären Klimawandel und nehmen den Kampf gegen die Inflation auf? Ersteres würde den Deutschen Aktienmarkt stützen, aber gleichzeitig den Preisdruck weiter steigern. Dabei besteht die Gefahr, dass der Inflationsdruck außer Kontrolle gerät. Im Falle eines Straffungskurses dürfte die Inflation zwar nach und nach runterkommen, allerdings würde dies nicht spurlos an den teuren Aktienmärkten vorbeigehen. Anleger müssen dann mit einer Ausweitung der Korrektur beziehungsweise mit einem Bärenmarkt rechnen. Der Krieg in der Ukraine mit seinen beidseitigen Sanktionen erhöht das Inflationsrisiko drastisch. Die Notenbanken begeben sich demnach auf eine schmale Gratwanderung.

Deutscher Aktienindex: Droht etwa ein Bärenmarkt?

Aus charttechnischer Sicht wurde die Abwärtskorrektur mit dem Bruch der Unterkante der mittelfristigen Seitwärtsbewegung bei 14.800 Punkten eingeleitet. Am vergangenen Donnerstag und am heutigen Vormittag hat der Deutsche Aktienindex Dax die Vor-Corona-Hochs bei knapp 13.800 Punkten erreicht. Hier kam die Abwärtsbewegung zum Erliegen und es folgte eine Gegenreaktion. Der Bereich ist technisch sehr wichtig. Bei 13.870 liegt zum einen das 50 Prozent Retracement der gesamten Aufwärtsimpulses von November 2020 bis zum Allzeithoch bei 16.290 Punkten.

Zudem stellt der Bereich zwischen 13.820 und 13.660 eine horizontale Unterstützung dar. Diese Zone sollte aus Sicht der Bullen verteidigt werden, ansonsten könnte sich die Abwärtsdynamik noch bis an die nächsten markanten Unterstützungen bei 13.460 und 13.300 (61,8% Fib) fortsetzen. Fällt der Dax schließlich unter 13.030 Puntke, wäre er in einem Bärenmarkt. Gelingt es dem Deutschen Aktienindex hingegen in der Zone zwischen 13.800 und 13.660 Punkten eine Stabilisierung zu vollziehen, dann könnte es zu einem Pullback in Richtung von 14.560 und 14.800 Punkten kommen. Viel hängt davon ab, ob das heutige Tagestief bei 13.707 Zählern in den kommenden Handelstagen gehalten wird.

Dax auf dem Weg in den Bärenmarkt - Ukraine-Krieg, Inflation

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