Aktien

Asiens Chipwerte im Höhenflug KI-Angst erschüttert US-Aktienmärkte – Asien profitiert

KI-Werbung an der Wall Street. Fotograf: Michael Nagle/Bloomberg

Die wachsende KI-Angst an der Wall Street sorgt für Turbulenzen bei US-Tech-Aktien– und lenkt globales Kapital gezielt in asiatische Chipwerte. Während Software-, Immobilien- und Dienstleistungswerte in den USA unter Druck geraten, profitieren Halbleiterhersteller wie TSMC, Samsung und SK Hynix von steigender Nachfrage, Preissetzungsmacht und ihrer Schlüsselrolle in der KI-Infrastruktur. 2026 manifestiert sich damit eine klare Divergenz zwischen den Aktienmärkten in Asien und den USA.


Werbung

Aktienmärkte: Kapitalflucht aus US-Tech

Die Sorge vor einer strukturellen Disruption etablierter Geschäftsmodelle durch Künstliche Intelligenz setzt die US-Aktienmärkte spürbar unter Druck. Laut Bloomberg befürchten Anleger, dass neue KI-Modelle insbesondere Softwareanbieter sowie Rechts- und Immobiliendienstleister nachhaltig belasten könnten, während asiatische Aktien gleichzeitig vom Boom rund um die KI-Infrastruktur profitieren.

Der MSCI Asia Pacific Index ist im Jahr 2026 um circa 12 % gestiegen. Demgegenüber stehen Verluste bei wichtigen US-Indizes: Der S&P 500 liegt seit Jahresbeginn 0,2 % im Minus, der technologielastige Nasdaq 100 hat rund 2 % eingebüßt. In den vergangenen zehn Handelstagen fiel der Nasdaq 100 sogar um 4,6 % und verlor rund 1,5 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung. Besonders betroffen waren Softwaretitel und andere Aktien, die als anfällig für neue KI-Tools gelten.

Diese Entwicklung unterstreicht eine strategische Neugewichtung globaler Fonds. Kapital wird von KI-Pionieren mit hohen Investitionsausgaben hin zu Hardware-Produzenten mit robuster Preissetzungsmacht umgeschichtet – viele davon mit Sitz in Asien.

Asien übertrifft US-Aktien seit dem KI-Umbruch
Asien übertrifft US-Aktien seit dem KI-Umbruch

Asiens Rolle in der KI-Lieferkette

Asiens starke Position in der globalen Halbleiter-Wertschöpfungskette erweist sich als entscheidender Vorteil. Die Region beherbergt führende Speicherchiphersteller, Foundries und Auftragsfertiger, die für den Aufbau moderner KI-Infrastruktur unverzichtbar sind.

Steigende Preise für Speicherchips stärken Schwergewichte wie Samsung Electronics. Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) wiederum profitiert von seiner nahezu unersetzlichen Rolle als weltweit führender Auftragsfertiger für Hochleistungschips. Unabhängig davon, welches Unternehmen im KI-Wettlauf dominiert – die vorgelagerte Chipproduktion generiert weiterhin stabile Umsätze.

Zusätzlichen Rückenwind lieferten jüngste Aussagen von Micron Technology zur angespannten Lage im Speicherchip-Markt sowie von Nvidia zu nachhaltigen Investitionsausgaben im KI-Bereich. Diese Signale festigten die Einschätzung, dass die Hardware-Nachfrage strukturell intakt bleibt.

Ein deutliches Zeichen für das wachsende Auslandsinteresse: Samsung verzeichnete am Donnerstag die höchsten ausländischen Nettokäufe des Jahres, woraufhin die Aktie um 6,4 % stieg und am Freitag weiter zulegte. In Taiwan tätigten internationale Investoren in einer verkürzten Handelswoche die drittgrößten wöchentlichen Käufe seit Jahresbeginn.

Marktdominanz einzelner Schwergewichte

Die starke Gewichtung großer Chipkonzerne verstärkt deren Einfluss auf die regionalen Aktienmärkte. TSMC nähert sich einer Gewichtung von 45 % im taiwanischen Leitindex Taiex – dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Auch Südkoreas Kospi gleicht zunehmend einem Duopol: Samsung Electronics und SK Hynix vereinen gemeinsam nahezu 40 % der Indexgewichtung auf sich.

In Japan legte Kioxia Holdings um 15 % zu, nachdem die hohe KI-Nachfrage dem Speicherchiphersteller einen besser als erwarteten Ergebnisausblick ermöglichte.

Während in den USA neben Softwarewerten auch Immobilien- und Versicherungsaktien unter dem sogenannten „KI-Angst-Trade“ litten, blieb Asien weitgehend verschont. Dort reagierten viele traditionelle Branchen weniger stark auf neue KI-Technologien. Der Topix-Versicherungsindex stieg seit dem 3. Februar um 6,2 %, der Immobilien-Subindex sogar um 15 %.

Die Korrelation zwischen asiatischen und US-Aktien auf Wochenbasis ist auf 0,43 gesunken – der niedrigste Stand seit Juni 2022. Das verdeutlicht die zunehmende Entkopplung beider Aktienmärkte.

Korrelation zwischen asiatischen und US-Aktien fällt auf den niedrigsten Stand seit 2022

Warum Asien weiter profitieren könnte

Vollständig immun gegen globale Turbulenzen sind auch die asiatischen Aktienmärkte nicht. Softwareunternehmen wie Kingdee International in Hongkong oder der indische IT-Dienstleister Infosys gerieten parallel zu ihren US-Pendants unter Druck.

Dennoch sprechen mehrere Faktoren für eine anhaltende Outperformance asiatischer Aktienmärkte: ihre zentrale Rolle als KI-Enabler, günstigere Bewertungen im Vergleich zu US-Tech-Aktien sowie ein robusteres Gewinnwachstum. Investoren setzen gezielt auf Unternehmen, die die technologische Infrastruktur bereitstellen – insbesondere auf Chipproduzenten.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

76% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.