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Keine Immobilien-Blase? Der neueste Schrei heißt „speed dating zum Wohnungskauf“

FME-Redaktion

Eine der goldenden Regeln der „größerer Idioten-Theorie“ lautet: kaufe niemals eine Immobilie zusammen mit jemandem, mit dem du nicht schläfst! Nun aber gibt es in Kanada eine Möglichkeit, genau das zu tun: speed dating zum Immobilienkauf! Kaufe zusammen mit einem Fremden eine Immobilie, wenn du dir alleine das nicht leisten kannst – das ist die Idee einer findigen Immobilienmaklerin in Toronto.

Die Realität am Immobilienmarkt wohl nicht nur in Kanadas Großstadt Toronto sieht derzeit so aus:

Und das trotz immens gestiegener Preise vor allem in Vancouver und Toronto. Weil die Preise aber so teuer sind, können viele sich das nicht mehr leisten, Singels zumal nicht. Also entstand die Idee, per speed dating Menschen kennen zu lernen, die eine Immobilie kaufen wollen – wenn man sich gut versteht, legt man einfach zusammen und kann sich dadurch das leisten, was man sich alleine nicht leisten kann. Und das ist das Konzept:

Also eine Art crowdfunding zum Immobilienkauf, super, oder?

Dabei gibt es nur ein Problem, nämlich: alle haften für alle. Kauft man etwa eine Immobilie mit zwei anderen Menschen, besitzt man ein Drittel der Immobilie. Können die beiden anderen Käufer aber nicht mehr ihre Raten bedienen, ist der verbleibende Käufer in der Haftung für die Gesamtsumme, das heißt er besitzt nur ein Drittel der Immobilie, ist aber für 100% des Kaufpreises der Immobilie in der Haftung! Autsch. Das gleiche gilt für laufende Kosten, Reparaturen etc. Also eine ziemlich gewagte, verrückte Sache! Gleichwohl zeigen Umfragen, dass 46% der befragten Kanadier bereit wären, zusammen mit einem Fremden eine Immobilie zu kaufen!

Aber was ist eigentlich noch verrückt in einem verrückten Immobilienmarkt? Kanadas Immobilienmarkt boomt weiter, und das obwohl die Wirtschaftsaussichten Kanadas sich zuletzt deutlich eingetrübt haben. Umfragen zeigen, dass die Kanadier in Sachen persönliche Finanzen, Erwartung für die Wirtschaft des Landes und die Sicherheit ihrer Jobs immer skeptischer werden. Gleichzeitig aber erwarten derzeit so viele Kanadier wie noch nie, dass die Hauspreise weiter steigen – nur 10% der Befragten gehen von sinkenden Immobilienpreisen aus.

Und das, obwohl sich zuletzt erste Zeichen eines Platzens der Blase zeigten: der größte private Immobilienfinanzierer des Landes, Home Capital, musste kürzlich immens steure Notkredite in Anspruch nehmen, der Aktienkurs von Home Capital rauschte mit einem Schlag um 65% in den Keller:

Der Grund: zahlreichen Kreditkunden hatten falsche Angaben in den Kreditanträgen gemacht, um die Hausfinanzierungen zu erhalten. Nach dem Absturz der Aktie von Home Capital zogen Kunden ihre verzinsten Einlagen bei der Firma massenhaft ab – diese sanken in kurzer Zeit von über zwei Milliarden kanadische Dollar auf nun unter 200 Millionen Dollar.

Gleichwohl berichtet Home Capital, dass die Kreditnachfrage von Kunden weiter steigt zur Immobilienfinanzierung. Vor allem im Bereich subprime – also von jenen Menschen, die bei einer herkömmlichen Bank keinen Immobilienkredit wegen schwacher Bonität bekommen würden. Der subprime-Bereich ist seit einigen Jahren der am schnellsten wachsende Bereich bei der Vergabe von Immobilienkrediten in Kanada.

Kanada aber hat, anders als die USA, nie das Platzen der Blase an seinem Immobilienmarkt erlebt. Während es in den USA krachte, ging die Party in Kanada unvermindert weiter, vor allem weil wohlhabende Chinesen als Käufer auftraten, die ihr Kapital aus China heraus und damit in Sicherheit bringen wollten.

Die Wahrscheinlichkeit ist nun hoch, dass Kanada das erlebt, was die USA erlebt haben: denn eine Blase platzt immer – nur manche Blasen platzen eben später als andere!


Die Tulpen-Blase in Holland als die Mutter aller Blasen; in dem Gemälde von Peter Brueghel aus dem Jahr 1635 sieht man die Tulpen-Beete
Foto: Gemeinfrei



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1 Kommentar

  1. „…zahlreichen Kreditkunden hatten falsche Angaben in den Kreditanträgen gemacht, um die Hausfinanzierungen zu erhalten…“
    Und die Kreditgeber+Aufsichtsbehörden sind wie die drei Affen, die nichts sehen – nichts hören – nichts sagen und schon gar nicht die Angaben prüfen.
    Solche Probleme sind wie Schaben – wo eine auftaucht sind auch massig andere: Damit Kanada hat gute Chancen, die nächste Finanzkrise ins Rollen zu bringen.

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